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Ein Zentrum für Lokstedt

Umswitschen ist nicht sein Ding

Es ist Wahlkampf und es mehren sich die Termine der Parteien, auf denen die Zentrumsplanung und der Behrmannplatz thematisiert werden. Doch die SPD-Lokstedt betreibt Etikettenschwindel: Wenn sie „Zentrumsplanung“ plakatiert, heißt das noch lange nicht, dass die Kandidaten sich auch dafür einsetzen.

Mittwoch, der 16. April 2014. Der Bezirkswahlkampf hat begonnen und die SPD hat bereits fleißig Wahlkampfplakate aufgestellt. Die Kandidaten Rüdiger Rust und Ernst Christian Schütt haben an diesem Tag um 16 Uhr in die Konditorei Horn geladen. „Cafégespräch mit unseren Kandidaten - Thema: Zentrumsplanung und Behrmannplatz“, so wurde die Veranstaltung beworben. Drinnen ist ein Tisch für die beiden Lokalpolitiker nebst sechs Sitzplätzen für Besucher reserviert.

Auf dem Tisch liegen Flyer. Rüdiger Rust wünscht sich vom Wähler: „2 x 5 Stimmen für die SPD in Lokstedt.“ Auf der Rückseite formuliert er seine Ziele:

„Lokstedt gestalten - Treffpunkt / ein Zentrum für den Stadtteil“

Frohen Mutes kommt auch eine Abordnung der Bürgerinitiative „Ein Zentrum für Lokstedt“, die von der SPD zu diesem Gespräch eingeladen wurde. Ein weiterer Tisch wird gerade rechtzeitig frei. Nun ist immerhin Platz für 10 Personen, die erfahren, dass es mit Rust und Schütt, also mit 2 x 5 Stimmen für die SPD in Lokstedt, kein neues Zentrum für Lokstedt geben wird.

Alle anderen Wähler, die nur die Flyer oder die Plakate gelesen haben und zuhause geblieben sind - die in der Konditorei Horn auch gar keinen Platz gefunden hätten - sie werden weiterhin annehmen, dass Rust & Co sich für ein Lokstedter Zentrum einsetzen werden. Es steht ja so auf den Plakaten!

Und nicht nur dort. Auch in einer SPD-Pressemitteilung vom 16. August 2013 heißt es unter der Überschrift Perspektiven für den Stadtteil Lokstedt:

„Der Regionalausschuss Lokstedt hat in seiner jüngsten Sitzung einen von SPD, CDU und Grünen erarbeiteten Antrag zum Stadtteil Lokstedt einstimmig beschlossen. Mit dem Beschluss werden Bezirksverwaltung und Behörden aufgefordert, in diversen für den Stadtteil wichtigen Bereichen Maßnahmen zu ergreifen, Planungen voranzutreiben und Perspektiven zu entwickeln. Dies betrifft…die Entwicklung des Stadtteilzentrums – im Fokus steht dabei die weitere Entwicklung rund um den Behrmannplatz“.

Idee nicht umsetzbar

Rust und Schütt seien zwar im Prinzip weiterhin für ein Zentrum - so wie es im Bebauungsplan-Entwurf Lokstedt 61 bereits vor Jahren geplant wurde - das sei aber nicht umsetzbar gewesen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) habe einfach zu viel Geld für sein Grundstück verlangt.

Im Großen und Ganzen war das eigentlich schon alles, was die beiden SPD-Lokalpolitiker dazu zu sagen hatten.

