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Grandweg

Blitzumbau für mehr Zonenbewusstsein

In den zwei letzten Juni-Wochen wurde im Grandweg die Asphaltdeckschicht erneuert. Dies war nötig weil sich die Verschleißschicht der Fahrbahn im schlechten Zustand befand. Während der Baumaßnahmen war das Linksabbiegen am Behrmannplatz verboten - das sorgte für gefährliche Situationen.

Schneller als von leidgeprüften Lokstedtern erwartet war am 3. Juli 2015 die Fahrbahnerneuerung abgeschlossen und der Grandweg wieder in ganzer Länge befahrbar. Mit diesem Blitzumbau nimmt eine erstaunliche Debatte zumindest vorerst ein Ende, die immer wieder den Grandweg in den Mittelpunkt der Verkehrspolitik in Lokstedt rückt.

Tatsächlich war der Grandweg einmal eine Hauptverkehrsader in die Stadt. Zufällig entschied man sich aber bereits vor über 100 Jahren nicht diesen, sondern den heutigen Lokstedter Steindamm zu pflastern. Seither geht es im Grandweg eher ruhig zu - zumindest was den Straßenverkehr betrifft sind die Anwohner seither verwöhnt.

Neue Wähler

Die stetigen Klagen erfolgen daher auf sehr hohem Niveau. So werden seit Jahren von besorgten Anwohnern immer wieder weitere Fußgängerüberwege am Grandweg gefordert. Und willfährige Politiker wollen den vielen zugezogenen Wählern am Veilchenweg diese Wünsche erfüllen.

Stetig "am Ball für mehr Verkehrssicherheit im Grandweg" das Dreamteam der Lokstedter SPD Johannes Hielscher und Ernst Christian Schütt. Im Doppelpass spielen sie die Lokstedter Neubürger schwindelig. Distriktsvorsitzender Hielscher: "Das starke Verkehrsaufkommen im Grandweg birgt Gefahren, denen wir begegnen wollen. Vor allem die Verkehrssicherheit der Kinder steht dabei im Vordergrund." Der Bezirksabgeordnete Schütt verspricht seinen Wählern: "Wir werden auch weiterhin am Ball für mehr Verkehrssicherheit am Grandweg bleiben".

Das Zusammenspiel der beiden SPD-Genossen mündete 2014 schließlich in einer Unterschriftensammlung. Der Partei-Distrikt sammelte Unterschriften für einen Zebrastreifen. Dies sei, so postete Hielscher ein Jahr später, "ein klares Zeichen für die Wünsche der Anwohner."

Voraussetzungen für Zebrastreifen nicht gegeben

Ein Schreiben der Verkehrsdirektion 51 hatte aber bereits im Dezember 2013, also noch vor der SPD-Unterschriftenaktion, deutlich gemacht, dass es keine Rechtsgrundlage für solche frommen Wünsche gibt. In der Beschlussvorlage "Schulwegsicherung Grandweg" heißt es dazu im Sachverhalt: Die "Voraussetzungen zur Einrichtung eines Fußgängerüberweges sind im Grandweg nicht gegeben. Aus diesem Grund wurde im Rahmen von Baumaßnahmen bereits der FGÜ in Höhe Stresemannallee im Jahr 2009 weggeordnet und beseitigt. Hinsichtlich der in der R-FGÜ 2001 geforderten Voraussetzungen liegen insbesondere die geforderten Verkehrsstärken zur Anordnung eines Fußgängerüberweges in 30 km/h Zonen in der Regel nicht vor."

Es sei zwar in 2013 "eine etwas höhere Kraftfahrzeugstärke feststellbar" gewesen. Anlass dafür seien aber "Ausweichverkehre der Baumaßnahme Siemersplatz" und "die Sperrung der Emil-Andresen-Straße". Mit Abschluss dieser Maßnahmen sei von einer Normalisierung des Verkehrs auszugehen.

Die CDU-Fraktion der Bezirksversammlung bemängelt an dieser Einschätzung der Behörde: "Nicht beantwortet wird die Frage, inwieweit die Verkehrsbelastung auch ohne die Baumaßnahmen, durch eine verdichtete Wohnbebauung im Stadtteil, in den vergangenen Jahren zugenommen hat, bzw. weiterhin zunehmen wird."

Es ist wie so oft, die Behörden greifen mangels vorhandener Daten - hier wäre ein Verkehrskonzept Lokstedt gefragt - auf mehr oder minder genaue Einschätzungen zurück.

