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Lycée Français de Hambourg

Deutsch-französische Versuchsschule

Die Hamburger SPD versucht das Lycée Français de Hambourg für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Bereits im Juni äußerte Bürgermeister Olaf Scholz gegenüber dem Botschafter Frankreichs den fragwürdigen Wunsch, den Status der Schule zu ändern und sie in ein zweisprachiges deutsch-französisches Gymnasium umzuwandeln.

Aus Altona kommt - zumindest aus Lokstedter Sicht - selten etwas Gutes. Bereits in den 1930er Jahren versuchte Altona sich aus wirtschaftlichen Gründen die reiche Gemeinde Lokstedt einzuverleiben. So kam den Lokstedtern schließlich 1937 das Groß-Hamburg-Gesetz zupass. Viele Lokstedter liefen mit wehenden Fahnen zur Hansestadt über um nicht nach Altona eingemeindet zu werden.

Ein Vorgang mit nicht zu leugnenden Parallelen findet in diesen Tagen statt. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz möchte das in Lokstedt beheimatete Lycée Antoine de Saint-Exupéry de Hambourg (auch Lycée Français de Hambourg / LFH) in eine öffentliche Schule umwandeln und nötigt sie zudem zum Umzug nach Altona.

Der Bevollmächtigte

Alles fing damit an, dass Olaf Scholz im Januar 2015 zum Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit ernannt wurde.

Die Position des Bevollmächtigten war 1963 nach der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit nötig geworden, weil in der Bundesrepublik der kulturelle Bereich der ausschließlichen Gesetzgebung der Länder unterliegt, es folglich keinen Bundeskulturminister gibt. Es musste nach der Unterzeichnung der Verträge eine Person ernannt werden, die der französischen Regierung als Ansprechpartner in kulturellen Belangen dient. Dieses Amt - protokollarisch im Range eines Bundesministers - wurde in den vergangenen Jahrzehnten meist durch Ministerpräsidenten Baden-Württembergs oder des Saarlands wahrgenommen, also Frankreich benachbarte Bundesländer. Nach mehr als 50 Jahren war nun Hamburg etatmäßig an der Reihe.

Der Macher

Über die fachliche Qualifikation mancher Politiker macht man sich ja schon lange keine Gedanken mehr. Schließlich werden sie von „Experten“ beraten. Im Falle von Scholz heißt dies, er wird in seiner Position durch ständige deutsch-französische Expertenkommissionen für das allgemeinbildende Schulwesen, für die berufliche Bildung sowie für Wissenschaft und Hochschulen beraten. Was soll da schon schief gehen?

Irgend einer dieser Experten muss Scholz allerdings von der Existenz dreier deutsch-französischer Gymnasien berichtet haben. Auch sie verdanken übrigens ihre Existenz - und Exzellenz - den Elysée-Verträgen und sind Aushängeschilder der deutsch-französischen Beziehungen.

Jemand wie Scholz, der sich selbst vermutlich für einen Macher hält, versucht sich auch in der Position eines Bevollmächtigten zu profilieren. Daher wagt er, was sich keiner seiner 18 Amtsvorgänger als Kulturbevollmächtigter bislang getraut hatte. Er beabsichtigt ein viertes deutsch-französisches Gymnasium zu gründen.

Die Hamburger Schulbehörde in einer Mitteilung dazu: „Die Gründung des deutsch-französischen Gymnasiums in Hamburg soll dazu beitragen, die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bildungsbereich in Hamburg und damit den Wirtschaftsstandort Hamburg zu stärken. Damit bekommt Hamburg ein Alleinstellungs-Merkmal für ganz Norddeutschland.“

Deutsch-französische Gymnasien

Deutsch-französische Gymnasien (DFG oder frz. Lycée Franco-Allemand, LFA) nennen sich zwei deutsche Gymnasien in Saarbrücken und Freiburg sowie ein französisches Lycée in Bùc. Angegliedert an diese Schulen sind jeweils deutsch-französische Grundschulen, zwei deutsch-französische Kindergärten (in Freiburg und Saarbrücken) und ein deutsch-französisches Internat (in Freiburg). Des weiteren gibt es in Saarbrücken noch eine deutsch-französische Hochschule.

Die Schulen genießen in Deutschland allerdings nur den Status von Versuchsschulen. Ziel war ursprünglich die Schaffung zweisprachiger Schulen für die Kinder der französischen Soldaten in Deutschland und für die Kinder von deutschen Staatsbediensteten in der Gegend um Paris herum.

Zwischen den drei Schulen findet ein reger Austausch statt, jeder Schüler eines deutsch-französischen Gymnasiums lernt im Laufe seiner Schulzeit das Lycée in Bùc kennen und umgekehrt.

In dieses System versucht sich nun das DFG Hamburg hineinzudrängen. Weitere 1.000 Hamburger Schüler müssten während ihrer Schulzeit am Lycée in Bùc hospitieren. Nicht von ungefähr gehört das Französische Gymnasium Berlin dem Verbund der drei DFGs nicht an und folgt einer eigenständigen Verwaltungsstruktur.

