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Restaurants

Vom Regen in die Traufe

Der Besuch in einem Restaurant der Kategorie „Einmal und nie wieder“. Ein drohendes Gewitter hatte uns ins Prospero’s Al Baffo nach Groß Borstel geführt. Ein sonderbares italienisches Restaurant mit einem Choleriker am Herd.

Die Kinder hatten sich sich im Schwimmbad der Großmutter verabredet, da war die Hitze erträglich. Gegen 19 Uhr kündigte sich ein Sommergewitter an, die Luft wurde schwül, es dunkelte zusehends und folglich mussten die Kinder aus dem Wasser.
Die beiden Schulfreunde, sie werden ab September zusammen die zweite Klasse der französischen Schule besuchen, hatten sich dem Beginn der Schulferien nicht mehr gesehen, denn eines der Kinder war gerade erst heute aus einem Türkei-Urlaub heimgekehrt.

Irgendwie lag schon zu diesem Zeitpunkt etwas Ungutes in der schwül-heißen Luft und es mahnte uns das bevorstehende Gewitter zur Eile.

Die allabendliche Essensfrage musste noch auf die Schnelle abgeklärt werden, während die Kinder sich abtrockneten und umzogen. Zur Diskussion standen: die seit Tagen verschobenen Bickbeer-Pfannkuchen daheim oder doch wie die Abende zuvor lieber auswärts Essen gehen.

Den aus der Türkei Heimgekehrten war beinahe alles recht: „Hauptsache keine Jogurt-Sauce, aber bitte was mit Knoblauch!“ Und in der Nähe von der Ahornallee, damit wir nicht noch vorher tanken müssen.

Ein Wort gab das andere: „Nicht schon wieder ins Steakhaus!“ Die Kinder wollten aber auch keine Bickbeer-Pfannkuchen, die „auf gar keinen Fall.“ Ehe wir es uns versahen, waren wir im Konvoi auf dem Weg ins „Le Marrakech“. Warum auch nicht, an sich immer eine gute Wahl, aber leider war es mittlerweile schon 20 Uhr und die Küche geschlossen. Das hatten wir nicht bedacht.

Nach einem kurzen Rundgang durch die Möbelaustellung nahm das Unheil seinen vollen Lauf, denn die Osteria Liguria mit der leckereren Knoblauchsoße (die Kinder lieben sie seit sie Brot dippen können) hat den ganzen Juli geschlossen und im Il Tramonto, da waren wir schon in der letzten Woche.

Meiner Frau fiel ein: „Da hat mir doch kürzlich ein Freund einen Italiener in Groß Borstel empfohlen, er liegt versteckt in einer Kurve. Ganz hier in der Nähe. Ja, in der Stavenhagenstraße, das soll ein ganz netter, kleiner Laden sein.“

Und uns lief allmählich die Zeit davon. Irgendwann müssen die Kinder schließlich ins Bett.

Doch mit neuen Restaurants ist das immer so eine Sache. Und ab sofort - ich verspreche es hoch und heilig - werde ich immer erst bei Qype nachschlagen, bevor ich auch nur einen Fuß in ein mir unbekanntes Restaurant setzte. Denn so viel vorab, der Laden war alles andere als nett.

Die beiden Kinder setzten sich verhängnisvoller Weise an einen separaten Tisch etwas weiter von unserem entfernt. Warum auch nicht, der Laden war schließlich zu diesem Zeitpunkt noch leer, der Gewitterregen hatte noch nicht eingesetzt, alle anderen Gästen saßen im Vorgarten und die beiden 6-Jährigen hatten sich einiges zu erzählen. An unserem Tisch hätten Sie auch nicht mehr sitzen können, es war schon zu Dritt ziemlich eng. Da hätte man dann zwei Tische zusammen stellen müssen.

Zunächst verlangten die beiden Damen, sie hatten Durst von der Hitze, nach einer kalten Coca Cola. Es ergab sich aus dieser Bestellung eine langwierige Diskussion.
Ich schlug bereits während dieser Diskussion vor - und das hätten wir wohl auch machen sollen - lieber gleich in ein anderes Restaurant, etwa zum Griechen, weiter zu ziehen. Die Kellnerin wurde nämlich (wegen derm Wort Coca Cola) zunehmend pampig, erklärte es gäbe nur Cola. Ihr Ex-Mann und sie seien aus der Basilicata ganz im Süden Italiens (das ist eine sehr karge Region, die ärmste in Italien), da tränke man nur Wein. Der Chef sei ein Exzentriker, dem könne man solche Nachfragen (nach der Marke der Cola) gar nicht zumuten.

Glücklicherweise hatten wir auch eine gute Flasche Wein bestellt, das glättete etwas die Wogen. Die Bedienung wurde geringfügig freundlicher und wir blieben im Restaurant.

Als Karte gab es nur eine Kreidetafel mit einigen wenigen Tagesspezialitäten. Da war nicht viel Auswahl. Antipasti macht der Meister nur für zwei Personen. Linguine mit Pfifferlingen oder Trüffeln. Spaghetti mit Scampis, Kaninchen, Goldbrasse, Saltimbocca, Spaghetti mit Tomatensauce sowie Kalbsleber. Manche Preise konnte wir nicht erkennen, sie waren abgewischt.

Für uns drei Erwachsenen bestellten wir die Spaghetti mit Scampis, einen Antipasti-Teller und die Linguine mit Pfifferlingen. Wir baten darum, gegen Aufpreis einige Filetspitzen unter die Pilzsauce zu mischen. Die Kellnerin sagte, es würde nur das geben, was auf der Karte stehe. Aber sie werde nachfragen. Kochen würde Prospero, wie gesagt ohnehin, wie und was er möchte. Er sei eben ein Künstler und sehr eigen.

