• /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         

Lokstedt im Wandel

Fehlende Aufenthaltsqualität

Auf der Veranstaltung „Lokstedt im Wandel“ fühlten sich interessierte Bürger erstmals seit Jahren ernst genommen. Ein gut vorbereiteter Abend, bei dem die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Bezirksentwicklungsplanung zuhörten. Es bleibt zu hoffen, dass die gewonnenen Informationen ungefiltert in die Politik des Bezirks einfließen.

Seit Monaten hatten interessierte Lokstedter Bürger auf diese Veranstaltung gewartet, entsprechend groß war der Andrang. Etwa 120 Lokstedter fanden sich trotz bestem Grillwetter schon rechtzeitig in die Aula des Corvey Gymnasiums ein. Begrüßt wurden sie vom Team der Agentur „raum + prozess“, deren Inhaberin Mone Böcker zugleich den Abend moderierte.

Das Stadtteilmodel

Im Foyer wurden die Namensschilder für die spätere Tischrunde verteilt. Der besondere Clou: Blaue, grüne und rote Fähnchen wurden bereit gestellt. Jeder Gast sollte auf einem Stadtteilmodel seinen Wohnort, einen Ort an dem er sich wohl fühlt und einen Ort an dem er sich nicht gerne aufhält mit einem Fähnchen markieren. Soviel vorweg: Die Gäste des heutigen Abends wohnten relativ homogen über den gesamten Stadtteil verteilt, fühlten sich rund um den Amsinckpark besonders wohl und - die roten Fähnchen landeten fast ausnahmslos am Siemersplatz.

Der Neue

Nach Begrüßung durch den Direktor des Corvey Gymnasiums übergab die Moderatorin das Wort an Michael Freitag. Es war sein vierter Arbeitstag als Regionalbeauftragter Lokstedt / Stellingen und schon in seiner Eröffnungsrede gelang es ihm, erste Sympathiepunkte einzufahren.

Dies war wichtig für den Verlauf des Abends, gab den Behördenvertretern einen Vertrauensvorschuss. Denn nicht wenige Lokstedter haben sich auf den Informationsveranstaltungen der letzten Jahre von den Behördenvertretern verschaukelt gefühlt - egal ob es nun um die Unterbringungslager, Bebauungspläne oder die Ausweisung von Überschwemmungsschutzgebieten ging. Das ging immer irgendwie von oben herab, da wurde gelogen und getäuscht, sodass im Vorfeld der Veranstaltung „Lokstedt im Wandel“ manch einer wenig Gutes erwartete.

Doch an diesem Abend überzeugte ein engagierter Regionalbeauftragter mit seinem sympathischen Team. Freitag zeigte sich offen und lud jedermann ein, ihn eimal in seinem Büro im Stellinger Rathaus zu besuchen. Fast wirkte Freitag, der versprach lange auf seinem Posten bleiben zu wollen, wie ein Friedensangebot des Bezirks an die mittlerweile aufmüpfigen Lokstedter. So dauerte es auch nicht lange, bis der neue Regionalbeauftragte einräumte, dass es in Lokstedt an vielen Ecken Probleme gäbe. Zu dieser Erkenntnis sei er auf recht unkonventionelle Weise gelangt. Wochenlang hatte Freitag sich zwischen April und Juli 2014 immer wieder in Lokstedt umgesehen, hatte zufällig ausgewählte Bürger in fast jeder Straße besucht und mit ihnen Interviews geführt. „Aufsuchende Bürgerbeteiligung“ nennt sich das und die Ergebnisse dieser Interviews präsentierte Freitag an diesem Abend unter dem Titel „74 Tür- und Angelgespräche zur Situation des Stadtteils Lokstedt“. Dazu später mehr.

Der Überblick

Zuvor aber gab Jan Philipp Stephan vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung einen Überblick über das Wohnen, Leben und Arbeiten in Lokstedt. Von ihm erfuhren die Anwesenden etwa, dass Lokstedt rasant wächst. Etwa 10,7 Prozent betrug der Einwohnerzuwachs zwischen 1999 und 2013. Noch extremer sieht es bei den Wohneinheiten (WE) aus. Um mehr als 17 Prozent stieg deren Anzahl in diesem von den Behörden als „Urbanisierungszone“ ausgemachten Teil des Bezirks in den letzten 14 Jahren. Kein Wunder, dass es nach einem Jahrzehnt des Wachstums - Jahre in denen der zudem vom Verkehr gebeutelte Stadtteil verdichtet wurde - nun an allen Ecken Probleme sichtbar werden, die eine Veranstaltung wie diese mehr als nötig machen.

