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Verkehrsführung

Der Steuerzahler blecht

Ein Lokstedter Straßenschild schickt sich an, dem berühmten Irrsinns-Schild vom Hallerplatz nachzueifern. Neun mal wurde das "Verkehrsschild-vorgeschriebene-Vorbeifahrt-rechts-vorbei" bislang nicht beachtet: Die Autofahrer bretterten statt dessen direkt über das Schild.

Der SPD-Senat baut seit dem letzten Jahr für astronomische 260 Millionen Euro die Hamburger Kreuzungen um. Die Bevölkerung bewertet das Ergebnis der Umbaumaßnahmen für die Busbeschleunigung so, wie es die Mopo für die Kreuzung Grindelberg / Hallerstraße formuliert: „Gaga-Kreuzung macht Autofahrer irre“. Insgesamt 17 mal in nur sechs Monaten wurde hier das blaue Verkehrsschild mit dem weißen Pfeil umgefahren.

Die Anwohnern führten Strichlisten und wetteten, sobald das Schild wieder erneuert wurde, wann es wohl wieder umgefahren werde. Das nennt man Galgenhumor, in Anbetracht der hohen Kosten, die dem Steuerzahler und auch den Autobesitzern an ihren Kotflügeln entstanden sind, bevor die Behörde endlich bereit war die kleine Verkehrsinsel mit dem Schild zu entfernen.

Auch am Siemersplatz, der Horrorkreuzung schlechthin, gibt es solche Schilder. Und wer aus der Vogt-Wells-Straße links in die Kollaustraße einbiegt, läuft ebenfalls Gefahr, einen Kotflügel einzubüßen. Zunächst ist der Winkel der linken Abbiegespur so eng, dass man unweigerlich mit dem Reifen über die Verkehrsinsel fährt. Wenige Meter weiter macht die Fahrspur einen Schlenker, wo nur ein Vorbeifahrt-rechts-vorbei-Schild verhindert, mit einem sehr viel gewichtigeren Pfeiler zu kollidieren, der eine sinnlose Signalleiste trägt. Auch dieses blaue Schild steht nur sehr selten wirklich gerade in de Landschaft.

Doch sind es nicht nur die Riesenetats, die Verwirrung stiften. Den Verkehrsplanern entgleitet in Hamburg auch der Umbau kleinster, eigentlich übersichtlicher Kreuzungen wie der der Kreuzung Julius-Vosseler-Straße / Koppelstraße. Für mehr als 800.000 Euro wurde sie im vergangenen Jahr umgebaut. Grund war nicht das Busbeschleunigungsprogramm, wie aus der Antwort auf die Kleine Anfrage „Umgebaute Kreuzungen: Kosten und Nutzen für den Steuerzahler“ der CDU-Bezirksabgeordneten Carsten Ovens, Philipp Heißner und Hans-Hinrich Brunckhorst hervorgeht, diente der Umbau „der Verbesserung des Verkehrsflusses“.

Neunmal wurde das Verkehrsschild-vorgeschriebene-Vorbeifahrt-rechts-vorbei nach dem Umbau bereits umgefahren und trotzdem ist die Behörde mit dem Ergebnis der Umbaumaßnahme offensichtlich zufrieden: „Seitens der Polizei / Straßenverkehrsbehörde kann eine Bewertung nur anhand der Unfalllage erfolgen. Hier ist das Ergebnis als sehr positiv anzusehen, da die Gesamtzahl der Unfälle und insbesondere der Unfälle des Typs 6 (fehlerhaftes Verhalten im Mehrspurverkehr in Fahrtrichtung Osten vor der Haltlinie) deutlich abgenommen hat.“

„Zur Höhe des Schadens im öffentlichen Raum“ mag die Behörde sich allerdings nicht äußern, man habe aber bereits eine Markierungsänderung in Auftrag gegeben „um dem linksabbiegenden Kraftfahrer die Verkehrsführung zum Abbiegen zu verdeutlichen.“

Ovens kommentiert die SPD-Verkehrspolitik: „Die Hamburger Verkehrsplanung kann derzeit nur als völlig verplant bezeichnet werden. Der Steuerzahler darf die Zeche blechen.“ 

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© Lokstedt-online 26.09.2014