Der Standort

Mit einem DFG allein konnte Scholz sich allerdings nicht zufriedengeben. Es musste zudem in seinem Wahlkreis angesiedelt werden - Erfolge wollen ja schließlich zuhause vorgezeigt und in Wählerstimmen umgemünzt werden.
Das neue Vorzeige-Gymnasium soll also seinen Standort in Altona haben.

Erinnern Sie sich an Ihren letzten entspannten Bummel über die Neue Große Bergstraße? Sehen Sie dort den Bedarf für eine Kaderschmiede, für „ein von Frankreich und Hamburg kooperativ geführtes staatliches Gymnasium mit bilingualem Profil und internationaler Ausrichtung“?

Die neue Schule soll nur wenige Hundert Meter von der Neuen Großen Bergstraße errichtet werden. Über diese Haupteinkaufsstraße Altonas schreibt das Hamburger Abendblatt: "Der Zustand ist katastrophal“. Bezirksamtsleiterin Liane Melzer - eine Parteigenossin von Scholz - gesteht ein, dass das Geld für die Sanierung, die etwa 1,1 Millionen Euro kosten würde, fehlt. Nach Melzers Auffassung sollten die Anrainer das Geld für die Sanierung aufbringen. Mit anderen Worten: Ohne Ikea hat der Bezirk Altona nicht einmal genug Geld Gehwegplatten zu verlegen.

Statt also das Naheliegende zu tun und erst einmal die Haupteinkaufsstraße zu sanieren, soll nun nach dem Willen von Scholz ein Elite-Gymnasium her.

Das Gymnasium (in Gründung) ist das dritte Altonaer Gymnasium, es nutzt ein Gelände an der Struenseestraße.

Die Stadtteilschule am Hafen

In der Struenseestraße 20 residiert aktuell noch die Stadtteilschule am Hafen. Wer sich einmal auf deren Website verirrt hat, hält sie für eine Traueranzeige.

Passt auch. Denn die Stadtteilschule am Hafen, Standort Altona-Süd soll tatsächlich beerdigt werden. Und die Begeisterung über das neue Gymnasium hält sich vor Ort naturgemäß in Grenzen. Dazu die Hamburger Morgenpost: „Die Elternvertreter Henning Horl und Cenk Bekdemir wollen für den Erhalt der Schule ihrer Kinder kämpfen…In den Gebäuden lernen derzeit die 250 Stadtteilschüler der Zweigstelle der Stadtteilschule Am Hafen. Plus sechs Vorbereitungs-Klassen für Flüchtlinge. Sie alle müssen auf Zweigstellen in der Neustadt und St. Pauli verteilt werden.“

Die Linke Fraktion der Bürgerschaft zeigt sich ebenfalls wenig angetan von Scholz’ Plänen. Sie fordert, den Standort Struenseestraße zu einer eigenständigen Stadtteilschule für Altona-Altstadt weiterzuentwickeln. „Ist das die Ansage der rot-grünen Regierung für die Stadtteilschule zu werben? Der Senat hätte hier die Möglichkeit ein Signal in die Stadt zu senden, dass er es mit der Stärkung der Stadtteilschulen ernst meint“, so Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus.

Doch der Kampf für den Erhalt und den Ausbau der Stadtteilschule Struenseestraße dürfte bereits verloren sein.

Das dritte Altonaer Gymnasium

Tatsächlich liegt Altona mit der Umwandlung von Stadtteilschulen in Gymnasien im Trend. Für dieses Schuljahr meldeten 53,1 Prozent der Eltern ihre Kinder für die fünfte Klasse eines Gymnasiums an.

Die bestehenden Gymnasien in Altona - das Gymnasium am Hohenzollernring und das Gymnasium an der Max-Brauer-Straße - sind überfüllt. Mit der Gründung eines dritten Altonaer Gymnasiums versucht die Schulbehörde den Abzug der Schüler nach Westen, also in die Gymnasien Othmarschen, Hochrad und Blankenese, zu verhindern.

„Das Struensee-Gymnasium in Altona-Altstadt wurde zum aktuellen Schuljahr neu gegründet und ist mit 115 Schülerinnen und Schülern in vier Klassen gestartet“, heißt es in der eingangs bereits zitierten Mitteilung der Schulbehörde.

Die Schüler sind in den ehemaligen Gebäuden der Haupt- und Realschule Königstraße (an der Struenseestraße) untergebracht. Diese Gebäude müssen sich die Schüler aktuell allerdings noch mit den Schülern der Stadtteilschule und denen der Vorbereitungsklassen teilen - bis diese dann sukzessive auf andere Standorte verlegt werden.

Das hört sich alles noch etwas mickrig an, zumal die ersten Namensvorschläge wie etwa „Gymnasium Königstraße“ sich auch noch nicht nach einem „Alleinstellungs-Merkmal für ganz Norddeutschland“ anhören.

