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Bürgerinformation

Können Fahrräder lesen?

Fast ein Jahr ging Hansjürgen Rhein durch die Mühlen der Bürokratie um die Info-Tafel des Bürgerhauses Lokstedt am Siemersplatz zu erneuern. Im November endlich wurde die marode Tafel durch einen CityLight-Kasten ersetzt. Dieser ist allerdings in einem Meer von Fahrrädern gestrandet.

Die Bedeutung von Informationstafeln ist nicht mehr die, die solche Stadtmöbel im prä-digitalen Zeitalter einmal hatten. Entsprechend war der Zustand der beiden Hinweistafeln am Siemersplatz und in der Grelckstraße. Durch Wind und Wetter, aber auch durch unachtsame Autofahrer, beschädigt, waren sie in den letzten Jahren dem Verfall preisgegeben.

So wurde im Februar 2014 die Info-Tafel des Bezirks in der Grelckstraße (neben dem Restaurant Il Tramonto), auf der Interessierte Termine der Regionalausschuss-Sitzungen, Mütterberatung und Korksammlung erfuhren, abgebaut (siehe Lokstedt online vom 19.03.2014).

Auch eine der beiden Info-Tafeln des Bürgerhauses Lokstedt (die am Siemersplatz, die andere steht in der Grelckstraße vor Aldi) war in die Jahre gekommen. In einem Antrag auf Sondermittel, die Grüne und SPD im Regionalausschuss Lokstedt am 29.04.2014 beantragten, heißt es: „Die öffentliche Info-Schautafel an der Bushaltestelle vor der Haspa am Siemersplatz ist nach vielen Jahren unansehnlich geworden: Der Rahmen ist rostig, die Spanplatte aufgequollen. Die Einrichtung hat ausgedient…Das Bürgerhaus hat für eine derartige Vitrine jedoch kein Geld“.

Der Zustand der in die Jahre gekommenen Tafel stach insbesondere auch deshalb ins Auge, da rundherum alles erneuert wurde. Nur das Bürgerhaus, dass im letzten Jahr hohe Sanierungskosten für sein Haus in der Sottorfallee zu tragen hatte, konnte wegen klammer Kassen bei diesem Umbau-Marathon des Bezirks am Siemersplatz nicht mitziehen. Immerhin 6.881,48 Euro kostet eine neue Vitrine inklusive Aufbaukosten.

Die Mühlen der Verwaltung

Schon im Januar auf dem Neujahrsempfang des Bürgerhauses hatte Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke versprochen, sich für eine neue Info-Tafel einzusetzen. Hansjürgen Rhein nahm sich dieser Sache an, damit dieses Versprechen nicht in Vergessenheit geraten würde.

Am 28.11.2014 war es dann soweit. Rhein war morgens um 8 Uhr persönlich vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Fast ein Jahr hatte es gedauert, bis Arbeiter einen CityLight-Kasten der Firma Meeder Bau montierten. Inzwischen sind bereits die Einladungen für den nächsten Neujahrsempfang verschickt.

Die lange Dauer eines solchen Vorhabens ist eher die Norm als die Ausnahme. Nach dem der Regionalausschuss und die Bezirksversammlung Sondermittel bewilligt hatten, mussten nämlich noch Fragen über Fragen geklärt werden. Es musste beispielsweise mit dem Wegewart verhandelt und auch Vandalismus-Risiken eingeschätzt werden. Am Ende galt es noch zu klären, wer die Fläche reinhalten würde.

Höhepunkt des Antrags auf Bewilligung des Zuschusses allerdings: In einem Anhang musste das Bürgerhaus Lokstedt eine Caberta-Klausel (auch Hamburger Technologie-Erklärung genannt) abgeben. Darin heißt es: Man schule weder nach der „Technologie von L. Ron Hubbard“, noch führe man sein Unternehmen nach dieser Technologie und die Geschäftsführung lehne diese Technologie ab.
Für eine Behörde ist solche Schutzerklärung gegen Unterwanderung durch Scientologen vielleicht ein normaler Vorgang. Man kann allerdings über das Bürgerhaus sagen was man will, aber dass dort eine Sekte Unterschlupf finden könnte, ist wirklich weit hergeholt. Was das soll ist fraglich.

Aus dem Verwaltungsakt wird eine Posse

Zwar hat der Verwaltungsjurist Rhein, Gründer des Bürgerhauses Lokstedt, für den dieser verschlungene Weg durch die „Mühlen der Bürokratie“ eigentlich nur ein kleiner Spaziergang war, am Ende tatsächlich einen schmucken Info-Kasten erhalten. Doch ein voller Erfolg sieht anders aus.

Schon beim ersten Termin mit dem Wegewart wurde klar, dass Fahrradständerbügel versetzt werden müssten, damit der neue Kasten überhaupt geöffnet werden kann. Am Siemersplatz ist so etwas ein unerhörter Vorgang, mittlerweile fast ein Politikum - da es dem Eingeständnis, beim viel kritisierten Umbau Fehler gemacht zu haben, gleichkommt.

Aber bereits an dieser Stelle hätte den Verantwortlichen ein Licht aufgehen müssen: Gleichsam ein Moment zum innehalten und überlegen, ob der Info-Kasten nicht vielleicht doch anders platziert werden sollte. Aber wohin auch?