Jahr um Jahr neue Querungshilfen

Man sollte eigentlich meinen, damit hätte sich die Angelegenheit erledigt. Die Politiker, die in ungewohnter Harmonie die geforderten Fußgängerüberwege spendieren wollten, hätten die Sache vielleicht einfach ruhen gelassen, hätte nicht das Schreiben der Verkehrsdirektion ein Schlupfloch für verkehrspolitischen Populismus gelassen. Es beständen nämlich "keine Bedenken, wenn durch das zuständige Bezirksamt entsprechende Querungshilfen eingerichtet werden."

Solche Querungshilfen, auch Nasen genannt, werden gerne als Schikane in Tempo-30-Zonen eingesetzt, wo Zebrastreifen nicht statthaft sind. Und da allen Beteiligten offensichtlich über viele Jahre nicht aufgefallen war, dass es sich beim Grandweg um eine Tempo-30-Zone handelt - allen voran den fleißigen Unterschriftensammlern des SPD-Distrikts Lokstedt - können sie nun mit solchen Nasen wenigstens ein deutliches Zeichen setzten: "Diese sollen als Gestaltungsmerkmal dabei unterstützen, ein 'Zonenbewußtsein' beim Autofahrer zu fördern. Die Einrichtung dieser baulichen Maßnahmen soll sich an den Bedürfnissen orientieren und zusätzlich als die Geschwindigkeit senkendes Element eingesetzt werden."

Da traf es sich gut, dass wegen die Verschleißschicht der Fahrbahn in die Jahre gekommen war. Anlass genug den bereits bestehenden Nasen am Grandweg eine weitere hinzuzufügen.

Im Frühjahr 2014 hatte das Fachamt Management des öffentlichen Raumes nämlich am Grandweg bereits eine Querungshilfe in Höhe des neuen öffentlichen Spielplatzes eingerichtet. Eine weitere Einengung auf Höhe Behrkamsweg ist ebenfalls schon jetzt mit der Straßenverkehrsbehörde abgestimmt. Diese Nase kann aber erst nach der erfolgten Erneuerung des Schmutzsieles erfolgen.

Parkstreifen soweit das Auge blickt

Aber kann eine solch schlappe Populisten-Tat: "Jedes Jahr eine neue Nase!", wirklich besorgte Eltern zufriedenstellen? Nein! Das beweisen die vielen grünen Männchen und Schilder entlang des Grandwegs, die auf spielende und auf dem Schulweg befindliche Kinder hinweisen.

Was also tun? Wie praktisch, dass man mit parkenden Autos den gleichen Effekt wie mit Nasen erzielen kann.

In der aktuellen Situation - nach dem Umbau - sind die Parkstreifen nunmehr völlig wahnwitzig angelegt. Man merkt sofort, dass hier jeglicher Verkehrsfluss im Ansatz unterbunden werden sollte. Manch Fahrer dürfte von der neuen Situation zudem leicht überfordert sein. Gasgeben, schnell an der nächsten Parkreihe vorbei, bevor wieder ein Auto oder Rad entgegen kommt, dann wieder bremsen und anhalten, weil der Gegenverkehr durchgelassen werden muss. Dazwischen immer wieder rechts vor links beachten. An manchen Einmündungen kann aber dem Berechtigten die Vorfahrt gar nicht gewährt werden, weil ein Parkstreifen die Einfahrt in den Grandweg verstellt!

Nicht bedacht wurde offensichtlich, dass im Grandweg auch Gewerbe angesiedelt ist. Da fährt auch mal der eine oder andere Lkw, der es zukünftig schwer haben wird die Ausfahrt zu verlassen.

So ist nach diesem Umbau der Grandweg - das gleiche gilt aber auch für seine Verlängerung die Grelckstraße - zu einer Straße mutiert, die den Namen nicht mehr verdienen. An diesem Straßenzug haben sich über Jahrzehnte hinweg Verkehrspolitiker aller Couleur ausgetobt und den Bürgern - seien es Anwohner, Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer - einen Bärendienst erwiesen.

Ortsbegehung

Wir besuchen den Grandweg direkt nach dem Umbau am 3.Juli. Es herrscht noch für einige Stunden relative Stille, die Autofahrer müssen sich wohl erst wieder daran gewöhnen, diese Route zu benutzen.

Wir treffen eine Autofahrerin die aus der Ahornallee kommt und ihre Tochter zur Hoheluft bringen möchte: "Ich darf am Siemersplatz nicht links abbiegen. Der Grandweg ist für mich die erste Abbiegemöglichkeit", berichtet sie uns.

Eine Mutter mit drei Kindern steht an der neuen Querungshilfe An der Lohbek und bestaunt diese: "Toll, da gehen wir jetzt immer über die Straße".

