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Stadion Hoheluft / ETV Tennisanlage

Platz für neuen Technologiepark gesucht

Zwischen 1911 und 1940 wurden im Stadion Hoheluft fünf Länderspiele ausgetragen. Zum letzten Länderspiel gegen Dänemark kamen 28.000 Zuschauer, es mussten zusätzliche Tribünen aufgebaut werden. Durch ein Tor des späteren Bundestrainers Helmut Schön gelang der 1:0-Erfolg.

Nun sieht ein Konzept der Handelskammer vor, das Stadion abzureißen. Die Handelskammer Hamburg schlägt vor, in Hamburg sechs sogenannte „HIP Hamburg Innovations Parks“ zu errichten. Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz hat am Montag ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Noch in dieser Dekade möchte er ein ganzes Netz von Parks aufbauen.

Ausschlaggebend für den Erfolg eines solchen Parks sei die direkte Nähe zu einer sogenannten Ankerinstitution. Konkret schlägt die Handelskammer sechs Standorte in Harburg, Bergedorf, Eppendorf (am Lokstedter Steindamm), Lurup, Rotherbaum und Rothenburgsort vor, die aufgrund ihrer Nähe zu Forschungseinrichtungen oder Hochschulen besonders geeignet seien.

Auch die Wirtschaftsbehörde arbeitet an einem Technologie-Park-Konzept, nennt aber noch keine Standorte.

Schmidt-Tenz war zuletzt Geschäftsführer der Handelskammer Karlsruhe und konnte dort entsprechende Erfahrungen mit Innovationsparks machen. Er verspricht sich von den neu zu gründenden Parks einen Innovationsschub für Hamburg und verweist auf die Erfolge, die mit solchen Parks in anderen Bundesländern erzielt wurden.

"Damit wir künftig nicht mehr nur mit der Schönheit der Stadt, sondern auch mit ihrer Stellung als Forschungshochburg für Ansiedlungen von Firmen werben können", begründet Schmidt-Trenz sein Vorhaben.

„Hamburg habe bisher unerklärlicherweise auf dieses Instrument verzichtet, während Technologieparks seit Anfang der 1980er Jahre nahezu flächendeckend in Deutschland eingerichtet wurden“, heißt es ergänzend in einer Presseerklärung.

„Mit den HIP Hamburg Innovations Parks können wir erreichen, dass Hamburg zur Innovationshauptstadt Deutschlands wird“, sagte Handelskammer-Vizepräses Thomas Schünemann. Für deren Umsetzung sei allerdings politischer Mut aufzubringen.

Wahr gesprochen, wenn man sich im Detail ansieht, was die Handelskammer im da vorschlägt.

Für den Standort des HIP Eppendorf schlägt Prof. Schmidt-Tenz mal eben den Abriss des Stadion Hoheluft.

Außerem betroffen die benachbarte Sportanlage des Eimsbüttler Turnverbands, auf der Tennisplätze, eine Tennishalle und der Rasenfußballplatz des ETV beheimatet sind. Die Grundstücke gehören der Stadt und sind im Rahmen eines Sportrahmenvertrages dem ETV für die gemeinnützige Sportausübung bis 2032 überlassen.

Dabei solle das HIP Eppendorf an das Universitätsklinikum mit seiner Krebsforschung andocken. Hier seien durch Umstrukturierungen des Geländes Flächen frei geworden, die durch eine Verlagerung der Sportflächen östlich des Lokstedter Steindamms noch deutlich vergrößert werden könnten. Die Sportflächen sollen dann westlich des Lokstedter Steindamms ansiedeln. Die dort gelegenen Kleingärten sollen ebenfalls verlagert werden. Wohin schweigt sich das Konzept allerdings aus.

Da die Handelskammer aber alternative Standortvorschläge keinesfalls ausschließen möchte, würde sich die Prüfung der Ansiedlung des Innovationszentrums für den Standort des Wellmann-Geländes an der Geschwister-Scholl-Straße anbieten. Dieses grenzt ebenfalls an das Gelände des UKE an. Zudem würde sich ein weiteres Problem lösen, da die Vermutung im Raume steht, dass sich das Gelände für die geplante Bebauung mit Wohnungen wegen einer möglichen Kontamination mit Giftstoffen nicht eigne. Außerdem müssten hier keine Sportstätten vernichtet werden, das Gewerbegebiet kann ohne Folgeumsiedelungen übergeben werden.

Immerhin räumt die Handelskammer ein, dass die Planungen noch größere Abstimmungen erforderlich machen.

Nicht bedacht hat der aus dem Saarland stammende Professor bei den aktuellen Planungen, dass das Stadion Hoheluft des SC Victoria zu den sportlichen Kulturgütern Hamburgs zählt. Das Stadion ist eine der traditionsreichsten und ältesten Spielstätten im deutschen Fußball.

Am 22.09.1907 wurde der Sportplatz Hoheluft mit einem 5:4-Sieg über den amtierenden deutschen Meister VfB Leipzig eingeweiht.

Als Prunkstück gilt die Haupttribüne. Nach einem Brand im Jahre 1921 wurde sie 1922 mit Spendengeldern neu errichtet und ist heute für genau 999 Zuschauer zugelassen.

Die Tribüne ist heute eine der letzten, die im Stile der 1920er Jahre errichtet wurde und immer noch steht. Schon allein wegen dieser einmaligen Tribüne lohnt sich ein Besuch.

