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U5 Hamburg

Fahrrad-Highway in die City

Das war eine kleine Sensation was Senator Frank Horch und Hochbahn-Chef Günter Elste am Dienstag im Rathaus vorgelegt haben. Nach jahrelangen Streitereien um die Finanzierbarkeit der Stadtbahn, kündigt der SPD-Senat, mitten im Wahlkampf, ein milliardenschweres U-Bahn-Projekt an.

Vielleicht waren sie es satt, ständig wegen der fehlenden Infrastruktur und wegen der Busbeschleunigung kritisiert zu werden, vielleicht wollten sie den CDU-Stadtbahn-Plänen im Wahlkampf etwas entgegen setzen. Aber was da vorgelegt wurde, ist schon bemerkenswert.

Horch und Elste haben Pläne zum Ausbau des U-Bahnnetzes in Hamburg vorgestellt. Nicht weniger als 3,5 Milliarden Euro verspricht der Senat in eine neue U-Bahn-Linie 5 zu investieren. Ab 2020 soll dazu eine 28 bis 32 Kilometer lange Röhre durch das Erdreich gefräst werden, die von Osdorf bis Bramfeld reicht – die genaue Route stehe aber noch nicht fest. Erste Streckenabschnitte könnten bereits 2025 fertiggestellt sein. Der Senat kalkuliert während der Bauzeit mit jährlichen Bundeszuschüssen von bis zu 100 Millionen Euro.

Geplanter Streckenverlauf

Als sehr sicher gilt der Verlauf über den Hauptbahnhof: Bramfeld - Steilshoop - City Nord - Winderhude - Uhlenhorst. Westlich des Hauptbahnhofs sind zwei verschiedene Streckenführungen möglich: Die Variante Nord fährt entsprechend dem Weg des aktuellen Metrobusses 5 über die Universität, Hoheluft und Lokstedt, Variante Süd stattdessen über Altona Altstadt, Ottensen Süd und Bahrenfeld. Endverlauf beider Varianten wäre dann Volkspark-Arenen - Lurup - Osdorfer Born..

Neue Haltestellen für bestehende Linien

Außerdem sollen die bereits bestehende U-Bahn-Linien ausgebaut werden. So sollen die U1, U2 und die U4 weitere Haltestellen erhalten. Die Fertigstellung des Gesamtkonzepts ist für 2040 geplant.

Was bedeuten die Pläne für Lokstedt?

Aus Lokstedter Sicht sind diese Pläne natürlich zu begrüßen, versprechen sie doch Entlastung vom Pkw-Verkehr. Allerdings nur, wenn die Variante Nord realisiert würde.

Da die Umsetzung der U-Bahn-Pläne des Senats aus Kostengründen zugleich das Aus für die Stadtbahn bedeuten würden, hätte die Realisierung der Variante Süd für uns Lokstedter katastrophale Folgen: Den Fortbestand der Monstrosität Metrobus 5 - und kein Ende in Sicht. Das kann niemand wollen!

Die Stilllegung der Straßenbahn war bereits 1978 umstritten und in den Folgejahren wurde vielfach die Wiedereinführung dieses Verkehrsmittels gefordert. Seitdem verkehrt auf der Stecke der ehemaligen Straßenbahn 2 die Metrobus-Linie 5, die einen traurigen Rekord hält: Es ist die meist genutzte Buslinie Europas und vermutlich damit auch die verlustreichste.

Es verkehren auf dieser Buslinie die längsten Niederflurbusse der Welt. Nur durch diese 2004 eingeführten XXL-Busse, kann dieser Wahnsinn weiter betrieben werden: Bei der letzten durchgeführten Fahrgastzählung nämlich im Jahre 2007 benutzten werktäglich 59.970 Fahrgäste diese Strecke.

Längst hätte man auf dieser Linie etwas geschehen müssen. „Es ist höchste Zeit hier wieder eine Straßenbahn verkehren zu lassen. Eigentlich müsste sogar eine U-Bahnlinie von Burgwedel über Niendorf und Lokstedt in Hoheluft Anschluss an den U-Bahnring finden“, schrieb Lokstedt online im August 2012.

Der Metrobus 5 hat in seiner Streckenführung von Burgwedel bis in die Innenstadt eine Schneise der Zerstörung hinterlassen, den gesamten öffentlichen Raum auf ein absolutes Minimum reduziert, Parkplätze und Fußwege genommen.

Wenn also die aktuellen U-Bahn-Pläne tatsächlich umgesetzt werden, und nicht nur Wahlkampfversprechen sind, dann fordern wir Lokstedter, stellvertretend für die vom Metrobus 5 geschädigten Stadtteile (Schnelsen, Niendorf, Lokstedt, Hoheluft und Harvestehude), die Umsetzung der Variante Nord.

Und manch einer träumt schon von neuen, goldenen Zeiten. Eine unterirdische U-Bahn-Verbindung in die Innenstadt, die millionenteure Busspur umgebaut in einen begrünten Fahrrad-Highway, der von Burgwedel bis in die City reicht. Die Folge: am Siemersplatz eine Senkung der Pkw-Verkehre um 50 Prozent.

Weniger Lärm und bessere Luft für den von Straßenverkehr, Einflugschneise, Güterumgehungsbahn, Verdichtung und fehlender Verkehrsplanung belasteten Stadtteil.

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© Lokstedt-online 12.04.2014