• /
  •         
  • /
  • /
  • /
  •         

U-Bahn Ausbau

Der SPD auf die Finger schauen

Anfang Februar hielt der CDU-Ortsverband Lokstedt eine Info-Veranstaltung zum Thema der geplanten U-Bahnlinie, die von Bramfeld bis zum Osdorfer Born führen soll. Reichlich früh könnte man meinen, der erste Zug wird nicht vor Mitte der 2030er Jahre am Siemersplatz halten.

Wer sich vom Siemersplatz aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg macht - wohin auch immer - wird kaum um eine Fahrt im Bus herumkommen. Auf der Metrobuslinie 5 etwa verkehren XXL-Doppelgelenkbusse, 25 Meter lange Ungetüme, die beim Stopp am Siemersplatz die Fahrbahnübergänge für Fußgänger oft gleich mit blockieren. Rund 60.000 Menschen nutzen werktäglich diese Busverbindung zwischen Hauptbahnhof und Burgwedel. Damit ist sie die meist genutzte Buslinie Europas - und ein verkehrspolitischer Dinosaurier.

Stadtbahn oder Ausbau der U-Bahn

Noch vor Jahresfrist wollte die CDU mittels Stadtbahn mittelfristig Abhilfe von diesem Übel schaffen.

Die SPD setzt hingegen auf eine andere Lösung, die erst langfristig Entlastung schaffen kann. Sie plant den weiteren Ausbau des U-Bahn-Netzes und versprach im Wahlkampf den Bau einer weiteren U-Bahn-Linie, der U5. Der CDU-Spitzenkandidat für das Bürgermeisteramt Dietrich Wersich bezeichnete dieses Projekt als "politische Skrupellosigkeit oder Größenwahn". Die Planung erinnere ihn an den Berliner Flughafen.

Nun fügt die CDU sich scheinbar ins Unvermeidliche, begräbt ihre Stadtbahnpläne und versucht, da die Weichen in Richtung U5 gestellt sind, wenigstens die Planungen mit zu beeinflussen. So jedenfalls kann man eine Info-Veranstaltung interpretieren, die Anfang Februar im New Living Home vom CDU-Ortsverband Lokstedt, Niendorf, Schnelsen abgehalten wurde. Die Abgeordneten Carsten Ovens (MdHB) und Rüdiger Kruse (MdB) hatten Gerhard Schenk von der Hamburg Hochbahn zu Gast, um interessierte Lokstedter über die Planungen zum U-Bahn-Ausbau zu informieren.

60 Jahre Trassenplanung

Zunächst gab es durchaus Positives auf der Info-Veranstaltung zu berichten. Aus Sicht der Hochbahn ist die U-Bahn-Station Siemersplatz fester Bestandteil der Planungen zur U5. Allerdings, so dämpfte Hochbahn-Experte Schenk die Erwartungen, bis zur Fertigstellung werden noch 20 Jahre vergehen. Damit würde sich dann - zwar sehr spät - doch noch ein Traum vieler Lokstedter erfüllen.

Pläne wurden allerdings schon viele gemacht: Bereits 1957 forderte der Ortsausschuss den Bau einer U-Bahn Innenstadt -Lokstedt - Niendorf. Und Lokstedt-Chronist Horst Grigat schrieb 1999 unter der Überschrift "Die U-Bahn": "1972: Bereits 1960 wurden Trassenpläne für eine U-Bahn Hoheluft - Niendorf fertiggestellt. Die Bahn sollte vom Siemersplatz in einem großen Bogen nach Groß Borstel kurven. 1973: Für den Bau einer Kommunaltrasse von Dammtor bis Schnelsen (seien) nur 10 Millionen Mark erforderlich, die nach dem Finanzplan ab 1977 zur Verfügung stünden."

Soviel zu den Versprechungen, mit denen den Lokstedtern die Stilllegung der Straßenbahnlinie 2 im Jahre 1978 schmackhaft gemacht wurde.

