• /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •                  

Bebauung des Güterbahnhofs Lokstedt

Graue Wolken am Horizont

Nachdem in der 1. Stufe der vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung die überwiegende Zahl der Einwände nicht berücksichtigt wurden, geht der Bebauunsplan-Entwurf Groß Borstel 25 nun in die nächste Runde. Einwände müssen bis zum 3. Januar 2014 zu Papier gebracht werden.

Das Genehmigungsverfahren für das Bauvorhaben des irischen Investors McGarrell Reilly Group „Tarpenbek Greens“ auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Lokstedt wird ab dem 25. November 2013 erneut öffentlich ausgelegt, wie Lokstedt online von Aktivisten des Kleingartenvereins Bahn-Landwirtschaft, die sich in dem Verein Tarpenbek Greene e.V zusammengeschlossen haben, informiert wurde.

Nicht nur für die Besitzer der überwiegend historisch wertvollen sogenannten Ley-Lauben aus dem 2. Weltkrieg hat das Bauvorhaben, sollte es in dieser Form umgesetzt werden, katastrophale Auswirkungen. Auch für Lokstedt ziehen graue Wolken am Horizont auf. Das Bauvorhaben nimmt nämlich mit jeder der bisherigen Planungsstufen immer groteskere Formen an.

Nachdem der Investor zunächst 350 Wohnungen bauen wollte, legte der Bezirk Nord der zwielichtigen McGarrell Reilly Group noch die Kleingärten zu Füßen. 750 Wohneinheiten sollten es nach dem Willen der Verantwortlichen werden. Die vom Senat allerdings dringend geforderten Sozialwohnungen allerdings werden hier nicht gebaut werden. Die Verantwortlichen des Bezirks Nord vergaßen bei den Verhandlungen mit dem Investor schlicht und einfach auch etwas für die politischen Zielsetzungen des Senats zu tun. Rechtswirksame Absprachen, etwa über die Anzahl der zu bauenden Sozialwohnungen wurden nicht getroffen (siehe Lokstedt online vom 26.11.2012).

Nun sollen es gar 1.000 Wohneinheiten oder mehr werden, „da der Markt für größere Eigentumswohnungen eindeutig rückläufig ist. Welche Auswirkungen das auf die zusätzliche Verkehrsbelastung hat, bleibt dabei völlig unberücksichtigt, ebenso wie die zusätzlichen Verkehre durch die Bauhaus-Erweiterung“, so Wolfgang Schubert von der Bahn-Landwirtschaft.

Rechnet man die Verkehrsplanungen, die bisher nur für die Planungen mit 750 Wohneinheiten vorliegen, auf die nunmehr geplanten 1.000 Wohneinheiten hoch, so kommt es täglich zu etwa 4.150 zusätzlichen Kfz-Fahrten, von denen nur etwa 800 Autofahrer den Kellerbleek in Richtung Groß Borsten befahren werden. Die überwiegende Anzahl der Verkehrsbewegungen werden in Richtung Nedderfeld führen. Etwa 2.100 Pkw werden dann zusätzlich auf der Kollaustraße und letztendlich am Siemersplatz landen, etwa 1.200 Pkw werden über den Nedderfeld und seine Nebenstraßen in Richtung Eppendorf / Winterhude fahren.

Vermutlich werden diese Berechnungen allerdings deutlich übertroffen werden. Denn die Behörde geht bei ihren Berechnungen merkwürdigerweise davon aus, dass das Plangebiet verkehrstechnisch gut erschlossen sei. Dabei hat das Gelände nur eine für Pkw nutzbare Ausfahrt, nämlich die Rampe am Kellerbleek, die nächste Busanbindung befindet sich an der Kollaustraße (Metrobuslinie 5). Eine Alternative ist nur der auf dem Nedderfeld verkehrende Bus in Richtung Lattenkamp.

Einkaufen allerdings sollen die Neu-Groß Borsteler in der Borsteler Chaussee, dafür sorgt eine gigantische Rampe nebst Brückenquerung der Tarpenbek, die für Fußgänger und Radfahrer ausgelegt wird. Um dieses Thema wurde lange Zeit gerungen. Ursprüngliche Planungen sahen sogar zwei Brücken vor, um auch dem Pkw-Verkehr eine direkte Anbindung nach Groß Borstel zu ermöglichen. Dies scheiterte allerdings am Einspruch der Groß Borsteler Bürger, die den Straßenverkehr fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

An der nunmehr geplanten Rampe am Brödermannsweg werden dann die jungen Mütter nachmittags im Fahrrad mit Anhänger ihre aus dem Kindergarten abgeholten Kinder nebst Einkäufen die Rampe hochwuchten. Das gibt kräftige Waden, ein Fitness-Studio wird im neuen Quartier also überflüssig sein.

Zu allem Überfluss weigern sich der Bezirk und die Deutsche Bahn, ein entsprechendes Lärmschutzabkommen auszuhandeln. Der ehedem auf dem Gelände der Bahn geplante Lärmschutz muss nun auf das Plangebiet verlegt werden. Diese Verlegung hat verheerende Folgen: Die Lärmschutzwand müsste gigantische 6 Meter hoch sein. Das lässt sich, bei aller Großzügigkeit die der Bezirk Nord diesem Bauvorhaben gegenüber bisher an den Tag legte, denn doch nicht verwirklichen. Die städtebaulichen Einwände gegen eine solche Mauer sind hier nicht vom Tisch zu wischen. Statt dessen soll hier mit dem Bagger ein entsprechend hoher Wall aufgeschüttet werden.

In der Begründung des Behauungsplan-Entwurfs Groß Borstel 25 wird dieses Monstrum dem Bürger mit beschönigenden Worten präsentiert: „Ein solcher Lärmschutzwall kann umfangreich begrünt und bepflanzt werden und damit voraussichtlich vollständig den Ausgleich der durch den Bebauungsplan verursachten Eingriffe in Natur und Landschaft ermöglichen. Zudem kann der Wall in die Freiraumkonzeption des Wohnquartiers mit einbezogen werden und in Teilbereichen auch der Nutzung als Spiel- und Erholungsraum dienen.“

Voraussichtlich zwei Tage nach Auslegungsbeginn, also am 27. November plant der Kommunalverein eine Veranstaltung zum Thema in der Aula der Carl-Götze-Schule. Dort sind auch Lokstedter Bürger hoch willkommen, gilt es doch Einwände bis Anfang Januar beim Bezirksamt Nord schriftlich vorzubringen.

Nur wer eine schriftliche Stellungnahme eingereicht hat, hat später nach Erteilung des Bebauungplanentscheides das formale Recht, dagegen vor Gericht zu klagen.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 13.11.2013