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Güterbahnhof Lokstedt

Unzumutbare Belastungen

Das Großbauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Lokstedt geht in die nächste Phase. Der Kellerbleek wird als Baustellenzufahrt hergerichtet. Während der Planungsphase hat das Bauvorhaben schon so viel Staub aufgewirbelt, dass die neuen Projektentwickler nun unter neuem Namen durchstarten wollen: Tarpenbeker Ufer.

Man kann das Bauvorhaben - ehemals vom irischen Investor etwas großspurig Tarpenbeks Greens genannt - bereits bevor der erste Spatenstich getan wurde als Skandal bezeichnen.

Lückenhaftes Vertragswerk

Angefangen hatte alles mit einer unfähigen Verwaltung, die das Gelände nebst umliegender Kleingärten zu einem Schnäppchenpreis ausgerechnet an die McGarrel Reilly Group verscherbelte - Kritiker bemängelten die schlechte Verhandlungsführung seitens der Behörde. Nicht einmal der Bau anteiliger Sozialwohnungen wurde in das Vertragswerk aufgenommen. Die umliegenden Kleingartenvereine wurden dem Investor quasi freiwillig on top an Hand gegeben. Das lief nach dem Motto, wollen Sie nicht noch 100 Wohnungen mehr bauen?

Im letzten Jahr dann zog sich der umstrittene Investor zurück. Insider sprechen von einem Profit von mehr als 40 Millionen Euro, den die McGarrel Reilly Group durch ihren Weiterverkauf des Geländes an Otto Wulff gemacht habe. Alles was der Investor dafür leisten musste, er war der Rammbock, der die Kritik einstecken musste.

Der Verkauf fand dann zu einem Zeitpunkt statt, als der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt hatte und der Widerstand gegen das Projekt gescheitert war. Zuvor wurden mehr als 600 Einwendungen von Groß Borsteler Bürgern gegen das Projekt eingebracht - sie verpufften.

Probleme weiterhin nicht gelöst

Nun also glaubt die Politik im Bezirk Nord: neuer Investor, neuer Name, alles zurück auf Start. Auf der ersten Informationsveranstaltung unter dem neuen Bauträger und vor mehr als 100 Bürgern wurde allerdings klar, dass die Probleme mit dem Großprojekt die gleichen geblieben sind. Schlimmer noch, dem neuen Bauträger scheint die fehlende ausreichende verkehrstechnische Anbindung des Geländes nicht einmal ansatzweise bewußt zu sein. Der Geschäftsführer lobte gar ausdrücklich die gute Anbindung.

Trotz allem, der Projektleiter verkündete an dem Abend, nun werde gebaut. Das riesige Areal solle dabei von Osten nach Westen erschlossen werden. Anders wohl auch kaum denkbar, liegt ja die einzige An- und Abfahrt zu dem Gelände im Westen und mündet in den Kellerbleek.

Lokstedt bekommt den Verkehr

Damit die Groß Borsteler während der Bauzeit ihre gewohnte Ruhe behalten, wurde derzeit bereits begonnen, die Fahrbahn unter der Brücke am Kellerbleek abzusenken. Der Schwerlastverkehrs soll anschließend ausschließlich unter dieser Brücke hindurch in Richtung Nedderfeld abgewickelt werden. Für das nördlich angrenzenden Wohngebiet Groß Borstels kann mithin "eine unzumutbare Belastung vermieden werden", heißt es in einem Verkehrsgutachten zum Projekt.

Was für die Groß Borsteler, die sich jahrelang gegen dieses Bauprojekt gewehrt haben, den Verlust einiger Dutzend Kleingärten bedeutet, wird allerdings für Lokstedt tatsächlich eine unzumutbare Belastung:

  • Der gesamte Baustellenverkehr wird über den bereits heute stark befahrenden Nedderfeld abgewicklet werden. Und auch an den Nedderfeld grenzen Lokstedter Wohngebiete an, etwa in der Ahornallee, der Lembekstraße und im Jägerlauf.
  • Wenn das Bauvorhaben erst einmal abgeschlossen sein wird und die Wohnungen bezogen sind, rechnen Verkehrsexperten mit täglich bis zu 4.150 zusätzlichen Kfz-Fahrten, von denen nur etwa 800 Autofahrer den Kellerbleek in Richtung Groß Borstel befahren werden. Die überwiegende Anzahl der Verkehrsbewegungen werden in Richtung Nedderfeld führen. Etwa 2.100 Pkw werden dann zusätzlich auf der Kollaustraße und letztendlich am Siemersplatz landen, etwa 1.200 Pkw werden über den Nedderfeld und seine Nebenstraßen in Richtung Eppendorf / Winterhude fahren.

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© Lokstedt-online 17.10.2015