Leserbrief

Radverkehrsführung ist aberwitzig

Zwei Punkte, die ich gern klarstellen möchte:

Erstens: Was bezweckt der Satz: "Mit seinen deutschlandweit 135.000 Mitgliedern wähnt sich der ADFC zusammen mit den Fußgängern und dem Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖVNP) auf der Seite der Guten"? Wann ist man "gut"? Und wer gehört dann zu den "Schlechten"? Warum kann man nicht einfach objektiv feststellen, dass es Verkehrsträger gibt, die auf dem Siemersplatz extrem bevorzugt werden (das Auto), während andere (Radfahrer und Fußgänger) extrem benachteiligt werden? Berücksichtigt man das, könnte man den ADFC (und die Fußgänger) in der Tat als "die Guten" bezeichnen, da er auf der Seite der Benachteiligten steht. Dann aber "wähnt" er sich, sondern befindet sich tatsächlich dort.

Zweitens: Die "Busbeschleunigung" ist keine solche! Baut man in einen Gartenschlauch an einer Stelle ein dickeres Stück ein, fließt deswegen das Wasser nicht schneller hindurch. Will man das erreichen, muss der gesamte Schlauch dicker sein. Eine wirkliche Busbeschleunigung gäbe es nur dann, wenn dem Bus konsequent der Weg freigehalten würde. Das ginge aber nur zulasten des motorisierten Individualverkehrs und das wiederum ist politisch nicht gewollt - übrigens weder von SPD, noch von CDU.

Der Umbau des Siemersplatzes dient ausschließlich einem Ziel: Noch mehr Autos über die Kreuzung zu schleusen - ohne jede Rücksicht auf nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer. Die Radverkehrsführung ist aberwitzig und zeigt deutlich, dass man sich der absurdesten Klimmzüge bedienen muss, um den Automassen noch Herr zu werden. Der Radverkehr wechselt, je nach "Bedarf" des Autoverkehrs zwischen Fahrbahn und "Radweg" hin und her, Fußgänger haben unerträglich kurze Grünphasen und nur wenige Zentimeter Platz in ihren Wartezonen hinzunehmen, wie man auf den Fotos sehen kann.

Am Beispiel des Siemersplatzes zeigt sich überdeutlich, dass für die Hamburger "Verkehrsplaner" weder der Rad-, noch der Fußverkehr irgendeine Bedeutung hat. Alleiniges Ziel ist, als hätte sich seit den 60er Jahren nichts geändert, dem umweltbelastenden Autoverkehr möglichst "freie Bahn" zu gewähren. Dass die Maßnahmen der Beschleunigung des Busverkehrs dienen, halte ich für ein Märchen, das erdacht wurde, damit Umweltverbände sich nicht sofort gegen den Umbau formieren. Die sog. "Verkehrsplaner" sollten sich am besten geschlossen in den Ruhestand versetzen lassen und den Weg endlich freimachen für Menschen, die in der Lage sind, eine umweltverträgliche Verkehrsplanung umzusetzen, welche die Interessen ALLER Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt berücksichtigt, anstatt die Autowahn-Hirngespinste der 1960er und 70er Jahre weiterhin umzusetzen.

Was die Behörden sich mit dem Siemersplatz geleistet haben, kann so nicht bleiben! Ein Blick in meine Kristallkugel sagt mir, dass sich schon bald Widerstand regen wird...

Lutz Räbsch

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© Lokstedt-online 29.11.2013