Lokstedter Problematik

Neben dem U-Bahn-Ausbau wurden in den 1970er Jahren noch weitere verkehrspolitische Themen diskutiert, die auch heute kaum an Aktualität eingebüßt haben. Nach dem Bau des Elbtunnels (und der A 7-Auffahrt Stellingen) wurde die sich entwickelnde Ost-West-Tangente (Osterfeldstraße - Vogt-Wells-Straße - Julius-Vosseler-straße) quer durch das Lokstedter Zentrum als höchst problematisch angesehen.

"Nachdem man 1970 ausgerechnet hatte, dass sich der Autoverkehr in den nächsten 10 - 15 Jahren verdoppeln würde, ging man beim Straßenbau von neuen Überlegungen aus. Bei besonders stark befahrenen Kreuzungen sollte die zweite Ebene zur Anwendung kommen, die durch einen Tunnel (Beispiel Hauptbahnhof Hamburg, Westseite) oder über eine Brücke (Beispiel Barmbecker-Ring-Brücke / Fuhlsbütteler Straße) führt. Diese modernste aller Lösungen war bei der Baubehörde 1970 auch für den Siemersplatz im Gespräch", berichtet Grigat. Außerdem wurden damals alternative Verkehrsführungen etwa entlang des südlichen Niendorfer Geheges diskutiert.

Ein Tunnel wäre die Lösung für den Siemersplatz gewesen. Noch dazu wäre er 1970 noch zu einem bezahlbaren Preis zu haben gewesen wäre. Man ging damals von Baukosten in Höhe von 25 Millionen Mark aus (vergleiche Lokstedt online vom 15.10.2012).

Seither hat der Verkehr, sowohl auf der Ost-West-als auch auf der Nord-Süd-Tangente (Kollaustraße - Lokstedter Steindamm) stetig zugenommen. Es fahren fast 200.000 Pkw täglich über den Siemersplatz. Zudem steigen Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs - auf dem nach dem Umbau für die Busbeschleunigung viel zu schmalen Verkehrsinseln - um: vom 5er Bus zu den Buslinien 22, 281, 39 und umgekehrt. Vorsicht ist geboten beim Aussteigen etwa direkt auf den Fahrradweg. Dazu kommen lange Rotphasen der Fußgängerampeln, was besonders gefährlich ist, wenn die kleinen Verkehrsinseln überfüllt sind.

Die Streckenführung der U5

In die Streckenplanung der Linie U5, die von Bramfeld bis zum Osdorfer Born führen soll, wird der Siemersplatz nun also mit einbezogen (siehe Abbildung). Wobei noch unklar ist, ob der Siemersplatz Endstation eines von zwei Streckenästen wird, oder ob die Strecke vom Siemersplatz über Stellingen, die Arenen und Lurup zum Osdorfer Born weiter geführt wird.

Natürlich würden wir Lokstedter uns freuen, wenn wir ab 2035 - das ist allerdings noch recht lang hin - direkt vom Siemersplatz aus mit der U-Bahn in die Innenstadt fahren könnten. Der eine oder andere Lokstedter wird die U5 bestimmt auch am Samstag nutzen, um bequem ins Stadion zum HSV-Heimspiel zu gelangen.

Trotzdem enttäuschen die Planungen zur U5 aus Lokstedter Sicht, egal ob die Anbindung des Osdorfer Borns über die Hoheluft oder über den Siemersplatz erfolgt. Nur einfach eine U-Bahn-Haltestelle am Siemersplatz - egal wie sie in das Netz eingebunden ist - das ist doch keine Lösung! Die U5, so wie sie aktuell geplant wird, ersetzt am Siemersplatz weder:

  • die Nord-Süd-Tangente und den Metrobus 5, denn dafür müsste sie eigentlich vom Siemersplatz über den Niendorfer Markt nach Schnelsen weiter geführt werden;
  • noch ersetzt sie die Ost-West-Tangente: Wer wird denn, wenn er etwa von Stellingen nach Winterhude möchte, in eine U-Bahn steigen, die erst kurz noch in die Innenstadt fährt. Es fehlt auf jeden Fall eine Querspange, die den Siemersplatz direkt mit Eppendorf und Winterhude verbindet.

