• /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /

Wohnraumschutz

Den Mietern zu Gute kommen

Die Mieter am Grandweg und An der Lohbek erleben in diesen Tagen hautnah, dass der Bezirk Eimsbüttel nichts als leere Versprechungen zu bieten hat. Die Zustände in der teilweise als öffentliche Unterbringung genutzten Wohnanlage übertreffen alles, was zuvor befürchtet wurde.

Schon seit Wochen beklagen sich die Mieter in der einst idyllisch an de Lohbek gelegenen Wohnanlage über Lärmbelästigung, Überbelegung, massenhaften Schlafbesuch durch Ortsfremde und herumliegenden Müll.

Diese Woche erreichte uns ein Leserbrief:
„Beigefügte Fotos als Anschauungsmaterial über die Abfallbeseitigung in der Asylantenunterkunft. Die Verantwortlichen (Firma Potenberg Dienstleistungsgesellschaft für Haus-und Grundbesitz mbH sowie fördern & wohnen) sind seit über 3 Wochen durch Fotos über diesen Missstand informiert.
Die sich zwischenzeitlich etablierenden Ratten sind nicht bei fördern & wohnen gemeldet, halten sich somit illegal in der Unterkunft auf und bedanken sich für den reichhaltig gedeckten Mittagstisch.
Noch ein aktueller Hinweis: Die Polizeieinsätze in der Asylantenunterkunft mehren sich.
Wie auf den weiteren beigefügten Fotos gut zu erkennen, ändert sich die Abfallbeseitigung halbtäglich und wird zu einer unverantwortlichen Situation, auch für die Nachbarhäuser bzw. Nebenstraßen.“

Leserbrief und Fotos wurden uns von Rüdiger Miosga, einem Bewohner, zur Verfügung gestellt. Versehen mit Datum und Uhrzeit dokumentieren sie, wie sich die Situation in der Unterbringung am Grandweg entwickelt.

Wir konnten es kaum glauben und sind abends selbst noch einmal vorbeigefahren, um uns selbst ein Bild von der Situation zu machen.

Ortstermin

Als wir gegen 23.45 Uhr abends ankamen um die Situation an der Müllbox zu verifizieren, bekommen wir zunächst einen ersten Schreck: Ein herrenloser Kinderwagen in der Hecke abgestellt. Wir schauen hinein, zum Glück liegt kein Kind darin. Offensichtlich wurde der nicht mehr benötigte Kinderwagen - eine Spende? - einfach dort entsorgt.

Ein zweiter Schreck folgt, als wir zur Mülltonne gehen, um ein Foto zu machen. Das bizarre Szenerie wird untermalt von lauten russischen Stimmen am offenen Fenster. Es wird gefeiert, für die Anwohner ist der Abend offensichtlich noch lange nicht vorbei. Weiterer Anfall von Müll und leeren Flaschen ist zu befürchten.

Die Situation an der Müllbox hat sich seit dem letzten Foto des Bewohners Miosga noch verschärft. Ein Fall für das Gesundheitsamt. Nein, das ist nicht Multi-Kulti! Das ist einfach nur eine Belästigung!

Auf dem Rücken der Mieter - und auch auf dem der dort Untergebrachten - duldet der Bezirk hier die Fortsetzung der seit Jahren betriebenen kalten Entmietung der Wohnanlage.

Der Bezirk

Wie Hohn wirkt da eine Beschlussvorlage der Bezirksversammlung aus dem Februar 2014. Rüdiger Rust, Marc Schemmel und Co bitten die Verantwortlichen sich für die Rechte der derzeitigen Bewohner des Gebäudes einzusetzen.

Diese hätten „Bedenken, dass der private Vermieter und Eigentümer sich nicht ausreichend um seine Wohnungen kümmern würde, um die anderen Wohnungen kalt zu entmieten. Ein solches Verhalten wäre aus Sicht der Bezirksversammlung nicht zu akzeptieren und es bestünde die Sorge, dass dies zu einer Übertragung des Unmuts der Bewohner auf die Hilfesuchenden führen könnte.
Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird darum gebeten, sich bei dem Eigentümer der Gebäude dafür einzusetzen, dass dieser…das Gebäude auch in einem ordentlichen Zustand hält…(und) sich bei der BASFI dafür einzusetzen, dass die Behörde alles unternimmt – auch aus ihrer Position als bald größter Mieter – dass in den Gebäuden ordnungsgemäße Zustände für alle Mieter vorzufinden sind.“

Schon damals war aber eigentlich aus der Stellungnahme der BASFI auf diesen Beschluss herauszulesen, dass sich niemand darum kümmern wird.

„Mieterin der Wohnungen…ist nicht die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, sondern die Anstalt öffentlichen Rechts fördern & wohnen.
Diese wird sich – im eigenen Interesse – gegenüber dem Vermieter selbstverständlich dafür einsetzen, dass die Gebäude und Außenanlagen in einem vertragsgerechten Zustand sind und etwaige Mängel, die der Vermieter zu vertreten hat, umgehend behoben werden. Bei gemeinschaftlich genutzten Anlagen wie etwa den Treppenaufgängen oder der Heizungsanlage wird dies gegebenenfalls auch den anderen Mietern der Wohnungen zu Gute kommen.“

Es kann aber davon nicht die Rede sein, dass hier irgendwelche Aktivitäten von fördern & wohnen „den anderen Mietern der Wohnungen zu Gute kommen“. Statt dessen werden die Befürchtungen der SPD wahr. Die Verhältnisse führen zu einer „Übertragung des Unmuts der Bewohner auf die Hilfesuchenden“.

Doch eigentlich sind die dort Untergebrachten an der Vermüllung weitgehend unschuldig. Offensichtlich reicht einfach aktuell die Kapazität der bereitgestellten Müllbehälter nicht aus. Eine Ursache könnte die Überbelegung der Wohnanlage sein. Nicht nur, dass in den kleinen Wohnungen jeweils bis zu 6 Personen untergebracht werden. Diese erhalten, wie Mieter berichten, zusätzlich jede Nacht Schlafbesuch - was die Anzahl der Müllverursacher natürlich erhöht.

Eine zweite Ursache könnte zudem darin liegen, dass die Asylbewerber noch nicht gelernt haben, den Müll zu trennen. Aber nicht nur das Trennen fällt manchem flüchtling schwer. Ein Anwohner: "Die Bewohner der Unterkunft stellen ihren Müll vor die Container, auch wenn diese innen noch Platz haben."

Da könnte ein völlig neues Aufgabengebiet für freiwillige Helfer entstehen: Müll-Coaching.

www.spd-fraktion-eimsbuettel.de
Drucksache.pdf

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 03.06.2014