Leserbrief

Straßenerschließung gegenstandslos?

Die Frage nach der genaueren Örtlichkeit des Hagendeel 60 bezieht sich offensichtlich auf die Berichterstattung auf Lokstedt online. Sehr vermutlich ist damit die Frage nach einer postalischen Anschrift gemeint, die es u.U. noch nicht gibt?  Am nördlichen Ende des Hagendeel, östliche Seite, befindet sich u.a. die gerade Haus-Nr. 72, was für den südlich gelegenen großen Teil des Hagendeel die postalische Haus-Nr. 60 wahrscheinlich machen würde.

Bei "Lokstedt 14" handelt es sich selbstverständlich um keine postalische Anschrift!  Es ist die Bezeichnung des geltenden Bebauungsplans (B-Plan) von 1999, der das gesamte Gebiet zwischen Wehmerweg, Hinter der Lieth, Liethwisch und Güterumgehungsbahn umfasst! In den B-Plänen werden die Grundstücke nicht mit Hausnummern bezeichnet, sondern mit Flurstücknummern!  Demnach handelt es sich rechts vom Hagendeel um das Flurstück Nr. 191.  Die Fläche am Hagendeel also, welche eigentlich nach aktueller Gesetzeslage als Flutschutzgebiet ausgewiesen werden müsste und nun in fragwürdiger Weise aufgeschüttet werden soll.

Im gültigen B-Plan von 1999 ist diese Fläche (Flurstück 191) noch als Gewerbefläche (GE) ausgewiesen. Noch deswegen, weil der Bezirk Eimsbüttel seit etwa 2013 beabsichtigte, diese Nutzungsbestimmung in Wohnbebauung (W…) zu verändern. Die Beweggründe für die vorgesehene Straßenerschließung einer ursprünglich geplanten Gewerbefläche über den Betriebshof der FHH zum Wehmerweg, würden bei einer Wohnbebauung wahrscheinlich gegenstandslos werden und müssten in dem Fall nicht weiter erörtert werden.

Vermutlich aber sind die Absichten, die Nutzungsausweisung von einem Gewerbegebiet in ein Wohngebiet zu verändern im Sande verlaufen und gegenstandslos geworden, weil das aktuelle Bundesrecht an dieser Örtlichkeit eine Nutzung als Wohngebiet aus Lärmschutzgründen nicht mehr zulassen würde, wenn der B-Plan geändert werden muss?  Dann würde neues Baurecht geschaffen werden und dann müssten auch alle aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden. Von Behelfsunterkünften für Flüchtlinge auf dem Flurstück 191 war zum Zeitpunkt dieser Überlegungen übrigens noch überhaupt nicht die Rede!
 
Es ist sehr vermutlich der Entdeckung einer Gesetzeslücke zu verdanken, dass die Eimsbütteler Verwaltung nun glaubt, Flüchtlinge an einer Örtlichkeit unterbringen zu können, wo eine Wohnbebauung aus Gründen des Lärmschutzes und wegen der notwendigen Wasserbewirtschaftung baurechtlich eher nicht mehr möglich ist?  Ebenso fraglich ist, ob die z.Zt. noch ausgewiesene gewerbliche Nutzung realisiert werden dürfte, wenn aus diesem Grunde die Fläche aufgeschüttet werden müsste?

Wer sich das nächste Mal kundig machen möchte, welche Flächen im Stadtteil von baulichen Veränderungen betroffen sein könnten, darf nicht mit der Frage nach einer 'fiktiven' Hausnummer Zeit verschwenden. Er/sie muss nach der/den betreffenden Flurstücknummern fragen und/oder im B-Plan nachsehen.

Dabei ist zu beachten, dass die alten Flurstücknummern dreistellig sind. Die aktuelle Flustücknummerierung ist vierstellig und beginnt im betreffenden Gebiet in Lokstedt i.d.R. mit einer Vier. Notgedrungener Weise werden in den Plänen teilweise die alten dreistelligen und die aktuellen vierstelligen Nummerierungen nebeneinander verwendet. Beim Vergleich unterschiedlich alter Pläne kann es aus diesem Grunde gelegentlich vorkommen, das die Flurstücknummern nicht übereinstimmend sind!  Dann fällt die Orientierung schwerer und bei den fragenden Bürgern macht sich das hoffnungslose Verlangen nach Hausnummern im un- und umnummeriertem Raum breit.

Jens Reuter

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© Lokstedt-online 29.05.2014