Die Pläne

Doch auch wenn für die Sanierung der Stadtteilschule am Hafen, Standort Altona, jahrelang kein Geld vorhanden war, soll für den Neubau des Gymnasiums nunmehr tief in die Taschen gegriffen werden. Das Hamburger Abendblatt berichtet über die Baupläne: „Neu errichtet werden Fachräume, Verwaltung, Gemeinschaftsflächen, ein Schulgebäude für die Sekundarstufe II - insgesamt 7000 Quadratmeter, darin enthalten sind 500 Quadratmeter für die Ganztagsbetreuung. Außerdem bekommt die neue Schule eine neue Dreifeld-Sporthalle mit 2000 Quadratmetern Fläche. Sanierung und Neubau kosten 19 Millionen Euro.“

Mit den schmucken Neubauten möchte Scholz die ihm fehlenden Schüler nach Altona locken. Denn würde man mit der Neubelegung der Schule im bisherigen Tempo weitermachen, die Schüler ausschließlich in Altona rekrutieren und jedes Jahr einen weiteren Jahrgang mit 115 Fünftklässlern einschulen, dann hätte man bis zur Einweihung des Neubaus ein Gymnasium mit etwa 450 Schülern. Und ziemlich sicher keines mit „bilingualem Profil und internationaler Ausrichtung“.

Was fehlt am Struensee-Gymnasium?

Was der Schule fehlt, sind einige Hundert französisch sprechende Schüler sowie ein französisch-muttersprachliches Kollegium.

Wie wichtig muttersprachliche Lehrkräfte für ein deutsch-französisches Gymnasium sind, können wir auf den Internetseiten des DFG Saarbrücken nachlesen: Die Schüler der Deutsch-Französischen Gymnasien würden „in ihrer Schule neben sprachlichen Kompetenzen auch und vor allem interkulturelle Kompetenzen erwerben, da sie ja täglich mit Schülern und Lehrkräften aus dem Nachbarland zusammen lernen und arbeiten…darüber hinaus werden auch die Naturwissenschaften, Mathematik und Wirtschaftswissenschaften in der Sprache des Nachbarn unterrichtet und zwar von muttersprachlichen Lehrkräften!“

Solche Lehrkräfte finden sich naturgemäß in Saarbrücken oder Freiburg leichter als in Hamburg.

Lycée Antoine de Saint-Exupéry de Hambourg

Am Hartsprung wiederum ist alles vorhanden, was unser Bürgermeister so dringend für ein deutsch-französisches Gymnasium benötigt.

Das Lycée Français de Hambourg (LFH), eine französische Schule deren Schulklassen von der Petit Section bis zur Terminale 15 Jahrgänge umfassen, ingesamt 890 Schüler, und natürlich ein französisch-muttersprachliches Kollegium. Die Schule ist dabei Teil eines weltweiten Netzwerkes mit 495 Standorten außerhalb Frankreichs, wo Unterricht gemäß den Lehrplänen des französischen Erziehungsministeriums erteilt wird. Das LFH ist eine vom französischen Bildungsministerium anerkannte Einrichtung, die in das Netzwerk der französischen Agentur für das Auslandsschulwesen (AEFE) integriert ist.

Die Schüler kommen dabei keineswegs nur aus Frankreich. Kinder aus 30 Ländern besuchen aktuell die französische Schule. Davon auch ein großer Anteil an deutschen Kindern. Voraussetzung für die Aufnahme sind ausreichende Kenntnisse der französischen Sprache, denn französisch ist am Lycée allgemeine Unterrichtssprache von der Grundschule bis zum Abitur und wird auf dem Niveau Muttersprache unterrichtet.

Deutsche Kinder erreichen die Eingangsvoraussetzungen am leichtesten, wenn sie vor der Einschulung die Ecole maternelle, also die dreijährige Vorschule besucht haben.

Aber nicht nur auf die Schüler des Lycée Français hat Scholz es abgesehen. Die Lehrkräfte und Verwaltungsangestellten der Schule, könnten ihr Know-how mit nach Altona bringen, das aus der Mickerbude an der Struenseestraße - sobald der Neubau zum Schuljahr 2020 / 2021 abgeschlossen wäre - eine richtige Schule machen könnte.

Partnerschule des Lycée Français in Othmarschen

Doch das macht irgendwie wenig Sinn. Eigentlich sollte doch auf dem neuen Gymnasium Altonaer Kinder untergebracht werden, um sie daran zu hindern, etwa die Partnerschule des Lycée Français in Othmarschen zu besuchen.

Richtig! Das Gymnasium Othmarschen ist die Partnerschule des Lycée Français, hier können Schüler aus dem Bezirk Altona bereits heute problemlos ihr Abibac ablegen.

„Unser Französischprofil beginnt in Klasse 5 und setzt sich darüber hinaus über die besondere Vorbereitung zum Abibac, dem deutsch-französischen Doppelabitur, über die Mittelstufe bis in die Oberstufe hinein fort“, heißt es auf der Website der Schule.

Schließt das Lycée Français seine Pforten, dann kann sich das Gymnasium Othmarschen eine neue Partnerschule suchen. Schließlich benötigt man dringend Muttersprachler im Kollegium.

Doch die Muttersprachler aus dem Lycée arbeiten dann vermutlich am neuen DFG. Da könnte man dann das DFG zum Partnergymnasium des Gymnasiums Othmarschen machen. Aber, leiht das DFG überhaupt Lehrer nach Othmarschen aus? War nicht Anlass der Gründung, dass man keine Schüler nach Othmarschen abgeben wollte? Findet das Othmarschener Gymnasium aber keine neue Partnerschule, dann können die ihren bilingualen Zweig schließen.

