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Straßenverkehr

Das blecherne Grauen

Kaum ist der Umbau des Siemersplatzes im Rohbau fertig, offenbart er seine eklatanten Sicherheitsrisiken. Nun wurde eine weitere Baustelle eingerichtet: Im Nedderfeld werden die Zufahrten für das Bauhaus-Gelände angelegt. Die Verkehrsplanung durch die Behörden ist erneut mangelhaft.

Dienstagmittag in der Osterfeldstraße. Der Berufsverkehr ist seit Stunden vorbei, doch es ist immer noch Stau. Der Siemersplatz ist verletzlich geworden. Es reicht ein minimaler Anlass, etwa die Sperrung einer einzelnen Fahrspur wegen abschließender Arbeiten an einer der vielen unvollendeten Ecken und es geht nichts mehr.

Freie Fahrt haben am Siemersplatz nur noch die Busse. Allmählich wird der Platz, im Bewusstsein der Bürger wie in dessen Abbild in der Presse, zum Sinnbild für die verfehlte Verkehrspolitik des Senats. Mehr als fünf Millionen Euro hat dieser Wahnsinn gekostet.

Doch „neue“ Siemersplatz (Olaf-Scholz-Kreuzung) ist nicht nur verletzlicher, er ist auch gefährlicher geworden nach dem Umbau. Täglich kommt es zu Unfällen oder Situationen wie dieser: Eine Dame, elegant und gepflegt wie ihr fabrikneuer Mercedes, kommt aus der Stadt. Sie fährt über den Lokstedter Steindamm und möchte in die Vogt-Wells-Straße links einbiegen.

Dazu muss sie einer geradezu wahnwitzig anmutenden Verkehrsführung folgen: Rechts in die Osterfeldstraße einbiegen und auf einer Art Halbkreisel gleich wieder links abbiegen. Nur leider haben die Verkehrsplaner offensichtlich vergessen hier alles bis ins Letzte auszuzeichnen. Der Mercedes wird zum Geisterfahrer, er gerät auf die Gegenfahrbahn. Die entgegenkommenden Fahrzeuge bremsen. Ein Glück, dass der Verkehr ohnehin nicht wirklich fließt. So kann eine Kollision vermieden werden. Die Dame lenkt ihren Pkw über eine Verkehrsinsel zurück auf die korrekte Fahrspur, überquert den Siemersplatz und hält auf einer Bushaltebucht - erstmal anhalten und den Schreck verdauen.

In diese unglaublichen Zustände hinein nun eine erneute Belastung für die Lokstedter. Als ob keine Zeit gewesen wäre, die Verkehrsverhältnisse nach dem Umbau erst einmal sich wieder beruhigen zu lassen, nun also eine erneute Baustelle, diesmal am westlichen Nedderfeld.

Es ist der erste vorgezogene Teilabschnitt „Alte Kollaustraße / Kellerbleck“ des vom Senat starrsinnig verfolgten vierspurigen Ausbaus des gesamten Nedderfeld, der weitere Autolawinen nach Lokstedt führen wird. Täglich bis zu 7.000 Kraftfahrer weniger sollen dann durch den Straßenzug Borsteler Chaussee / Papenreye fahren, um das ohnehin weitgehend vom Verkehr verschonte Groß Borstel weiter zu entlasten. Diese meisten dieser Autos landen dann als Versatzverkehr über die Kollaustraße am Siemersplatz und erhöhen dort die tägliche Belastung auf mehr als 180.000 Fahrzeuge.

Es sind die Zufahrten des im Bau befindlichen Bauhaus-Neubaus - das mittlerweile grotesk gigantische Formen annimmt - die den vorgezogenen vierspurigen Ausbau dieses Teilabschntts verursachen. Die Behörde möchte doppelte Eingriffe im Ausbaubereich vermeiden.

Die Absperrungen dieses Teilabschnitts in Fahrtrichtung Kollaustraße, die nunmehr die Nebenstraßen verstopfen. Betroffenen diesmal nicht das Zylinderviertel wie bei Umbau des Siemersplatzes, sondern das Wohnquartier zwischen Ahornallee und Offakamp. Insbesondere die Lembekstraße und der Jägerlauf.

