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Verkehrsalternativen

Mit dem eBike in die Stadt

In den letzten vier Jahren habe ich auf dem Weg zur Arbeit etwa 9000 km mit dem Fahrrad zurückgelegt und schon seit einiger Zeit regt sich in mir der Wunsch ein neues Fahrrad zu kaufen.

Der alte Drahtesel hat sich ja schließlich bezahlt gemacht. Wenn ich den Arbeitsweg stattdessen mit dem Auto zurückgelegt hätte, so hätte mich das so an die 5000 Euro gekostet. Und schließlich wollte ich mir mit einem neuen Rad die letzten 10.000 km Arbeitsweg vor dem Vorruhestand ein wenig versüßen.

An etwa 150 Tagen im Jahr herrschen für mich fahrradtaugliche Wetterverhältnisse um die etwa 7.5 km in die Stadt stressfrei mit dem Fahrrad zu bewältigen. Und nur selten kommt es vor, dass mich ein Wetterwechsel dazu veranlasst mein Fahrrad über Nacht in der Tiefgarage meines Arbeitgebers zu belassen und mit dem Metrobus 5 zurück nach Lokstedt zu fahren.

In die Innenstadt benötige ich mit meinem Hollandrad im gemächlichen Tempo etwa 35 Minuten. Dabei biege ich, von zuhause kommend, am Grandweg / Bei der Lutherbuche auf die „Veloroute 3“ ein. Hier treffe ich dann so manchen Arbeitskollegen, der schon seit Niendorf auf dieser Route unterwegs ist, meist auf schnellerem Gefährt unterwegs und nur kurz grüßend.

So ging das Jahr ein Jahr aus, bis ich in diesem Sommer einen Zeitungsbericht über die sogenannten eBikes oder Pedelecs gelesen hatte. Da mein Arbeitgeber zudem in die Hafen City umzog und sich mein Arbeitsweg um etwa 800 Meter verlängert hatte, zog ich den Kauf eines solchen Rades in Erwägung - zumal ich in den letzten Monaten mit dem „Mönckeberg“ so meine Mühe hatte.

Im Oktober habe ich dann das Rad meines Sohnes aus der Reparatur geholt und konnte beim Fahrradhändler am Siemersplatz sogleich ein solches Rad Probefahren.

Pedelecs liegen voll im Trend. Die Preise reichen von 699 Euro (kürzlich bei Aldi im Angebot) bis 4000 Euro in der Preisspitze. Der Preis meines Rades liegt genau in der Mitte.

Pedelecs sind keine Elektromofas. Daher brauchen sie kein Versicherungsschild und man benötigt keinen Helm. Ich habe meiner Ehefrau aber versprochen, auf dem eBike immer einen Helm zu tragen. Man muss treten, nur dann entwickelt der Elektromotor bis zu 250 Watt. Zusammen mit den 150 Watt, die ich kürzlich bei einem Checkup beim Kardiologen getreten habe, verfüge ich nun über 400 Watt Leistung und damit komme ich in den Leistungsbereich eines durchschnittlich guten Radrennfahrers auf der Tour de France. Allerdings wird bei einem Pedelec bei 25 km/h der Motor abgeregelt. Ab 25 km/h aufwärts fällt die Leistung wieder auf meine eigenen 150 Watt, was etwas peinlich sein kann, wenn man gerade angesetzt hat, einen Rennradfahrer zu vernaschen.

Den Tacho (er ist gleichzeitig ein elektronisches Schloss) und den Akku (kaum größer als eine Stange Zigaretten) nehme ich abends mit in die Wohnung. Das Aufladen an der Steckdose unterscheidet sich kaum vom Laden eines Handys, dauert zwei Stunden und der Strom kostet mich (nach Herstellerangaben etwa 1 kWh) etwa 20 Cent. Mit einer Aufladung komme ich bis 120 km weit, bei voller Leistung allerdings nur 40 km. Da es sehr viel Spaß macht, die vollen 250 Watt zu nutzen, komme mit eine Akkuladung zweimal in die Stadt und wieder zurück.

In den letzten vier Wochen, seit ich mein Pedelec besitze, bin ich jeden Tag damit zur Arbeit gefahren. Und es ist die reine Freude. Ich biege nach wie vor am Grandweg auf die Veloroute 3, brauche für die 8,3 km nur noch gute 20 Minuten und ich bin es, der die Arbeitskollegen freundlich grüßend überholt.

Dabei ist radfahren nicht nur gesund, ziemlich stressfrei und ökologisch sinnvoll. Ich bin mir sicher, dass ich mit keinem anderen Verkehrsmittel abends in der Hauptverkehrzeit so schnell bei meinen Lieben daheim bin.

Natürlich gibt es nun auch andere Herausforderungen. Das herbstliche Laub, das derzeit die vielen Schlaglöcher in den Radwegen bedeckt, mahnt zur Vorsicht. Viele unvorsichtige Fußgänger im Bereich Grindelstraße zwingen dazu, dass Tempo etwas zu reduzieren.

Ich bin mir aber ganz sicher, dass ich in den nächsten vier Jahren viel mehr Radfahren werden als in den letzten vier Jahren, sodass sich das doch verhältnismäßig teure Pedelec hoffentlich recht schnell amortisieren wird.

Es wäre schon, wenn viele Schnelsener, Niendorfer und Lokstedter meinem Beispiel folgen würden und zukünftig mit dem Fahrrad oder Pedelec zur Arbeit fahren - schon um den Autoverkehr in Lokstedt zu reduzieren. Auch die Politiker sind aufgefordert mehr für diese umweltfreundliche Alternative zu tun.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online.de 26.11.2011