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Paternoster

Benutzung nur für Eingewiesene

Eine echte Sommerposse lieferte in diesem Jahr die glücklose Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD). Mittels Betriebssicherheitsverordnung führte sie sozusagen den Führerschein für Paternoster ein. Zuwiderhandlungen können seit dem 1. Juni mit einer Geldbuße von bis zu einhunderttausend Euro geahndet werden

Aufgewachsen auf dem Lande. Danach 20 Semester Studium der Politik, Philosophie und Germanistik auf dem Paternoster-freien Campus der Universität Bonn. Zugegeben da kann es einem schon mal Angst und Bange werden beim Anblick eines im Beamtenjargon liebevoll „Proletenbagger“ genannten Umlaufaufzugs. Soviel geballte Effizienz, einfach zuviel für „die Sozialtante der SPD“, die sich mit der „Mechanik der Macht“ (taz) offensichtlich besser auskennt als mit der von Aufzügen.

Da geht es Hamburgern, die in der Paternoster Hauptstadt aufgewachsen sind natürlich anders. Es gibt hier 31 solcher Umlaufaufzüge überwiegend in den Kontoren und Behörden der Innenstadt. Schon als Kinder werden sie entsprechend in die Benutzung der Ungetüme eingewiesen.

Schon als Kinder machten wir mit Freunden oder Eltern Ausflüge mit der Straßenbahn - heute muss man dazu den Bus nehmen - durch Hamburg. Boxenstopp wurde jeweils dort eingelegt, wo es einen Paternoster gab. Und natürlich wurde jeder einzelne auf Herz und Nieren überprüft - Durchfahrt oben und unten Ehrensache. Und auch das Ein- und Aussteigen wurde geübt: Fest an Mamas Hand, den rechten Moment abpassen und raus!

So hat man dann wohl auch im Bundesarbeitsministerium irgend wann eingesehen, dass die Benutzung eines Paternosters kinderleicht ist und ist zurück gerudert. Für den Herbst wurde bereits eine Überarbeitung der Betriebssicherheitsverordnung ankündigt - im übrigen kümmerte sich auch kaum einer um das Verbot.

Das Bezirksamt in den Grindelhochhäusern

Zu einer Paternoster-Stadtrundfahrt gehörten schon seit den 1960er Jahren die heute denkmalgeschützten Paternoster im Bezirksamt Eimsbüttel. Mit diesen gelangt man übrigens in eine Cafeteria mit tollen Ausblick: „Die Cafeteria 66 liegt zentral in Hamburg in der 12. Etage im Bezirksamt Eimsbüttel und bietet aufgrund der Höhe einen wunderbaren Blick über Hamburg, Richtung Westen sogar bis zur Stadtgrenze! Einzigartig ist auch die Fahrt mit dem denkmalgeschütztem Paternoster bis nach ganz oben“, wirbt die Cafeteria im Internet.

In den letzten Monaten mussten sich die Besucher allerdings wahlweise mit einer Fahrt im schnöden Fahrstuhl begnügen oder sich am Schild: „Paternosterbenutzung nur für Eingeweihte“ vorbei mogeln. Das Problem dabei: Ein Fahrstuhl ist viel weniger effizient als ein Paternoster. Oft muss man halbe Ewigkeiten auf den Fahrstuhl im stark frequentierten Bezirksamt warten. Das dachte sich wohl auch der Eimsbüttler Bezirksabgeordnete Burkardt Müller-Sönksen.

Anfang September zeigte Müller-Sönksen, dass Nahles mit ihrer Paternosterphobie durchaus Recht haben könnte. Er bewies, dass es Menschen (Politiker) gibt, die man nicht ohne Führerschein auf einen Paternoster loslassen kann.

Alles fing damit an, dass er sein Fahrradschloss vergessen hatte. So nahm das Unheil seinen Lauf. Müller-Sönksen nahm sein Elektrofahrrad mit in den Sitzungsaal, um es, wie er anschließend bekundete, vor Diebstahl zu schützen. Auf dem Hinweg benutzte er den Fahrstuhl, auf dem Rückweg wurde er übermütig.

Es wollte nicht ewig auf den Fahrstuhl warten, nahm den Paternoster und schon passierte, was kommen musste: “Es knirschte, es machte auch einen Knall”, beschreibt Müller-Sönksen das Geschehen gegenüber den Eimsbüttler Nachrichten. Das Fahrrad war am Einstiegbrett des Paternosters hängen geblieben und verkeilte sich.

Schon seit 2011 ist der andere Paternoster im Bezirksamt defekt, damals war es ein Handwerker mit einer Leiter, der den Schaden verursachte.

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© Lokstedt-online 20.09.2015