"Hinz und Kunzt"-Verkäufer

Sucht dringend Arbeit

Immer freundlich und hilfsbereit steht er an seinem Platz vor Aldi in der Grelckstraße, hilft wenn man mit Tüten beladen aus dem Geschäft kommt und fragt höflich, ob man eine Zeitung kaufen möchte - meist lehne ich dankend ab.

Eines Tages hat er mir eine Zeitung geschenkt und ich habe zum ersten Mal Hinz und Kunzt gelesen. Ich war ganz gerührt. Bin auf die Internetseiten von Hinz und Kunzt gegangen und war geschockt wie viele der Verkäufer schon sehr jung verstorben sind.

Ciesla Tadeus, 60, ist vor 11 Jahren aus Polen nach Hamburg gekommen. Unserem Sohn schenkt er häufig Fotokopien von Zeichnungen zum Ausmalen. Für ihn ist er der nette Zeitungsverkäufer, den er gerne grüßt.

Hinter dem freundlichen Zeitungsverkäufer Ciesla verbirgt sich aber ein Mensch, der schwere Schicksalsschläge erlitten hat. Als Ciesla von Breslau nach Hamburg gekommen war, wollte er hier arbeiten und hoffte auf ein besseres Leben. Es kam alles anders, keine Arbeit, kein Geld und schließlich keine Wohnung.

Zurück konnte Ciesla nicht mehr, zu stolz war er. Schließlich hatte er allen zu Hause versprochen, er wolle Großes in Deutschland schaffen. Er fing bei Hinz und Kunzt an Zeitungen zu verkaufen, seinen Verkäuferausweis mit der Nummer 2726 trägt er gut sichtbar auf seiner Brusttasche. Einen Euro kann er für jede verkaufte Zeitung behalten. Er mag Lokstedt, seine Menschen und er hat einen guten Platz hier. Man kennt ihn. Er kennt die Lokstedter. Familie in Polen hat er nicht mehr, sie sind alle tot. Er möchte hier bleiben in dem schönen Lokstedt.

Ciesla spricht gut deutsch, so konnten wir uns gut unterhalten. Er sagte, dass er Arbeit suche, er würde gerne wieder arbeiten. Gleich kramte er einen Zettel raus mit seiner Steuernummer und der Arbeitserlaubnis. Über 20 Jahre hat er als Maurer und Maler in Polen gearbeitet. Er nähme jede Arbeit an, auch Gelegenheitsjobs, Arbeiten im Garten, als Einkaufshilfe, Umräumen, Tragen, beim Umzug helfen, Wächter, Fenster putzen, Hunde ausführen. Schließlich müsse er auch was für seine Rente tun. Sozialleistungen bekomme er nicht.

Nach dem Zeitungsverkauf fährt Ciesla mit seinem Fahrrad nach Schnelsen. Zur Zeit wohnt er dort in einer Wohnunterkunft ganz im Nord-Westen Hamburgs. Da stehen neun Holzhäuser, das Pavillondorf Holsteiner Chaussee. Es wurde vor 15 Jahren für die Unterbringung von Flüchtlingen gebaut und ist nun der Wohnort für 120 allein stehende in Hamburg wohnungslos gewordene Menschen, Familien werden dort nicht mehr untergebracht. Er ist froh eine Unterkunft zu haben, aber wohl fühlt er sich dort nicht. Viele seiner Mitbewohner sind psychisch krank oder haben Alkoholprobleme. Er selbst hat zum Glück diese Probleme nicht. Um so schwieriger mit den vielfältigen Problemen der anderen zu leben.

Vor einem Jahr wurde im Pavillondorfs ein Bewohner erstochen. Vielleicht erinnern sie sich: In Schnelsen wurde im Oktober 2010 ein 49-jähriger Wohnungsloser getötet. Ein Passant entdeckte den Erstochenen in einem Gebüsch nahe der Wohnunterkunft.

Ciesla mag diesen Umgang nicht. Sein größter Wunsch wäre eine eigene Wohnung. Aber dafür bräuchte er eine Arbeit. Vielleicht kann und möchte jemand helfen.

Ciesla Tadeus

Pavillondorf in Schnelsen
Holsteiner Chaussee 397, 22457 Hamburg
Tel. 55 97 18 31

und vor Aldi in der Greckstraße

www.hinzundkunzt.de

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© Lokstedt-online.de 28.11.2011