• /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  • /
  • /
  •                  

Bebauung der Marktfläche

Potenzialfläche 5.9 - Betreten nur mit Gummistiefeln

Eine brachliegende Wiese im Feldhoopstücken wird vom Bezirk nun wieder als Potentialfläche für den Wohnungsbau ausgewiesen.

Die Wiese

Das letzte unbebaute Grundstück im Feldhoopstücken liegt zwischen den Hausnummern 45 und 47. Es ist 5.400 qm groß und befindet sich zu zwei Drittel im privaten Besitz. Der Rest gehört der Stadt; über diesen Teil des Grundstücks führt ein öffentlicher Fußgängerweg, der als Grünfläche mit der Zweckbestimmung Parkanlage ausgewiesen ist.

Der private Grundstücksanteil wird derzeit fast ausschließlich als Hundewiese genutzt, weil er besonders in den Wintermonaten dermaßen überschwemmt ist, dass man die morastige Wiese nur mit Gummistiefeln betreten kann.

Einmal im Jahr, wenn in der Grelckstraße Flohmarkt ist, wird auf dieser Wiese die Hüpfburg für die Kinder aufgebaut. Außerdem steht auf der Wiese ein großer, schöner Apfelbaum. Im Herbst sammeln Kinder der französischen Schule einige der Äpfel um daraus Apfelkompott zu kochen. Desweiteren stehen auf der Wiese weitere alte Bäume.

Wochenmarkt bleibt in der Grelckstraße

Jeden Mittwoch ist Markttag in der Grelckstraße. Urgemütlich geht es auf dem kleinen Wochenmarkt zu. Ein gutes Dutzend Marktbetreiber halten hier ein reichhaltiges Angebot für die Besucher bereit.

Wenn es allerdings nach dem inzwischen überholten Bebauungsplan Lokstedt 37 (B-Plan Lok 37) aus dem Jahre 1981 ginge, würde der Markt nicht in der Grelckstraße sondern im Feldhoopstücken abgehalten, denn dieser B-Plan sieht die bislang brachliegende Wiese als Marktfläche vor.

Macht man sich die Mühe einmal bei den Marktbetreibern und Marktbesuchern nachzufragen, ist die Ablehnung dieses Grundstücks, das von der Grelckstraße aus über einen Fußweg zu erreichen ist, als Marktfläche einstimmig. Von „zu abgelegen“ bis „völlig ungeeignet“ fallen die Bewertungen aus. „Außerdem haben wir hier in der Grelckstraße gerade neue Elektroanschlüsse und abnehmbare Pöller bekommen. Und schließlich wollen unsere Kunden da auch nicht hin“, ergänzt ein Marktbeschicker.

Das Fachamt für Stadt- und Landschaftplanung hatte schließlich ein Einsehen mit den Marktbetreibern. Im Bebauungsplan Lokstedt 55 (B-Plan Lok 55) heißt es: „Die Nutzung des östlichen Teilbereichs des Plangebiets als Marktfläche konnte nicht umgesetzt werden. Der Wochenmarkt hat seinen Standort in der Grelckstraße. Die Marktbeschicker haben in der Vergangenheit eine Verlagerung des Wochenmarktes in das Plangebiet stets mit dem Hinweis auf die abseitige Lage und die damit verbundenen wirtschaftlichen Nachteile abgelehnt.“

Als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen

Der B-Plan Lok 37 hatte bis 2007 Gültigkeit. Vor fünf Jahren wurde dann vom Bezirk für das Grundstück eine andere Bestimmung beschlossen: „Daher soll in diesem Bereich im Bebauungsplan Lokstedt 55 eine bauliche Nutzung als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen werden. Es sind drei viergeschossige Wohngebäude mit insgesamt etwa 40 Wohnungen geplant.“

Der Nutzungsanteil Marktfläche lediglich, der ja auch zu einer Entwässerung und Parkplatz-ähnlichen Versiegelung der Fläche geführt hätte, entfällt, bzw. wird in der Nutzung umgewidmet. Es sollen nunmehr statt dessen Wohnungen gebaut werden.

Der Fußgängerweg

Weiter heißt es im B-Plan Lok 55: „Der bestehende Fußweg von der Grelckstraße zum Feldhoopstücken soll erhalten bleiben und auch zukünftig in eine Grünfläche eingebettet sein, damit die Aufenthaltsqualität gewahrt werden kann. Er soll jedoch nach Osten an den Schillingsbeknebengraben verlegt werden, somit wird eine direkte und umwegfreie Anbindung an den Eingang zum Von-Eicken-Park geschaffen.“

Ergänzend zur Wohnnutzung ist zudem ein Regenrückhaltebecken und ein Spielplatz vorgesehen.

Mit anderen Worten: Die öffentliche Grünfläche auf dem Grundstück bleibt erhalten. Der Fußgängerweg wird an den Schillingsbeknebengraben verlegt werden, was landschaftsgestalterisch sinnvoll ist, da die Fußgänger nunmehr versatzfrei an ihr Ziel, den Von-Eicken-Park, gelangen. Diese Idee ist im Interesse der Bürger, da der Fußgängerweg durch die Nähe zum Graben aufgewertet wird.

Insgesamt macht der B-Plan Lok 55 einen grundsoliden Eindruck. Hier wurden alle Probleme bedacht.

