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Hochwasserschutz

Schlüssel zum Verständnis

Die Hochwasserrisikokarten für den Bereich des ÜSG Kollau sind grob fehlerhaft. Ein toter Arm der Alten Kollau wurden fälschlicherweise in die Überschwemmungszone einbezogen - mit fatalen Folgen. Auch die wasserwirtschaftlichen Berechnungen für das Gelände am Hagendeel sind damit hinfällig.

Peinlich, peinlich, peinlich! Mehr als 6 Monate lang haben die Fachleute der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt den Termin für die öffentliche Auslegung der Hochwasserrisikokarten immer wieder hinausgezögert. Nun stellt sich heraus, dass die Karten dennoch mit heißer Nadel gestrickt wurden. Wichtige Wasserverläufe, ein Regenwasserrückhaltebecke, unterirdische Rohre, eine Rückstauklappe und ein zugemauerter Schacht wurden fehlerhaft oder gar nicht dargestellt. Aus diesen falschen Daten wurden dann der Hochwasserverlauf und die Überschwemmungsgrenzen ermittelt. Ein Anwohner: „Man würde meinen, ein begabter Zeichner hätte die Pläne und die fehlerhaften Details mit viel Fantasie bei mehreren Glas Wein erstellt.“

Die von der BSU veröffentlichte und von kompetenter Stelle überprüfte Karte 2 des ÜSG Kollau ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde. Besonders brisant, die fehlerhafte Karte ist Ausgangspunkt für die Berechnung der wasserwirtschaftlichen Folgen der Aufschüttung am Hagendeel. Die ausgelegten Karten lassen das Hochwassergebiet der Alten Kollau südlich des Bahndamms zwischen Hagendeel und Niendorfer Straße größer erscheinen als es tatsächlich ist und zugleich die Bedeutung der Feuchtwiese am Hagendeel als unbedeutend erscheinen.

Die Folgen:

  • Dutzende von Grundstücken, überwiegend am Wullwisch gelegen, wurden in das ÜSG der Alten Kollau mit einbezogen und durch diesen Verwaltungsakt sozusagen „kalt enteignet“. Würden die Daten nicht korrigiert, wären auf den Grundstücken keine bauliche Änderungen, Erneuerungen und Veränderungen zulässig. Neben dem Wertverlust des Grundstück hätten die Hausbesitzer kaum mehr die Möglichkeit Versicherungen mit Elementarschadenschutz abzuschließen.
    Da die falschen Karten bereits öffentlich ausgelegt waren, ist ab jetzt bei Verkäufern, Käufern und Maklern die angebliche Wassersituation bekannt. Das bedeutet einen großen Wertverlust. Hier wird die Stadt Hamburg mit  erheblichen Forderungen rechnen müssen.
  • Die Bedeutung für den Hochwasserschutz des Geländes am Hagendeel, dass der Bezirk gerne für eine Flüchtlingsunterbringung nutzen würde, wird auf den Karten verfälscht dargestellt, ja kleingerechnet. Korrigiert man die Karten um die fehlenden Fakten, wird ersichtlich, dass das Grundstück in Wahrheit die einzige zusammenhängende Retentionsfläche für die Alte Kollau darstellt. Wenn diese Überschwemmungsfläche jetzt aufgeschüttet und versiegelt wird, wird das Wasserproblem durch Überflutungen bei Stark- und Dauerregen bei allen betroffenen Anliegern zusätzlich größer. Eine Zunahme solcher Stark- und Dauerregen kann zur Zeit in ganz Deutschland beobachtet werden und wird in verstärktem Maß von vielen Klimaforschern vorhergesagt und befürchtet. Eine Aufschüttung des Geländes ist daher absolut ausgeschlossen. Weitere Einleitungen von Wasser von dem Grundstück Hagendeel in die Alte Kollau, die Berechnungen gehen derzeit von 1,2l/s*Ha aus, sind absurd und verbieten sich von selbst.

Die Ergebnisse der Prüfung der Karten durch wasserwirtschaftlich versierte Anwohner, die dort ihr ganzes Leben verbracht haben und jedes Siel, jedes Rohr, jede Einleitung in die Kollau seit Jahrzehnten kennen, hat im betroffenen Wohngebiet wie eine Bombe eingeschlagen. Es ist damit zu rechnen, dass Dutzende von Widersprüchen bis zum 14. August 2014 bei der BSU eingehen werden.

Die Experten konnten uns vor Ort leicht von der Richtigkeit ihrer Behauptungen überzeugen. Die auf den Hochwasserrisikokarten fehlenden Details und Missstände können auf einer kleinen Fahrradtour auf dem Kollauwanderweg nebst Umgebung von jedermann besichtigt werden. Lange Hosen sind allerdings wegen der Brennnesseln angebracht.

Wir haben die fehlenden Details in die Karten des ÜSG Kollau eingezeichnet:

