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OBI

Raubritter der Postmoderne

Nachdem die Firma E.C.H. Will das riesige Gelände am Nedderfeld 100 aufgegeben hatte und sich dort monatelang Schutthalden auftürmten, geht es nun mit dem Bau eines OBI Bau- und Heimwerkermarktes mit Gartencenter schnell voran. Der gnadenlose Wettbewerk in dieser Branche macht aus der Automeile ein Heimwerker-Eldorado.

Das Bedarf an einem weiteren Heimwerkermarkt am Nedderfeld besteht, leuchtet dem Betrachter so ohne weiteres nicht ein. Steht doch seit dem letzten Jahr ein überdimensionaler Bauhaus bereits am westlichen Ende des Nedderfeld. Doch bald schon wird sein OBI-Pendant am östlichen Ende des Nedderfeld die Türen öffnen. Wenn auch ein Eröffnungstermin noch nicht öffentlich genannt wird, so legt doch der Baufortschritt Nahe, dass es nicht mehr lange dauern kann.

Dann werden sich die beiden Heimwerker-Giganten in einem Abstand von nur einem Kilometer gegenüberstehen und sich vermutlich gegenseitig mit Sonderangeboten überbieten. Die Raubritter der Postmoderne.

Die Eröffnung eines zweiten Heimwerkermarktes am Nedderfeld gehorcht vielmehr der Logik eines seit der Insolvenz von Max Bahr insbesondere in Hamburg geführten Verdrängungskampfes, in dem dem Konkurrenten nicht der kleinste Standortvorteil kampflos überlassen wird. So mutmasst das Hamburger Abendblatt, dass die Obi-Verantwortlichen im nordrhein-westfälischen Wermelskirchen dächten, „das Bauhaus an der Ecke Kollaustraße / Nedderfeld muss so gut laufen, dass das Umfeld einen zweiten Baumarkt vertragen könnte.“

Eine weitere Rolle bei der Standort-Wahl könnte wohl auch eines der „gewaltigsten Bauprojekte Hamburgs“ sein, so das Abendblatt weiter. Will heißen: Hunderte von hochpreisigen Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhof Lokstedt und dem Gelände an der Süderfeldstraße, locken den OBI-Markt an diesen Standort.

Als Kollateralschaden dürfte dabei den Verantwortlichen in der Chefetage des OBI-Konzerns der Verlust von Hamburgs letzter Kartbahn an der Automeile erscheinen. Sie benötigten das Gelände - ganz banal - für Parkplätze.

Da spielt es auch keine Rolle, dass Heidi Kabel und Uwe Seeler hier gemeinsam ein paar Runden drehten oder Mick Jagger die gesamte Kartbahnanlage einmal für seinen Sohn mietete, als er in Hamburg ein Konzert gab. Zumindest die 4000 Kinder, die hier monatlich ihre Runden drehten, werden die Kartbahn vermissen.

Für Sentimentalität ist jedoch in dieser Branche keine Platz, auch wenn Bauhaus das Gerippe des alten Straßenbahndepots in seinen Baumarkt mit einbezogen hat. Ähnliches ist am Nedderfeld 100 mit der Kartbahn zumindest bislang noch nicht geplant.

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© Lokstedt-online.de 13.10.2015