Leserbrief

Der arme Autoverkehr?

Vielen Dank für die vielen interessanten Beiträge und das Engagement für den Stadtteil, das dahinter steht. Insbesondere über den Umbau des Siemersplatzes wurde mit vielen Artikel gut informiert. Gelegentlich erscheint das Thema Verkehr dabei aber etwas einseitig aus Sicht der Autofahrer geschildert. Ich würde daher gern einmal eine andere Perspektive darlegen:
 
So irritiert es, parkende Autos in einem Wohngebiet als 'Verkehrsschikanen' zu bezeichnen. Die Anwohner haben in der Regel keine Alternative ihr Fahrzeug abzustellen und tun dies nicht aus Boshaftigkeit - sondern schlicht weil sie dort WOHNEN. In Zeiten schwieriger Verkehrssituationen ist von allen Seiten eine gegenseitige Rücksichtnahme gefordert; ein Recht für Autofahrer, durch enge Anliegerstraßen ohne 'Zickzack' rasen zu können, gehört nicht dazu. Auch die offenbar so verhassten Blumenkübel dienen letztlich einem guten Zweck: die Geschwindigkeit in einer 30er-Zone auf eben diese Geschwindigkeit zu drosseln und damit das Leben insbesondere von Kindern zu schützen. Der Blumenkübel mit dem 'wohlverdienten Ende' befindet sich erschreckenderweise in unmittelbarer Nähe zu einer Kita. Was wäre geschehen, wenn der betreffende Autofahrer -offenbar ja mit viel zu hoher Geschwindigkeit- keinen deutlich sichtbaren Gegenstand, sondern ein plötzlich auf die Straße tretendes Kind erfasst hätte?
 
Richtig ist die Feststellung, dass es sich um ein erwartbares Chaos handelte. Unverständlich bleibt dann, warum offenbar so viele Autofahrer selbst an solchen Tagen nicht auf das Auto verzichten können bzw. wollen. Die Betroffenen standen nicht in einem Stau, sie WAREN der Stau!
Wir haben an beiden Wochenenden keine Termine außerhalb Lokstedts vereinbart und sind bei bestem Wetter Fahrrad gefahren. Belästigt wurden wir an den Wochenenden nur von Autofahrern, die in ihrer Wut hupend über Gehwege gefahren sind, ohne Rücksicht auf die einzigen, die keine Schuld an den Staus tragen: die Anwohner, in Form von Fußgängern und Radfahrern.
 
Es bleibt zu hoffen, dass der Umbau des Siemersplatzes nicht dazu führt, dass noch mehr Verkehr durch das Viertel geht. Das Verkehrsaufkommen der letzten Tage legt die Vermutung nahe, dass viele Autofahrer sich offenbar daran gewöhnt haben, die 30er-Zonen als Alternative zum Lokstedter Steindamm zu nutzen, zumal an einigen Stellen des Grandwegs neuerdings halbseitig auf den Gehwegen geparkt wird, verbotenerweise. Damit wird nicht nur der Weg für Kinderwagen und Rollatoren versperrt und Familien gezwungen auf der Straße Rad zu fahren, sondern auch die Voraussetzung geschaffen, dass richtig gut gerast werden kann. Alles andere wäre ja auch eine 'Zumutung' für den Durchgangsverkehr? Ich denke nein. Anderenfalls wird schon bald das Prädikat "Familienfreundlich" für Lokstedt ersetzt durch "Autofreundlich". Die Pendler werden sich freuen.
 
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© Lokstedt-online 28.10.2013