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Behördenwillkür

Verhungern oder ersticken

In der Osterfeldstraße wurde jetzt auf Höhe des E-Centers Struve das Linksabbiegen verboten. Lokstedter die dort Einkaufen wollen, müssen Umwege fahren. Ein Schildbürgerstreich mit weitreichenden Folgen: Schon klagt der Supermarkt über Umsatzeinbußen.

Ein Leser schrieb uns am 19. November 2014 eine Mail: "Seit der letzten Woche ist es verboten, vom Siemersplatz kommend, links auf den Parkplatz des E-Centers Struve abzubiegen, da die bisher gestrichelte Mittellinie nunmehr durchgezogen wurde. Nach meiner Wahrnehmung ist diese Maßnahme unbemerkt von der Öffentlichkeit quasi über Nacht vollzogen worden und vernünftige Alternativen für das Aufsuchen des E-Centers erschließen sich mir nicht."

Ganz so war es nicht. Die Arbeiten wurden am helllichten Tage ausgeführt. Es gab eine kleine Baustelle in der Osterfeldstraße, der Verkehr wurde einspurig daran vorbeigeführt und war kaum beeinträchtigt. Man konnte den Eindruck haben, hier würde ein kleines Stück Asphalt ausgebessert oder die abgefahren Linie nachgezogen.

Die Mittellinie

Nach Horrorumbau am Siemersplatz und Gaga-Verkehrsschild an der Julius-Vosseler-Straße nun der nächste Schildbürgerstreich.

Die meisten Autofahrer werden zwar die Veränderung, die durch die Bauarbeiten eingetreten ist, gar nicht wahrnehmen. Nur für potentielle Kunden des E-Centers - und natürlich für das E-Center selbst - ist die nunmehr durchgezogene Mittellinie eine mittlere Katastrophe. Betroffen sind neben dem E-Center außerdem auch die Jet- und die Aral-Tankstelle sowie der Aldi-Markt.

Die ehemals geteilte Mittellinie erlaubte nämlich vom Siemersplatz kommenden Autos das Linksabbiegen - ebenso erlaubte sie vom Parkplatz des E-Centers abfahrenden Autos das Abbiegen in Richtung Eppendorf.

Nun werden Kunden des E-Centers erhebliche Umwege in Kauf nehmen müssen. Lokstedter Kunden etwa müssen am E-Center vorbei Richtung Eppendorf weiterfahren und an einer der nächsten Kreuzungen wenden. Kunden aus Eppendorf kommen zwar ungehindert ins E-Center, müssen aber auf dem Rückweg einen riesigen Bogen fahren.

Unser Leserbrief-Schreiber dazu: "Für mich persönlich bedeutet das neue Verbot, dass ich entweder am Offakamp links abbiege, um über Nedderfeld und Tarpenbekstraße wieder in die Osterfeldstraße zu gelangen um dann von rechts auf den Parkplatz zu fahren. Dies scheint mir die denkbar schlechteste Alternative zu sein. Als Ausweg bietet es sich an, die Osterfeldstraße ein Stück weiter geradeaus zu fahren und die nächste Linksabbiegemöglichkeit zu suchen, um dort ein Wendemanöver durchzuführen. Bei dieser Alternative wird der nachfolgende Autoverkehr natürlich nicht mehr oder weniger beeinträchtigt, als wenn das Linksabbiegen nach der alten Regelung möglich wäre. Möglicherweise ist das Wendemanöver aber auch mit mehr Risiko für die Verkehrssicherheit verbunden. Ich werde diese Möglichkeit das nächste mal testen."

Ein Einkauf im E-Center

Wir bemerken unser unerlaubtes Abbiegen erst, als wir schon die Linie überquert haben. Nachdem wir unser Auto geparkt haben und unsere Parkscheibe eigestellt ist - das ist übrigens nötig, seit immer mehr Pendler in Lokstedt wild parken - zeigt uns eine kurze Beobachtung der Osterfeldstraße, dass nicht nur wir das Abbiegeverbot noch ignorieren. Ein Auto nach dem anderen überquert die Mittellinie. Wir sprechen einige Autofahrer an, sie haben die neue durchgezogene Linie ebenfalls erst bemerkt, als es schon zu spät war den Abbiegevorgang abzubrechen.

Im E-Center erfahren wir mehr. Wir sprechen etwas flapsig einen Herrn mit Klemmbrett an, der gerade Anweisungen an seine Mitarbeiter erteilt: "Wollen Sie keine Lokstedter Kunden mehr? Warum haben Sie das Abbiegen verbieten lassen?

Mit dieser unbedachten Äußerung haben wir einen wunden Punkt berührt. Mehrere Mitarbeiter reden nun durcheinander:

Die Verkehrsbehörde sei dafür verantwortlich. Die mache was sie wolle.
Auch die Geschäftsführung habe nichts über das bevorstehende Abbiegeverbot gewusst, man sei nicht gefragt worden. Angeblich sei dies ein Unfallschwerpunkt. Natürlich habe es einige wenige Unfälle dort gegeben, aber eigentlich habe es eher selten mal den einen oder anderen Auffahrunfall gegeben. Das passiere halt überall, wo Links abgebogen werde.

Der Leser schreibt uns: "Ich wohne in der Stellinger Chaussee und kaufe bisher regelmäßig im E-Center wegen der bequemen Parksituation ein. Das Linksabbiegen habe ich bisher als unproblematisch wahrgenommen, da ich bereits unmittelbar nach passieren des Offakamps den Linksblinker betätige, damit die nachfolgenden Fahrzeuge sich rechtzeitig auf das Abbiegen einstellen können."

Wir fragen den Mann mit dem Klemmbrett noch, ob es Umsatzeinbußen gegeben hätte. Er fügt leicht genervt hinzu: "Natürlich habe es die gegeben."

Was steckt dahinter?

Ist die Osterfeldstraße tatsächlich ein Unfallschwerpunkt oder betreibt die Stadt über den Umweg Verkehrsbehörde Zentrenplanung? Möchte man die Zentren in den anderen Stadtteilen stärken und dafür auch wirklich jedes Geschäft in Lokstedt schädigen? Soll nach Feinkost Behrmann nun das E-Center Struve zur Geschäftsaufgabe gezwungen werden?

Oder steckt gar kein Plan dahinter? Ist es einfach nur so, dass der Verkehr durch Lokstedt um jeden Preis ungehindert fließen muss? Sind da auf den durch Lokstedt führenden Ost-West- und Nord-Süd-Tangenten auch nur kleine Verkehrsverzögerungen durch abbiegende oder parkende Pkw schon zuviel?

Der Lokstedter Bürger darf also nicht mal mehr zum Einkaufen fahren, zumindest nicht im eigenen Stadtteil. Während halb Hamburg durch Lokstedter Straße rast, bleibt uns nur die Wahl: Verhungern oder ersticken.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 23.11.2014