In der Konditorei Horn fällt Rust also wieder weit hinter den Beschluss vom August 2013 zurück. Die Mitglieder der Bürgerinitiative verschlucken sich vor Schreck an ihrem Latte macchiato. Sie waren eigentlich dort hin gekommen, weil sie erwartet hatten von Rust zu hören, wie es nun tatsächlich weiter gehen werde mit dem Zentrum. Am 12. Mai tagt erneut der Regionalausschuss, als erste Frage an Rust war daher vorgesehen: „Wird die Bezirksversammlung nun endlich den Runden Tisch zu diesem Thema begründen?“

Die Frage erübrigt sich. Rust brüstet sich von Anfang an damit, dass er dafür gesorgt hätte, dass die Verhandlungen mit dem DRK erfolglos abgebrochen wurden. Das DRK sei schließlich kein gemeinnütziges Unternehmen mehr, sondern ein profitorientiertes. Das ein solches Unternehmen eine Wertsteigerung seines Grundstückes von Null auf 14 Millionen Euro erziele, das würde es mit ihm nicht geben.

Spekulationen einen Riegel vorschieben

Auf Nachfrage, warum Rust dem DRK nicht gönne das Grundstück angemessen zu veräußern und mit dem erzielten Verkaufserlös woanders neu zu bauen, steigert sich Rust in eine neid-getränkte Tirade. Er erklärt den Anwesenden, mit welchen Mitteln dem DRK der Verkauf des Grundstücks versalzen werden konnte.

Am Behrmannplatz sei nach geltendem Planrecht (Bebauungsplan Lokstedt 13) die Sondernutzung „Deutsches Rotes Kreuz“ vorgesehen. An diesem Hebel setzt die SPD an: Solange kein neuer Bebauungsplan erstellt werde, der eine andere Nutzung vorsehe, sei der Veräußerungswert des Grundstücks gleich Null. Eine Änderung der Nutzung werde aber nur erteilt, wenn das DRK das Grundstück zuvor zu den von der SPD erwünschten Konditionen verkaufte.

Weder das DRK, noch ein möglicher Käufer (außer der SAGA) könnten mit einer Umnutzung rechnen. Damit sichergestellt sei, dass dort auch wirklich Sozialwohnungen gebaut würden.

Damit ist klar, die SPD hat sich in der Sache in Wahrheit seit dem Januar 2012, als die Verhandlungen mit dem DRK scheiterten, kein Stück bewegt. Damals hieß es in einer Presseerklärung der SPD-Fraktion:

„Um weiteren Spekulationen einen Riegel vorzuschieben werde die Eimsbütteler SPD-Fraktion den derzeit gültigen B-Plan Lokstedt 13, der ausschließlich eine DRK-Nutzung zulässt, nur ändern, wenn der Bau von Sozialwohnungen gesichert ist.“

Auf eine Zwischenfrage eines Vertreters der Bürgerinitiative, wie Rust eigentlich auf 14 Millionen Euro käme, und dass in der Presse gestanden hätte, dass das DRK lediglich 9 Millionen Euro für das 13.000 Quadratmeter große Grundstück im Herzen Lokstedts verlange, während die SAGA knappe sechs Millionen Euro geboten hätte, antwortet Rust, dass die Zahlen, wie sie in der Presse kolportiert würden, nicht richtig seinen. Die SAGA hätte „nahe 14 Millionen geboten“. Ein Angebot, das das DRK trotz der hohen Summe ausgeschlagen hätte.

Diese Zahlen, die von Rust ins Spiel gebracht werden - nehmen wir mal einen Moment an, dass sie korrekt sind - sagen einiges über die Zukunft des Behrmannplatzes aus.

Der Besitzer, das DRK, ist sich im Klaren darüber, dass es ein absolut einmaliges Grundstück mitten im Herzen des alten Lokstedt, von den Einheimischen liebevoll „Dorf“ genannt, in Händen hält. Der Geschäftsführer würde Untreue gegenüber seiner Firma begehen, wenn er nicht einen maximalen Kaufpreis dafür durchsetzen würde. Anzunehmen, dass der Bezirk das DRK in die Knie zwingen könnte oder dass das DRK etwa aus wirtschaftlichen Gründen das Grundstück irgendwann verkaufen müsste, sind völlig aus der Luft gegriffen. Das wirtschaftlich gesunde Unternehmen kann es sich vermutlich leisten, das Grundstück solange in seinem Anlagevermögen zu halten - sinnvolle Nutzung oder nicht - bis es den erwünschten Kaufpreis erzielt. Und wenn es 20 Jahre dauert.

