• /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  •         

Neujahrsempfang

Bürgerhaus backt kleine Brötchen

Es ist die Zeit der traditionellen Neujahrsempfänge. Mitte Januar hatte auch das Bürgerhaus Lokstedt geladen. Nach einem stürmischen Jahr soll nun wieder Ruhe und Beschaulichkeit einkehren: Von Umbauplänen wurde inzwischen Abstand genommen, statt dessen ist Sanierung angesagt.

Das Buffet war Programm im Bürgerhaus. Das fiel nämlich eine Nummer kleiner aus als im letzten Jahr. Uschi Ihsche machte Käsehäppchen, das musste reichen. „Zwischenzeitlich war nicht klar, wie es weitergeht“, so der Bürgerhaus-Vorsitzende Jörg Fischlin in seiner Begrüßungsrede vor den zahlreich erschienenen Gästen.

Das Bürgerhaus Lokstedt erhält im Gegensatz zu vielen anderen öffentlichen Einrichtungen nämlich keinerlei laufenden Subventionen und ist insofern gänzlich finanziell abhängig von seinen Mitgliedern, Spenden und seinen Ehrenamtlichen.

Und wären da nicht die ehrenamtlichen Helfer, die „die zahlreichen Veranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen umsetzen, das Bürgerhaus könnte nicht existieren…dafür ein großes Dankeschön “, so Fischlin.

Doch was das Buffet betraf, es standen in diesem Jahr einfach nicht ausreichend viele Mitarbeiter für die Vorbereitungen des Neujahrsempfang zur Verfügung.

Spendable Gäste

Bei so kleinen Brötchen und so klammen Kassen verwunderte es nicht, dass manche Gäste besondere Präsente mitgebrachten. Monika Wipperhausen von der Haspa beispielsweise hatte neben ihrem Ehemann auch ihr Scheckbuch mitgebracht.

Auch die Politik war in diesem Krisenjahr behilflich gewesen. Aus der Kommunalpolitik kamen der Bezirksamtsleiter Thorsten Sevecke und sein Parteigenosse der SPD-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Rust. Von der FDP war Lutz Schmidt zugegen und Roland Heintze, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, sowie Carsten Ovens von der CDU komplettierten den Reigen der Politiker.

Aber auch die Geschäftswelt hat im letzten Jahr einiges für das Bürgerhaus getan. Und es waren nicht nur die großen Spenden wie die der Haspa. Im letzten Jahr hatte sie bereits neue Stühle und Tische gestiftet. Zum Neujahrsempfang überreichte Wipperhausen einen Scheck in Höhe von 3000 Euro für eine Industriespülmaschine, über die sich nicht nur Fischlin freut. Eine solche Spülmaschine wäscht deutlich schneller, da brauchen die ehrenamtlichen Helfer nach den Veranstaltungen nicht stundenlang zu warten, bevor sie das Geschirr wegräumen können.

Es waren aber gerade auch die kleineren Firmen, die das Bürgerhaus im letzten Jahr, etwa durch eine Anzeige im Programmheft, unterstützten. Stellvertretend für diese Gruppe waren der Friseur Paul Schneider, Marina Carstens vom Blumengeschäft Magnolia und der Optiker Helmut Sadler ins Bürgerhaus gekommen.

Gestiegene Kosten

Der Vorsitzende des Bürgerhauses hatte, als er das letzte Jahr Revue passieren lies, zunächst auch wenig Positives zu vermelden: Im Hinblick auf die steigenden Betriebskosten halte „die Kooperation im Haus mit der Kita und MusikKunstschule uns am Leben“.

Die Pläne für den langjährig geplanten Wintergarten mit Konzertsaal könnten auf absehbare Zeit nicht realisiert werden. Die dafür vorgesehenen Gelder konnten, dank der Umwidmung durch den Bezirk, für dringend notwendige Dach- und Sanierungsarbeiten verwendet werden.

Das Programm

Inhaltlich setzt Fischlin im neuen Jahr im wesentlichen auf Bewährtes. Er hob in seiner Rede die Veranstaltungsreihen „Im Gespräch mit NGOs“ und den im Februar beginnenden thematischen Frühschoppen „Zeitzeugen“ hervor.

