Leserbrief

Kein Klassenkampf im Quartier

Sehr geehrter Herr Räbsch,
Sie wohnen anscheinend an der Osterfeldstraße und kennen sich dort mit der Verkehrssituation bestens aus. Dann werden Sie auch wissen, dass der Jägerlauf, wie Sie es für ganz Hamburg fordern, eine Zone 30 ist. Dafür haben wir Anwohner gekämpft, weil es zu einem Verkehrsunfall mit einem Kind kam. Für die Regelung Zone 30 - Wohnstrasse, sind wir dankbar, sonst würde heute noch 50 km/h gelten.

Die Osterfeldstraße meiner Kindheit war zweispurig, die Grundstücke hatten noch große Vorgärten, ein recht angenehmes wohnen. Im Laufe der Zeit nahm der Verkehr aber dermaßen zu, dass die Straße verbreitert werden musste. Sie wurde zu einer tragenden Hauptverkehrsachse Richtung Autobahn. Die Häuser blieben, aber die Lärmbelastung nahm extrem zu.  Eine Zone 30 auf der Osterfeldstrasse halte ich für nicht sinnvoll, da es sich um eine Lebensader Hamburgs handelt. Bei Zone 30 bricht alles zusammen und der Bus ist dann auch im Stau.

Wie Sie ebenfalls wissen, grenzt der Jägerlauf an das Gewerbegebiet des Offakamps. Erst waren es Jahrzehnte die Firma Hanomag und dann über zwei Jahrzehnte der Recyclinghof,  die uns tagtäglich massiv mit Lärm, Dreck und Schmutz belasteten. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hatte sogar für drei Tage den Hof geschlossen,weil die Pressen so unerträglich laut waren. Wir im Jägerlauf wissen genau was Lärm ist.

Unser Jägerlauf besteht seit über 100 Jahren, die Fahrbahn ist nie verbreitert, sondern nur asphaltiert worden in den 60er. Ich kann Sie auch beruhigen, dass im Jägerlauf nicht nur „Betuchte" wohnen, sondern auch ganz normale Mietwohnungen vorhanden sind.

Die Situation hat uns überrascht, weil wir nicht informiert worden sind. Man hätte gemeinsame Lösungen für diese Zeit finden können, z.B. Parkverbot auf beiden Seiten. Dann wäre es möglich gewesen, dass ohne Schwierigkeiten entgegenkommende Fahrzeuge aneinander vorbei gekommen wären. Stattdessen parken die Autos wie immer links und rechts der Fahrbahn .Wir wehren uns nicht gegen den verstärkten Verkehr, sondern wir stellen einfach fest, dass der Jägerlauf mit der Aufnahme der vielen Autos über Stunden überfordert ist.

Wie Sie sicherlich bemerkt haben, zieht sich der Stau immer in einer Richtung vom Offakamp zur Osterfeldstrasse, nur sehr langsames stopp and go. Gerade heute Mittag habe ich beobachtet, dass ein PKW von der Osterfeldstraße In den Jägerlauf einbiegen wollte. Im Jägerlauf stand aber 50 meter vor der Mündung ein Lkw in der Schlange. Und wozu entschloss sich der einbiegende Autofahrer? Er drehte vor der Fußgängerampel auf dem Bürgersteig um und setzte seine Fahrt auf der Osterfeldstraße fort. Durch den Stau war es ihm nicht möglich, an den wartenden Fahrzeugen vorbei zu kommen.

Die Fahrbahn des Jägerlaufs ist keine 6 Meter breit und zusätzlich durch parkende Autos eingeengt. Nur zur Information: das sind längst nicht nur die Autos der Anwohner sondern tagsüber von Beschäftigten der Firmen am Offakamp und von Pendlern. Wenn jetzt also diese Schlange steht, müssen Sie mir zustimmen, dass ein Gegenverkehr nicht mehr möglich ist.

Und wie fänden Sie es ,wenn Sie oder ein naher Verwandter im Rettungswagen lägen, der Wagen aber weder vor noch zurück käme?  So geschehen am Freitag, 1.11.13, 18.30 Uhr. Trotz lautem Martinshorn  konnten die Autos sich nicht in Luft auflösen, geschweige denn eine Rettungsgasse bilden.

Also, die Autos sind auf den Bürgersteig gefahren. Hallo, das kann es doch nicht sein! Und was ist, wenn einer unserer Nachbarn Hilfe braucht und kein Rettungswagen zum Haus durchkommt? Bei einem Schlaganfall z.B. zählt jede Minute für den Patienten .

Noch einleuchtender für Sie sollte es sein, dass ein Feuerwehreinsatzfahrzeug nicht zum Einsatzort gelangen kann, wenn der Stau im Jägerlauf steht und einfach kein Platz ist .

Unsere Befürchtungen sind doch ganz klar und verständlich. Das hat nichts aber auch gar nichts mit irgendwelchen Privilegien Besserverdienender  zu tun, sondern wir wollen nur genauso schnell gerettet werden, wie Sie in der Osterfeldstraße. Ich bin sehr traurig über Ihren Leserbrief, da er doch zeigt, dass der Neid immer noch in nächster Nähe vorhanden ist.  Gilt ihre Argumentation auch für den Eppendorfer Arzt, im Jägerlauf wohnend , der rund um die Uhr für seine Patienten - auch für  Sie - da ist? Ich meine, man sollte sehr vorsichtig mit solchen klassenkämpferischen Äußerungen sein.

Name der Redaktion bekannt

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 12.11.2013