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Designer

Direkt in die Pixel gefallen

Als Kreativer mit interkultureller Kompetenz hat sich der Kommunikationsdesigner Joerg Kilian heute der kulturellen Entwicklung eines Stadtteils verschrieben. Aktuell hat er für das Bürgerhaus Lokstedt ein neues Erscheinungsbild entwickelt.

Wenn man ihn in seinem Haus in der Straße Hinter der Lieth besucht, ahnt man, dass er erst kürzlich umgezogen ist. Im Wintergarten stehen noch Kartons. Neben einem wahren Pflanzendschungel stapeln sich dort auch Segelsäcke des vom Vater selbst gebauten Schiffs sowie das Arbeitsmaterial für die Herstellung und Verpackung seiner Lokstedt Panoramabilder. "So ein Wintergarten ist ein unglaublich praktischer Raum: zusätzlicher Platz und viel Licht. Für jemanden wie mich – absolut notwendig! Ich bin meinem Vater dankbar dafür, dass er ihn in den 1980er-Jahren gebaut hat“, sagt Joerg Kilian.

Der Designer ist – nach einem Vierteljahrhundert in Eidelstedt – im März 2013 in sein Elternhaus nach Lokstedt umgezogen. Es steht auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Blumen Kilian. Es ist übrigens das älteste Haus der Gegend; mit 123 Jahren älter als das Hamburger Rathaus! Dort wohnt er mit seinen beiden Söhnen und pflegt beste Nachbarschaft mit seinem Cousin und seiner Cousine, die mit ihrer Familie auf dem selben Grund wohnen. "Inzwischen habe ich mich recht gut eingelebt. Es dauert doch schon einige Zeit bis man in Lokstedt ankommt … auch wenn ich hier geboren bin und bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr hier gewohnt habe. Sehr vieles hat sich seitdem verändert."

Vom Aquarellblock in die Pixel gefallen

Nach Abitur und Wehrdienst bei der Bundesmarine hat es ihn nach Norwegen verschlagen, wo er einen Studienplatz für seinen Traumberuf ergattern konnte: Grafik-Designer; in der spannenden Zeit, wo sich das Berufsbild vom Analogen ins Digitale wandelte. So war er 1989 nicht nur einer der ersten Master-Absolventen der Schule, sondern auch der erste, der die Abschlussarbeit komplett mit dem Computer entwickelte und präsentierte. "Ich sag' immer, ich bin Mitte der 1990er direkt vom Aquarellblock in die Pixel gefallen!" Und dort hat er sich seitdem sehr wohl gefühlt. Allerdings hört er es überhaupt nicht gern, wenn seine Kunden ihn als IT-Spezialisten einsortieren: "Da bin ich schon eher der vielseitige Künstler, der kreative Handwerker oder der Allround-Universalist".

Im Wendejahr kam er mit seiner norwegischen Frau und Tochter wieder nach Hamburg und wohnte in einem Haus der Familie in Eidelstedt. Die Norwegerinnen gingen nach einigen Jahren zurück und er machte sich als Designer selbständig. Drei Jahre lang hatte er als Art Direktor einer großen Hamburger Designagentur große Marken in Corporate- und Packagingdesign betreut, und ganz nebenbei alle Arbeitsplätze auf Macs umgestellt. Jetzt brachte die Selbständigkeit neue Freiheiten und Herausforderungen: Lehraufträge in Norwegen und am ehemaligen Bauhaus in Dessau; 1995 der frühe Einstieg in Webdesign und anschließende Beratertätigkeit bei DaimlerChrysler in Stuttgart: "Es waren extrem goldene Jahre in meiner Branche."

Bodenständiges Grafik-Design, weniger IT, kein Schischi …

Mitte der Neuziger Jahre gründete er noch einmal eine Familie. Die Mutter seiner beiden Söhne kommt aus Beijing. Durch ihren Beruf als Dolmetscherin und interkulturelle Trainerin ist sie viel unterwegs – vor allem in China. So hat Joerg früh seine Vaterrolle erweitert: "Die Anforderungen des Familienmanagements sind mir nie fremd gewesen. Ich habe meine Multitasking-Fähigkeit zunehmend ausbauen müssen." 1999 und 2000 schreibt er auf dem Höhepunkt des Internethype zwei Bücher über Webdesign und gründet eine Agentur an der Elbchaussee.

Keine zwei Jahre später, als die Internet-Blase platze, kann er gerade noch eine Insolvenz der GmbH verhindern: "Wir mussten zurück rudern in bekannte Fahrwasser: bodenständiges Grafik-Design, weniger IT, kein Schischi …" Zwischen 1990 und 2006 betreut er das komplette Packungsdesign der Marke "Yogi Tea" in Deutschland, Europa und den USA. Die Entwicklung von Webseiten läuft weiter. Eines Tages kommt das Eidelstedter Bürgerhaus auf ihn zu mit der Anfrage nach einer Homepage: "Ich habe ihnen erklärt, dass sie erst einmal ein neues Erscheinungsbild brauchen – und dann den Internetauftritt!"

Wechselnde Schauplätze ehrenamtlichen Engagements

Nachdem Joerg Kilian das Bürgerhaus in Eidelstedt als Berater und Designer einige Jahre begleitete, wurde er 2008 Vorstandsvorsitzender des Vereins. Die Entwicklung eines Leitbilds für das Stadtteilkulturzentrum, die Gestaltung des Stadtteillogos "Wappen für Eidelstedt" und die Postkarten-Edition "Post aus Eidelstedt" sind seiner Initative zu verdanken. Mit dem Umzug verschob sich dann der Schauplatz seiner ehrenamtlichen Aktivitäten. Bereits im Februar 2011 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Forum Kollau – Verein für die Geschichte von Lokstedt, Niendorf und Schnelsen. Der neugegründete Verein brauchte ein grafisches Profil und profitiert heute mit seinen vielfältigen Medien, Publikationen und Veranstaltungen von der Kommunikationsexpertise, die der Designer mitbringt.

