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Unfälle auf Hauptverkehrsstraßen

Lokstedt zukünftig weiträumig umfahren

Zwei tödliche Verkehrsunfälle auf der Lokstedter Ost-West-Tangente binnen 17 Stunden zeigen exemplarisch, wie es um die Sicherheit auf Lokstedts Straßen bestellt ist: Am Mittwochabend wurde eine Frau auf der Julius-Vosseler-Straße von einem Motorrad erfasst, am Donnerstagmittag ein Fahrradfahrer vom Lkw überfahren.

Die Rentnerin hatte am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr noch eingekauft. Warum sie in der Dämmerung mit ihren Einkäufen ausgerechnet die vielbefahrene Julius-Vosseler-Straße fernab von Ampel oder Zebrastreifen überquerte, sei dahingestellt. Sie wurde von einem Motorrad erfasst und starb noch am Unfallort auf dem Asphalt. Es wurde zwar noch mehrfach versucht - sowohl von Laien als auch vom Rettungsdienst - das Unfallopfer zu Reanimieren. Jedoch ohne Erfolg.

Zu dem Unfall kam es durch Unachtsamkeit: Die Seniorin übersah den Motorradfahrer, der von einer Parkspur auf die Fahrbahn wechselte und der Motorradfahrer sah nur nach links, übersah deshalb die 79-Jährige. Eventuell hat auch eine Baustelle mit Dixi-Klo den beiden Unfallbeteiligten die Sicht versperrt - das werden die Unfallermittler sicher klären.

Doch ist für diesen Unfall ausschließlich die Unachtsamkeit der Unfallteilnehmer Schuld? Oder trugen auch die örtlichen Gegebenheiten mit zu diesem Unfall bei?

Bei genauerer Betrachtung des Unfallortes fällt nämlich auf, dass hier sehr häufig Senioren die Fahrbahn überqueren. Unmittelbar in diesem Bereich beginnt nämlich eine Mittelleitplanke, die ihnen für die nächsten 150 Meter das Überqueren der Fahrbahn nahezu unmöglich macht. So wird aus einer gut gemeinten Leitplanke letztlich ein Gefahrenschwerpunkt - eine Sollbruchstelle inmitten des unablässig durch unseren Stadtteil rasenden Verkehrs.

Mit anderen Worten: Irgendwann musste es einmal passieren, dass hier - genau an dieser Stelle - ein älterer Mitbürger überfahren wird! Unfallursächlich eigentlich die Tatsache, dass es hier keine Fußgängerampel gibt!

Zwar hätten die Senioren alternativ die Möglichkeit am Odernskamp die Julius-Vosseler-Straße zu überqueren. Aber das ist zunächst 150 Meter weit weg und man benötigt vier Ampeln und einen Zebrastreifen um auf die andere Seite zu kommen. Für ältere Menschen ein langer Weg der viel Zeit kostet. Und ob dieser lange Weg sicherer ist sei noch dahingestellt. Die Autos hupen und nehmen kaum Rücksicht auf Fußgänger - fahren obwohl man noch nicht auf der anderen Seite ist.

650 Meter weiter, nur 17 Stunden später

Am Donnerstagnachmittag gegen 14.30 Uhr überquerte ein Rentner auf seinem Rad den Behrmannplatz in Höhe Grandweg. Für ihn zeigte die Ampel grün, er wähnte sich in trügerischer Sicherheit.

Im Presseportal der Polizei Hamburg heißt es: „Nach den bisherigen Erkenntnissen überquerte der 77-jährige Fahrradfahrer bei grün zeigender Fahrrad- / Fußgängerampel fahrend den Kreuzungsbereich in Richtung Grandweg. Ein auf der Vogt-Wells-Straße in Richtung stadtauswärts fahrender Lkw-Fahrer (59) missachtete im Kreuzungsbereich aus noch ungeklärten Gründen das Rotlicht. Im Kreuzungsbereich kam es zunächst zur Kollision mit dem vorfahrtsberechtigten Pkw (VW Touran) einer 38-Jährigen, die in Richtung Grandweg fuhr. Im weiteren Verlauf erfasste der Lkw-Fahrer den Fahrradfahrer.“

Der polytraumatisierte Radfahrer wurde nach Versorgung durch den Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Dort erlag er seinen Verletzungen.