Im Grandweg selbst sehen wir dann auch Radfahrer, die von Autos riskant überholt werden. Wir sehen aber auch Kinder freihändig nebeneinander auf dem Fahrrad fahren. Andere überqueren den Zebrastreifen auf Höhe Bei der Lutherbuche mit dem Fahrrad und fahren weiter auf dem Fussweg.

Zusätzlich zu den vielen Parkstreifen sehen wir ein Postauto, das nicht in der markierten Parkzone hält. Eine weitere Gefährdung.

Und wir sehen Plakate: Achtung Kinder!

Ist der Grandweg jetzt sicherer geworden?

Vordergründig werden mit Verkehrsschikanen die Interessen der direkten Anwohner bedient. Diese möchten natürlich, dass der Grandweg möglichst wenig befahren wird. Und sie haben reichlich Parkplätze, können ihre eigenen Tiefgaragenplätze schonen.

Allerdings, erfüllen die Schikanen wirklich ihren Zweck? Die Schulwegsicherung am Grandweg war ja der Anlass für die Querungshilfe.

Kinder benutzen die Nase in gutem Glauben. Weil ihre Eltern ihnen gesagt haben, dass sie dort über die Straße gehen sollen, fühlen sie sich dort sicher. Völlig ungeklärt ist aber, da die Querungshilfe ja kein Zebrastreifen ist, muss ein Auto dort überhaupt anhalten? Sicherheit also Fehlanzeige!

Letztlich sorgen die Schikanen nur für mehr Lärm und Abgase - und für Verwirrung.

Mischverkehr - Jeder gegen Jeden!

Fahrradfahrer bemängeln, dass die den Autofahrer schikanierenden Nasen auch sie behindern. Warum haben die Nasen eigentlich keinen Fahrraddurchlass?

Das ist offensichtlich so gewollt! Denn die Radwege im oberen Teil des Grandwegs wurden bereits 2009 mutwillig zurück gebaut. In einer Mitteilung des Bezirks hieß es damals dazu: "Im Rahmen der Beteiligung zur Deckenerneuerung wurde von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde (PK 22) angeregt, den baulichen Radweg zurück zubauen. Hintergrund ist, dass analog des 30-km/h-Konzeptes Fahrradfahrer im Mischverkehr, also auf der Fahrbahn zu führen sind."

Offensichtlich benutzen die Verantwortlichen also die "Fahrradfahrer im Mischverkehr" auch dazu Zonenbewusstsein zu fördern! Dadurch ergeben sich quasi von den Verantwortlichen geplante weitere gefährliche Situationen zwangsläufig. Aus Sicht des Autofahrers, der seinen Pkw durch die Parkbuchten manövriert, tauchen immer wieder Radfahrer auf, sie kommen von rechts und links und engen zwischen den Parkbuchten immer wieder die Fahrbahn ein.

Auch der Fahrradfahrer ist in Folge der Querungshilfen und der Parkstreifen jetzt stop and go auf dem Grandweg unterwegs. Daher kommt er auf den Fussweg schneller als auf der Straße voran.

Soviel zum 30-km/h-Konzeptes Fahrradfahrer im Mischverkehr - ein wahrlich mörderisches Konzept!

Glücklicherweise muss man da wohl schon sagen, fahren viele Radfahrer weiterhin auf dem Fußweg. Dies kann allerdings auch zu Konflikten mit Fussgängern kommen.

Fehlendes Verkehrsgutachten

Wie konnte es zu einem solchen Durcheinander kommen? Seit Jahren beklagen Bürger, dass es für Lokstedt mit seinem stetig wachsenden Verkehr und seinen wachsenden Einwohnerzahlen kein Verkehrsgutachten gibt.

Das heißt, dass solche Umbauten wie aktuell am Grandweg sozusagen im Blindflug entstehen. Bevor man aber solche Privilegien wie die De-facto-Verkehrsberuhigung in frischen Asphalt gießt, unsinnige Querungshilfen mauert und mit weißer Farbe Parkbuchten definiert, hätte man vorher den Verkehr im Grandweg und auch im übrigen Lokstedt zählen und beobachten müssen. Aus diesen Daten hätte ein Verkehrskonzept erstellt und umgesetzt werden müssen, damit der gesamte Stadtteil sicherer wird.

Die Behörden zögern aber das lange überfällige Verkehrskonzept für Lokstedt heraus. Aktuell wird verdichtet um jeden Preis - denn der Bürgermeister wünscht sich 6.000 Wohnungen jährlich und Hamburg soll weiter, zur Olympiametropole wachsen - aber um den Verkehr kümmert der Bezirk sich später - wenn überhaupt. Für den Stadtteil Lokstedt heißt das, es sollen erst einmal alle in der Pipeline befindlichen Bauvorhaben abgeschlossen werden.

