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Halloween

Ein Ort des Grauens

In Deutschland wird das aus Amerika re-importierte Halloween von Jahr zu Jahr beliebter. Schon vor 2000 Jahren wurde an diesem Tag von den Kelten ein Fest zu Ehren der Toten gefeiert. Irische Einwanderer brachten dieses Fest dann mit nach Amerika. Von dort kam es in der Kunstblutvariante über Frankreich zurück nach Europa.

Wer erwachsen ist und in Norddeutschland aufwuchs, dürfte den 31.10. früher langweiliger gefeiert haben als heutzutage. Einen Tag bevor die Katholiken in manchen Diozösen einen wirklichen Feiertag (Allerheiligen) begehen, feierten wir Protestanten auf ziemlich dröge Art den Reformationstag. Kein Wunder, dass dem amerikanischen Brauchtum, kein wirklicher Widerstand entgegen gesetzt wurde. Zombies sind irgendwie cooler als Martin Luther und seine Truppe.

Die meisten Kontinentaleuropäer begehen diesen Tag allerdings nicht wirklich in der krassen amerikanischen Variante, bei der oft Wochen vorher mit der Dekoration des Hauses begonnen wird. Oft reicht es, einige Kürbisse zu kaufen. Nach den Hausaufgaben beginnen dann die Vorbereitungen für den Abend: Aus den nicht wirklich wohlschmeckenden Kürbissen werden Grimassen geschnitzt, der Hokkaido-Kürbis wird zur Suppe.

Wenn es dunkel wird, noch schnell etwas Suppe essen, danach wird dann Maske gemacht, wobei der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Dann geht es auf die Straße.

Emil-Andresen-Straße

Wir wurden in den Wochen vor Halloween von Nachbarn der Familie Müller, auf das Haus in der Emil-Andresen-Straße 48 aufmerksam gemacht. Also begannen Felix und seine Freundin ihre Tour dort und schauten sich das Grauen vor Ort etwas genauer an.

Seit Jahren schmückt Familie Müller jeden Oktober für Halloween. Tochter Marlies, die mit Abstand Halloween-Verrückteste in der Familie, berichtet:

„Hinter der Dekoration und dem Spuken stehen vor allem meine 11-jährige Schwester Katja, mein Schwager Floh, meine ältere Schwester Heike, mein Vater Detlef und ich, Marlies. Aber auch unsere Freunde Nadine und Susi helfen mit. Inzwischen haben wir auch schon die nächste Generation, meine 3-jährige Nichte Kiara, angesteckt, die dieses Jahr als Hai verkleidet die großen Kinder das Fürchten lehrte. Zu Halloween selbst werden aber noch zahlreiche andere Spukgestalten eingeladen.

Natürlich fing alles mal klein an. Als vor etwa 12 Jahren die ersten Kinder klingelten, waren wir noch völlig unvorbereitet und mussten auf die Schnelle in den nächsten Supermarkt um Süßigkeiten zu kaufen. Begeistert und angesteckt von der Freude der Kinder sich zu schminken, verkleiden und sich die tollsten Sprüche auszudenken, kauften wir im darauffolgenden Jahr einen Kürbis zum Schnitzen und ein kleines Keramikgespenst. Die Kinder freuten sich sehr über die kleine Deko. Im Laufe der Jahre kam allerdings immer mehr dazu.

Als vor etwa sieben Jahren zwei größere Jungs sagten, dass sie unsere Deko nicht mehr wirklich gruselig fänden, wollten wir dies nicht auf uns sitzen lassen. Ich suchte im Internet nach gruseligen Figuren und die ersten animierten Figuren zogen bei uns ein. Die immer größer werdende Begeisterung und der Spaß am Dekorieren ließ unsere Sammlung auf bisher rund 40 animierte Figuren, 2 Nebelmaschinen und unzählige weitere Dekorationen anwachsen.

Bei so viel Deko muss der Aufbau allerdings auch früh beginnen und viele Kinder stehen schon Anfang Oktober an unserem Gartenzaun und beobachten, was da alles so aus der Erde, den Bäumen und Büschen an gruseligen Gestalten rauskriecht.