Wohnen

Die Liste der Neubebauungen in Lokstedt, die ohne entsprechende begleitende Infrastrukturmaßnahmen entstanden: Zwischen 2003 und 2013 entstanden nacheinander die neuen Wohnquartiere an der Max-Tau-Straße (400 WE), New Living Home (240 WE), die Andresengärten (90 WE), Feldhoopsgarden (100 WE), 90 WE am Grandweg, 230 WE am Lohkoppelweg, die Stadtgärten Lokstedt (600 WE) und 100 WE am Siemersplatz.

Zum Vergleich: Niendorf, dessen Einkaufsinfrastruktur in den letzten Jahrzehnten massiv gefördert wurde, hatte in diesen letzten 14 Jahren gerade mal einen Einwohnerzuwachs von 1,5 Prozent zu verkraften.

Der Stadtteil Lokstedt aber platzt mittlerweile aus allen Nähten. Und die bereits beschlossene Fortschreibung des Wohnungsbauprogramms für die Jahre bis 2018 sieht auf neun Potenzialflächen die Bebauung mit weiteren 825 bis 1295 WE vor. Nicht mitgerechnet die 750 WE die auf dem Lokstedter Güterbahnhof in Groß Borstel entstehen sollen, deren Verkehrsabfluss aber vermutlich größtenteils über den Nedderfeld abgewickelt werden wird.

Kein Wunder, dass manch Lokstedter dann auch der Meinung ist: Diese bis zu 2000 Wohnungen dürfen auf gar keinen Fall gebaut werden, bevor nicht die gesamte Infrastruktur in Lokstedt deutlich verbessert wurde.

Einzelhandel

Bei der Darstellung des Einzelhandels in Lokstedt wurde dann auch gleich die prekäre Situation deutlich, die rund um den wachsenden Stadtteil Lokstedt entstanden ist. Wie hungrige Wölfe lungern die Stadtteilzentren drum herum. Die Einkaufszentren an der Osterstraße, an der Hoheluft, in Eppendorf und Winterhude sowie am Tibarg in Niendorf profitieren von einem bizarren Einkaufstourismus, der entstand, weil das ehemals intakte Lokstedter Zentrum vom Verkehr zerstört wurde.

Und es ist dieser Einkaufstourismus, nebst der Teilung des Stadtteils durch mächtige, für ältere Menschen kaum noch überquerbare Nord-Süd- und Ost-West-Tangenten, die den Stadtteil Lokstedt förmlich zerreißen. Im Schnittpunkt dieser Tangenten, dem Siemersplatz, ist es unerträglich. Dauerlärm von mehr als 75 dB und die schlechte Luftqualität sorgen dafür, dass man sich hier nicht gerne aufhält.

Die Achsen Kollaustraße - Lokstedter Steindamm und Vogt-Wells-Straße - Osterfeldstraße teilen den Stadtteil in vier Quadranten, die mittlerweile in vielerlei Hinsicht auseinander driften. Die Einwohner im Osten Lokstedts orientieren sich vorwiegend nach Eppendorf und Winterhude. Die im Norden zum Tibarg und die im Südwesten kaufen in der Osterstraße. Dabei erzeugen die Einwohner Lokstedt notgedrungen weiteren Straßenverkehr, nur weil die Verantwortlichen fürchten, ein eigenes Einkaufszentrum in Lokstedt könnte die Existenz der anderen Einkaufszentren gefährden.

Um abschließend noch einmal auf den sehr interessanten Vortrag von Herrn Stephan zurück zu kommen: Über den Verkehr in Lokstedt kaum erwähnenswerte Daten vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung. Verkehrskonzept Fehlanzeige, bislang bemüht sich die Behörde noch darum, Daten zu erheben, um die laufenden und fertigen B-Pläne in Lokstedt zu berücksichtigen - sollte denn irgend wann einmal ein Verkehrskonzept erstellt werden.

Die Befragung

Nun war es endlich soweit. Die solange erwarteten Ergebnisse der Gespräche, die Freitag mit Lokstedter Bürgern geführt hat, wurden präsentiert. Schon vor den Sommerferien hatten ja die Gespräche bei manchen Bürgern Argwohn hervorgerufen. War doch von keinem Politiker Näheres dazu zu erfahren, auch sonst gut informierte Bezirksabgeordnete rätselten über den Auftraggeber.