Wir Lokstedter jedoch sind es, die unter der Willkür der Verantwortlichen leiden. Wir können nämlich nicht noch 20 Jahre auf ein neues Zentrum warten. Insofern gehen die Miesepeterhaltung der SPD und die Untätigkeit der Verwaltung zu Lasten der Bevölkerung, auch wenn sie vorgeben nur „Spekulationen einen Riegel“ vorschieben zu wollen.

Doch Rust hat auf der Rückseite seines Flyers noch ein weiteres Ziel notiert:

„Lokstedt für alle - Bezahlbarer Wohnraum im wachsenden Lokstedt“

Die von Rust in den Raum geworfenen 14 Millionen, sie entsprächen einem Quadratmeterpreis von 1.080 Euro, sind sicherlich zu hoch gegriffen. Doch belegt diese Zahl auch, dass das DRK mit den tatsächlich geforderten 9 Millionen, rund 700 Euro pro Quadratmeter, realistische Vorstellungen vom Marktwert des Grundstücks hat.

Zumal wenn, wie Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke sich vorstellen könnte, die Geschosszahl erhöht würde. Dies würden den Wert des Grundstücks weiter erhöhen. Wäre aber vermutlich die einzige Möglichkeit die beiden
übergeordneten Planungsziele des Bebauungsplanverfahrens Lokstedt 61, „die Stärkung der Zentrenfunktion sowie die Deckung des weiteren Bedarfes im Bereich Wohnungsbau“, unter Einschluss der von der SPD geforderten Sozialwohnungen, zu realisieren.

Ob nun 14 oder 9 Millionen von einem Investor für dieses Filetstück bezahlt werden müssten. Ohne die „Erhöhung der Geschosszahl“ wird es Sozialwohnungen am Behrmannplatz nicht geben. Undenkbar, die Wohnungen würden für öffentlich-geförderten Wohnungsbau viel zu teuer. Und hier liegt möglicherweise der Hund begraben. Die SPD hat sich in einen nicht realisierbaren Plan, nämlich am Behrmannplatz 30 Prozent Sozialwohnungen zu bauen, verrannt. Nachdem in Lokstedt in den letzten Jahren tausende, meist überteuerte Wohnungen gebaut wurden, sollen nun, ausgerechnet auf dem DRK-Grundstück am Behrmannplatz - dem einzigen im Zentrum verbliebenen Grundstück, dass für ein Stadtteilzentrum geeignet wäre - Sozialwohnungen entstehen.

Doch mittlerweile können wir Lokstedter dem DRK eigentlich dankbar dafür sein, dass es das Grundstück nicht verschleudert. Nur ein hoher Kaufpreis garantiert, dass das Grundstück auch hochwertig genutzt wird. Man stelle sich nur einmal vor, die SAGA erwirbt dieses Grundstück für weniger als sechs Millionen Euro und bekommt die Umnutzung auf „allgemeinen Wohnraum“ sowie die Erhöhung der Geschosszahl. Gar nicht auszudenken, was dann am Behrmannplatz gebaut würde.

Zurück zum Zentrum

Doch sozialer Wohnungsbau am Behrmannplatz steht eigentlich am Mittwochnachmittag in der Konditorei Horn gar nicht auf der Tagesordnung. Geladen wurde ja zum Thema Zentrumsplanung.

Auf die Vorhaltung der anwesenden Mitglieder der Bürgerinitiative, dass die SPD gegen die Interessen der Lokstedter handle. Dass es, einfach um in der Sache weiter zu kommen, nötig sei auf das DRK zu zu gehen und einen
neuen Bebauungsplan zu erstellen, wiegelt Rust ab:

Es hätte ja schon einen B-Plan-Entwurf und einen Architektenentwurf gegeben. Da wären dann auch einige neue Läden und ein kleiner (im Schatten liegender) Platz hingekommen. Aber selbstverständlich sei der Bau von Sozialwohnungen vorrangig. Da stehe er nach wie vor hinter. Erst wenn das DRK verkaufen möchte, werde der B-Plan geändert. Wir haben nicht nein gesagt, können uns das vorstellen. Es stockt, jetzt sind wir aber nicht dagegen.