Doch bei diesem tragischen Unfall mitten im Herzen Lokstedts hätte es noch viel schlimmer kommen können. Denn der Lkw war ja, bevor er den Fahrradfahrer überrollte, mit einem Pkw kollidiert. Doch die Fahrerin des Touran und ihr auf dem Rücksitz befindliches Kleinkind hatten unglaubliches Glück. Die Mutter zog sich lediglich einige Schürfwunden zu, ihr Kind wurde nicht verletzt.

Der Rotlicht-Sünder erlitt einen Schock. Alle drei Überlebenden des Unfalls wurden nach Angaben der Feuerwehr vorsorglich zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

Doch auch hier darf die Frage erlaubt sein: Trägt der Fahrer des Kipplasters die alleinige Verantwortung? Solche Unfälle sind nämlich mit Nichten tragische Ausnahme. Sie passieren fast täglich auf den Straßen Hamburgs. Denn so selten ist es eben nicht, dass Ampeln bei rot überfahren werden. Dies belegt die Antwort auf die Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Till Steffen aus dem Dezember 2013: „Im Jahr 2011 führte fast jeder zweite Rotlichtunfall zu Personenschäden. So sind bei Rotlichtunfällen im Hamburger Stadtgebiet drei Personen getötet und weitere 340 Personen verletzt worden.“

Doch wie hätte der Unfall vermieden werden können?

Straße von Kindern blockiert

Eine Antwort findet sich auf der Stresemannstraße in Altona. Dort wurde 1991 die neunjährige Nicola S. - ebenfalls von einem Laster, der eine rote Ampel missachtete - überfahren. Schon zwei Stunden nach dem Unfall wurde die Straße von 120 Kindern blockiert. Die Anwohner erzwangen mit solchen Aktionen letztlich eine Tempo-30-Zone, die mittlerweile mittels Blitzern nahezu lückenlos umgesetzt wird. Die Hamburger Autofahrer haben sich inzwischen mit der Regelung arrangiert.

Was die Sicherheit auf Lokstedts Straßen betrifft, da werden immer nur Forderungen gestellt. Nie wird etwas davon umgesetzt. Statt an jeder Ecke im Wahlkampf zu Plakatieren, wäre es besser gewesen sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Oder im Seniorenheim bei spendierten Kaffee und Kuchen nicht nur leere Versprechungen zu machen.

Und, vielleicht sollten wir auch einmal unsere Straßen für den Durchgangsverkehr blockieren?

Ein Bild des Grauens

Die Unfallstelle am Behrmannplatz bot nach dem Unfall jedenfalls ein Bild des Grauens. Das Presseportal der Feuerwehr Hamburg umschreibt die vorgefundene Situation: „Die Sichtung der Patienten durch den ersteintreffenden Notarzt ergab einen lebensbedrohlich verletzten Fahrradfahrer, einen leichtverletzten Lkw-Fahrer, eine leichtverletzte Pkw-Fahrerin, ein augenscheinlich unverletztes Kleinkind als Insasse des Pkw, sowie fünf betroffene, betreuungspflichtige Augenzeugen des Unfallgeschehens.“

Wie es heißt, mussten die fünf Zeugen des Unfalls sogar von einer sogenannten Notfallseelsorgerin betreut werden. Auch uns berichteten Augenzeugen von dem Geschehen. Die Tendenz war eindeutig, lieber nicht allzu genau hinsehen. Von Gaffern also keine Spur.

