Abschiebe-Drama in Lokstedt

Gleb muss bleiben!

Mehr als 170 Asylanten, deren Integration fraglich ist, sollen auf dem ehemaligen Recyclinghof am Offakamp untergebracht werden. In 500 Meter Entfernung besucht ein perfekt integriertes krebskrankes russisches Kind das Corvey-Gymnasium und soll nun abgeschoben werden.

Gründe nach Deutschland einzureisen gibt es einige. Mit Sicherheit überwiegen bei der großen Mehrzahl der Asylanten wirtschaftliche Motive, obwohl ihre Arbeitskraft oft im Heimatland dringender benötigt würde.

Etwas völlig anderes ist es, wenn für den Asylanten in seinem Heimatland Gefahr für Leib und Leben droht. Oder aber, wenn der Asylant Fähigkeiten oder eine Ausbildung besitzt, die eine reibungslose Integration garantiert.

Beides trifft für den zwölfjährigen Gleb Tatarnikov zu. Dem an Leukämie erkrankten Jungen droht bei einer Rückkehr in sein Heimatland Gefahr für seine Gesundheit. Im Falle eines Rückfalls sogar Lebensgefahr.

Zum anderen stellt der erfolgreiche Besuch des fleißigen, mittlerweile perfekt deutsch sprechenden Jungen im Corvey-Gymnasium eine hervorragende Integrationsperspektive dar.

Mit seinen zwölf Jahren hat Gleb schon einen langen Leidensweg hinter sich: 2004 erkrankte er an Leukämie. Nach zwei Rückfällen wurde die Behandlung in seiner Heimat abgebrochen. Der Junge wurde zum Sterben nach Hause entlassen.

Vor zwei Jahren beantragte seine Mutter Ella Tatarnikova (44) ein medizinisch-humanitäres Visum, Gleb sollte in Deutschland eine Knochenmarkspende erhalten. Die Behandlung am UKE, die von verschiedenen Hilfsorganisationen finanziert wurde, war nicht frei von Komplikationen. Zweimal musste Gleb wiederbelebt werden, er bekam eine Blutvergiftung, wurde in ein künstliches Koma versetzt und bekam er eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, für ein Kind unter hoch dosierter Chemotherapie oft ein Todesurteil. Doch Gleb überlebte.

Vier Monate später wurde Gleb an der Grundschule Döhrnstraße eingeschult. Innerhalb weniger Wochen erlernte er deutsche Sprache und erhielt eine Empfehlung für das Gymnasium.

Aktuell hat Gleb hier in Lokstedt alles was er sich nur wünschen kann. Er wohnt mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung am Lokstedter Steindamm, in fußläufiger Entfernung vom UKE mit seinen für ihn perfekten Behandlungsmöglichkeiten. Um die Ecke ist seine Schule, auf der er sich sehr wohl fühlt und mittlerweile schon viele Freunde gefunden hat.

Gleb gilt zwar inzwischen als gesund, in den Entlassungspapieren des UKE steht aber, dass ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht. Darum braucht er weiterhin kompetente medizinische Behandlung und ein Umfeld, in dem es ihm gut geht.

In seiner alten Heimat Russland müsste Gleb dreimal die Woche 180 km mit dem Bus zur ambulanten Behandlung nach Moskau fahren. Die Zustände in dem Krankenhaus sind aufgrund von Personalmangel fatal. Eltern müssen die Infusionen der krebskranken Kinder selber setzten.

Um die Abschiebung in sein Heimatland zu verschieben haben Bekannte der Familie sich bereits an den Eingabenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft gewendet. Dieser hat das Anliegen an den Härtefallausschuss verwiesen, der noch im April entscheiden wird.

Und wie ein Beleg für die beispielhafte Integration von Gleb und seiner Mutter Ella haben sie weitere Unterstützung gefunden.

Die Klassenlehrer und Glebs Mitschüler haben eine Unterschriftensammlung durchgeführt und die Unterschriften an den Härtefallausschuss weiter geleitet. Es wurde Facebook-Seite „Gleb muss bleiben - Gleb gehört zu uns!“ eingerichtet, die inzwischen mehr als 1000 mal geliked wurde. Bei azaaz.org läuft eine Online-Petition, die es inzwischen auf 2000 Unterschriften bringt. Die Springer-Presse von Bild über Abendblatt bis Welt und der NDR hat berichtet.

Das Eimsbüttler Bezirksamt hält sich bisher in der Sache bedeckt. Es bleibt zu hoffen, dass die Beamten dort nicht nur ein Herz für bosnische und rumänische Asylanten hat, die es unbedingt auf einer Müllhalde in Lokstedt unterbringen will, sondern auch für dieses krebskranke Kind, dessen Visum abgelaufen ist.

Eine Familie, die nicht aus wirtschaftlichen Interessen kam. Die auch zunächst gar nicht bleiben wollte. Doch sie haben hier etwas Wichtiges gefunden. Freunde und angemessene medizinische Behandlung und ein Umfeld, das Gleb schlicht und einfach eine Überlebenschance gibt.

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© Lokstedt-online 21.04.2013