Scholz und seine Prestigeprojekte

Das erinnert alles fatal an Scholz’ letztes Prestigeobjekt, die Busbeschleunigung. Auf den Internetseiten der Grünen heißt es dazu: „Senat stellt Busbeschleunigung klammheimlich ein“. Der Koalitionspartner schreibt dazu weiter: „Es ist gut, dass der Senat erkennt, dass die großen Umbaumaßnahmen für den Busverkehr überdimensioniert, unnötig und von der Bevölkerung nicht gewollt sind…Damit wird offensichtlich, dass eines der größten eigenen Projekte von Olaf Scholz gescheitert ist.“

Das tröstet uns Lokstedter wenig. Um den Siemersplatz ist es geschehen. Für Fußgänger und Radfahrer ist das Lokstedter Zentrum extrem gefährlich geworden. Das Projekt wird nun klammheimlich eingestellt. Doch für uns kommt die Erkenntnis des Senats zu spät.

Was nun das Projekt DFG betrifft, da wird man fragen dürfen: Darf man eine komplett funktionierende Schule in Lokstedt opfern, um sie an anderer Stelle in ein Prestigeprojekt zu überführen? Was, wenn das Projekt DFG ebenso grandios scheitert wie die Busbeschleunigung? Der Verlust für Hamburg und für Lokstedt wäre riesengroß. Denn daran, dass Hamburg eine funktionierende französische Schule benötigt, besteht wohl kein Zweifel.

Können die das überhaupt?

Vergleichen wir das Projekt DFG Hamburg doch mal mit der Hafencity - wir sind immerhin so fair und vergleichen es nicht mit der Elbphilharmonie!

Einen Schulneubau wird man ja wohl noch hinbekommen. Aber eine solche Schule - nennen wir sie ruhig einmal Eliteschule - will zum Leben erweckt werden. Das ist ähnlich wie mit der Hafencity. Es reicht eben nicht aus, einfach ein Paar Gebäude zu errichten - durch deren leeren Straßen dann der Wind pfeift.

Aktuell jedenfalls findet sich wenig, was auf eine hinreichende Expertise des Projekts verweist. In der Pressemitteilung der Schulbehörde heißt es nur: „Vorbild für das deutsch-französisches Gymnasium in Hamburg sind die deutsch-französischen Gymnasien in Saarbrücken, Freiburg und in Bùc (bei Paris).“ Schulsenator Ties Rabe ergänzt: „Das neue deutsch-französische Gymnasium in Hamburg ist eine besondere Chance für ganz Hamburg und ein zukunftsträchtiges Modell nach dem Vorbild anderer, erprobter und gut funktionierender Gymnasien in Deutschland und Frankreich.“

In Hamburg soll also ein Abklatsch dieser drei Gymnasien entstehen. Die Macher liefern nichts eigenes.

Hätte man da nicht eher etwas machen sollen, was man kann. Anstatt von einem deutsch-französischen Gymnasium in Altona zu träumen, lieber ein weiteres Gymnasium mit französisch-bilingualem Schwerpunkt eröffnen. Für solch ein Projekt sollten jedenfalls die Blaupausen in der Schulbehörde vorliegen.

Die Experten und die besorgten Eltern

Wenn wir uns derzeit ein wenig auf den Facebook-Seiten der École Français umsehen. Die Site mit dem Untertitel „LFH ou LFA“ wurde von besorgten Eltern angesichts Scholz’ Wünschen eröffnet. Dort werden wir auf die mannigfaltigen Probleme hingewiesen, die auf Schüler, Eltern und Lehrer der Schule zukommen könnten. Aktuell läuft auf der Seite gerade eine Umfrage. Erste Ergebnisse weisen deutlich darauf hin, dass die Eltern nichts von den geplanten Veränderungen halten. Die ganz überwiegende Meinung: Das LFH soll in seiner heutigen Form am Standort in Lokstedt verbleiben.

Um die Probleme zu begreifen, die sich aus den Plänen der Schulbehörde für alle Beteiligten ergeben, sollten wir zunächst einmal die Besonderheiten der französischen Schule in Lokstedt kennen. Dies scheint um so mehr angezeigt zu sein, zumal aktuell die „Experten“ von der Schulbehörde die CM2 noch für die vierte Klasse halten.

Die 5. Grundschulklasse

Die CM2 ist in der Tat eine Klasse an der sich einige der Probleme beschreiben lassen.

Wer erinnert sich noch an die geplante Hamburger Schulreform? Da ging es unter anderem um die Frage, ob die Primarstufe von vier auf sechs Jahre erweitert werden sollte. Die Hamburger stimmten in einem Volksentscheid dagegen. Das kostete den damaligen Bürgermeister Ole von Beust sein Amt.

