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Bebauungspläne

Heidnische Rituale im Willinks Park

Nach den Vorstellungen des Fachamts für Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirk Eimsbüttel sollen im Willinks Park 70 Wohnungen gebaut werden.

Noch 1922 gab es in Lokstedt acht größere Parks, die von reichen Hamburger Kaufleuten als Sommerwohnsitz genutzt wurden. Erhalten blieben lediglich Amsinckpark, von-Eicken-Park und Willinks Park.

Carl Heinrich Willink (1807 - 1875) war auf den Karibikinseln St. Thomas und Puerto Rico zu Wohlstand gekommen und verlegte seinen Geschäftssitz nach Hamburg. Im Jahre 1850 kaufte Willink den "Lustgarten auf dem Rütersberge" von den Erben des Kaufmanns Franz Matthias Mutzenbecher. Durch den Ankauf von Nachbarfluren wurde der Garten erheblich vergrößert. 1861 ließ Willink das alte Wohnhaus der Familie Mutzenbecker abbrechen und baute eine neue Villa, die bis zum Jahre 1981 erhalten blieb.

Horst Grigat schreibt (1) dazu: „Es war immer ein großes Ereignis für Lokstedt, wenn alle die Herrschaften im Sommer ihre Landhäuser bezogen. Die Lieferanten sahen mit Sehnsucht diesem Moment entgegen. Wenn Amsincks und die übrigen Herrschaften kamen, konnte der Schlachter wöchentlich einen Ochsen schlachten.“

Als Willink starb umfasste der Garten ein Areal von 18 Hektar. Bis zum Jahr 1920 wurde der Besitz von den Kindern Willinks als Sommerwohnsitz benutzt.

Nun soll nach Vorstellung des Fachamts für Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirk Eimsbüttel der Rest dieses Parks, es handelt sich um etwa ein Hektar dem Leitbild „wachsende Stadt“ geopfert werden.

Der Willinks Park, ein wichtiger Teil der Grünachse zwischen Amsinck- und von-Eicken-Park, ist durch den Bebauungsplan-Entwurf Lokstedt 59 - Wohnbebauung am Willinks Park (2) gefährdet.
Dort wo sich „vormals Überreste eines Riesenbettes“ (3), ein heidnischer Opferstein, befand, sieht das Bebauungskonzept vor, drei Baukörper, die sich parallel zur Niendorfer Straße orientieren, zu bauen. Insgesamt sollen hier 70 Wohnungen entstehen.

Bis 170 Bäume mit einem Stammumfang von über 80 cm sind gefährdet. Die Liste der bedrohten Brutvögel ist erschreckend: Ringeltaube, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Amsel, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Kohlmeise, Blaumeise, Schwanzmeise, Kleiber, Gartenbaumläufer, Rabenkrähe, Buchfink und Gimpel, Buntspecht und Eichelhäher. Außerdem wurden im Willinks Park vier Fledermausarten festgestellt.

In einer ausführlichen Dokumentation „zur Schutzwürdigkeit des Willinks Parks“ der Isebek-Initiative (4) heißt es dazu: „Der ökologisch wertvolle Waldbiotop ,Willinks Park‘ in Hamburg-Lokstedt, der als heute naturnaher Rest eines ehemaligen Landschaftsparks aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seiner eindrucksvollen Baumkulisse das örtliche Landschaftsbild prägt, soll nach den Vorstellungen des Bezirksamtes Eimsbüttel weitgehend abgeholzt werden. Auf der frei werdenden Fläche sollen drei große Wohnblöcke errichtet werden; darunter sind Tiefgaragen geplant, deren Ausdehnung über die der Bebauung noch hinausgehen soll. Der Waldpark befindet sich südlich der Kollau-Niederung auf der Anhöhe des Reutersberges (Up'n Rütersbarg), dem einzigen in Hamburg schriftlich überlieferten Ort eines ehemaligen, jungsteinzeitlichen Großsteingrabes. Der Willinks Park steht daher unter Denkmal- und Grabungsschutz. Das Bezirksamt will trotzdem auf die Bebauung nicht verzichten und hat als ,Ausgleichfläche‘ für den - irreparablen - Schaden eine 14 km entfernte, zu renaturierende Ackerfläche im Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt im Bezirk Wandsbek vorgesehen.“

In der Zwischenzeit hat sich allerdings der Planungsausschuss der Bezirksversammlung Wandsbek gegen das Ansinnen des Bezirks Eimsbüttel ausgesprochen, das Bauvorhaben in Lemsahl-Mellingstedt ausgleichen zu wollen. Das Bezirksamt Eimsbüttel hat – laut einer kleinen Anfrage der GAL – von dem Ausgleichs-Vorhaben, inzwischen Abstand genommen.
Der NABU Hamburg ergänzt: „Das historische Villen-Areal ist eines der wenigen, Natur belassenen Gehölzbiotope im Bezirk Eimsbüttel und darum besonders erhaltenswert.“
„Der Willinks Park locke nicht nur Kinder ins Grüne“, stellt Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg, die ökologische Funktion dieses Gebietes heraus. “Der zum Teil 200 Jahre alte Baumbestand bietet außerdem Lebensraum für zahlreiche Vogelarten und Jagdreviere für Fledermäuse. Er muss deshalb Bestandteil des im Naturschutzgesetz versprochenen Biotopverbunds werden.“

Der NABU fordert daher alle Verantwortlichen im Bezirk Eimsbüttel auf, den Bebauungsplan Lokstedt 59 abzuändern und darauf hinzuwirken, dass der Willinks Park als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wird.

Dem haben wir eigentlich nur noch hinzuzufügen, dass etwas gegen die derzeitige Verdreckung mit Müll und Schutt unternommen werden sollte.

1 Horst Grigat: „Hamburg-Lokstedt - von der Steinzeit bis zum Jahre 2000“
2www.hamburg.de/contentblob/2552644/data/lokstedt-59-infoblatt.pdf
3 Die Kollauer Chronik, S. 717
4www.isebek-initiative.de/uploads/sn/110124_Willinks-Park-schutzwuerdig_K1.pdf

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© Lokstedt-online.de 2.10.2011