Anstatt den Verkehr schon vor dem Nedderfeld weiträumig abzufangen, etwa zumindest die Fahrzeuge mit Fahrtrichtung Niendorf bereits Deelböge über Groß Borstel umzuleiten, muss erneut alles was vier Räder hat über den Siemersplatz. Ein jämmerlicher Versuch der Verkehrsplaner, den Verkehr erst am Offakamp vom Nedderfeld auf die nach dem Umbau ohnehin dauernd verstopfte Osterfeldstraße umzuleiten, führt zu bizarr anmutenden Verkehrsverhältnissen.

Eine Anwohnerin aus dem Jägerlauf berichtet:

„Letzte Woche  traf es uns erneut wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Man hatte, ohne die Anwohner rechtzeitig zu informieren, den Nedderfeld Richtung Kollaustrasse gesperrt. Aber nicht nur die Anwohner waren geschockt, auch alle Autofahrer die zur Kollaustrasse wollten. Keine Pressemitteilung, keine Verkehrsnachricht, keine Ausweichstrecke, keine Beschilderung. Statt dessen blankes Entsetzen bei Autofahrern und uns Anwohnern des Jägerlaufs!

Die Autofahrer haben derzeit die Möglichkeit über Offakamp, Jägerlauf oder die Lembeckstraße, also direkt vor der Absperrung, auszuweichen. Und das hat fatale Folgen. Unsere Straßen sind komplett von unten nach oben in Richtung Osterfeldstraße durch eine Blechlawine versperrt. Keiner kann derzeit von der Osterfeldstraße in den Jägerlauf einfahren, da die Straße viel zu schmal ist. Zwei Fahrzeuge können kaum aneinander vorbei fahren, da links und rechts parkende Autos stehen. Wenn ein LKW in der Schlange steht, ist sowieso alles vorbei.

Anwohner, wenn sie von ihrer Auffahrt fahren möchten, müssen auf einen netten Autofahrer hoffen, der sie in die Schlange einreihen lässt.

Was ist, wenn ein Notfall im Jägerlauf eintritt? So geschehen am letzten Freitagabend gegen 18.30 Uhr, als ein Krankenwagen der Feuerwehr mit lautem Martinshorn im Stau des Jägerlaufs festsaß und weder vor noch zurück fahren konnte? Schließlich fuhren die Autos auf den Bürgersteig, um den Rettungwagen passieren zu lassen.

Und die Feuerwehr muss beim nächsten Einsatz darauf achten, dass sie nur vom Nedderfeld aus in den Jägerlauf fahren kann - am besten in der Mittagszeit oder am späten Abend, wenn sich die Schlange deutlich verkürzt hat.“

Abschließend fragt die Anwohnerin:

„Wollen Sie wegen dieser falschen Verkehrsplanung der Behörde  im Rettungswagen krepieren, weil sie nicht schnell genug in die Uniklinik gekommen sind?“

Ein im Jägerlauf wohnender Richter hält diesen Zustand für untragbar. Auf der letzten Bezirksversammlung schilderte eine Bewohnerin den Abgeordneten die Situation in den Nebenstraßen und machte auf die Rettungssituation aufmerksam. Die Politiker hatten noch keine Kenntnis von diesem Problem, versprachen aber im Verkehrsausschuss darüber zu beraten. Allerdings können die Politiker der Verkehrsbehörde nur Empfehlungen geben, die Verkehrsplanung muss die Behörde dann selbst veranlassen.

Es haben sich daher schon viele Anwohner des Jägerlaufs und der Lembekstraße bei der Straßenverkehrsbehörde beschwert. Die zuständigen Beamten sind genervt und geben nur noch lapidare Antworten wie: das müssen Sie so hinnehmen, man könne keinem Autofahrer verbieten diese Straßen zu benutzen. Allerdings gäbe es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Anfang der Woche solle sich die Situation verbessern.

Langfristig bis zum Frühling kommen allerdings neue Belastungen auf die Anwohner zu. Dann wird die Kreuzung Osterfeldstraße / Offakamp umgebaut, weshalb es zu weiteren, massiven Behinderungen in den Wohnstraßen kommen wird.

Während solcher Bauarbeiten wird ersichtlich, wie die Verkehrsbehörde im Bezirk Eimsbüttel verfährt: alles nur immer schon über den Siemersplatz. Und wenn der verstopft ist, irgendwie durch die Wohnstraßen gemogelt.
Die Behörden haben erneut ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Es fehlt ein Verkehrskonzept für Lokstedt - für normale Zeiten und eben auch für „Umbauzeiten“.

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© Lokstedt-online 09.11.2013