Der Auftraggeber war jedoch der designierte Regionalbeauftragte selbst, wollte er sich doch vor seinem Amtsantritt möglichst ein umfassendes Bild von der vorgefundenen Situation machen - zumal der Auftrag der Bezirksversammlung, dargelegt in dem Antrag „Perspektiven für den Stadtteil Lokstedt“, ihm den Anlass bot, sich ins Feld zu begeben und die Bürger vor Ort zu interviewen. So führte Freitag seine sehr zeitaufwendigen 74 Gespräche. Zur Auswahl seiner Gesprächspartner sagte er: „Das gezielte Aufsuchen einzelner Straßen bei zugleich zufälliger Auswahl der Haus- und Wohnungstüren“ sei geeignet „eine hervorragende geografische Streuung zu erzielen und zugleich von einer zufrieden stellenden Streuung sonstiger soziodemografischer Merkmale ausgehen zu können.“ Zielsetzung war die gleichmäßige Verteilung der Wohnorte der Befragen, sowie eine möglichst große Streuung der Lebenslagen.

Nun zu den Ergebnissen des Projekts, die Freitag in Auszügen vorstellte. Zugleich versprach er die Offenlegung der gesamten Projektergebnisse an die Teilnehmer an diesem Abend per E-Mail-Zusendung einer PDF direkt nach der Veranstaltung.

Die Gesprächsteilnehmer

Die befragten Personen waren im Durchschnitt 50 Jahre alt. Etwa 30 Prozent von ihnen wohnte erst maximal 5 Jahre im Stadtteil, 40 Prozent zwischen 6 und 25 Jahren, 30 Prozent schon seit über 25 Jahren.

Aufenthaltsqualität / Identität

Und gleich die erste Überraschung für Freitag. Obwohl mehr als 70 Prozent der Befragten die Lebensqualität im Stadtteil mit sehr gut oder gut benoteten, konnten 35 Prozent von ihnen keinen Ort im Stadtteil außerhalb des eigenen Zuhauses benennen, an dem sie sich besonders gern aufhielten. Weitere Antworten ließen zudem darauf schließen, dass bei den Bewohnern keine ausgeprägte Identifikation mit dem Stadtteil bestehe. Freitag hatte dies offensichtlich überrascht und um diese Feststellung bei den Teilnehmern an diesem Abend zu hinterfragen, waren wohl auch die Fähnchen an diesem Abend bereit gestellt worden.

Für die Mitglieder der Bürgerinitiative „Ein Zentrum für Lokstedt“ allerdings das erwartete Ergebnis. Es fehlt einfach an Aufenthaltsqualität im Stadtteil. Wenn man mal die eigenen vier Wände zum Einkaufen verlässt und nicht gleich in einen anderen Stadtteil fährt, kehrt man so schnell wie möglich wieder zurück nach Hause.

Gefährdung

Und auch die zweite Erkenntnis der Untersuchung nicht wirklich überraschend. 60 Prozent kennen einen Ort an dem sie sich im Stadtteil gefährdet fühlen. Und es ist der Siemersplatz, „der am häufigsten ein subjektives Gefühl der Gefährdung hervorruft.“

Ein deutlicher Aufschrei der Bürger, der zeigt wie brutal das Lokstedter Zentrum und die Geschäfte am Siemersplatz durch den Verkehr beeinträchtigt werden.

Die Wünsche der Lokstedter

Die häufigsten Veränderungswünsche die von den Bürgern gegenüber Freitag genannt wurden, sprechen dann auch eine deutliche Sprache. Bürgerwünsche in der Reihenfolge der Häufigkeit:

  • verbesserte Einkaufsmöglichkeiten
  • ein besseres gastronomisches Angebot
  • eine verbesserte Parkplatzsituation
  • eine geringere Verkehrsbelastung
  • bessere Radwege
  • weniger Fluglärm

Wohnungsbau

Zum Thema Wohnungsbau fanden etwa 40 Prozent der Befragten, dass in Lokstedt in den letzten Jahren zu viele neue Wohnungen gebaut wurden. Überraschend aber der Umkehrschluss, dass nämlich 60 Prozent dieser Auffassung widersprachen.

