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Wochenmarkt Grelckstraße

Lokstedter werden eingeschränkt

Schon im Juni 2011 wurde die Aufstellung von Schranken im Bezirksamt Eimsbüttel am „Runden Tisch“ beschlossen. Nun sollen sie an den Markttagen die Grelckstraße versperren - für Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichermaßen.

Entschuldigend könnte man folgern, es sei an diesem Frühsommertag heiß gewesen und die Hitze habe den Teilnehmern der Runde den Geist vernebelt. Die Erhöhung der Standgebühren im Jahre 2010 hatte zudem Geld in die Kassen gespült, das es unter die Leute zu bringen galt. So wurden denn an diesem Nachmittag einige Dinge beschlossen, die den Bürger nachdenklich stimmen.

Tatsächlich aber war es für die Jahreszeit an diesem Tag eher kühl, es wurden in der Hansestadt nämlich gerade mal 20 Grad gemessen. Was erklärt, warum die Experten Verständnis für fröstelnde WC-Besucher des Wochenmarktes am Tibarg aufbringen konnten. So erging in dieser Runde, besetzt mit Bezirksabgeordneten, Obleuten, Marktbeschickern und Verwaltung, neben der Einführung von Schranken in der Grelckstraße auch der Beschluss, für 6.500 Euro Warmwasser und eine neue Heizung auf der öffentlichen Toilette am Tibarg zu installieren.

Schon im Mai 2010 hatte diese Runde getagt. Zum Thema Grelckstraße lesen wir im Protokoll vom 04.05.2010: Neben dem „Wunsch nach der Aufstellung von drei weiteren Halteverbotsschildern“ wurde „ergänzt zum Thema Verkehrssituation, dass es Probleme aufgrund des Fahrzeugverkehrs in der Abbauphase gibt. Als bisherige Lösung dient das Aufstellen von Hütchen. Zukünftig sollte jedoch über weitergehende Maßnahmen, wie das Aufstellen einer Schranke oder eine Fahrbahnverengung, nachgedacht werden.“
 
Solche frommen Wünsche, insbesondere der nach einer weiteren Fahrbahnverengung, lassen natürlich beim Lokstedter Bürger Skepsis gegen behördlich angeordnete Neuerungen in der Grelckstraße aufkommen. Ständig werden nämlich die Bürger und die dort ansässigen Gewerbetreibenden mit weiteren Maßnahmen schikaniert. Bestes Beispiel dafür die unsäglichen Granitpoller, die beim Parken hässliche Beulen hinterlassen. Vielleicht sollte man auch einmal normale Bürger in solche Runde einberufen - einfach um unbrauchbare Lösungen im Keim zu ersticken.

Die Redaktion von Lokstedt online wurde in den letzten 14 Tagen von verschiedenen Lesern um Aufklärung über den Sinn der neuen Schranken in der Grelckstraße gebeten. So fragte ein Leser: „Mit Schrecken und Belustigung habe ich die Schrankenanlage in der Grelckstraße entdeckt. Bevor ich mich weiter über Sinn oder Unsinn auslasse, würde ich gerne die Gründe die zu diesem sicherlich wichtigen Bauwerk geführt haben kennen.“

Die Grelckstraße befindet sich einfach mitten im Zentrum von Lokstedt und wird als Durchgangsstraße genutzt, da es keinen anderen Weg durch das Zentrum gibt. Auch Anwohner des Feldhoopstücken verlassen über die Grelckstraße ihr Quartier, da die Behörden eine Öffnung der Straße Feldhoopstücken zur Kollaustraße hin unterbinden (siehe auch Lokstedt online vom 21.1.2012).

Da sind die Schikanen, die jeden Verkehrsfluss in der Grelckstraße beeinträchtigen ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

Außerdem fehlt im Zentrum von Lokstedt ein geeigneter Platz für Veranstaltungen und für einen Wochenmarkt. Wir Lokstedter haben dafür einfach keinen Platz. Unsere ehemaligen Plätze sind heute Kreuzungen. Deshalb beschränken sich die Lokstedter Veranstaltungen auf einen Flohmarkt und den kleinen Markt in der Grelckstaße.

