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Siemersplatz

Im Auge eines Wirbelsturms

Es ist vorbei! Die Vollsperrung des Siemersplatzes an zwei aufeinander folgenden Wochenenden hat vielen Lokstedtern die Grenzen des Zumutbaren aufgezeigt. Lokstedt im Ausnahmezustand, Lokstedt paradox. Es war das erwartete Chaos.

Montag morgen auf dem Siemersplatz. Fünf Uhr, es herrscht eine triste, öde Stimmung. Man fühlt sich auf der leeren Kreuzung wie nach einer durchzechten Nacht. Die meisten Absperrungen sind weg, der Komplettumbau ist nahezu abgeschlossen. Der zunächst noch spärlich einsetzende Berufsverkehr fließt tatsächlich, kein Stau weit und breit. Katerstimmung nach zwei unglaublichen Wochenenden.

Die Lokstedter hatten sich inzwischen leidlich an die Absperrungen am Siemersplatz gewöhnt. Die verdecken notdürftig das Ausmaß der Zerstörung, die man dem Siemersplatz angetan hat.

Und die Katerstimmung ist genau das Element, das bleiben wird. Es ist vorbei, der Siemersplatz ist Vergangenheit.

Rückblick

Waren schon die letzten Monate seit dem Juni eine Katastrophe, Autofahrer, die dem Dauerstau ausweichen wollten, rasten durch sonst eher ruhige Seitenstraßen. Villenstraßen, wie die Straße „Bei der Lutherbuche“, wurden zum Ärger der Anwohner zur Ausweichroute in beide Richtungen.

Ärgerlich aber nicht nur für die Anwohner. Auch für die Autofahrer eine Zumutung, mussten sie sich im Zickzack um Verkehrsschikanen wie Betonkübel und parkende Pkw herum um ein Durchkommen bemühen. Für so manchen Blumenkübel war dies das verdiente Ende.

Während der gesamten Umbauphase waren weder Umleitungen ausgeschildert, noch gab es ein Verkehrskonzept. Nun gut, vielleicht wäre das auch zu viel verlangt. Gibt es doch für den Stadtteil Lokstedt und eine der am meisten befahrenen Kreuzungen Hamburgs, nämlich den Siemersplatz, auch in „Friedenszeiten“ kein Verkehrskonzept.

Anfang Oktober

Wer sich vor zwei Wochen am Siemersplatz umgesehen hatte, der konnte kaum glauben, dass noch im Oktober die seit Juni laufenden Umbauarbeiten ein Ende haben würden.

Zum Abschluss des Komplettumbaus mussten noch die oberen Schichten der Fahrbahnen komplett erneuert werden. An den beiden Wochenenden, vom 11. bis zum 14. und vom 18. bis zum 21. Oktober jeweils von Freitagnachmittag 17 Uhr bis Montagmorgen 5 Uhr, wurde die Ost-West-Tangente (Osterfeldstraße / Vogt-Wells-Straße) komplett gesperrt, war die Nord-Süd-Tangente (Kollaustraße / Lokstedter Steindamm) nur auf einer Fahrspur je Richtung befahrbar.

Wie der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer lapidar mitteilte, sei die Belieferung der Geschäfte und die Erreichbarkeit der Tiefgaragen an diesen beiden Wochenenden teilweise nur eingeschränkt möglich.

Solch eine Mitteilung aber klingt wie Hohn. Als ob die Belieferung der Geschäfte in den letzten Monaten der Umbauarbeiten immer gewährleistet gewesen wäre. Und besonders grausam muss solch eine Aussage für Geschäftsinhaber sein, die in den letzten Monaten ihr Geschäft aufgeben mussten. Eben weil die Erreichbarkeit ihres Geschäftes, insbesondere auch für Kunden, nicht immer gewährleistet war.

Lokstedt weiträumig umfahren?

Doch wenigstens an diesen letzten beiden Wochenenden hätte man erwartet, dass der Verkehr weiträumig um Lokstedt herum geleitet würde. Doch es gibt im Hamburger Norden offensichtlich keine Alternative. Der Verkehr muss durch Lokstedt, koste es was es wolle.

Alles was an Umleitungen angeboten wurden, waren Absperrungen an den Kreuzungen der Ost-West-Tangente in Höhe Offakamp, Behrmannplatz und Oddernskamp.

Die Bewohner der Vogt-Wells-Straße und der Osterfeldstraße erlebten dabei ein paradoxes Wochenende. War zwar im Umkreis von zwei Kilometern alles verstopft, stand der Verkehr in der Grelckstraße, der Niendorfer Straße, im Nedderfeld und in den Straßen des Zylinderviertels, so herrschte in diesen beiden sonst täglich von zehntausenden von Autos befahrenen Straße eine gespenstische Ruhe -wie im Auge eines Wirbelsturms. Nur ganz gelegentlich kam mal ein Pinneberger, der den Absperrungen nicht traute und dachte auf diesem Weg ohne Stau durch Lokstedt hindurch zu kommen.

So bot sich denn an diesen beiden letzten Wochenenden das befürchtete Chaos, das die Erlebnisse der letzten Monate in den Schatten stellte. Auf Facebook berichteten sich manche Lokstedter gegenseitig von ihren Abenteuern:

Einträge wie dieser etwa: „Wir kommen vom Kindergeburtstag aus Richtung Koppelstraße. Die Julius-Vosseler-Straße verstopft. Ich wende und fahre durch die Vizelinstraße auf die Stresemannstraße. Ecke Grandweg ging dann nichts mehr. Um 19 Uhr brauchte ich 30 Minuten auf dem Grandweg vom Behrkampsweg bis Siebenschön! Habe den Kindern gesagt, sie sollen zu Fuß gehen.“

Ein anderer schrieb: „Lokstedt, kurz nach 18 Uhr. Der Siemersplatz auf der Achse Osterfeldstraße / Vogt-Wells-Straße komplett gesperrt. Staus in alle Richtungen. Für die Durchfahrt Grelckstraße braucht man 15 Minuten. Vom Oddernskamp die ganze Niendorfer Straße entlang ein einziger Stau. Die Verantwortlichen hierfür wohnen sicherlich nicht in der Nähe...Man hätte vielleicht die Sperrung bis 20 Uhr verschieben können!“

Samstagabend dann wechselte die Stimmung in Unverständnis: „Ich konnte einfach nicht glauben was ich sah. Kein arbeitender Mensch weit und breit. Warum an dieser Baustelle nicht rund um die Uhr gearbeitet wird, ist mir unverständlich. Dann hätte man doch die Kreuzung nicht schon am Freitagabend dicht machen müssen!“

Andere machten zu diesem Zeitpunkt bereits ironische Bemerkungen wie: „Die zahlreichen Bauarbeiter sind unermüdlich im Einsatz....Schweres Gerät ist pausenlos unter härtesten Bedingungen gefordert... Es wird emsig im Flutlicht der Scheinwerfer gearbeitet.“

Und manchem dämmerte, dass die Umbauten für das Busbeschleunigungsprogramm weit mehr als die angekündigten 259 Millionen Euro kosten werden: „Was das Busbeschleunigungsprogramm im Vorfeld volkswirtschaftlich kostet, mag wohl niemand errechnet haben!“

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© Lokstedt-online 22.10.2013