Zusammengefasst lautet die von Rust vorgetragene SPD-Betonkopfhaltung: Wir sind im Prinzip für ein neues Zentrum; es gäbe da auch ein Grundstück mitten im Zentrum das geeignet wäre; wir haben uns allerdings gegen jede Vernunft in den Kopf gesetzt, hier Sozialwohnungen zu bauen; da dies aber nicht realisierbar ist, wird es weder Sozialwohnungen noch ein Zentrum am Behrmannplatz geben; also fahren sowohl die alteingesessenen wie auch die vielen Neu-Lokstedter weiter mit dem Auto oder dem Rad in die Nachbarstadtteile zum Einkaufen.

Eines von Rusts Lieblingsargumenten zu diesem Thema: Die Anwohner am Rimbertweg, dort wo er wohne, die gingen zu Fuß zur Haltestelle Hagenbeck und führen zum Einkaufen mit der U-Bahn zum Tibarg.

Dann schlägt Rust auf einmal versöhnlichere Töne an, meint überzeugt zu haben. Teilweise nimmt er dann auch Gesagtes zurück: Nein, das mit der U-Bahn zum Einkaufen zum Tibarg zu fahren, wie er es machte, das sei nicht so gemeint gewesen. Das sei ja lediglich eine Zustandsbeschreibung.

Doch wenn die SPD gar kein neues Zentrum will, warum ist sie dann im August 2013 auf den CDU-Antrag „Perspektiven für den Stadtteil Lokstedt“ mit aufgesprungen?

Bürgerbefragungen

Auch die Rolle, die Bezirksverwaltung und die Behörden in diesem Poker um das begehrte Grundstück am Behrmannplatz spielen, ist mittlerweile fragwürdig. Schließlich wurden sie mit dem Beschluss „Perspektiven für den Stadtteil“ aufgefordert, „Planungen voranzutreiben und Perspektiven zu entwickeln.“ Seit neun Monaten ist seither nichts geschehen. Doch in den letzten Wochen berichten zunehmend Lokstedter Bürger davon, dass sie von Mitarbeitern des Projektes Bürgerbeteiligung aufgesucht worden wären und befragt wurden, ob sie denn überhaupt ein neues Ortszentrum begrüßen würden.

Klammheimlich werden Bürgerbefragungen durchgeführt, von denen nicht einmal die Bezirksabgeordneten Kenntnis haben. Und es besteht der Verdacht, dass diese Befragungen durchgeführt werden, um bei passender Gelegenheit - etwa wenn der Behörde Untätigkeit in dieser Angelegenheit vorgeworfen wird - behaupten zu können, die Lokstedter wollten gar kein neues Zentrum.

Da wären wir dann wieder bei dem Argument angelangt, das Rust schon vor Jahren benutzt: Er und alle die er kenne, wollten gar kein Zentrum (und kauften am Tibarg ein).

Zentrumsgestaltung am Siemersplatz

Und ja, es würde ja etwas getan. Zum Beispiel aktuell am Siemersplatz. Da würden gerade mehr als 220.000 Euro für die Verschönerung ausgegeben. Weil es die Lokstedter so gewollt hätten, nicht er (Rust).

Und überhaupt, die Interessen der Lokstedter. Die wüssten doch ohnehin nicht was sie wollten. Jahrzehntelang hätten sie gefordert, dass wir etwas für den Siemersplatz machen. Nun soll es auf einmal der Behrmannplatz sein. Er könne da nicht dauernd umswitchen.

Dann weiter auf Nachfrage: Dafür, dass diese Arbeiten völlig sinnlos seien, könne er nichts. Die müssten nun einmal ausgeführt werden, da sie 2010 von der Bezirksversammlung beschlossen wurden. Die Lokstedter wollten das damals! Er könne da nicht dauernd umswitchen.