Die Frage, ob die Grundschule nun vier oder sechs Jahre dauert ist in Hamburg ein Politikum. Und nun kommt eine weitere Variante hinzu: Die französische Grundschule (Ecole élémentaire) dauert nicht vier, nicht sechs, sie dauert fünf (!) Jahre. Und das fünfte Jahr ist die CM2.

Fünf plus sieben sind nur rein rechnerisch gleich vier plus acht. Wie soll aus zwei Schulen, eine mit fünf Grundschuljahren und G7 (Abitur nach sieben Gymnasialjahren), die andere mit vier Grundschuljahren und G8, eine Schule werden? Zumal mit jeder Lösungsmöglichkeit, weitere Fragen aufgeworfen werden.

Die Primarstufe

Bevor man sich nämlich fragt, wie die Schulen harmonisiert werden können, muss man sich die Frage stellen: Was wird aus der Primarstufe der französischen Schule.

Nur 370 Schüler der französischen Schule besuchen aktuell die Sekundarstufe (also das Collège oder das Lycée - die Klassen 6 bis 12). Auf sie hat Scholz es abgesehen und einige von ihnen werden - möglicherweise - ab 2020 das DFG besuchen. Schon jetzt überlegen allerdings nicht wenige Eltern, was sie machen werden, wenn sie ihr Kind nicht dort zur Schule gehen lassen möchten bzw. können.

Wo aber bleiben die 520 Vor- und Grundschüler? Bleiben sie vor Ort am Hartsprung, ziehen sie mit um nach Altona oder hat man sich auf Seiten der Schulbehörde einfach noch gar keine Gedanken gemacht?

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Karin Prien vom 30.09.2016 heißt es zu der Frage, ob der Senat die örtliche Einheit zwischen Grundschule und Sekundarzweig der Schule im Falle einer Verlagerung der Schule garantieren könne: „Die Überlegungen der zuständigen Behörden sind noch nicht abgeschlossen.“

Die Antwort auf die Kleine Anfrage ist eine Frechheit. Auf nicht weniger als 16 Fragen sind die „Überlegungen noch nicht abgeschlossen“. Dabei kratzen die Fragen eigentlich nur an der Oberfläche. Hatte der Sachbearbeiter einfach nur keine Lust, die Fragen zu beantworten oder ist das Konzept für das DFG wirklich noch so unausgegoren?

Wenn also die Überlegungen zu diesem Thema Primarstufe noch nicht abgeschlossen sind, dann sollte die Schulbehörde sich auch gleich noch überlegen, in welcher Form die Primarstufe weitergeführt wird. Schließlich besteht sie ja aus drei Jahren Vorschule und fünf Jahren Grundschule. Das ist auf der ganzen Welt so und kann in Hamburg auch nicht anders sein. Denn schließlich haben die französischen Auslandsschulen ja den Sinn, den französischen Eltern im Rahmen einer Berufstätigkeit im Ausland, den reibungslosen Schulwechsel ihrer Kinder zu ermöglichen.

Weitere Besonderheiten des LFH

Vielleicht haben Sie von jungen deutschen Eltern einmal den Satz gehört: „Mein Kind soll so lange wie möglich Kind bleiben.“ Damit begründen sie dann, ihr Kind nicht in die Vorschule sondern in den Kindergarten gegeben zu haben.

  • Solch ein Gedanke ist den Franzosen fremd. Die dreistufige Vorschule ist zwar in Frankreich nicht verpflichtend, sie wird aber hervorragend angenommen. Das letzte Vorschuljahr, die Grande Section, besuchen 99 Prozent aller Kinder. Es ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass schon in der Ecole maternelle spielerischer Unterricht im Klassenverband stattfindet. Anstatt von einem Erzieher wird die Klasse von einem Lehrer geleitet. Die Kinder werden so optimal auf die Schule vorbereitet. Disziplin ist hier eine wichtige Tugend.
  • Das französische Schulsystem weist noch weitere Besonderheiten auf. Etwa dass es keine Kann-Kinder gibt. Die Einschulung erfolgt immer Jahrgangsweise. Es gibt keine Trennlinie für zwischen Kindern die in der ersten oder der zweiten Jahreshälfte geboren wurden. Alle Schüler eines Jahrgangs besuchen ein Klasse.
  • Alle Schüler werden mitgenommen. Die Schüler werden - auch wenn es sich um eine exzellente Schule handelt - alle immer versetzt. Das Wiederholen einer Klasse ist überhaupt nur in der 6., 8. und 9. Klasse möglich. Eigentlich ist die Französische Schule also eher so etwas wie eine Stadtteilschule oder eine Gesamtschule.
  • Das französische Schulsystem ist laizistisch, es wird kein Religionsunterricht angeboten.
  • Kindergarten, Elementarbereich und Lycée sind an einem Ort. In einer Welt, wo auch zunehmend Mütter arbeiten, ein unschlagbarer Vorteil.

Der Klassenverband

Die Klassen eines Jahrgangs in der französischen Schule werden jedes Jahr neu durchmischt. Eigentlich schon mit Abschluss der Vorschule kennt jeder jeden im Jahrgang. Das trifft aber nicht nur auf die Schüler zu. Die Eltern kennen sich - und da viele Familien Kinder in verschiedenen Jahrgängen haben - kennen sich nicht nur die Eltern eines Jahrgangs untereinander. Auf den Schulfesten merkt man, eigentlich kennt man fast jeden.

