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Romy Schneider Archiv

Vom Winde verweht

Am Rütersbarg auf der Ecke zur Grelckstraße befindet sich das Alster Atelier. Der Geschäftsführer Dieter Schleifenbaum hat, neben seiner eigentlichen Profession als Fotograf, den Bildband „,Romy lebt‘!“ produziert und ein umfangreiches Romy Schneider Archiv aufgebaut. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Leidenschaft.

Romy Schneider (1938 - 1982) zählt zu den wenigen deutschen Schauspielerinnen von internationalem Ruhm. Innerhalb weniger Jahre von der Sissi-Darstellerin zur Diva gereift, war ihr kurzes Leben voller Umbrüche und Schicksalsschläge - und wohl auch voller Zufälle.

Im Mai 1973 entsteht in Paris eine Fotoreportage. Die Theaterfotografin Helga Kneidl begleitet Romy Schneider drei Tage durch Paris. Sie will, nach der gescheiterten Ehe mit Harry Meyen, einen persönlichen Neuanfang wagen. „Wir bewegten uns durch die Stadt mit leichter Atemlosigkeit. Wir waren ständig unterwegs, denn das Wetter war gut, alles war voller Leben. Das sommerliche Paris wurde der Hintergrund für eine Romy Schneider, die dabei war ihr Leben neu zu ordnen“, erinnert sich die Fotografin an die Reportage. 2001 veröffentlichte Kneidl einen Teil der Fotos unter dem Titel „Romy - Drei Tage im Mai“.

Auch Dieter Schleifenbaum war im Frühjahr 1973 in Paris. Auf Motivsuche durchstreift er von frühmorgens bis spätabends die Stadt. Es entstand eine Fotoserie über das Paris jener Tage. Die nicht veröffentlichten Fotos lagerten jahrelang unbeachtet im Archiv.

Anfang der 1980er begegnen sich Kneidl und Schleifenbaum bei einem gemeinsamen Freund. Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Sie hatten eine gemeinsame Leidenschaft, die Fotografie. Doch es dauerte Jahre, bis zufällig einmal das Gespräch auf das Paris der Siebziger Jahre und das unveröffentlichte Fotomaterial kam. An diesem Abend wurde die Idee geboren, das Material irgendwann einmal in einem gemeinsamen Projekt zu veröffentlichen.

Doch bevor es dazu kam, dass die beiden Fotografen ihre Archive nach den Aufnahmen aus dem Jahre 1973 durchsuchten, musste sich ein weiterer wirklich unglaublicher Zufall hinzugesellen.

Im Jahre1989 betrieb Schleifenbaum sein Fotostudio noch in Alsterdorf. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich eine Firma die Haushaltsauflösungen durchführte. Eines Nachts hatte ein Herbststurm getobt. Vom Gelände des Entrümplers waren Unmengen von Papierschnipseln vom Winde verweht worden. Einiges davon hatte sich im Eingangsbereich des Fotostudios verfangen. Unter den Schnipseln befanden sich auch eine Hand voll Briefe, die der Fotograf einsammelte. Es handelte sich, das ergab die spätere Expertise, tatsächlich um Briefe von Romy Schneider. Seither lagern die Briefe ebenfalls im Archiv Schleifenbaums und es dauerte weitere 15 Jahre, bis er sich die Zeit nahm, die verschiedenen Dokumente zu einem Bildband zu verbinden.

Die eigentliche Arbeit erstreckte sich dann über drei Jahre.  Am Ende sind es über 200 Seiten geworden. Dazu Schleifenbaum: „Der Leser begleitet sie auf ihrem Weg durch die Stadt, sieht ihr über die Schulter und stöbert in ihren Briefen.“

Das Thema „Romy“ lässt Schleifenbaum seither nicht mehr los. Seit der intensiven Arbeit am Bildband ist eine richtige Obsession daraus geworden. In den letzten Jahren ist so im Rüterbarg ein umfangreiches Archiv entstanden. Vorläufiger Höhepunkt der Sammlung ist ein vollständiges Original-Drehbuch des ersten Sissi-Films aus dem Jahre 1955. Es handelt sich dabei um das Exemplar des Regie-Assistenten Victor Marischka, Neffe des Regiseurs Ernst Marischka..

Mittlerweile hat Schleifenbaums Begeisterung für Romy Schneider die Nachbarschaft infiziert. Im Sonnenstudio von Gabriele Wichmann sind bereits Fotos ausgestellt und im Schaufenster hängt ein Plakat. Dort kann auch der Bildband erworben werden.

Nun hat auch der Tabak- und Lotto-Laden „Dorfkiosk“ sein Schaufenster liebevoll mit Exponaten aus dem Archiv dekoriert.

Alster Atelier GmbH (Herausgeber): „,Romy lebt‘!“. Eigenverlag, 2010; 208 Seiten; 49 Euro.
Helga Kneidel: „Romy - Drei Tage im Mai“. Lardon Verlag, 2001; 180 Seiten; nicht mehr lieferbar.

Der dreisprachige Bildband „,Romy lebt‘!“ mit über 50 unveröffentlichten Fotos und mehr als 30 Seiten unbekannter Briefe ist über den Shop des Romy Schneider-Archivs, im benachbarten Sonnenstudio und bei Amazon zu beziehen.

Romy Schneider Archiv

Alster Atelier Mediendesign und Kommunikation GmbH
Rütersbarg 2, 22529 Hamburg
webmaster@romy.de
www.romy.de

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© Lokstedt-online.de 31.08.2012