Doch was meint Rust mit diesem „umswitchen“? Vermutlich beschreibt er damit seine ganz erstaunliche Unfähigkeit auch nur eine einzige Änderung im Bürgerwillen zu begreifen. Sicher, einst vor etwa 20 Jahren, da waren Forderungen in Lokstedt laut geworden, etwas für den Siemersplatz zu tun. Schöner sollte der Platz werden, Bäume sollten gepflanzt werden.

Nachdem nun aber der Platz in der Zwischenzeit unzählige Male mit Millionenaufwand umgebaut wurde, Busspuren und Haltestellen verbreitert, Bäume und Parkplätze weggefallen und Fußwege auf ein absolutes Minimum reduziert wurden, da plötzlich werden 2010 bewilligte Gelder hergenommen und davon vier Bäume gepflanzt. Zugleich aber weitere vier Parkplätze geraubt.

Die Informationspolitik lief dabei ähnlich wie bei der Busbeschleunigung. Damals wurde ein Antrag von der CDU für eine Info-Veranstaltung einfach abgelehnt. Bei diesem aktuellen, kleinen Verschönerungsumbau von „nur“ zwei Monaten wurde auf eine Information der Bürger und Geschäftsinhaber gleich ganz verzichtet.

Nein, Rust konnte unmöglich die Reißleine ziehen und verhindern das diese 220.000 Euro unnötig in einen toten Platz investiert werden. Schließlich hat doch die Bevölkerung dies (vor 20 Jahren) mal gefordert. Da kann ein Politiker doch nicht dauernd „umswitchen“ und begreifen, dass die Bevölkerung nun fordert, wenigstens den Behrmannplatz und die Grelckstraße zu retten und den Lokstedtern dort ein neues Zentrum herzurichten.

Ja, umswitschen ist nicht sein Ding. Politisch aktive Lokstedter, die ihn seit Jahrzehnten kennen, hatten der Bürgerinitiative schon vor Monaten geraten: „Steitet Euch nicht mit Rust herum, lasst ihn einfach links liegen. Der ist ein typischer Vertreter der Betonkopfraktion. Das war schon immer so.“

Auch für die Zerstörung des Siemersplatzes lässt Rust sich nicht in die Verantwortung nehmen. Nein, für den Umbau des Siemersplatz im Rahmen des Busbeschleunigungsprogramms sei der Bezirk nicht verantwortlich. Das hätte der (SPD-)Senat veranlasst. Da darf man dann gespannt sein auf den 29. April, wenn Olaf Scholz mit Rüdiger Rust im gemeinsamen Gespräch den Lokstedtern Rede und Antwort stehen werden. Wird da einer von den beiden die Verantwortung für die katastrophalen Verhältnisse am Siemersplatz übernehmen?

Mehr ist in der Bezirkszentrenplanung nicht vorgesehen

Doch Rust fährt fort: Überhaupt, dass es in Lokstedt kein richtiges Zentrum gebe, sei so geplant. Es sei schließlich auch der Konkurrenzausschluss zu bedenken, denn man dürfe auf gar keinen Fall das Nedderfeldzentrum oder das zukünftige Zentrum in Stellingen schädigen. Der Bezirk würde das planen, schließlich gäbe es die Bezirkszentrenplanung des Bezirks Eimsbüttel und die sehe hier eben kein größeres Zentrum vor.

Rust vergisst allerdings, dass das Nedderfeldcenter in Eppendorf, also im Bezirk Nord angesiedelt ist, und dass das Lokstedter Zentrum nach der Bezirkszentrenplanung ebenso wie das Stellinger Zentrum seit Jahren aufgewertet werden soll. Außerdem könnte man ja auch die Bezirkszentrenplanung entsprechend ändern. Darauf hingewiesen, blickt Rust nur unverständlich drein. Auf die Idee ist er offensichtlich noch nicht gekommen. Die Bezirkszentrenplanung scheint für ihn in Stein gemeißelt.