Ja, mir san mit'm Radl da

Doch nun ist der neue Kasten einbetoniert und in einem Meer von Fahrrädern gestrandet, die das Lesen der dargebotenen Informationen erschwert. Und es zeigt sich an dieser Posse erneut, dass die Planer der Umbauarbeiten des Siemersplatzes keine Daten für Radfahrer eingeholt haben. Im Erläuterungsbericht zur Busbeschleunigung der Metrobuslinie 5 - Umplanung des Knotenpunktes Siemersplatz, heißt es auf Seite 4: „Fußgänger- und Radfahrerzahlen liegen nicht vor. Auf Grund der vor Ort gewonnenen Eindrücke wird das Radfahreraufkommen als durchschnittlich bewertet.“

Dieses Versäumnis der Behörde beginnt sich nun zu rächen. Und vermutlich wird es von Jahr zu Jahr nur immer schlimmer werden. Beim Umbau des Siemersplatzes ist nicht bedacht worden, dass es immer mehr Radfahrer gibt, die ihr Fahrrad schließlich, wenn sie am Siemersplatz einkaufen oder von dort mit dem Metrobus weiterfahren, irgendwo abstellen müssen. Das ist die logische Konsequenz davon, das Hamburg wächst.

Auch vor der Post sind zudem Parkplätze weggefallen. Dafür wurden Stellplätze für Fahrräder eingeplant. Diese werden aber kaum benutzt, da sie auf einem Podest stehen. Um sie zu benutzen muss man sein Fahrrad hochhieven, während dessen aufpassen, dass kein Auto kommt und das Fahrrad dann zwischen die anderen stellen. Für ältere Menschen kaum zu schaffen. So kommt es dazu, das die Fahrradständer vor der Haspa intensiver genutzt werden: Will heißen, es wird dort ein mehrfaches an Fahrrädern abgestellt, als die vier Fahrradbügel eigentlich hergeben. Wochentags gegen Mittag stehen da bis zu 30 Fahrräder und die Fußgänger kommen kaum noch an den Rädern vorbei - geschweige denn an die neue Vitrine.

Es stellt sich die Situation vor der Haspa also wie folgt dar. Der Bus hält auf einer aufwendig - 5 Millionen kostete der Umbau des Siemersplatzes - errichteten Kap-Haltestelle. Die wartenden Fußgänger stehen auf dem Radfahrweg, die abgestellten Fahrräder aber befinden sich dort, wo eigentlich die Fußgänger gehen sollten. Die neue Info-Tafel wiederum steht mittendrin zwischen den Fahrrädern, was nur Sinn machen würde, wenn diese lesen könnten.

Außerdem stellt die Ausrichtung der Vitrine - quer zum Fußweg - eine Verkleinerung des Fußweges dar, so dass man als Fahrradfahrer annehmen könnte, dass dieser Platz in voller Breite zum Fahrradabstellen vorgesehen ist.

Aus Zwei mach Eins

Hinzu kommt, dass die im Februar entfernte bezirkliche Info-Tafel in der Grelckstraße nicht erneuert wird. Daher sollen nun in dem neuen Kasten neben den Mitteilungen des Bürgerhauses auch die des Bezirkes angeschlagen werden.
Im Antrag von SPD und Grünen heißt es: „Das angebrachte Infomaterial soll ausschließlich nichtkommerziellen Zwecken dienen: Bekanntmachung von Vereinsnachrichten, aber auch Sitzungsterminen der bezirklichen Gremien und besonderen behördlichen Veranstaltungen.“

Im Klartext: Veranstaltungshinweise des Bürgerhauses werden neben den Terminen der Regionalausschuss-Sitzungen, Mütterberatung und Korksammlung angebracht.

Am Ende ist diese komplette Auflistung aller erdenklichen „nichtkommerziellen“ Informationen in einer Vitrine sogar sinnvoll: Sollte es nämlich einem Bürger gelungen sein, über zwei bis drei Fahrräder zu steigen um an die Info-Tafel zu gelangen, dann sollte ihm auch das ganze Füllhorn an Informationen, die der Stadtteil zu bieten hat, zu Teil werden. Wie heißt es noch gleich im Antrag von SPD und Grünen? „Die Bezirksversammlung hat ein großes Interesse, die Bürger vor Ort über Aushänge in einer Info-Vitrine über bezirkliche Termine zu informieren. Der Standort am Siemersplatz liegt zentral, ist hoch frequentiert und erreicht viele Eimsbütteler.“

Apropos Eimsbütteler. Das Geschenk des Bezirksamtsleiters war dann am Ende doch keines. Im Grunde hat der Bezirk sich als Untermieter in die Vitrine des Bürgerhauses eingenistet.

Wir sind allerdings gespannt, ob die Infos des Bezirks dort überhaupt je angebracht werden - vermutlich muss dafür erst eine Planstelle geschaffen werden. Und mal ehrlich: Ist es nicht viel besser, der Lokstedter hält sich aus der Regionalpolitik raus? Nur so ist zu erklären, wie nachlässig der Bezirk mit Bürgerinformation umgeht.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 06.01.2015