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CCC im Bürgerhaus

Im Gespräch mit Dodger

In der Diskussionsreihe mit Nichtregierungsorganisationen war Michael Hirdes vom Chaos Computer Club (CCC) im Bürgerhaus zu Gast. Der Saal war voll und die Gäste haben bis zuletzt aufmerksam den lockeren Erzählungen zugehört, Fragen gestellt und mit ihren eigenen Erfahrungen zur Diskussion beigetragen.

Michael Hirdes (aka Dodger) fesselte die Besucher zunächst mit der Geschichte des CCC und erinnerte an die Zeit Anfang der 80er Jahre, als der Club mit wenigen Aktiven entstand: "Tuwatt.txt – Damit wir als Komputerfrieks nicht unkoordiniert vor uns hinwuseln, tun wir wat."

Heute hat der Club über 6000 Mitglieder, die offensichtlich alle ein Formular ausfüllen können, wie Dodger es ausdrückte. Damals, das muss man sich vorstellen, war der Besitz eines Modems noch strafbar, wenn es nicht von der Bundespost erworben wurde. Dass das Hacken eigentlich nicht mehr bedeutet als eine einfache Lösung für ein kniffliges Problem zu finden, haben wir gelernt. Und dass der Verein eigentlich deshalb entstand, weil die Alternative für die frühen "Komputerfrieks" sonst gewesen wäre, neben der RAF im Verfassungsbericht zu erscheinen. Dann doch lieber einen Verein gründen. Er erinnerte, dass das Eidelstedter Bürgerhaus 300 Leute unterbringen musste, um den der ersten CCC-Kongress zu beherbergen, und dass die Haspa in den Btx-Zeiten bitter lernen musste, dass das, was sie als sichere Seite wähnte, von den Hackern mit den simpelsten Mitteln geknackt werden konnte. Große Schlagzeilen machte der CCC auch als „Forschungsreisende“ in die NASA- und KGB-Computer und vor ein Paar Jahren mit der Entlarvung des stümperhaft entwickelten Staatstrojaners.
 
Wer nun glaubte, dass der CCC darauf aus ist, in irgendwelche fremden Computer hinein zu gelangen, um Daten zu klauen, konnte umlernen. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft würden gern CCC-Experten für sich  abwerben. Da schauen die Experten aber genau hin und sind wählerisch, ehe sie sich vor einen Karren spannen lassen. Den Fall Snowden hat den CCC neulich mit einer Demonstration bedacht und missbilligt den jüngsten Umgang mit den britischen Guardian-Journalisten, die über Wikileaks-Informationen verfügten. „Chaos macht Schule“ ist ein CCC-Projekt zur Aufklärung von Schülern, Eltern und Lehrern in Sachen Computer und Datensicherheit. Das Projekt "Freifunk" hat das Teilen von WLAN-Horspots zum Ziel, um durchgängige Internetnutzung mit mobilen Geräten zu ermöglichen. Die Ressourcen sind vorhanden, wenn Leute ihre WLAN-Zugänge mit einem preiswerten kleinen Zusatzgerät auch anderen zur Verfügung stellen würden – ohne deshalb Zugang zu ihren eigenen Daten zu geben.
 
Die Gesundheitskarte, zu der die Krankenkassen ihre Versicherten bewegen wollen, löste kritische Diskussionen aus. Das Scoring von Mietern oder Kreditsuchenden ebenso. "Big data" – Die Daten sind weder gut noch schlecht. Kommt darauf an, wer was damit macht, betonte Dodger. Wer nun von all den Nachrichten über Datenklau verunsichert ist, den lud er zu einem der "Crypto-parties" von CCC ein. Am Ende fasste eine der Teilnehmerinnen ihre Eindrücke etwa so zusammen: "Ich verstehe ja vieles nicht, was sie da gesagt haben. Aber mir ist klar geworden, dass die Welt in der ich lebe, eine andere ist als ich dachte." Den Hobbyphilosophen Dodger erinnerte dieser Kommentar an den Film „Die Matrix“, der genau diesen Umstand gut verdeutlicht.  

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© Lokstedt-online 28.08.2013, Helena Peltonen