Ist das Bauvorhaben ökologisch vertretbar?

Es ist fast müßig zu fragen, was für den öffentlichen Grünflächenanteil, also den Fußgängerweg, schöner wäre. Ein asphaltierter Platz auf dem Autos parken oder Wohnungen mit dazwischen liegenden Grünanteilen.

Fakt ist, dass im Falle der Umsetzung des alten Planrechts (B-Plan Lok 37, Marktfläche) eine höhere Bodenversiegelung und Inanspruchnahme von Natur und Landschaft als bei Realisierung der vorgesehenen Wohnbebauung (B-Plan Lok 55) zu erwarten wäre. Zudem ist das Plangebiet nach Auffassung der Behörde kein gesetzlich geschütztes Biotop.

Vorschläge einiger Bürger

Einige Anwohner beharren auf dem alten B-Plan Lok 37 mit dem Verweis darauf, dass dieser das Grundstück als Marktfläche und öffentliche Grünfläche ausweise.

Falls die Marktbetreiber nicht umgestimmt werden können, fordern einige Anwohner von der Stadt den Erwerb des Grundstücks um die Wiese in ihrem derzeitigen Zustand zu erhalten.

Eine schöne Idee, die letzte Wiese in unserem alten Dorf zu erhalten.

Dieses Ansinnen führte zu einem Antrag der SPD- und GAL-Fraktion, der den Erwerb durch die Stadt einforderte und zudem Konzepte der Gestaltung und Pflege unter Einbeziehung der Bürger vor Ort entwickeln wollte.

Interessengemeinschaft Feldhoopstücken erreicht Aufschub der Wohnbebauung

Schließlich gründeten die Bewohner eine Interessengemeinschaft Feldhoopstücken und konnten ein zwischenzeitliches Ruhen des neuen B-Plans Lok 55 erwirken. Dabei wurde von der Interessengemeinschaft die Idee in die Verhandlungen eingebracht, die Wohnungen könnten ja auch in unmittelbarer Nähe am Behrmannplatz gebaut werden.

Nicht bedacht haben die Akteure allerdings, dass es einen guten Grund für die Bebauung der Marktfläche gab. Die Sozialwohnungen der SAGA sind im Jahre 2007 einem lukrativen Neubauprojekt gewichen. Ersatz für diese Wohnungen sollte unter anderem vor Ort im Feldhoopstücken durch den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen geschaffen werden.

Am Behrmannplatz scheitert nun die geplante Stärkung der Zentrenfunktion

Somit ist die Marktfläche in den Fokus einer neuen Auseinandersetzung geraten. Es droht die Bebauung und Zentrenstärkung am Behrmannplatz wegen dieser Forderung nach Sozialwohnungsbauten zu scheitern (siehe unseren Artikel vom 15.01.2012 zu diesem Thema).

Wachsende Stadt

Aktuell sucht der Senat händeringend nach neuen bebaubaren Flächen. Der SPD-Bezirksfraktionsvorsitzende Rüdiger Rust zu diesem Thema: „Mit großer Geschlossenheit hat die Bezirksversammlung Donnerstagabend (gemeint ist der 13.12.2011) das umfangreiche Wohnungsbauprogramm für Eimsbüttel beschlossen. Mit dem Bau von jährlich 700 Wohnungen leistet der Bezirk seinen Beitrag zum Hamburger Vertrag der stadtweit jährlich 6000 Wohnungen vorsieht.“

Die nächsten Handlungsschritte

Da konnte auch der ruhende B-Plan 55 nicht länger unbeachtet bleiben, er rückt erneut ins Visier der Städteplaner. Auf der Sitzung des Stadtplanungsausschusses der Bezirksversammlung wurden nunmehr mehr als 100 Potenzialflächen im Bezirk Eimsbüttel identifiziert. Eine dieser Potenzialflächen, eingetragen im Potenzialflächenkataster als Potenzialfläche 5.9 ist die brachliegende Marktfläche.

Als nächste Handlungsschritte werden dort aufgeführt: „B-Planverfahren weiterführen; Baumbestand prüfen, ggf. öffenliches Gehrecht sichern“ und unter Bemerkungen wird weiter ausgeführt: „die Bezirksversammlung hat mehrheitlich zur Herstellung der Erschließung der Fläche die Öffnung der Straße Feldhooopstücken zur Kollaustraße gefordert; die von der Bezirksversammlung geforderte Verkehrsanbindung wird erneut an die Senatsbehörden herangetragen“. (siehe unseren Artikel vom 27.01.2012 zu diesem Thema)

Als Zeithorizont für die Umsetzung des Bauprojekts rechnet die Behörde mit mindestens 5 Jahren.

Soziale Gerechtigkeit

In diesem Falle sorgt die Suche nach weiterem Wohnraum im Bezirk ausnahmsweise einmal für einen gewissen Ausgleich. Würde nämlich die Marktfläche nicht mit Mietwohnungen bebaut, so wäre die gesamte SAGA-Siedlung ausschließlich teuren Eigentumswohnraum gewichen. Schon aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit sollte daher diese Fläche mit bezahlbaren Mietwohnungen bebaut werden.

www.hamburg.de/contentblob/3203154/data/wohnungsbauprogramm-eimsbuettel-anhang.pdf

www.hamburg.de/stadtplanung-eimsbuettel/80478/lokstedt-55.html

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 27.01.2012