Für diese Veranstaltungen, insbesondere für den wöchentlichen Markt, ist die Grelckstraße aber natürlich nur ein Notbehelf. In 50 Meter Entfernung befindet sich zwar eine etwas abgelegene Marktwiese, diese Wiese wurde aber von den Marktbeschickern abgelehnt, weil dort weniger Publikumsverkehr herrscht.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns die Schranken einmal vor Ort angesehen.

Erster Marktbesuch am 3. April 2013

Der Versuch, die Schranke in Aktion zu erleben, misslang. Nach Auskunft der Marktbetreiber könnten die Schranken noch nicht in Betrieb genommen werden, weil die Schließzylinder fehlten. Die nördliche Schranke sei außerdem mutwillig von einem Protestparker, einem Anwohner, versperrt worden. Wir verschieben die Recherche um eine Woche. Schranken ohne Funktion stellen zwar ein ästhetisches Problem dar, sind aber noch keine wirkliche Behinderung.

Zweiter Marktbesuch am 10. April 2013

Es ist wieder Mittwoch, also Markttag in der Grelckstraße. Schlösser wurden bislang immer noch nicht installiert. Trotzdem war die südliche Schranke – quasi versuchsweise – geschlossen bzw. angelehnt und die Marktbeschicker gaben bereitwillig Auskunft:

„Diese Maßnahme wurde beschlossen, damit wir in Ruhe auf- und abbauen können. Die Fahrrad- und Autofahrer behindern uns dabei.“

„Die Schranken sind für die Sicherheit der Marktbeschicker und der Kundschaft.“

„Wir haben schon so einiges erlebt, wurden von Auto- und Radfahrern angefahren, angepöbelt und es wird gehupt. Wir haben daraufhin Anzeigen wegen Nötigung erstattet.“

„Wir Marktleute müssen manchmal springen, damit wir nicht angefahren werden. Eine Kundin ist von einem Fahrrad angefahren worden. Hatte eine üble Wunde und noch lange Zeit einen Bluterguss.“

„Der Markt wird nach der Nutzung gereinigt, das Reinigungsunternehmen muss ungestört arbeiten können. Es geht auch nicht, dass sich schon ein Auto auf den nicht gereinigten Platz stellt. Dann kann nicht gesäubert werden.“

„Hütchen haben sich nicht bewährt. Die werden einfach umgestellt.“

So begründen einige der Marktbeschicker den Wunsch nach eine Schranke.

Wir machen uns selbst ein Bild

„Jetzt haben wir eine Schranke und die Fahrradfahrer fahren trotzdem durch.
Heute Vormittag ist ein Autofahrer um die Schranke herum über den Fußweg gefahren, um sein Auto auf einen nicht genutzten Wochenmarktstellplatz zu parken“, klagt ein anderer Marktbeschicker.

Es ist Ende der Marktzeit. Die Autos kommen tatsächlich und fahren ziemlich zügig vorbei. Viele Radfahrer sind im schnellen Tempo unterwegs. Und wir erleben dann auch umgehend ein Beispiel, dass die Richtigkeit einiger der obigen Aussagen belegt:

Die Marktleute rangieren ihre Stände. Ein Auto fährt in die Marktzone ein, kommt aber nicht durch. Steht nun vor den rangierenden Ständen und kommt nicht weiter. Kann nicht wenden und versucht rückwärts rauszufahren. Dort wird nun auch rangiert und das Auto steht verkeilt mitten im Weg. Die Marktleute müssen ihre Arbeit unterbrechen um den Wagen rauszulassen.

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit

Einige Marktbeschicker waren überrascht, sie wurden nicht in die Planung einbezogen. Die Probleme seien auch Fahrradfahrer, die auf dem Gehweg den Markt umfahren. Wenn die Marktleute ihre Wagen durch die Hintertür verlassen, sind sie auf dem Gehweg. Es herrschen dort sehr beengte Verhältnisse und genau dort preschen die Fahrradfahrer direkt an den Marktbetreibern vorbei. Das ist sehr gefährlich! Wird aber von den neuen Schranken nicht verhindert.

