Leserbrief

Nichts anderes habe ich geschrieben

Lieber Herr von Lauenstein, was missfällt Ihnen an meinem Vergleich? Vermitteln Sie doch mal jemanden, der wirklich(!) unter Hunger oder Luftmangel leidet, dass Menschen, die nicht mehr mit ihrem Auto aus einer bestimmten Fahrtrichtung in einen Supermarkt einbiegen können, dadurch vergleichbares Leid erfahren! Merken Sie etwas oder muss ich es für Sie noch genauer erklären?

Sie unterstellen mir, dass ich keine Warnblinkanlagen beachte, dies sogar "eindeutig dokumentiere". Dann fordere ich Sie hiermit auf, für alle Leser überprüfbar, anhand meines Textes diese Behauptung - und sei es nur sinngemäß - zu belegen. Wenn Sie das nicht können, wäre ich evtl. bereit, Ihre Entschuldigung anzunehmen. Noch einmal: Wer mit einem Auto abbiegt und auf der anderen Straßenseite, nur weil es kein gelbes Blinklicht gibt, das ihn warnt, eventuell "schnell mal Radfahrer und Fußgänger übersieht", ist eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Nichts anderes habe ich geschrieben. Das ist weniger meine Meinung als ein objektiver Sachverhalt! Daraus abzuleiten, ich beachte keine Warnblinkanlagen und wäre "ausschließlich Fußgänger und Radfahrer", entspringt einer verworrenen Logik und disqualifiziert Sie als ernst zu nehmender Diskussionspartner.

Indes beschreibt die Abbiege-Szene recht deutlich, dass Fußgänger und Radfahrer tatsächlich vor einigen Autofahrern besser geschützt werden müssen. Das lässt allerdings nur bei ausgeprägtem Schubladendenken auf eine pauschale Parteilichkeit meinerseits schließen. Wenn wir schon einmal dabei sind: Woher beziehen Sie Ihr "Wissen", dass ich ausschließlich Fußgänger und Radfahrer bin und nach Feierabend keinen Parkplatz suchen muss? Bitte lassen Sie uns an Ihrem Wissen teilhaben! Wo genau "dokumentiere" ich das?

Weiterhin fordere ich Sie auf, anhand meines Textes nachzuweisen, wo ich Behinderten "zu wenig sportliche Bewegung" vorwerfe! Haben Sie überhaupt meinen Kommentar gelesen? Sollte Herr Laufer tatsächlich eine körperliche Behinderung haben und aufs Auto angewiesen sein, um von Aldi auf die andere Straßenseite zu Edeka zu gelangen, wäre ich der Letzte, der etwas dagegen hätte. An keiner Stelle habe ich Behinderten zu wenig sportliche Bewegung vorgeworfen! Diese Behauptung ist eine Frechheit! Sollten Sie auch diese nicht belegen können, schlage ich vor, dass Sie selbst beherzigen, was Sie mir empfehlen: Hier keinen Schmutz, Pardon, keine Kommentare zu schreiben.

Und ja, auch dabei bleibe ich: Wer öffentlich ankündigt, Verkehrsregeln zu ignorieren (Zitat von Heinz Laufer: "Ich werde mich bemühen, diese Neuregelung weitestgehend zu ignorieren und werde trotzdem auf der Osterfeldstraße den Streifen überfahren, um zu Edeka zu gelangen."), dem könnte erhöhte Sauerstoffzufuhr vielleicht tatsächlich helfen. Schön wär's jedenfalls. Das verstehe ich nicht als Beleidigung, sondern als gut gemeinten Rat.

Fragen Sie doch einmal die Polizei, was diese von derartigen Ankündigungen hält. Was kommt als Nächstes? Vielleicht zukünftig Rotlicht an Ampeln ignorieren zu wollen? Wem die durchgezogene Linie nicht passt, der kann sich an die zuständige Straßenverkehrsbehörde beim PK 23 in der Troplowitzstraße wenden und dort seinen Unmut vortragen. Erfolg versprechender dürfte es aber sein, ein Widerspruchsverfahren gegen die Linie anzustrengen, da es sich um einen Verwaltungsakt, genauer: um eine Verkehrsbeschränkung gemäß § 45 Absatz 9 StVO handelt. Viel Spaß dabei! Das erfordert allerdings mehr Einsatz, als die verzweifelte öffentliche Ankündigung, durchgezogene Linien zu ignorieren und damit, gleich einem störrischen Kind, seinem Frust Luft zu machen.

Abschließend noch eine Frage, Herr von Lauenstein: Die vielen neuen Miniverkehrsinseln, die jetzt überall aufgestellt werden "produzieren" Ihrer Meinung nach Unfälle. 99,99 Prozent (wahrscheinlich aber noch viel mehr) der AutofahrerInnen nehmen diese Verkehrsinseln jedoch wahr und fahren einfach drum herum. Könnte es also sein, dass diese "auffälligen Unfälle" doch nicht von den Verkehrsinseln, sondern von einigen wenigen Autofahrern produziert werden, die vielleicht während der Fahrt ihr Handy bedienen, einen "coffee to go" trinken, zu rasant unterwegs sind oder aus anderen Gründen Hindernisse nicht wahrnehmen, die eigentlich nur schwer zu übersehen sind? Bitte, Herr von Lauenstein, helfen Sie mir und den anderen Lesern, Ihre Denkweise zu verstehen. Vielleicht tragen Sie damit sogar zur Auflösung der uralten Frage bei, weshalb auf Landstraßen immer wieder Bäume vor Autos springen. Irgendwas muss diese Unfälle doch "produzieren"...

Lutz Räbsch

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© Lokstedt-online 05.12.2014