tempo30

Lärmschutz

Warum? Zum Schutz der Bevölkerung!

Schilder weisen die Autofahrer seit einigen Tagen dezent darauf hin, dass auf der Vogt-Wells-Straße zwischen 22 und 6 Uhr aus Lärmschutzgründen Tempo 30 gilt. Im Januar 2017 war das Pilotprojekt „Tempo-30-nachts“ bekannt geworden, nun ist es endlich auch in Lokstedt soweit.

Im Herbst 2016 wurden für die Erweiterung eines Pilotversuchs von einem behördenübergreifenden Arbeitskreis die 40 lautesten Straßen auf den Prüfstand gestellt. Gesucht wurden zehn weitere Streckenabschnitte, auf denen eine nächtliche Geschwindigkeitsreduktion auf Tempo 30 möglich ist. Ausgewählt wurde unter anderem die Vogt-Wells-Straße auf einer Streckenlänge von 310 Meter - das ist die Entfernung vom Behrmann- bis zum Siemersplatz.

Ein Anfang - immerhin

Ein überfälliger Schritt, der aber nur ein Anfang sein kann. Folgen sollte Tempo 30 an Sonn- und Feiertagen und schließlich ein generelles Tempolimit auf Lokstedts Straßen. Nur so kann dem ständig wachsenden Verkehrsaufkommen begegnet werden. Denn mittlerweile leiden etwa 370.000 Menschen in Hamburg ganztägig unter Lärm, so die Umweltbehörde, 250.000 Menschen sind ihm auch nachts ausgesetzt.

Was die Vogt-Wells-Straße betrifft, so hat sich das Verkehrsaufkommen hier in den letzten 20 Jahren noch einmal verdoppelt. Wer hier in den 1990er Jahren in Lärmschutzmaßnahmen investierte, kann inzwischen getrost neue Fenster bestellen und deren dB-Zahl beträchtlich erhöhen.
Politik mit Scheuklappen

Insofern ist es völlig unverständlich, wenn Abgeordnete wie Wieland Schinneburg (FDP) in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage vom 02.01.2017 den Sinn eines solchen Tempolimits bezweifeln. In seiner Frage an den Senat macht er sich die leicht zu widerlegenden Argumente der Automobil- und Wirtschaftsverbände zu eigen: „Bei Tempo 30 gegenüber Tempo 50 (ist) eine höhere Belastung mit Schadstoffen zu erwarten und eine Senkung der Lärmbelastung zumindest unsicher.“

Und weiter schreibt Schinneburg: „Warum wird auf diesen Strecken Tempo 30 eingeführt?“ Die Antwort der Behörde auf die Anfrage fällt denn auch ziemlich trocken aus: „Zum Schutz der Bevölkerung gegen Lärm“.

Schinneburgs Parteikollege Lutz Schmidt - er sitzt für die FDP in der Bezirksversammlung - geht in seiner Kritik an dem Projekt sogar so weit, dass er in einer Kleinen Anfrage herumalbert: „An der Vogt-Wells-Straße befindet sich auch eine zentrale Feuerwehr für Lokstedt und Umgebung. Einmal abgesehen davon, dass im Einsatzfall Sonderrechte für deren Fahrzeuge gelten, stellt sich die Frage: Welchen Sinn macht die neue Regelung, wenn die Fahrzeuge auf der Rückfahrt zu ihrer Wache während acht von 24 Stunden jedes Tages im Schleichverkehr unterwegs sein müssen?“

Vermengung mit Privatinteressen

Schmidts Verärgerung liegt offensichtlich an der Auswahl der aus seiner Sicht verkehrten Straße für das Pilotprojekt: „Unlängst hat die Bezirksversammlung Eimsbüttel beschlossen, dass die Tempoüberwachung am Lokstedter Steindamm durch die Polizei intensiviert werden möge. Warum wurde aus bezirklicher Sicht nun ausgerechnet die Vogt-Wells-Straße und nicht der Lokstedter Steindamm für eine neue Tempo-30-Regelung ausgewählt?“

So vermengen manche Politiker ihre privaten mit ihren politischen Interessen.

Generelles Tempolimit

Umweltverbände, Fahrradclubs und Bürgerinitiativen jedenfalls fordern seit Jahren unisono ein generelles Tempolimit in Hamburg.

Der Lärmexperte Christian Popp von der Firma Lärmkontor dazu im Hamburger Abendblatt: "Die einfachste und am schnellsten umzusetzende Maßnahme gegen die hohe Lärmbelastung ist die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30. Damit wird die Lautstärke um etwa zweieinhalb Dezibel (A) reduziert. Das entspricht etwa einer Halbierung der Verkehrsmenge. Es wäre grundsätzlich sinnvoll, überall dort Tempo 30 einzuführen, wo Menschen wohnen - zumindest nachts.“

Und gerade die Vogt-Wells-Straße ist ein gutes Beispiel dafür, dass Tempo 30 nicht nur in den Nachtstunden Sinn macht. Es gibt nämlich - außer dem Lärmschutz - noch etliche weitere Argumente dafür. Zunächst befindet sich die Vogt-Wells-Straße mitten im Ortszentrum, wo viele Passanten die Straße überqueren, leider auch auch fernab der dafür vorgesehenen Stellen. Zu jeder Tageszeit kann man hier Menschen, sogar Frauen mit Kinderwagen und Rentner mit Gehhilfen, die viel befahrene Straße queren sehen. Daher sollte schon aus Sicherheitsgründen Tempo 30 vor allem tagsüber gelten.

Außerdem befindet sich an der Vogt-Wells-Straße ein Kindergarten und ein Spielplatz. Die dort untergebrachten Kinder profitieren ebenfalls nicht vom nächtlichen Tempolimit. Ein weitere Grund für eine Erweiterung der Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf die Tageszeit. Und auch der Rentner, der im letzten Jahr mittags von einem LKW-Fahrer überfahren wurde, könnte bei einem generellen Tempolimit im Ortszentrum von Lokstedt möglicherweise noch leben.

Aber erstmal können wir froh sein, dass mit dem nächtlichen Tempo 30 ein erster Schritt in die richtige Richtung gegangen wird. Bislang allerdings befolgen nur sehr wenige Autofahrer das Tempolimit. Es sollten daher regelmäßig Radarmessungen durchgeführt werden, um das Tempolimit auch durchzusetzten.

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© Lokstedt-online 09.01.2018