Eine Zeitlang habe die Polizei über den Markt fahrende Radfahrer angesprochen. Das hätte für einen Moment etwas gebracht. Auch gab es früher einen Marktaufseher, der für Ordnung sorgte. Aber der käme nur noch um die Gebühren zu kassieren, erfahren wir von einem Händler.

Stattdessen also nun zwei Schranken

Vor 18 Monaten wurde die die Grelckstraße bereits durch 177 Granitsteine, die am Parken behindern sollen, verunziert (siehe auch Lokstedt online vom 22.11.2011l).

Nun also auch noch Schranken. Die sehen aus wie eine Bahnschranke und laden nicht gerade zum Flanieren ein. Ästhetisch also eine mittlere Katastrophe. Uns interessiert aber auch die tatsächliche Funktion der Schranken. Bringen sie wenigstens etwas für die Sicherheit der Marktbeschicker?

Die Schranke auf der Nordseite ist eine komplette Fehlplanung. Schilda lässt grüßen. Da kommt im geschlossenen Zustand keiner mehr durch – auch keine Fußgänger. Die Marktbesucher müssen dann um die Beete und Poller herum laufen und eine Lücke neben dem Marktstand suchen. Dasselbe können dann aber auch Fahrräder machen.

Die Schranke auf der Südseite ist hingegen nicht breit genug. Sie benötigt zusätzlich noch ein Schild oder ähnliches, sonst können Autofahrer trotz Schranke durchfahren.

Vergessen wurden aber auch ältere Mitbürger mit Rollatoren, Eltern mit Kinderwagen und Gebehinderte mit Elektroauto. Ihnen wird bei geschlossener Schranke der Zugang zum Markt verwehrt. War das geplant?

Aber auch nachgebesserte Schranken brächten voraussichtlich nicht den gewünschten Erfolg. Gedacht sind die Schranke ja für die Auf- und Abbauphase. Sobald aber der erste Marktbeschicker sich vom Acker macht, bleibt die benutzte Schranke offen. Was den Autofahrern signalisiert: Jetzt kannst Du fahren. Da fangen aber einige Marktbeschicker erst mit dem Abbau an. Da bräuchte man dann auf jeder Seite einen Schrankenwart der die Schranke wieder schließt um den gewünschten Erfolg zu haben.

Die Installation dieser Schranken in der Grelckstraße stellt ein weiteres Beispiel für konzeptloses Handeln der Behörden dar. Wenn mal Mittel vorhanden sind, werden sie hemmungslos für völlig unsinnigen Schnickschnack verbraucht. Allerdings ist eine Tendenz tatsächlich zu erkennen. Gerne gibt die Behörde Mittel für Dinge frei, die die Bürger beschränken. Seien es Schikanen, Poller oder eben Schranken.

Auch wenn die vorher eingesetzten Verkehrshütchen keine Ideallösung waren, hatten sie doch einen Vorteil. Nach Marktende konnten sie weg gestellt werden. Mit einigem guten Willen hätte man es bei dieser Lösung belassen können. Denn sowohl die Hütchen, wie auch die Schranken erreichen nur ihr Ziel, wenn die Marktbeschicker sich nach der Ausfahrt die Mühe machen aus dem Auto auszusteigen und sie wieder aufzustellen bzw. zu verschließen. Und gerade daran wird es gelegen haben, wenn während der Abbauphase Autos durch den Markt fahren. Diese Autofahrer meinen, der Markt sei beendet.

Ausserdem sollten die Durchfahrtverbotsschilder nach dem Ende des Marktes entfernt werden. Diese stehen die ganze Woche irgendwo herum, manchmal so, dass Autofahrer irritiert sind und meinen die Durchfahrt sei gesperrt. Kein Wunder also, wenn dieses diese die ganze Woche in der Grelckstraße herumgeisternden Schilder dann am Markttag nicht ernst genommen werden.

www.hamburger-wochenmaerkte.de
Anfrage FDP.pdf
Optimierung Wochenmärkte.pdf

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© Lokstedt-online 14.04.2013