Das trifft auch auf die Lehrkräfte, den Hausmeister, die Verwaltungsangestellten und selbstverständlich den Portier zu. Man kann mit Fug und Recht behaupten die Schule ist wie eine große Familie. Man sieht die Kinder heranwachsen. Eben hatte die Mutter eines Klassenkameraden noch einen dicken Bauch, nun geht ihr Kind schon in die Petit Section.

Das alles macht die Schule zu einer sehr verlässlichen, sympathischen Schule für die Eltern. Schließlich kommen manche französische Familien nur für sehr kurze Zeit nach Hamburg und ihre Kinder besuchen dann hier die französische Schule. Im täglichen Gespräch mit anderen Eltern erhalten sie wertvolle Informationen, die ihnen bei der Integration helfen. Die Kinder müssen aber in dieser kurzen Zeit des Aufenthalts in Deutschland nicht unbedingt perfekt deutsch lernen und das deutsche Abitur anstreben. Wichtiger ist für diese Familien, dass die Kinder nach der Rückkehr in die Heimat oder ein anderes Land wieder Anschluss an das französische Schulsystem finden.

Problematik

Völlig anders wäre die Situation, wenn aus dem Lycée Français ein DFG werden würde. Auf einen bilingualen Gymnasium müssten alle Kinder auf dem gymnasialen Niveau in beiden Sprachen unterrichtet werden. Auch wenn sie eigentlich gar kein deutsch-französisches Abitur anstreben.

Entsprechend sind auch die Fragen der Eltern auf der Facebook-Seite und ihre Vorbehalte. Da heißt es etwas auf der Facebook-Seite: „Sprechen unsere Kinder genug deutsch für das deutsche Gymnasium? Sind sie gut genug?“

Sollte das LFH tatsächlich in ein DFG umgewandelt werden, muss es von Seiten der Schulbehörde beratende Gespräche mit den Eltern jedes einzelnen Schülers geben. Abhängig davon, welche Klasse er 2020 /2021 (also beim Umzug der Schule) besucht, müssen alle Möglichkeiten der weiteren Schullaufbahn besprochen werden. Etwa: Wenn wir nicht auf’s DFG wollen, kann mein Kind auf ein beliebiges anderes Hamburger Gymnasium wechseln? Wenn ja, in welchen Klassen darf gewechselt werden? Oder muss mein Kind gar auf eine Privatschule um nicht auf einer Hamburger Stadtteilschule zu landen?

Die Heterogenität der Schüler

Die im zukünftigen DFG aufzunehmenden Schüler werden ein recht gemischter Haufen sein. Und damit sind nicht die 30 Nationen gemeint, die derzeit im Lycée Français unterrichtet wurden. Gemeint ist folgendes:

  • Ein Teil der Schüler kommt aus der Französischen Schule. Diese Schüler haben bereits eine acht Jahre lange Schullaufbahn hinter sich, in der sie (bis auf den Deutschunterricht) ausschließlich von Muttersprachlern in französischer Sprache unterrichtet wurden. Sie sprechen also überwiegend fließend und akzentfrei französisch.
  • Ein anderer Teil der Schüler kommt aus einer deutschen Grundschule in Altona. Diese Kinder haben bislang vier Grundschuljahre hinter sich, einige noch ein Jahr Vorschule. Französischunterricht haben sie nie erhalten.

Es soll hier nicht der Eindruck vermittelt werden, die Schüler von der französischen Schulen sind die Guten und die anderen eine Belastung. Aber, die französischen Schüler haben nach Abschluss der Grundschule bereits einen langen, gut durchdachten Bildungsweg durchlaufen. Da wird es verdammt schwer werden, das Sprachniveau der beiden Gruppen von Schülern zu harmonisieren. Vermutlich auf Jahre hinaus müssten beide Gruppen in getrennten Klassenverbänden unterrichtet werden.

An DFG Saarbrücken versucht man diesen Nachteil der Schüler, die von deutschen Grundschulen kommen, durch intensiven Französisch-Unterricht auszugleichen: „Im Anfängerunterricht der Klasse 5 stehen acht Stunden Französisch pro Woche auf dem Stundenplan.“

Fraglich ist, ob das wirklich ausreicht!

Standort der Primarstufe

Ob die Primarstufe mit ihren mehr als 500 Schülern in Lokstedt verbleibt ist fraglich. Doch kann man den französischen Eltern tatsächlich zumuten, erst ihre kleinen Kinder nach Lokstedt und dann die größeren nach Altona zu fahren. Nachmittags dann das selbe Spiel noch einmal andersherum.

An diesem Punkt wird man auf Seite der Schulbehörde gut beraten sein, sehr genau hinzuhören, was der Wunsch der Eltern ist. Doch dies behauptet man von Seiten der Schulbehörde, habe man bereits getan: „Auch wird den Wünschen der französischen Gemeinschaft in Hamburg sowie vieler deutscher und deutsch-französischer Familien entsprochen.“

Dann wird man sicher auch vernommen haben, dass etliche dieser Familien für teueres Geld verkehrsgünstig zur Lokstedter Schule gelegene Wohnungen und Häuser angemietet oder gar erworben haben. Und - siehe Umfrage auf Facebook - diese Veränderung gar nicht wünschen.