  1. Regenwasser-Rückhaltebecken
    Das Rückhaltebecken der Geelebek am Wehmerweg Ecke Wullwisch ist nicht erfasst worden. Es nimmt im kritischen Fall, Wasser der Geelebek kurzfristig auf. Im Hochwasserfall sorgt es auch für Überflutungen des Wullwisch’ und des Wehmerstiegs.
  2. Absperrung der Alten Kollau durch eine Mauer
    Die Alte Kollau ist kein fließendes Gewässer. An der Unterführung des Grabems am Wehmerweg wurde der ehemalige Flusslauf durch eine Mauer unterbrochen und ist damit verlässlich abgesperrt. Damit sind die Teilestücke der Alten Kollau westlich und östlich des Wehmerwegs komplett voneinander getrennt. Der östliche Arm wird zum toten Arm. Nur das Oberflächenwasser der Anlieger wird hier eingeleitet und es ist nur wenig Veränderung des Wasserstands bei Starkregen sichtbar. Dieses Wasser wird bei normalem Wasserstand in die Kollau eingeleitet.
  3. Rückstauklappe Niendorfer Straße
    Das Ende der östlichen Alten Kollau ist durch eine Rückstauklappe gegen Hochwasser der Kollau gesichert, sodass auch kein Wasser aus der Kollau in diesen Graben gelangt. Auch die Rückstauklappe ist nicht in den Karten verzeichnet.
  4. Unterirdischer Lauf der Alten Kollau mit Mündung in die Kollau
    Der westliche Teil der Alten Kollau hingegen, an der das Gelände am Hagendeel liegt, wird von der Unterführung am Wehmerweg aus unterirdisch verrohrt zusammen mit der Geelebek zur Kollau geführt. Dieser unterirdische gemeinsame Flusslauf von Geelebek und Alter Kollau, nebst ihrer Einmündung in die Kollau, ist auf den Hochwasserrisikokarten ebenfalls nicht verzeichnet. Dabei ist gerade dieses Rohr der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Situation vor Ort. Bei Hochwasser der Kollau nämlich kommt es in dem System zur Stromumkehr und die Wassermassen gelangen zum einen auf die Retentionsfläche am Hagendeel und über die im weiteren Verlauf ebenfalls verrohrte Geelebek in Richtung Wullwisch. Hier schießen dann bei Hochwasser Fontänen aus den Straßensielen. Ein bei den Anwohnern bekanntes Phänomen, das belegt, dass die Überschwemmungen im Wullwisch eben nicht, wie von den Fachleuten der BSU angenommen, aus der Alten Kollau, sondern aus den unterirdischen Rohren stammen.

Die Probleme mit dem Hochwasser der Kollau rühren in erster Linie daher, dass das Flussbett im Bereich zwischen Hagendeel und Niendorfer Straße verlegt und kanalisiert wurde. Hier existiert neben dem neuen Lauf der Kollau auf der anderen Seite des Bahndamms noch die die Alte Kollau, ein Teilstück des alten Flussverlaufs. Dort wo der Bach noch in seinem ursprünglichem Flussbett läuft und sich bei Hochwasser in gewissen Rahmen verbreitern kann, halten sich die Probleme in Grenzen.

Seit Jahren beklagen kompetente Anwohner das schlechte Hochwassermanagement gerade im Flussbereich der Kollau, Alten Kollau und der Geelebek. Wesentlicher Kritikpunkt ist (5) die enge Unterführung der Kollau im Bereich der Querung der Niendorfer Straße, die den Aufstau im begradigten Teil der Kollau noch erhöht. Ein zusätzliches Rohr an dieser Stelle, ein Bypass der nur bei Hochwasser in Betrieb gelangt, könnte die Situation entscheidend verbessern.

Die Inkompetenz der Verantwortlichen tritt zudem in diesem Bereich zu Tage (6). Die Pegelstandsmessung erfolgt nicht vor der Querung der Niendorfer Straße, wo das Leben tobt, sondern im ruhigen, regulierten Teil, direkt hinter der Brücke. Die BSU aber ist seit Jahren nicht in der Lage hier Abhilfe durch eine zusätzliche Pegelstation zu schaffen.

Die Einleitung der Bäche Alte Kollau und Geelebek in die Kollau funktioniert nur bei normalen Wasserstand. Bei Hochwasser staut sich das Wasser zurück. Dieser Rückstau lässt das Wasser aus den Straßensielen austreten und die anliegenden Straßen Wullwisch und Wehmerstieg überfluten. Keller, Garagen, Gärten und niedrige Wohngebäude sind regelmäßig betroffen. Dieser Missstand wäre leicht durch eine Rückstauklappe an der Einmündung zu beheben.

So lange der Engpass an der Straßenbrücke Niendorfer Straße nicht erweitert ist, dürfen keine zusätzlichen Einleitungen in die Gewässer des Flusssystems Kollau, Alte Kollau oder Geelebek gemacht werden. Veränderungen, wie die geplante Aufschüttung, Versiegelung und Bebauung am Hagendeel verbieten sich, weil die zusätzlichen Wassermengen daraus die Überschwemmungssituation im gesamten Gebiet verschärfen würden.

Die Anwohner rund um das ÜSG Kollau haben sich in den letzten Monaten vernetzt. Aktuell rufen sie sich gegenseitig dazu auf, in möglichst großer Zahl Widerspruch gegen die von der BSU ausgelegten Hochwasserrisikokarten einzureichen. Die Ausweisung von Hochwassergebieten auf den öffentlich ausgelegten Plänen muss korrigiert werden und den tatsächlichen Wasserläufen und Mengenberechnungen entsprechen. Erst nach Neuberechnung kann das wirkliche Gebiet der Hochwassergefährdung ausgewiesen und erneut öffentlich ausgelegt werden. Danach müssen dann die wasserwirtschaftlichen Berechnungen, die die Baubehörde bei der Erteilung der Baugenehmigung für die Aufschüttung am Hagendeel angeblich gemacht hat, wiederholt werden.

Der Widerspruch muss von den betroffenen Anwohnern allerdings schnell, bis zum 14.08.2014 bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt eingereicht werden. Ein Widerspruch in Kurzform reicht völlig aus, es kursieren entsprechende Vordrucke.

Adresse:
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Abt. Wasserwirtschaft / Überschwemmungsgebiete
Neuenfelderstr.19, 21109 Hamburg
oder per Email an hochwasserschutz@bsu.hamburg.de

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 06.08.2014