Anders als Weihnachten und Ostern handelt es sich bei Halloween nicht um ein Familienfest, uns macht es ganz besonders viel Spaß den Kindern eine Freude zu machen und mit Ihnen zusammen zu feiern, aber natürlich können sich hier auch die Erwachsenen gruseln! Die meisten Figuren haben einen ‚Klatschsensor‘ und so können die Kinder die Figuren selbst animieren und entscheiden, wie doll sie sich gruseln möchten. Nicht nur über die großen Kinderaugen freuen wir uns, besonders auch darüber, dass unser Spukhaus in der Nachbarschaft und auch von der älteren Generation so positiv aufgenommen wird! Auf viele weitere gruselige Jahre…“

Neben der im Internet gekauften Dekoration findet sich aber auch selbstgefertigtes. Auf einem Müllhäuschen befindet sich ein geschnitzter Kürbis, der sich übergibt. Er harmoniert perfekt mit dem Grill, auf dem sich einiges an Gedärm sowie eine abgehackte Hand befindet.

Bei so viel Liebe zum Detail bleibt auch der Erfolg nicht aus. Seit mindestens vier Jahren ist das Gruselhaus in der Emil-Andresen-Straße in der weiteren Nachbarschaft bekannt. Etwa 400 Kinder haben in diesem Jahr den Weg durch den Gruselvorgarten überlebt und an der Haustür geklingelt.

Dreitausend Euro hat Marlies bislang in die Dekoration für Halloween investiert. Sich das Geld über eine Vermarktung etwa mit einen Getränkestand wieder reinzuholen, hat sie sich noch nicht wirklich Gedanken gemacht: „Mal schauen, ist eine Platzfrage, zur Zeit haben die Figuren Vorrang.“

Schwester Katja hatte dieses Jahr erstmals eine Kasse aufgestellt. Darauf steht: „Wir freuen uns wenn Sie unser Halloween-Haus unterstützen möchten“. Es folgt aber gleich der freundliche Hinweis von Marlies: „Ist aber wirklich freiwillig und wir haben die Kasse nur aufgestellt, weil wir jedes Jahr wieder von den Besuchern gefragt wurden.“

Im nächsten Jahr wird auf jeden Fall wieder gefeiert bei Familie Müller. Nur zwei Figuren wurden leicht beschädigt - besser gesagt: „noch toter getrampelt“, wie Marlies das nennt - und der Wind hat zwei Grabsteine zerstört.

Rückweg zur Vogt-Wells-Straße

Auf dem Rückweg von der außergewöhnliche Party, mussten Felix und seine Freundin natürlich noch ihre Beutel mit Süssigkeiten füllen. Überall dort, wo Kürbisse leuchteten, wurde geklingelt. Vorsicht-Hund-Schilder wurden genauestens und mit großer Vorsicht auf ihre Ernsthaftigkeit überprüft. Bei einem Schild haben sie sich denn doch getraut: „Da sollten wir uns bestimmt nur gruseln!“, so ihre Einschätzung.

Eine Bewohnerin hatte Luftballons an die Haustür gemacht und für die Kinder liebevoll kleine Tüten mit Süßigkeiten zusammengestellt. Es gab aber auch Obst und bei manchen gab sogar Bargeld.

Zwischendurch trafen wir immer wieder ziemlich gruselige Gestalten. Auf Lokstedter Straßen war tatsächlich viel los. Auch viele dem Kindesalter entwachsene Jugendliche hatten sich aufwendig kostümiert und machten sich auf zu Halloween-Partys.

Einige Hausbesitzer haben den Kindern einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Ein Hausbesitzer sprang hinter seinem Auto hervor, als sie drauf warteten, dass die Haustür aufgeht.

Und Rasierschaum wurde von einigen Kindern versprüht. Dort wo man niemanden angetroffen hatte und auch mancher Baum hat etwas von dem Schaum abbekommen.

Bei unserem letzten Besuch wurden wir dann aufgeklärt, dass heute eigentlich Reformationstag ist. Am Gedenktag der Reformation werde von den evangelischen Christen in Deutschland und Österreich die Reformation der Kirche durch Martin Luther gefeiert. Aus der Küche wurde dennoch ein großer Halloween-Eimer geholt und die Kinder durften hier noch mal richtig reinlangen.

Zu Hause wurden die vielen Süssigkeiten aufgeteilt. Und es klingelt ein letztes Mal an unserer Haustür. Dem haben wir dann noch mal einen großen Schrecken eingejagt, indem wir ihm unsere gesamte Schüssel mit Süssigkeiten in seinen Beutel geschüttet haben.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 06.11.2015