Vermüllung

Ein Müllbehälter im Dickicht der Bürokratie

Ursula Voigt hat sich vor wenigen Tagen über den Müll rund um den Obelisken am Heckenrosenweg beschwert. Zunächst hat die Lokstedt online-Leserin selbst für Abhilfe gesorgt, nun nach einem Ansprechpartner in den Behörden gesucht und einen sauberen Platz gewünscht. Frau Voigt kann aufatmen; der Reinigungsauftrag ist erfolgt.

An sich sind die Verantwortlichkeiten klar geregelt: Wenn ein Müllproblem auf einem öffentlichen  Weg auftritt, ist das ein Thema für die Stadtreinigung (SRH). Dagegen sind "vergessene" Flaschen und Burger-Tüten auf Grünflächen ein Fall für die Saubermänner vom Bezirksamt.

SRH-Sprecher Reinhard Fiedler und seine Reinigungsspezialisten haben sich Bilder vom Spitzsäulen-Schauplatz Heckenrosenweg angeschaut. Sie kommen zu dem Schluss: Der Plattenweg zur Kollaustraße ist kein Aktionsfeld der Stadtreinigung. Und damit auch nicht die Sauberkeit rund um den Obelisken.

Nachfrage im Bezirksamt. "Wir haben im vergangenen Jahr mit Sondermitteln die Platten gelegt und zwei Bänke gesetzt", berichtet ein Mitarbeiter. Auf einen Abfalleimer hat die Verwaltung verzichtet. Denn wo kein Behälter, da kein Müll - so die fromme Hoffnung. Wieder Fehlanzeige: Für das Unratproblem auf dem hübschen Flecken Lokstedt sieht sich er Bezirk nicht zuständig. Das Sumpfbiotop, so stellt sich heraus, ist eine "Liegenschaftsfläche", steht unter  Aufsicht der Finanzbehörde.

Behördensprecher Daniel Stricker ist zunächst irritiert, als der Reporter wegen eines Mülleimers die Behörde anruft. Dennoch fragt er im Hause nach. Sein Ergebnis: Die Finanzbehörde hat das Gelände an eine Verwaltungsgesellschaft gegeben. Und dieser "private Dienstleister", so Stricker, "hat jetzt den Auftrag zur Reinigung erhalten".

Damit Bürgerinnen und Bürger der Stadt im Kampf gegen Dreck keinen Gang durch die Institutionen beschreiten müssen, gibt es die Hotline Saubere Stadt

Über die Telefonnummer 2576 1111 oder online können die Hanseaten schmutzige Ecken melden. "Wir ermitteln, wer zuständig ist", erklärt Reinhard Fiedler. Im "Betriebsbereich Reinigung" der SRH sitzen Fachleute und kennen ihre Ansprechpartner in der eigenen Firma, in Betrieben und Verwaltungen. 1.186 Aufträge hätten Hamburger Bürgerinnen und Bürger im  April 2014 über die Hotline erteilt, so die SRH. 1.018 Anrufe seien bis Ende des nächsten Arbeitstages erledigt worden, 110 innerhalb von drei Tagen und 58 nach drei Tagen. 

Vor allem geht es um Restmüll, illegal entsorgte Müllsäcke (blau, grau, weiß) sowie  Sperrmüll-Teile. Häufig rufen auch verlassene Einkaufswagen, Fahrradwracks und zugewucherte Wege die Entsorger auf den Plan. Es gibt einfache Fälle der Zuständigkeit, und es gibt sehr komplizierte. Fiedler: "Der Platz rund um den Obelisken gehört eindeutig zu den komplizierten".

https://www.srhh.de

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© Lokstedt-online 17.05.2014, Manfred Korte