Danach folgt nur noch das übliche Politiker-Geschwafel. Die Menschen wollten in Lokstedt wohnen und zwar auch günstig. Rust redet so daher, obwohl er doch Lokstedter Abgeordneter ist, selbst in Lokstedt wohnt und für sich in Anspruch nimmt, den Stadtteil im Bezirksparlament zu vertreten. Dabei versteht er die Lokstedter nicht einmal und ihm ist vermutlich gar nicht klar, dass er keine Politik für Lokstedter Bürger macht. Was der Lokstedter nämlich auf gar keinen Fall möchte, ist der Zuzug weiterer Neu-Bürger (wohnen sie nun in Eigentums- oder Sozialwohnungen) bevor die Infrastruktur, speziell die Einkaufsmöglichkeiten und die Verkehrsplanung, deutlich verbessert wurden.

In Lokstedt lässt sich nichts verkaufen

Der ebenfalls anwesende SPD-Kandidat Schütt trug kaum nennenswertes zur Diskussion bei. Schließlich zog er aber den Wert des Standorts „Zentrum Lokstedt“ komplett in Frage. Er habe früher mal Buchhändler gelernt und ein Buchgeschäft würde er im neuen Zentrum Lokstedts nicht aufmachen. Zu glauben, dass sich hier in Lokstedt etwas verkaufen lasse, das sei „Prinzip Hoffnung“. Und auf das würden Unternehmer nicht setzen.

Das die Bürgerinitiative schon Anfragen von Gewerbetreibenden bekommen hat, die sich im neuen Zentrum am Behrmannplatz niederlassen möchten, interessiert die beiden SPD-Politiker nicht.

Ortwechsel

Ostersamstag am Siemersplatz. Junge Genossen von Rüdiger Rust haben einen Tapeziertisch und einen SPD-Sonnenschirm zwischen den Fahrrädern am Siemersplatz aufgestellt. Ein Info-Stand zum Thema: „Zentrumsgestaltung Lokstedt und Umbau Siemersplatz“, so wurde plakatiert. Unnötig zu sagen, dass Rust den Lokstedtern auch am Ostersamstag keine Ostergeschenke mitgebracht hatte.

Eine Mutter mit Kind kommt vorbei und trägt ihr Anliegen vor. Das sei hier kein Familienstadtteil, es gäbe zwar immer mehr Wohnungen aber sonst nichts. Sie müsse mit ihren drei Kindern in andere Stadtteile fahren, um einzukaufen. Rust entgegnet barsch, dass derzeit in Schnelsen noch mehr gebaut würde.

Es kommt eine ältere Dame mit ihren beiden Enkeln vorbei. Sie schimpft, die Bürgersteige seien so eng geworden. Auch mit dem Fahrrad käme sie nicht durch. Unmöglich der Umbau des Siemersplatz, die Ampelperioden viel zu kurz.

Das wäre eigentlich ein Einsatz für Ernst Christian Schütt gewesen. Hätte er der älteren Dame doch aus seinem Flyer vorlesen können:

„Sichere Wege - auch für Radfahrer und Fußgänger“

Doch diese Bemerkung wäre auf dem Siemersplatz sicher nicht gut angekommen. Ohnehin verpasst Schütt diesen Einsatz.

Ein Bewohner der Wohnungen am Grandweg, die gerade in ein Asylbewerberheim umgewidmet wurden, spricht mit einem der Stand-Aufbauer. Der reagiert sehr dünnhäutig, ist gereizt. Vielleicht hatte er sich die Atmosphäre hier freundlicher vorgestellt. Wir aber wundern uns, dass sich die kleine Truppe überhaupt unter einem SPD-Schirm hier aufzustellen wagt. Mitten auf dem vom SPD-Senat verhunzten Siemersplatz, wo für uns Lokstedter kein Platz mehr ist und nur wenige Geschäfte überleben.

