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Bürgerinitiative Emil-Andresen-Straße

Ein Beispiel für erfolgreiche Bürgerbeteiligung

Am 31.10.1915 wurde vor dem Pastorat zu Lokstedt, gelegen in der Rathausstraße, eine Blutbuche gepflanzt. Dies geschah aus Anlass der 400-jährigen Reformationsfeierlichkeiten.

Am nächsten Tag wurde die Straße in Lutherstraße (heute Bei der Lutherbuche) umbenannt. Man hatte den Plan des Baus eines Rathauses fallen gelassen. Daher die Umbenennung der Straße. Man hatte sich für einen Baum und gegen den Bau eines Rathauses entschieden.

Der Mann der dies zu verantworten hatte war der Rittmeister der Landwehr und Gemeindevorsteher Emil Andresen.

2008 plant die Stadt einen Umbau der nach dem Rittmeister benannten Emil-Andresen-Straße zwischen Julius-Vosseler-Straße und dem Lohkoppelweg. Nach Auffassung der Verwaltung würden 30 auf der nördlichen Straßenseite stehenden Bäume, etwa 60 Jahre alte Spitz-Ahorne, im Zuge des Straßenausbaus nachhaltig geschädigt und müssten gefällt werden.

Die Leiterin der Bürgerinitiative Marie-Luise Zachariae erinnert sich. „Friederike Brockmann und ich sind unabhängig voneinander im Frühjahr 2008 an die Öffentlichkeit gegangen: Die Fotografin Brockmann kam im „Heute Journal“ zu Wort. Ich habe eine Eingabe an den Petitionsausschuss der Bürgerschaft gemacht: daraufhin wurden weitere Straßenplanungen erst einmal gestoppt.“

Die Anwohner hatten eine Bürgerinitiative zur Rettung der Bäume gegründet und waren in der Zwischenzeit nicht untätig.

Der Kern der Aktiven waren 10 Anwohner der Max-Tau-Straße und der Wohnanlage Andresen-Gärten. Die Grafik-Designerin Zachariae machte Plakate, die dann von anderen aus der Initiative mühevoll mit Paketbändern, ohne die Rinde zu beschädigen, angebracht wurden. Zachariae: „Leider gab es jemanden, der regelmäßig des nächtens diverse Plakate gestohlen hat. Das Plakat mit dem Vogelgezwitscher hing maximal zwei Tage."

Es wurde ausgiebige Pressearbeit geleistet. Die Hamburger erfuhren durch die Medien (Hamburg Journal, Niendorfer Wochenblatt, Hamburger Abendblatt, Hamburg1) über die Situation der Straße. Eine Diskussionsseite auf @wiki wurde eingerichtet.

Ein weiterer Verein „Kulturstedt“ wurde gegründet. Dieser sollte verschiedene Kulturevents organisieren und die dafür nötigen Mittel anwerben. So wurden auf und an der Straße Baumlesungen abgehalten. Die "Nacht der Bäume" mit Unterstützung vom Lichtkünstler Michael Batz war ein voller Erfolg.

Die verschiedenen Aktivitäten haben nicht nur die gewünschte Aufmerksamkeit für das Projekt gebracht. Auch die Nachbarschaft hat sich untereinander besser kennengelernt und solidarisiert.

Doch die Anwohner wurden letztlich von der Bürgerschaft nicht ernst genommen.

„Nach Ablehnung der Eingabe in der Bürgerschaft im Sommer 2009 haben wir sofort ein Bürgerbegehren veranlasst und innerhalb kurzer Zeit die erforderlichen Unterschriften eingereicht“, so die Leiterin der Bürgerinitiative.

5750 Stimmen waren erforderlich. Mehr als 8000 Hamburger unterschrieben. Damit waren die Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren erfüllt.

Seit Anfang 2010 dann wurde in drei Workshops nach Kompromisslösungen gesucht. Frau Zachariae schildert die Vorgänge: „Nach erfolgreichem Bürgerbegehren und großem Bekanntheitsgrad in der Hamburger Öffentlichkeit entschloss sich das Management des öffentlichen Raums Eimsbüttel mit Reinhard Buff als Baudezernent zusammen mit der Bürgerinitiative, dem HVV, dem Institut für Baumpflege, der Polizei sowie ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung eine neue Planung der Straße im Rahmen eines Workshops unter weitest möglicher Berücksichtigung der Anwohnerwünsche und dem unbedingten Erhalt der alten Ahornbaumreihe zu erarbeiten.

Im April 2010 dann die Wende: „Wir haben eine Lösung gefunden, die hoffentlich für alle akzeptabel ist", meldet sich der SPD-Politiker Rüdiger Rust zu Wort.

Die einvernehmliche Lösung: Die Straße wird grundsaniert und die 30 über 60 Jahre alten Ahornbäume bleiben stehen. Auf der Südseite der Straße müssen allerdings neun zum Teil noch junge Ahornbäume gefällt werden.

Das Ziel ist erreicht!

Für die Bürgerinitiative sind die Arbeiten allerdings noch nicht abgeschlossen. Zachariae: "Inzwischen haben wir die Straßenpläne vorliegen: sie entsprechen tatsächlich dem verabschiedeten Konzept und die Straße wird verkehrsberuhigt."

Bis die Straßenarbeiten voraussichtlich Mitte 2012 abgeschlossen sind gilt es aufmerksam zu bleiben. „Wir möchten auch an der Feinplanung konstruktiv mitwirken“. So sollen statt der üblichen Bügel Findlinge am Straßenrand stehen um wildes Parken zu verhindern.

„Erst dann ist die Arbeit beendet“, so Zachariae.

Die Bürgerinitiative hat einen Riesenbeitrag geleistet, dass ein Stück Lokstedt grün bleibt und vielleicht sogar schöner wird.

Nachtrag vom 06.06.2012:

Anfang Mai tagte der Stadtplanungsausschuss in der Aula der Schule Döhrnstraße und lud alle Anwohner zur Vorstellung der bevorstehenden Straßenbauarbeiten ein. Im Spätsommer 2012 soll nun begonnen und für ein halbes Jahr gebaut werden.

Zachariae: "Die jungen Ahornbäume auf der Südseite der Straße wurden schon im Frühjahr gefällt - das war der Kompromiss, den wir eingehen mussten. Ansonsten soll tatsächlich die Straße so gebaut werden, wie mit der Bürgerinitiative geplant!"

nacht-der-baeume.jimdo.com/
www.hamburg1.de

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© Lokstedt-online.de 13.11.2011