Es ist aber wohl auch ein wenig bezeichnend für die schwierige Situation, für ein Bürgerhaus im Umbruch, dass die einzige wirklich neue Veranstaltungsreihe von einem Senioren ins Leben gerufen wird. Initiator dieser Veranstaltung, auf die wir alle sehr gespannt sind, ist der rüstige und umtriebige Robert W. Hugo. Dieser nutzte den Empfang auch gleich, um Einladungen für die neue Veranstaltungsreihe, die am Sonntag, den 9. Februar um 11 Uhr erstmalig stattfinden wird, zu verteilen.

An politischen Themen erwähnte Fischlin die Wichtigkeit eines Zentrums für Lokstedt am Behrmannplatz, nachdem der Siemersplatz dafür nicht mehr in Frage komme. Dieses Thema beschäftigt das Bürgerhaus und das Lokstedter Forum ja schon seit sehr langer Zeit.

In diesem Jahr wird das Bürgerhaus allerdings einen neuen Schwerpunkt für seine politische Arbeit setzen: Es geht um die inzwischen viel kritisierte Ganztagesschule. Das lokales Bündnis für Familie in Lokstedt wird sich mit der Regionalen Bildungskonferenz beschäftigen. Dort soll auf die gemeinsame Entwicklung einer Bildungslandschaft in Lokstedt als Kooperation zwischen Kita, Schule, Vereinen und Einrichtungen hingewirkt werden.

Hier wirken ja inzwischen auch die großen Sportvereine ETV und Grün-Weiß-Eimsbüttel, dessen Vorstand Peter Torke auf dem Empfang anwesend war, kräftig mit.

Und um den Reigen der Gäste an dieser Stelle zu vervollständigen. Es waren noch die Vertreter von Vereinen und Organisationen, mit denen das Bürgerhaus zusammenarbeitet, gekommen. Genannt seien hier stellvertretend Ingelor Schmidt und Joerg Kilian vom Forum Kollau. Und wir freuen uns schon heute auf den von Ihnen veranstalteten Lokstedter Abend, der in diesem Jahr am 21. Februar stattfinden wird.

Ist Stillstand nicht eigentlich Rückschritt?

Obwohl Bürgerhaus-Vorstand Fischlin schon in letzten Jahr gelegentlich Existenzängste überkamen, wird doch im Grunde alles so bleiben wie bisher. Die Veranstaltungen müssen notgedrungen im überschaubaren Rahmen bleiben.

Einen Anbau wird es nicht geben. Und kommen einmal mehr als die üblichen 10 bis 20 Personen zu einer Veranstaltung ins Bürgerhaus, wie zum heutigen Neufahrsempfang, muss man für das Gruppenfoto in den Garten ausweichen.

Wird es einmal etwas lauter, droht Ärger in der Nachbarschaft. Das Bürgerhaus hat es nicht leicht, so mitten in einem Wohngebiet, dem Zylinderviertel, gelegen.

Natürlich fragt man sich, gerade jetzt zum Jahreswechsel in besinnlichen Stunden, ob den wirklich immer aller mehr und größer werden muss. Aber, gerade auch hier in Lokstedt, leben wir in einer sich ständig ändernden Umwelt. Lokstedt wächst rapide, ist nicht mehr der beschauliche, grüne Stadtteil. Und das Bürgerhaus ist der einzige Ort, der sein kulturelles Angebot für die wachsende Bevölkerung aufrecht erhält.

Aber das Bürgerhaus wächst nicht. Also Stillstand. Sanierung statt Visionen. Und so mancher fragt sich, was bringt die Zukunft dem Bürgerhauses. Was kommt nach der 30-jährigen Ära Hansjürgen Rhein? Gibt es eine Zukunft, vielleicht in größeren Räumlichkeiten, in der das Bürgerhaus nicht für die Betriebskosten auf Kita und Kunstschule angewiesen sein wird.

Aber noch sind offensichtlich die Zeiten der kleineren Wünsche. Adressiert an den Bezirksamtsleiter Sevecke und die Kommunalpolitik klagte Fischlin: „Unsere Stellwände sind in einem Zustand, der schon Antiwerbung ist. Wir würden uns über neue, gerne ähnlich wie Glasvitrinen, freuen“

Soviel Bescheidenheit wird von der Politik belohnt. Fischlin erhielt sogleich eine Zusage von Sevecke, dass sich die Kommunalpolitik und -verwaltung darum kümmern werden.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 01.02.2014