Dafür war auf der Kreuzung und im Luftraum über Lokstedts Zentrum einiges los. Diverse Rettungs- und Polizeiwagen waren im Einsatz, ein Polizeihubschrauber kreiste gar über der Kreuzung um zur Unfallaufnahme Luftbilder anzufertigen. Auf dem Polizeiportal hieß es dazu: „Für die Dauer der Verkehrsunfallaufnahme wurde der Behrmannplatz voll gesperrt. Zur Unfallaufnahme wurde ein Sachverständiger hinzu gezogen, die Unfallstelle wurde auch mit einem Laserscanner vermessen.“

Die Ost-West-Tangente ist eine vielbefahrene Straße, die Eppendorf und Stellingen mit seiner Autobahnauffahrt zur A7 verbindet. Wenn in Lokstedt der Verkehr steht, dann ist Verkehrschaos angesagt.

So warnte die Polizei die Verkehrsteilnehmer über Twitter, den Unfallort weiträumig zu umfahren: „#Verkehrshinweis. Nach #Verkehrsunfall Sperrungen am Behrmannplatz / Julius-Vossler-Straße / Vogt-Wells-Straße / Siemersplatz. Bitte umfahren!“

Lokstedt und sein Durchgangsverkehr

Trotz des möglichen Mitverschuldens der Rentnerin an ihrem Tod, werfen die beiden schweren Unfälle, wie bereits erwähnt, erneut Fragen auf, die die Lokstedter seit Jahren beschäftigen:

Wie es um die Verkehrssituation und -sicherheit in Lokstedt vor allem von älteren Menschen bestellt?

Bereits 2012 wurde am Siemersplatz ein 86-jähriger Rentner auf dem Zebrastreifen auf dem Weg in seine Seniorenunterkunft überrollt. Ein Lkw-Fahrer hatte den Mann mit seinem Rollator beim Rechtsabbiegen übersehen, überrollt und mitgeschleift. Auch damals bot der Siemersplatz keinen schönen Anblick. Vergleiche dazu Lokstedt online vom 24.04.2012: Tödlicher Verkehrsunfall in Lokstedt, Siemersplatz / Vogt-Wells-Straße.

Schon damals beklagten sich Lokstedter Bürger und forderten Maßnahmen von der Politik, die Sicherheit auf den viel befahrenen Straßen zu verbessern.
Doch im Grunde geschah viel zu wenig und die Serie von Unfällen riß nicht ab.

Es reicht eben nicht, wenn die Politik die Installation eines festen Blitzers zur Reduzierung der Geschwindigkeit oder wirksame Maßnahmen zur Unterbindung des rechtswidrigen Überfahrens der Mittellinie fordert, so wie es die rot-grüne Koalition im Bezirk im Dezember 2016 für den Lokstedter Steindamm tat (Niendorfer Wochenblatt).

Zwar behauptet die Verkehrsbehörde, dass sich die Unfallzahlen am Siemersplatz nach dem teueren Umbau für die Busbeschleunigung reduziert hätten. Doch so ganz scheint das nicht auszureichen. So berichtet die Welt im Frühjahr 2014: „Krachte es zwischen September und Dezember 2012 an der Kreuzung in Lokstedt 24 Mal, gab es im vergleichbaren Zeitraum des vergangenen Jahres nur zwölf Unfälle.“

Jede Woche ein Unfall und es bleibt nicht nur bei Blechschäden. Im Oktober 2013 etwa ereignete sich ein schwerer Unfall mit drei Verletzten, als eine Autofahrerin falsch in die Osterfeldstraße abbog. Dies ein Unfall, der direkt auf die geänderte komplizierte Verkehrsführung am Siemersplatz zurückzuführen war.

So viel zum Thema Sicherheit am Siemersplatz. Doch auch auf den zwei vielbefahrenen Tangenten, die Lokstedt am Siemersplatz in vier Teile schneiden, hat sich seither jedenfalls nichts verbessert - das beweisen die Unfälle von Mittwoch und Donnerstag - aber auch Dutzende von Bürgern die etwa die Vogt-Wells-Straße ungesichert auch Höhe der Feuerwehr täglich überqueren. So unvernünftig dieses Handeln auch ist in Anbetracht der vielen Autos die rechts und links an den auf der Mittellinie stehenden Passanten vorbei rasen, die Verantwortlichen müssen reagieren: mit einem Zebrastreifen, einer Ampel, einer Fußgängerbrücke oder einem Tunnel. Die Autos fahren einfach viel zu schnell.