Verkehrspolitisches Ziel der U-Bahnlinie 5 sollte sein, den enormen Durchgangsverkehr - die bereits erwähnten 200.000 Pkw - zu reduzieren, den Siemersplatz vom Auto- und Busverkehr zu entlasten, die so gewonnenen Freiräume den Fußgängern und Radfahrern zurück zu geben und die Schadstoffemission zu senken.

Die Streckenführung der U5 sollte daher dringend überarbeitet werden, wenn mit dem Ausbau des U-Bahn-Netzes auch tatsächlich die bestehenden Verhältnisse verbessert werden sollen. Und vielleicht wäre das spezielle Lokstedter Verkehrsproblem doch besser mit zwei Stadtbahntrassen zu lösen gewesen.

Ist eine Überarbeitung der Pläne überhaupt noch möglich?

Beim ersten Teilabschnitt der U5 von Bramfeld bis zur City Nord ist die Machbarkeitsstudie bereits abgeschlossen, sodass 2021 mit dem Bau begonnen werden kann. Für den Streckenabschnitt von City Nord über Winterhude, Uhlenhorst, St. Georg, Innenstadt, Universität und Hoheluft zum Siemersplatz beginnt noch in diesem Jahr die Machbarkeitsstudie. Baubeginn dann etwa Mitte der 2020er Jahre.

Erst wenn die Machbarkeitsstudien und das Planverfahren Ende dieses Jahrzehnts abgeschlossen sein werden, verliert die Politik den Einfluss auf das weitere Vorgehen der Hochbahn. Mit anderen Worten, aktuell ist noch ausreichend Zeit für Planänderungen, die Verfahren sind noch offen.

Bezirkspolitik im Auge behalten

Was den Bau der U-Bahn betraf, wurde in die Planungen zum Bebauungsplan Lokstedt 37, der 1981 verabschiedet wurde, bereits ein Grundstück für die zukünftige U-Bahn-Station Siemersplatz auserkoren. Das Ausgangsgebäude soll an der Kollaustraße 15 / Ecke Stapelstraße neben der McDonalds's-Filiale entstehen.

Seit 35 Jahren wartet dieses Grundstück nun schon auf seine Bestimmung. Zuletzt gab der Autohändler Hugo Pfohe diesen Standort auf, es fehle die "langfristige Planungssicherheit" (vergleiche Lokstedt online vom 06.08.2015). Und man kann diesen Unmut durchaus verstehen, wenn hier Mitte der 2030er die erste U-Bahn hält, dann war das Grundstück bereits 55 Jahre für diesen Zweck im Dornröschenschlaf.

Damit die U5 auch tatsächlich eine Station am Siemersplatz erhält, sollte die CDU Lokstedt in mancherlei Hinsicht ein wachsames Auge auf die Bezirkspolitik werfen, der SPD sozusagen auf die Finger schauen. Denn schon bahnt sich ein weiteres mögliches Problem für die Realisierung der U-Bahn an: Das für die Haltestelle Siemersplatz vorgesehene Grundstück weckt nämlich Begehrlichkeiten. Dem Vernehmen nach sollen hier Flüchtlingsunterkünfte gebaut werden.

Noch gilt der Bebauungsplan Lokstedt 37, der hier - wie bereits erwähnt - eine Fläche für eine U-Bahn-Station ausweist. Doch die Fläche ist von der Bezirkspolitik bereits als Potenzialfläche erfasst. "Mögliche Nutzung: Geschosswohnungsbau, III-IV-geschossig" und die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation empfiehlt: "Hier ist ein B-Planverfahren einzuleiten, damit die beiden Themen "vorgesehene" und "unterirdische Bahnanlage (nicht überbaubar)" und "zusätzliche Straßenverkehrsfläche" für die Kollaustraße bearbeitet werden können."

Sollten die Fläche bebaut werden, war es das mit dem lang gehegten Traum einer U-Bahn-Station am Siemersplatz. Dann werden die Lokstedter verkehrspolitisch erneut verschaukelt und noch im Jahre 2050 - vermutlich dann in 40 Meter langen Bussen in die Stadt gekarrt.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 08.03.2016