Heute ist das Stadion Hoheluft eines von nur zwei regionaliga-tauglichen Stadien im Hamburger Raum, obwohl das Stadion bereits in den 1950er Jahren zweimal verkleinert werden musste.

1956 wurden dem Stadion 5.000 Stehplätze zu Gunsten der Erweiterung des Lokstedter Steindamms genommen und schon einmal musste das Stadion für die Forschung bluten. Nur zwei Jahre nach der ersten Stadionverkleinerung folgten weitere 5.000 Plätze, die wegen einer Erweiterung des UKE-Geländes geopfert werden mussten. Die Ostseite des Stadions ziert seitdem unmittelbar hinter dem Tor ein Zaun.

Als Entschädigung für die damit ebenfalls genommenen Nebenplätze erhielt der SC Victoria die Sportanlage am Grandweg, die 2010 den „Stadtgärten Lokstedt“ weichen musste. Als Gegenleistung dafür wiederum wurde die Sportanlage auf der westlichen Seite des Lokstedter Steindamms (neben der Tennisanlage des SC Victoria) modernisiert.

Nun aber droht einem der ältesten Fußballstadien das endgültige Aus, wenn es nach dem Willen der Handelskammer ginge. Die Neuanlage von Stadion und Tennisplätzen des ETV im Westen des Lokstedter Steindamms ist zudem fraglich. Käme es dort zum Bau eines neuen Regionalliga-Stadions müssten Kleingärten in erheblichen Umfang verschwinden.

Bei solch einschneidenden Folgen drängt sich die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen eines HIP Eppendorf auf.

Grundsätzlich folgt dieses Konzept dem Leitbild der „wachsenden Stadt“. Nur eine stetig wachsende, sich an vergleichbaren internationalen Städten orientierende Metropole bleibt wettbewerbsfähig.

Dieser Gedanke aber ist ein Überbleibsel aus den Amtszeiten Ole von Beusts und schreibt Entwicklungen fort, wie sie noch am Ende des letzten Jahrhunderts prognostiziert wurden, sich aber nicht weiter aufrecht erhalten lassen.

Vor dem Hintergrund der heutigen Realitäten, der internationalen Finanzkrise, den aus allen Nähten platzenden Großstädten und dem Wunsch vieler Bürger zur Umkehr erscheint ein solches Leitbild geradezu paradox.

Schade, dass Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) diese Idee und Philosophie fortführt.

Auf dem langen Weg zur Innovations-Hauptstadt könnten durch das HIP Eppendorf etwa 700 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Arbeitslosigkeit befindet sich allerdings in Hamburg aktuell auf dem tiefsten Stand seit 1993. 33.000 freie Stellen können nicht besetzt werden.

Was würde also der Bau eine Innovationszentrums außer dem offensichtlichen Verlust der Sportstätten und dem fraglich als Gewinn zu bewertenden Arbeitsplätzen für Lokstedt und Eppendorf bedeuten.

Zunächst würde die mehrjährige Bauphase eine erhebliche zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelästigung des Lokstedter Steindamms bedeuten. Besonders betroffen wären die im letzten Jahr beispielhaft sanierten Wohnungen der Hamburger Lehrer-Baugenossenschaft am Lokstedter Steindamm gegenüber dem geplanten Innovationszentrum.

Zukünftig werktäglich 1400 zusätzliche Kraftfahrzeug-Verkehre auf dem ohnehin stark belasteten Lokstedter Steindamm und dem Siemersplatz alleine durch den täglichen Arbeitsweg der Angestellten. Sowie weitere Verkehrsbelastungen durch deren Angehörige.

Die neuen Arbeitskräfte nebst ihren Familien würden Wohnraum benötigen. Vermutlich werden sie diesen in Lokstedt oder Eppendorf suchen. Wohnungen sind aber mittlerweile in Hamburg knapp geworden.

Da müsste man dann wohl eine weitere Sportstätte oder einen weiteren Park bebauen. Dann wird die von Schmidt-Tenz gepriesene „schöne Stadt“ auch in Lokstedt nicht mehr grün sein.

Die betroffenen Sportvereine wurden von der Handelskammer bereits vorab von den Plänen in Kenntnis gesetzt.

Der 1. Vorsitzende des ETV Frank Fechner informiert aktuell die Mitglieder und Gremien des Vereins über diese Planungen und bittet um Verständnis dafür, dass er "zum jetzigen Zeitpunkt keine inhaltliche Stellungnahme abgeben kann". Er verweißt aber darauf, dass sich der Senat "bislang noch nicht geäußert hat. Wir werden die Pläne der Handelskammer im Verein diskutieren und uns zu gegebener Zeit dazu positionieren."

Gewinnen würde vermutlich nur die Wirtschaft, deren Interessen durch die Handelskammer vertreten werden. Schließlich soll jeder der Innovationsparks 115 Unternehmen hervorbringen.

In ganz besonderem Maße kann sich allerdings der Investor freuen, schließlich fordert das Konzept, dass die Stadt ihm die Flächen kostengünstig anbietet. Da können dann die Sportvereine und die Besitzer von Kleingärten sehen wo sie bleiben.

Fotos Alexander Zillekens
www.scv-liga.de.tl/Hintergrund-Stadion-Hoheluft.htm
www.hk24.de

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© Lokstedt-online.de 02.12.2011