Eine Erklärung für die Aufspaltung der Lokstedt in diese beiden Lager gaben dann die anwesenden Bürger in der abschließenden Tischrunde. Diejenigen, die weiteren Wohnungsbau in Lokstedt befürworten, möchten zuvor die Infrastrukturprobleme gelöst sehen. Danach soll dann nicht etwa wahllos in Lokstedt weiter gebaut werden. Es soll qualifizierter Wohnraum entstehen, der das Wohnungsangebot in Lokstedt sinnvoll abrundet. Etwa Studenten- oder Single-Wohnungen, aber auch Wohnungen, die Generationen übergreifendes Wohnen ermöglichen.

Flüchtlingsunterkünfte

Abgeschlossen wurde die Befragung durch den Regionalbeauftragten mit dem Thema Flüchtlingsunterbringungen. 60 Prozent der Befragten fanden, obwohl erst zwei von vier geplanten Unterbringungen in Lokstedt in Betrieb sind, dass sich diese bereits in bedeutender Weise auf ihr Leben auswirken würden. Diese Zahlen sprechen für sich.

Die Tischrunde

Zum Abschluss der Veranstaltung sollten die Besucher der Veranstaltung endlich zu Wort kommen. Nach den einleitenden Vorträgen sollten Bürgergespräche an sogenannten Themeninseln geführt werden. Lange hatten die Beteiligten auf einen Runden Tisch gewartet. Ein solcher war diese Veranstaltung allerdings noch nicht, trotzdem nahmen die Lokstedter Bürger erwartungsvoll Platz.

In der Mensa neben der Aula waren zu diesem Zweck Tische aufgestellt. Je zwei zu den Themen Wohnen, Verkehr, Einzelhandel sowie Stadtteilcharakter / offene Gesprächsgruppe. Zudem waren Fragen vorgegeben.

Für die Themeninseln „Wohnen“ waren dies:

  1. Zur Entlastung des Wohnungsmarktes muss auch in Lokstedt noch mehr gebaut werden
  2. Weiterer Wohnungsbau bedroht die Lebensqualität von Lokstedt

Für die Themeninseln „Verkehr“ waren dies:

  1. Um Lokstedts Verkehrssituation deutlich zu verbessern, muss jenseits der Hauptverkehrsstraßen der Fuß-, Rad- und Busverkehr aufgewertet werden.
  2. Dies ist nur zulasten des individuellen PKW-Verkehrs möglich.

Für die Themeninseln „Einzelhandel“ waren dies:

  1. Lokstedt braucht vor allem ein attraktives Stadtteilzentrum!
  2. Lokstedt braucht vor allem eine bessere Nahversorgung „um die Ecke“, z.B. Bäcker, Cafés, Eisdiele.

Die Diskussion an den Themeninseln “Stadtteilcharakter / offene Gesprächsgruppen wurde ohne Vorgabe von Fragen diskutiert.

So wurde dann in Gesprächsgruppen von bis zu 8 Personen zu den verschiedenen Themen diskutiert. Die Ergebnisse sollten auf einem Thesenpapier festgehalten werden.

Der Bock zum Gärtner gemacht

Doch leider hatte das Verfahren, dass die Verantwortlichen an diesem Abend ausgewählt hatten deutliche methodische Mängel: „Vertreter der Politik und Verwaltung bitten wir sich auf die Gruppen zu verteilen und als Gastgeber dort zu bleiben. Sie stellen bei Bedarf den roten Faden zwischen den Diskussionsrunden her“, hieß es in der Gebrauchsanleitung.

Damit wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Die Anwesenden Politiker, die ja eigentlich Auftraggeber der Veranstaltung waren, wurden von den Planern als Tischmoderatoren auserkoren. Sie sollten, immer wenn nach jeweils 15 Minuten die Tische gewechselt wurden, am Tisch verbleiben und sozusagen „für den roten Faden“ sorgen. Leider wurde diese Funktion von den verschiedenen Politikern recht unterschiedlich interpretiert, um nicht missbraucht zu sagen. Die folge: Die an den verschiedenen Tischen geführten Diskussionen wurden nur sehr unvollkommen auf die Thesenpapiere übertragen.

Allen voran der SPD-Politiker Johannes Hielscher. Mehrfach musste er von den Bürgern an seinem Tisch ermahnt werden, dass es nicht seine Aufgabe sei, Einfluss auf die Ergebnisse in der Runde zu nehmen. Munter legte Hielscher fest, was notiert und was nicht notiert wurde. Einem Mitglied der Bürgerinitiative fuhr er über den Mund: "Das brauchen wir nicht aufschreiben, dass steht ja bereits auf ihren Internetseiten." Daher an dieser Stelle ein Hinweis an die Auswerter der Tischrunde, sich ebenfalls dort einmal umzusehen. Hier finden Sie, was von Hielscher nicht notiert wurde.