Wir tun was für die Zentrumsentwicklung

Nun blicken wir vom Info-Stand in Richtung Post und haben einem direkten Blick auf die verplemperten 220.000 Euro. Die Bauarbeiten sind mittlerweile soweit vorgeschritten, dass die Pflanzung der vier Bäume, die die Lokstedter dafür erhalten werden, unmittelbar bevor stehen dürfte.

Auf den Einwurf eines Mitglieds der Bürgerinitiative, dass die aktuell dort am Siemersplatz durchgeführte Variante mit den wegfallenden Parkplätzen keiner wollte, reagiert Rust gereizt und behauptet, dass die Geschäftsinhaber am Siemersplatz diesem Umbau zugestimmt hätten.

Geschäftsinhaber selber schuld

Als wir ihm einige Geschäftsinhaber nennen, die gar nicht informiert wurden und andere, die gegen diese Maßnahme waren, weil sie die Anzahl der für sie so wichtigen Parkplätze weiter reduziere, entgegnet Rust, die seien ja ohnehin gegen alles.

Und außerdem, es könne ihm keiner erzählen, dass Torsten Henk, der ehemalige Inhaber von Feinkost Behrmann, wegen der läppischen 14 Tagen Umbau sein Geschäft aufgeben musste. Nein, da sei überhaupt etwas anderes vorgefallen. Er könne da nur nicht drüber sprechen, das sei geheim. Sein Geschäft wäre von der Bevölkerung nicht angenommen worden. Merkwürdig nur, dass dieses Geschäft über 100 Jahre existierte.

So kommt zu den vielen unverständlichen Äußerungen von Rust an diesem Samstag auch noch Zynismus und üble Nachrede dazu. Schließlich haben die Umbauarbeiten, die Henk im Jahre 2011 schwere Verluste zufügten, nicht nur zwei Wochen sondern monatelang gedauert. Und im Jahre 2013 standen Umbauarbeiten von Mai bis Oktober an, da hat Henk dann vorsorglich das Handtuch geworfen. Viele, besonders alte Leute, die einen großen Teil der Behrmann-Kunden ausmachten, haben sich nicht mehr getraut über die Kreuzung zu gehen. Und viele konnten auch bei den unebenen Boden gar nicht bis ins Geschäft gelangen.

Wähler für dumm verkaufen

Schließlich konfrontieren wir Rust noch mit dem Vorwurf des Etikettenschwindels - man könnte es auch Wahlbetrug nennen.

Er fragt seine Kollegen: „Was haben wir da plakatiert? Hinter Zentrumgestaltung Lokstedt steht doch ein Fragezeichen, oder? Nein, es steht dort kein Fragezeichen! Rust daraufhin: „Aber es steht ‚Gespräch‘. Das soll heißen, dass wir mit den Lokstedter Bürgern darüber sprechen möchten, mehr nicht. Das Zentrum ist ja schließlich ein Gesprächsthema im Stadtteil. Wir wollten ins Gespräch kommen, nicht die Lösung parat haben.“

Was stand noch mal auf dem Flyer: „Lokstedt gestalten“. Und es werde ja gerade vor der Post erneut gestaltet. Darum hat Rust seinen Info-Stand auch nicht dort, sondern vor der Haspa aufgestellt. Da mussten nur einige abgestellte Fahrräder ein wenig beiseite geschoben werden, schon war ausreichend Platz. Na ja und das Zentrum von Lokstedt, der Siemersplatz, ist so schön lebendig. Nur wenn man sich unterhält, muss man zwischendurch immer mal wieder kurz wegen des Lärms inne halten. Klappt doch, geht doch! Und wir stehen noch eine Weile alle beieinander, unter der Uhr mit der Tibarg-Werbung.

Wählen Sie ruhig Rust und seine SPD, damit hier alles so bleibt wie bisher!

Ja, dann danken wir Ihnen Herrn Rust, dass wir mal an einem Samstag mit Ihnen über das Zentrum reden durften. Im Berufsverkehr am Wochentag hätten wir Sie nicht verstanden. Vielleicht wäre das allerdings besser gewesen.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 25.04.2014