Nicht nur, dass zu schnell gefahren wird. Die Straßen weisen zudem eine Vielzahl von substanziellen Mängeln auf. So wird der in der Kurve liegende Zebrastreifen am Behrmannplatz von vielen schnell fahrenden Autos nicht beachtet. Der Siemersplatz bietet viel zu kleine Verkehrsinseln, auf denen sich die Bürger nicht sicher fühlen können. Denn sie sind nicht sicher! Ständig werden Ampelmasten oder Verkehrsschilder umgefahren. Es gibt viel zu wenig Zebrastreifen und Fußgängerampeln - und deren Takt ist viel zu Autofreundlich, bietet Senioren zu wenig Zeit zum sicheren Überqueren der Fahrbahn.

So müssen wir an dieser Stelle erneut den traurigen Tod Lokstedter Bürger vermelden und zugleich deren Ableben als Anlass nehmen, die Verkehrssituation auf der Kollaustraße, dem Lokstedter Steindamm, der Vogt-Wells-Straße, der Osterfeldstraße und der Julius-Vosseler-Straße völlig neu zu bewerten.

Die Forderung: Tempo 30 auf allen Lokstedter Straßen!

Wenn diese Forderung nicht erfüllt wird, dann muss der Verkehr eben zukünftig - wie zuletzt nach dem Unfall am Donnerstag - weiträumig um Lokstedt herumgeführt werden.

Eine kleine Auswahl von überwiegend schweren Unfällen auf Lokstedter Hauptstraßen, teils mit tödlichem Ausgang. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit:

25.11.2016 Hamburger Abendblatt

24.09.2016 Lokstedt online
Lokstedter Steindamm: Mit hoher Geschwindigkeit unterwegs

06.07.2016 Lokstedt online
Lokstedter Steindamm: Fahrer des Lkw flüchtete

14.11.2015 Bild
Lokstedter Steindamm: Auto überschlägt sich und erfasst Fußgänger

20.09.2015 Lokstedt online
Schrecklicher Unfall in der Troplowitzstraße

03.08.2015 Lokstedt online
Vogt-Wells-Straße: Blumenkübel stand im Weg

31.07.2015 Bild
Lokstedter Steindamm: Smart kracht in Streifenwagen

31.07.2015 Hamburger Abendblatt
Schwerer Unfall auf dem Lokstedter Steindamm

13.04.2015 Lokstedt online
Julius-Vosseler-Straße / Ecke Oddernskamp: Bordstein - Harley - Harley - Kawasaki

18.01.2015 Lokstedt online
Kollaustraße: Erneut Ampel umgefahren

06.12.2014 Lokstedt online
Lokstedter Steindamm: Zusammenprall an der Mittellinie

03.11.2014 Lokstedt online
Julius-Vosseler-Straße / Koppelstraße: Ampelmast niedergelegt

22.10.2014 Lokstedt online
Julius-Vosseler-Straße / Koppelstraße: Bereits 21x umgefahren

17.06.2014 Lokstedt online
Vogt-Wells-Straße: Anhänger wird zum Geschoss

05.05.2014 Lokstedt online
Vogt-Wells-Straße: Lokstedt hilft

04.03.2014 Lokstedt online
Vogt-Wells-Straße: Verkeilt auf unserer Auffahrt

12.04.2013 Lokstedt online
Julius-Vosseler-Straße: Fußgängerin lebensgefährlich verletzt

22.02.2013 Lokstedt online
Vogt-Wells-Straße: Gefährliche Ausfahrt

31.12.2012 Presseportal der Polizei Hamburg
Lokstedter Steindamm / Siemersplatz: Schwere Verkehrsunfälle

15.02.2012 Lokstedt online
Lokstedter Steindamm: Horror in der Pförtnerloge

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 21.08.2017