Außerdem wurde auf den Arbeitsbögen auch kräftig Parteipolitik betrieben. Alberne Floskeln und fromme Wünsche wie: „Teilung in reiches Lokstedt und armes Lokstedt aufheben!“ und „Lokstedt nicht nur für Besserverdienende!“ wurde auf einem Arbeitsbögen notiert. Auf einem anderen Arbeitsbogen zum Thema Wohnen stand: „gegen Segregation für Integration“ sowie „mehr Aufstockung unter Beibehaltung des Charakters, mehr sozialer Wohnungsbau“.

An dieser Stelle also versandete der eigentlich von allen Beteiligten gewünschte Informationsfluss und es bleibt zu hoffen, dass die Planer auf den Thesenpapieren der anderen Tische mehr umsetzbare Bürgerwünsche vorfinden. Auf die Ergebnisse im Einzelnen, die am heutigen Montag im Regionalausschuss präsentiert werden, darf man also gespannt sein.

Und da der neue Regionalbeauftragte bereits Eingangs allen Teilnehmern versicherte, es mit der Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen - bereits seit 18 Jahren arbeite er auf diesem Gebiet -, wäre es notfalls ja auch ein leichtes - etwa wenn noch Fragen offen geblieben sein sollten - eine solche Bürgerbefragung mit einem anderem Modus, etwa Kärtchen für jeden Anwesenden, zu wiederholen. Damit sichergestellt ist, dass auch wirklich jede „Lebenssituation“ in Lokstedt erfasst wird.

After work

Grob orientierend fasste Mona Böcker, die als Moderatorin einen tadellosen Job machte, noch am Abend die gewonnen Eindrücke zusammen. Und dem neuen Regionalbeauftragten blieb eine Zeichnung einer Bürgerin in Erinnerung. Lokstedt darf nicht in vier Teile zerfallen, deren Bürger sich dann in die jeweiligen Nachbarstadtteile orientieren.

Das meinen wir auch, Lokstedt braucht einen Identifikationspunkt mit hoher Aufenthaltsqualität.

Ein Fazit

Und auch Mitglieder der Bürgerinitiative zogen direkt nach der Veranstaltung ein Fazit. Sie sahen ihre in mehr als 500 geführten Bürgergesprächen gewonnenen Vorstellungen zur Bebauung am Behrmannplatz bestätigt. Gewünscht wird von den Bürgern ein Einkaufszentrum mit hoher Aufenthaltsqualität, ein Zentrum mit dem sie sich identifizieren und als Lokstedter definieren können. Der rückwärtige Teil des Geländes sollte möglichst hochwertig, etwa mit Studenten und Seniorenwohnungen bebaut werden.

Adda Möhring von der Bürgerinitiative dazu : „Ich habe an zwei Tischen zum Thema Einzelhandel und an einem zum Thema Verkehr teilgenommen. An beiden Tischen Einzelhandel (jeweils geleitet von Herrn Stephan und Herrn Hielscher / SPD) haben sich fast alle Teilnehmer für ein Zentrum in unserem Sinne ausgesprochen.“

Der Diskussionsstand an den einzelnen Themeninseln:

Einzelhandel

Lokstedt braucht ein neues Zentrum mit Aufenthaltsqualität. Vielleicht nicht mit Magnetbetrieben wie H&M am Tibarg, doch attraktiv genug, um genügend Besucher anzuziehen und das Lokstedter Zentrum wieder zu beleben.

Verkehr / Wohnen

Das Verkehrsproblem in Lokstedt muss dringend gelöst werden. Bevor nicht sichergestellt ist, dass diese Probleme - auch unter dem Gesichtspunkt von Lärmbelästigung und Schadstoffemissionen - über ein schlüssiges Verkehrskonzept gelöst werden, darf keine neue Bebauung in Lokstedt erfolgen. Erst danach können qualifizierte Bauvorhaben angegangen werden.

Letztlich aber, da waren sich alle Beteiligten einig, wird sich in Lokstedt Bürgers Wille durchsetzen. Zu groß sind die Probleme, die sich inzwischen angesammelt haben, dass sich ignorante Politiker oder Beamte erlauben könnten, zukünftig dem Bürger nicht ganz genau aufs Maul zu schauen.

www.zentrum-lokstedt.de

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 08.09.2014