Leserbrief

Bezirk agiert planlos

Nahezu jeder - Auto fahrende - Kunde, ob er nun aus Lokstedt oder aus Eppendorf zum Einkaufen zum Edeka-Markt fährt, muss nun, entweder auf dem Hin- oder auf dem Rückweg, wahlweise eine mit 30 Euro bedrohte Ordnungswidrigkeit begehen oder weite Umwege in Kauf nehmen. Und dass schon in den ersten 24 Stunden mehr als 1.000 Kunden die Petition gegengezeichnet haben, belegt wie viele Kunden nun mit ihrem Auto Ehrenrunden fahren müssen.

Aber das freut offensichtlich manch Rad fahrenden Leserbriefschreiber diebisch, dass hier Autofahrer vom Bezirk gegängelt, ja mutwillig behindert werden. Doch man fragt sich, warum sich Radfahrer überhaupt in dieses Thema einmischen. Sie sind von der neuen, durchgezogenen Mittellinie ja gar nicht betroffen.

Und auch was das Rad fahren betrifft, sollte man unterscheiden können. Es gibt nämlich nicht nur die in Gore-Tex gehüllten Liegeradfahrer vom ADFC - auf dem Helm eine Kamera mit der sie Verkehrsvergehen von Autofahrern en passant dokumentieren können. In Lokstedt gibt auch ganz normale Freizeitradler, die - zumal wenn sie im Stadtteil mit ihren Kindern unterwegs sind - lieber auf dem Bürgersteig fahren, als etwa auf dem gefährlichen, unübersichtlichen Fahrradweg an der Einmündung der Vogt-Wells-Straße in den Siemersplatz.

Die einen mögen körperlich fit genug sein, um ihr Müsli mit dem Fahrrad zu besorgen. Bergauf, bergab mit Getränkekisten, bei jedem Wind und Wetter, das ist allerdings nicht jedermanns Sache.

Was machen Familien mit Kindern, die am Wochenende ihren Großeinkauf erledigen müssen, weil sie unter der Woche arbeiten? Was machen ältere, unsichere, kranke oder behinderte Mitbürger? Und einige Lokstedter haben weite Wege, manche fahren bis zu vier Kilometer bis zum Edeka. Viele dieser Menschen sind zum Einkaufen auf ihr Auto angewiesen. Die müssen sogar, wenn sie bei Aldi und bei Edeka einkaufen wollen, mit dem Auto die Parkplätze wechseln.

Einmal mehr sind die Bürger die Dummen, wenn der Bezirk was Neues ausheckt. Einfach nur die Linie weiß zu übermalen, war natürlich die preiswerteste Lösung. Ich bezweifle aber, dass diese Maßnahme die Unfallzahlen reduzieren wird.

Für Lokstedt hat der Bezirk übrigens immer nur die billigsten Lösungen parat. Das es anders geht, beweist die großzügige Abbiegespur vor dem Bezirksamt am Grindelberg oder in Niendorf am Ortsamt. Obwohl dort, im Gegensatz zur Osterfeldstraße, in nächster Entfernung eine Wendemöglichkeit besteht. Plant der Bezirk nur für sich selbst? Oder agiert er nur einfach planlos?

Und was den sehr interessanten Leserbrief von Dora Freuers betrifft, so kann ich dem nur zustimmen. Andauernd parken Polizeiwagen mitten auf der Straße und halten den Verkehr auf. Sie wenden quer über beide Busspuren und wenn sie dabei ein schlechtes Gewissen haben, dann schalten sie für 10 Sekunden Blaulicht ein, als ob eine Ordnungswidrigkeit durch eine Amtsanmaßung kaschiert werden könnte.

Aber wir Bürger sollen uns brav an das Linksabbiegeverbot halten. Sollen wir am Edeka zukünftig vorbeifahren und in Eppendorf einkaufen?

Hat sich irgendein Behördenvertreter die möglichen Auswirkungen auf den Edeka-Markt und auf andere Gewerbetreibenden hier in Lokstedt einmal überlegt. Soll den Lokstedter nun auch noch der letzte große Supermarkt genommen werden? Der Bezirk hält es nicht einmal für notwendig, den Betreiber vorab über die neue Regelung zu informieren.

Zur Erinnerung, wie schnell so etwas geht. Feinkost Behrmann war seit über 100 Jahren am Siemersplatz. In Folge der Unerreichbarkeit durch die Baustellen hatte das Geschäft zwei Jahre rückläufige Umsätze und musste schließen.

Na dann: Frohe Weihnachten! Aber bitte im Nachbarstadtteil, da es bei uns in Lokstedt nicht mal einen Platz für einen kleinen Adventsmarkt gibt.

Hartmut Voigt

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 13.12.2014