Als nächstes Großprojekt ist bereits der Süderfeldpark mit 380 Wohnungen geplant. Ein Verkehrskonzept gibt es nicht. Sollte hier also nach der vorgeschriebenen Entgasung der ehemaligen Mülldeponie tatsächlich gebaut werden, ist es fraglich wie die Süderfeldstraße den Mehrverkehr bewältigen kann.

Fragwürdige Bürgerbeteiligung

Zur Legitimierung des Umbaus am Grandweg jedenfalls berufen sich die Verantwortlichen, in Ermangelung einer Planungsgrundlage auf den vorgeblichen Bürgerwillen.

Wir hatten ja eingangs bereits ein schönes Beispiel aus dem SPD-Parteidistrikt Lokstedt, wie Politiker sich mit Unterschriftensammlungen ihren Bürgerwillen zurecht biegen. Das funktioniert auch eine Stufe höher, also in der Bezirksversammlung Eimsbüttel. So behaupten Grüne, SPD und FDP in einem gemeinsamen Antrag: "Bei der Planung der Umbauarbeiten am Grandweg sind überdies die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung in Lokstedt - die eine Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer in der genannten Straße ausdrücklich fordert - zu berücksichtigen. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass

  • Zebrastreifen nicht ersatzlos entfallen dürfen,
  • der Radverkehr zukünftig sicherer geführt wird, und
  • die Bürgersteige von parkenden PKW zukünftig freigehalten werden."

Was die gefühlte Verkehrssicherheit am Grandweg betrifft, reicht es offensichtlich den Politikern aus, wenn eine Mutter beklagt, ihre Kinder hätten Probleme auf dem Schulweg den Grandweg zu überqueren. Schon wird diese Aussage als Ergebnis einer Bürgerbeteiligung präsentiert.

In allen anderen Belangen - etwa dem Bau eines Lokstedter Zentrums -werden von der Verwaltung die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung angezweifelt. So plant der Regionalbeauftragte Michael Freitag aktuell eine weitere, dritte (!) Bürgerbefragung, bei der er in einem komplizierten langjährigen, teuren Verfahren auch an diesen Themen "Desinteressierte" befragen will. Das geht nach dem Motto: Wir fragen solange, bis uns die Antworten passen, denn eigentlich wollen wir am Behrmannplatz lieber Sozialwohnungen bauen - dann ist auch der Bürgermeister glücklich.

Die Umbauphase

Während der Umbauphase am Grandweg war allerdings die Einfahrt in den Grandweg versperrt. Das führte zu ungleich gefährlicheren Situationen als der gefühlten Gefährdung am Grandweg.

Es wenden am Behrmannplatz viele Autofahrer die aus der Osterfeldstraße kommen und in die Stadt fahren möchten. Manche dieser Autofahrer sind in den letzten zwei Wochen (als dort das Abbiegen verboten war) in die Grelckstaße eingebogen und haben dort gewendet, andere haben aber gefährliche Wendemanöver auf der Vogt-Wells-Straße durchgeführt.

Für dieses gefährliche Verhalten gibt es keine Entschuldigung, aber die Verantwortlichen für die Absperrungen hätten damit rechnen und sich etwas einfallen lassen müssen. Ein Anwohner der Vogt-Wells-Straße, er wohnt genau auf der entsprechenden Höhe, berichtet, er konnte kaum mit dem Auto die Auffahrt verlassen. Immer wenn endlich frei war und er zurücksetzen wollte, wendete ein Auto und versperrte ihm den Weg.

Gefährliche Straßen

Gibt es keine wirklich gefährlichen Straßen in Lokstedt?

Der Stadtteil Lokstedt wird von zwei viel befahrenen Tangenten durchquert. Diese kreuzen am Siemersplatz, der wirklich extrem von Verkehr und natürlich vom unseligen Umbau infolge Busbeschleunigung betroffen ist. Das ist Verkehr, das ist Gefährdung und wenn man mal an die "74 Tür- und Angelgespräche" unseres Regionalbeauftragten erinnern darf: Das ist der Ort in Lokstedt, vor dem sich - zu recht - viele Lokstedter, vor allem ältere, fürchten.

Hier queren den ganzen Tag Fußgänger, wenden Autos und es sind schon - anders als am Grandweg - viele Unfälle passiert. Der ist dagegen Pipifax!

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 11.07.2015