Seit Mai 2014 ist Joerg Kilian als Beisitzer im Vorstand vom Bürgerhaus Lokstedt und verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit. Das Bürgerhaus hat mit dem Erscheinen des Programmhefts für das erste Halbjahr 2015 ein neues Logo und Erscheinungsbild bekommen. Pate hierfür stand der Cartoonist Gernot Gunga, der das Haus mit seiner komischen Menagerie umgeben illustriert hat. Joerg Kilian: "Wir wollten ein unverbrauchtes Bild, das Buntheit und Offenheit ausstrahlt. Ich hab' Gernot angerufen, der sofort von meiner Idee begeistert war – auch wenn er ansonsten nichts mit Lokstedt zu tun hat."

Unverbrauchtes Bild, das Buntheit und Offenheit ausstrahlt

Das neue Erscheinungsbild spiegelt sich jetzt in vielfältigen Maßnahmen wieder: Nicht nur die Internet- und Facebook-Seiten wurden überarbeitet; es gibt auch eine neue Geschäftsausstattung und ein neues Plakatdesign, das in dem neuen CityLight-Kasten am Siemersplatz zusehen ist. Als Nebenprodukt erhielt auch das Lokstedter Forum – als Submarke des Bürgerhauses – ein Logo. "Es stellt die tragische Vierteilung des Stadtteils dar, in dessen Kreuzung das Forum eine neue Mitte sucht", so der Designer. Auch das Logo des Bürgerforum Eidelstedt hatte der Designer seinerzeit pro bono entwickelt.

Als visionärer und interdisziplinärer Kopf liegen seine Stärken in der Entwicklung von übergreifenden Konzepten, Leitbildern, Positionierungen, Visualisierungen und Marken. Mögen es in der Vergangenheit interkulturelle Projekte fern der Heimat gewesen sein, die ihn reizten, so sind es jetzt lokale Belange für die er sich fachlich einsetzt. Der Kommunikationsdesigner und interkulturelle Experte, der seit 30 Jahren in Sachen Brand Identity, Corporate Design, Packungsgestaltung, Web Design und Usability unterwegs ist, hat dafür eigens die Internetseite www.designer-lokstedt.de eingerichtet. 

Schwieriger Spagat zwischen Ehrenamt und Broterwerb

Hier wirbt er für seine Lokstedt Postkarten, deren Motive dem von ihm entwickelten Lokstedt Panorama Fries entnommen sind. Das Fries gibt es auf Birkenholz aufgezogen in verschiedenen Größen. Es zeigt die historischen Landmarken Lokstedts auf einen Blick – vom Wasserturm bis zum Neubau des NDR-Fernsehen. Zu Weihnachten 2014 hat Joerg Kilian sich noch etwas Besonderes einfallen lassen: außer Weihnachtskarten – die den Wasserturm im winterlichen Gewand zeigen – hat er die Kampagne "Lokstedt Winterwunderland" gestartet, wo er eine ganze Woche lang, jeden Tag im Internet eine neue Version seines verschneiten Lokstedt-Panoramas als Unikat anbietet.

"Diese lokalen Projekte sind natürlich kein Selbstzweck, reich werde ich dadurch nicht. Aber es ist gute Werbung, eine Gelegenheit neue Menschen und vielleicht neue Kunden im Stadtteil kennen zu lernen und auf mich und meine Angebote aufmerksam zu machen.", sagt der Designer. "Irgendwo muss man ja anfangen …" Mitunter schwierig ist für ihn jedoch die Abgrenzung seiner ehrenamtlichen von den unternehmerischen Aktivitäten: "Wenn jemand sich für ein Ehrenamt – für seine Zeitspende – anbietet, gehen alle davon aus, dass derjenige bereits existenziell ausgesorgt hat. Da muss ich schon manchmal ganz klar sagen, dass ich für bestimmte Leistungen auch Geld verlangen werde … ich bekomme ja noch kein bedingungsloses Grundeinkommen!“, sagt er lachend.

Augenhöhe und Wertschätzung als Voraussetzung für Erfolg

Getreu seinem Motto "Visionen für den Stadtteil … denn das Gute liegt so nah" sucht er die Augenhöhe und Nähe seiner Kunden: "Ich bin ein Beziehungsmensch. Gute Ergebnisse und Erfolge gelingen nur mit gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung. Der Preis einer Leistung ist dabei zunächst nebensächlich." Noch kann er seine Kunden im Stadtteil an einer Hand abzählen: "Ich rechne jedoch damit, im Laufe der kommenden Jahre einen soliden lokalen Kundenstamm aufbauen zu können."

Viel Unterstützung erfährt er bei seinen Aktivitäten von seiner Partnerin – einer Gewandmeisterin und Kostümbildnerin mit Theaterhintergrund, den Vorstandsmitgliedern seiner beiden Vereine sowie seinen Kindern, die bei Programmverteilung und Plakate hängen kräftig mitmachen. "Ich fühle mich sehr wohl in Lokstedt und sehr froh, dass ich mich mit meinen professionelle Fähigkeiten in meinem Heimatstadtteil einbringen kann. Dabei geht es mir ganz wesentlich nicht um ein "Mehr-Mehr" von allem, sondern um Qualität … lokale Lebensqualität für alle hier.“

www.designer-lokstedt.de

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© Lokstedt-online.de 21.12.2014

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