Leserbrief

Ein gottgegebener Zustand

Sehr geehrter Herr Laufer,

offensichtlich werfen wir uns beide Arroganz vor. In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Ihre Meinung in Bezug auf die Unfähigkeit der Verkehrsplaner. Diese haben es zu verantworten, wenn Rettungseinsätze in den schmalen Nebenstraßen massiv behindert werden, da die Staus klar vorhersehbar waren.

An anderer Stelle verwechseln Sie Äpfel mit Birnen. Ich vergleiche nicht die Zustände im Jägerlauf mit denen in der Osterfeldstraße im Hinblick auf Behinderungen von Rettungswagen. Auch habe ich an keiner Stelle den Begriff "Privileg" benutzt, was Sie mir jedoch unterstellen! Ich schrieb von Menschen, "die das Glück und das Geld haben", in Jägerlauf oder Ahornallee zu wohnen. Ein Privileg ist etwas anderes. Was ist daran arrogant?

Sie selbst schreiben: "Wir sind im Jägerlauf keine Durchgangsstraße mit zehntausenden von Fahrzeugen, da wir mit einer Wohnstraße mit vorgeschriebenen 30 km/h und sogenannten "schlafenden Polizisten" an den oberen und unteren Straßenzufahrten ganz bewusst von den großen Durchgangsstraßen abgegrenzt wurden".

Genau das ist der Punkt. "Keine Durchgangsstraße", "Wohngebiet" und "ganz bewusst von den großen Durchgangsstraße abgegrenzt". Es liest sich, als wäre dies ein gottgegebener Zustand. Letztlich ist es dann doch ein Privileg, weil dem eben kein Naturgesetz zugrunde liegt, sondern dies von Behörden bewusst so entschieden wurde. Aus rein ideologischen Gründen will man auf großen Straßen kein Tempo 30! All jene Menschen, die an einer dieser großen Straßen wohnen (wohnen müssen), haben diese Möglichkeit der Abgrenzung vom Autoverkehr nicht! Sie sind den täglichen Blechlawinen (und der nächtlichen Raserei) schutzlos ausgeliefert. Tempo 30 wäre zumindest eine Verbesserung.

Wenn sich dann eine Anwohnerin des Jägerlaufs gegen ein generelles Tempolimit von 30 Km/h ausspricht, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie sich dies auf das Verkehrsgeschehen auswirken würde ("der Bus ist dann auch im Stau"), kann einem die Hutschnur reisen. Wer selbst ruhig wohnt, sollte auch den Menschen zugestehen, die an einer größeren Straße wohnen, dass die damit verbundenen Nachteile zumindest reduziert werden! Alles andere ist Arroganz und Egoismus.

Darum ist es nur gerecht, wenn auch durch die sog. "Nebenstraßen" mal viele Autos fahren und sich stauen. Nur so bekommen deren Anwohner mal ein Gefühl davon, wie es ist, ständig dem Wahnsinn des Autoverkehrs ausgesetzt zu sein. AUSDRÜCKLICH NICHT begrüße ich das damit verbundene Sicherheitsrisiko bei eventuellen Rettungseinsätzen!

"Wohnquartiere" sind ÜBERALL, wo Menschen wohnen. Entweder man gesteht diesen durch Tempo 30 wenigstens einen niedrigeren Lärmpegel und ein geringeres Gefahrenpotential zu oder man lehnt dies ab. Dann aber muss man sich Arroganz und Egoismus vorwerfen lassen. Das gilt ganz besonders dann, wenn man keine belastbaren Argumente gegen Tempo 30 vorzuweisen hat. Wer Tempo 30 auf großen Straßen ablehnt, muss begründen können, welche Nachteile dies hätte. Eine solche Begründung konnte ich bisher weder irgendwo hören, noch lesen!

Lutz Räbsch

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© Lokstedt-online 16.11.2013