Deutsch-französisiches Abitur versus Abibac

Und dann stellt sich natürlich noch die Frage nach dem „Warum?“.
Altona braucht ein drittes Gymnasium. OK! Doch warum muss es ausgerechnet ein deutsch-französisches sein. Warum sollte überhaupt ein DFG besser sein als ein Lycée Français?

In der Pressemeldung der Schulbehörde werden die Vorteile des neuen Gymnasiums wie folgt gepriesen: „Die Schülerinnen und Schüler können zukünftig am DFG alle deutschen und französischen Bildungsabschlüsse sowie das international angesehene deutsch-französische Abitur erwerben.“

Das ist widersprüchlich. Denn am Lycée Français können bereits alle französischen Abschlüsse erworben werden.

  • Am Ende des Collège das Brevet
  • Das Lycée kann mit dem Baccalauréat oder dem Abibac abgeschlossen werden

Alle deutschen Schulabschlüsse bekommen die Schüler auf deutschen Schulen, dafür braucht es kein DFG. Aber was ist eigentlich das sogenannte deutsch-französisiche Abitur? Wie ist sein Ansehen im Vergleich zum Abibac?

Das DFG Saarbrücken etwa behauptet auf seiner Website, das deutsch-französisiche Abitur sei mehr als ein Abibac: „Der wesentliche Unterschied zu dem so genannten ‚Abibac‘ besteht darin, dass die Schüler der Deutsch-Französischen Gymnasien in ihrer Schule neben sprachlichen Kompetenzen auch und vor allem interkulturelle Kompetenzen erwerben, da sie ja täglich mit Schülern und Lehrkräften aus dem Nachbarland zusammen lernen und arbeiten. An Abibac-Schulen erteilen üblicherweise keine Muttersprachler den bilingualen Unterricht in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern. An den Deutsch-Französischen Gymnasien werden darüber hinaus auch die Naturwissenschaften, Mathematik und Wirtschaftswissenschaften in der Sprache des Nachbarn unterrichtet und zwar von muttersprachlichen Lehrkräften! DFG-Absolventen brauchen vor Beginn eines Studiums in Deutschland oder Frankreich keine Sprachprüfung abzulegen, d.h. sie können sich direkt in den Universitäten einschreiben.“

Der Text auf den Internetseiten des DFG Saarbrücken beschreibt aber eigentlich genau die Situation, wie sie am Lycée Français vorliegt. Dort unterrichten ja auch ausschließlich muttersprachliche Lehrkräfte. Wo ist also der Unterschied zwischen dem deutsch-französischen Abitur und dem Abibac?

Abibac - mehr als eine Hochschulqualifikation

Man sollte bedenken, dass das deutsch-französische Abitur an den meisten Hochschulen völlig unbekannt ist. Ein Kolibri, den jährlich nur wenige Dutzend Schüler ablegen - und viele von ihnen studieren dann gleich weiter auf der deutsch-französischen Hochschule in Saarbrücken. Während das Abibac jedes Jahr etwa 2.000 mal vergeben wird. Ein seit 20 Jahren anerkannter Bildungsabschluss, der sowohl in Deutschland als auch in Frankreich unmittelbar und uneingeschränkt zum Studium berechtigt.

Darum heißt es auch - noch - auf den Seiten der Hamburger Senatskanzlei unter der Überschrift: „Abibac - mehr als eine Hochschulqualifikation“.
„Das Abibac ist ein Doppelabschluss, mit dem Schülerinnen und Schüler gleichzeitig das Abitur und die französische Hochschulqualifikation - das französische Baccalauréat  - erwerben. Das Abibac ermöglicht nicht nur den Zugang zu den Universitäten in beiden Ländern. Es ist auch eine ganz besondere Qualifikation, die gegenüber dem „normalen Abitur“ für Bildung, Studium, Kultur und Beruf viele Vorteile bietet.“

Informationsabend

So haben denn die Schüler, die Eltern, die Lehrer und das Direktorium des LFH noch jede Menge Fragen. Werden diese Fragen nicht hinreichend beantwortet und Lösungen für alle Probleme gefunden, dann sieht es eher danach aus, als ob mit der „Gründung des deutsch-französischen Gymnasiums in Hamburg“ der „Wirtschaftsstandort Hamburg“ geschädigt würde.

Um dem entgegen zu wirken, hat die Hamburger Schulbehörde nunmehr einen Termin für einen ersten Informationsabend bekannt gegeben. „Wir möchten Sie darüber informieren, dass die Stadt Hamburg unserer Bitte entsprechen wird, einen Informationsabend zu organisieren. Dieser wird am 7. November 2016 stattfinden und sich an die Eltern, Mitglieder und Mitarbeiter des LFH richten. Wir werden Ihnen die genaue Uhrzeit und den Ort der Veranstaltung baldmöglichst mitteilen.“

Das Lycée Français und die Lokstedter Sozialdemokratie

Auch wenn der Informationsabend eigentlich für „Eltern, Mitglieder und Mitarbeiter des LFH“ gedacht ist, hört man bereits, dass SPD-Lokalpolitiker ihr Kommen ankündigen. Sie werden sich natürlich fragen: Was ist daran so schlimm?

Wer ein offenes Ohr für die Eimsbüttler Bezirkspolitik hat und sich zudem gelegentlich vor Ort mit Parteigängern der SPD unterhält, der sorgte sich schon lange um den Standort am Hartsprung. Die Genossen wissen zwar nur sehr wenig über die französische Schule, aber unter ihnen wird gerne getratscht. Was das Lycée Français betrifft, so wird kräftig über die Schule hergezogen. Die Schule würde sich nicht an der Integration von Flüchtlingen beteiligen, lautet einer der Vorwürfe.

Gründungsvater Henning Voscherau

Das einige Genossen vor Ort so schlecht von der französischen Schule sprechen, verwundert denn doch ein wenig, wenn man weiß, dass ein Vorgänger von Scholz im Amt des Regierenden Bürgermeisters, der jüngst zu Grabe getragene Henning Voscherau, zu den Gründungsvätern des Lycée Français de Hambourg gehörte.

Und wie haben sich die SPD-Trauerredner gegenseitig dabei übertrumpft, Voscheraus Lebenswerk fortführen zu wollen. Voscherau war noch nicht unter der Erde, da erfolgte bereits der Zugriff aus das Lycée.

Trotz eines solchen SPD-Gründungsvaters geht es der Schule so, wie es schon manchem in Lokstedt erging. Einige Parteigänger sind geprägt von Sozialneid. Die französischen Familien seien überwiegend Besserverdiener, die ihre Kinder mit riesigen Geländewagen in die Schule brächten und zudem die Mieten in Lokstedt weiter in die Höhe trieben.

Es dürfte daher interessant werden auf dem Informationsabend. Gelingt es den Vertretern der SPD-Lokstedt an diesem Abend, sich ohne Wenn und Aber für einen Verbleib der französischen Schule vor Ort auszusprechen?

Die Franzosen reden mit

Über all diese Fragen entscheidet aber nicht nur die Hamburger Schulbehörde. Zwar wurden bereits eine Vielzahl von Gesprächen von Seiten der Schule mit den zuständigen Ansprechpartnern der Schulbehörde geführt, doch mehr Hoffnung macht den Betroffenen die Tatsache, dass ja auch Frankreich und die AEFE ein Wörtchen mitzureden haben. So blickt man in diesen Tagen gebannt auf die Reaktion Frankreichs auf den Vorschlag des Bürgermeisters. Vielleicht kommt ja die rettende Idee aus Frankreich?

Anerkannte Ersatzschule

Doch wenn es hart auf hart kommt, hat Scholz ein Druckmittel in der Hand. Seit dem 1. August 2008 ist das Lycée Français als Ersatzschule anerkannt. Dieser Status ermöglicht es, finanzielle Unterstützung der Stadt Hamburg in Anspruch nehmen zu können, die aktuell zwei Drittel der Einnahmen der Schule ausmachen.

Alle Kinder der Grundschule und des Collège werden von der Stadt Hamburg staatlich gefördert. Diese Förderung erhalten auch Schüler des Lycée, aber nur diejenigen, die außer dem französischen Baccalauréat auch das deutsche Abitur vorbereiten.

Würde diese Förderung wegfallen, dann müsste das Schulgeld, das die Eltern zahlen, deutlich steigen. Das DFG hingegen wäre für alle Schüler kostenfrei, dies stellt für einige Familie natürlich einen Anreiz dar.

Das Gelände am Hartsprung

Die Frage, was mit dem Grundstück am Hartsprung geschieht, beschäftigt natürlich zunächst vorwiegend uns Lokstedter Bürger. Doch auch diese Frage wird auf den Facebook-Seiten des LFH inzwischen diskutiert. „Man sollte über alle Fragen sprechen“, heißt es dazu.

Was also hat der Bezirk mit dem Grundstück vor? Bleibt dort die Primarstufe der französischen Schule oder kommt eine andere Schule an den Standort? Ginge es nach den Wünschen der Lokstedter Sozialdemokraten, dann würden vermutlich die sechs Flüchtlingsklassen aus der Stadtteilschule Struenseestraße zukünftig dort untergebracht werden - genug Unterkünfte gibt es ja bereits im Quartier.

Typisch wäre es auch, wenn der Bezirk das Grundstück für den Wohnungsbau bzw. für Expressbauten für Flüchtlinge verwenden würde.

Ähnlich sieht dies der Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Carsten Ovens (CDU): „Die Französische Schule ist ein großer Gewinn für Lokstedt, umso mehr würde ein Verlust schmerzen. Was genau die SPD für Pläne verfolgt, entzieht sich meiner Kenntnis. Es würde mich jedoch nicht wundern, wenn man die Fläche für den Wohnungsbau nutzen wollen würde, ähnlich wie auf der ‚Nur hier‘-Fläche.“ 

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 21.10.2016