Für die Kinder bestellten wir neben einer Portion Goldbrasse (nur mit Kartoffeln, ohne Salat) noch Spaghetti mit Tomatensauce und baten die Kellnerin dem Koch auszurichten, dass die Sauce passiert werden solle, damit sie keine Tomatenstücke enthalte. Die Kinder würden übrigens am liebsten Tomatensahnesauce essen.
Das ist sonst, in keinem Restaurant der Welt ein Problem. Aber würde unser Küchenmeister aus Groß Borstel das hin bekommen?

Allein der Wunsch war denn doch zu viel. Der Chef sei ein Künstler. Man könne ihm zwar Wünsche mitteilen, d.h. sie würde ihn vorsichtig fragen, aber er würde die Extrawünsche vermutlich ohnehin ignorieren.

Unsere Freundin fragte, ob sie ein Dip für das Brot haben könnte, irgend etwas mit Knoblauch.

So etwas hätten Sie nicht. Die Bedienung brachte dann aber eine Untertasse und machte etwas Olivenöl und Balsamico drauf. Von Knoblauch allerdings fehlte jede Spur. Sie war auch nicht bereit, welchen aus der Küche zu holen.

Als erstes kam der Antipasti-Teller. Für 17 Euro nicht gerade billig, dafür aber langweilig. Einzig die überbackenen Auberginen waren recht lecker.

Etwa 15 Minuten später kam das Essen der Kinder. Wir teilten die Teller auf. Jedem Kind einige Nudeln und etwas Fisch. Dabei machten wir leider einen Fleck auf die Tischdecke am Nachbartisch.

Die Tomatensauce bestand übrigens fast nur aus Tomatenstücken, was zur Folge hatte, dass die Kinder weder die sauer in Zitrone angemachte Goldbrasse noch die Spaghetti aßen.

Dann kamen die Spaghetti mit Scampi. Sie enthielten statt der Scampis aufgetaute Tiefsee-Krabben von der Größe einer kleinen Olive und waren so scharf (vermutlich wegen unseren vielen Extrawünschen absichtlich mit Tabasco gewürzt). Außerdem waren sie so heiß, dass ich ein wenig wartete, da meine Freundin ihr Essen noch nicht hatte. Aber da war er endlich. Jede Menge Knoblauch. Schnell einige rausgefischt und ab damit ins Dip.

Allerdings waren wir doch irgendwie irritiert. Knoblauch war also genügend in der Küche vorhanden, warum konnten wir keinen für unser Dip bekommen. Mussten ihn von unseren Tiefsee-Auftaukrabben-Nudel-Teller stibitzen.

Etwa 10 Minuten später kamen die Linguine mit Pfifferlingen, natürlich ohne die Filetspitzen. Dafür aber mit jeder Menge Salz, ebenfalls fast ungenießbar.

Mittlerweile wurde der Tisch immer voller (irgendjemand musste ja die Goldbrasse der Kinder essen). So musste ich meinen Antipasti-Teller loswerden und stellte ihn unvorsichtigerweise auf den Nachbartisch. Und wir konnten endlich mit dem Essen der Hauptgerichte beginnen.

Darauf hatte Prospero in seiner Küche wohl nur gewartet. Er schoss um die Ecke. Eifrige Qype-Leser wissen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist, wenn er seine Küche verlässt. Zitat: „Da kommt schon mal seine ruppige Art zum Vorschein.“

Wieso die Kinder separat säßen, wir würden so ja mehrere Tischdecken verschmutzen. „Und da, sehen sie, da! Noch ein Tomatenfleck, da haben Sie eine dritte Tischdecke beschmutzt!“ Und überhaupt, nun hätte ich die leere Antipasti-Platte auch noch auf einen vierten Tisch gestellt.

Wir erklärten dem Wirt, dass unser Tisch so voll gewesen wäre und wir den leeren Teller daraufhin auf den Nachbartisch abgestellt hätten. Der Tisch sei schließlich leer. Der Wirt antwortete, wir hätten Bescheid geben sollen, dann hätten die leeren Teller abgeräumt werden können. Darauf hin reichte ich ihm gleich einige leere Teller rüber und wir entschuldigten uns für den Fleck. Diese ungewohnte Abräum-Tätigkeit gefiel dem Koch mit Star-Allüren aber auch nicht.

Der Disput mit dem Chef bot mir nun endlich einen guten Grund die viel zu scharfen Spaghetti stehen zu lassen. Die Nudeln blieben mir regelrecht im Hals stecken und hinderten mich am zurückbrüllen.

Denn mittlerweile - Prospero pöbelte munter weiter - hatten wir nun wirklich mehr ertragen, als wir uns von einem Wirt gefallen lassen. Also wurden auch wir zunehmend unfreundlicher und lauter.

Es folgten nunmehr als Reposte einige spitze Bemerkungen der Frauen über die Qualität der Speisen, zunächst wegen der Scampi genannten Krabben, dann wegen der üppigen Würze. Das ginge uns gar nichts an! Und überhaupt, warum hätten die Kinder ihre zweite Karaffe Apfelsaft nicht angerührt? Und warum hätten die Kinder die Spaghetti nicht aufgegessen? „Was fotografieren Sie hier, wollen Sie das etwa alles veröffentlichen?“

Es folgte eine Blitzabrechnung: Über 100 Euro hat uns das teils ungenießbare Essen gekostet und auch wir reihen uns in die lange Schlange derer ein, die sagen: „Wir kommen bestimmt nicht wieder!“

Das Wechselgeld (fast 10 Euro) ließ die Bedienung aus Versehen (?) vor uns auf den Boden fallen. Wir wollten uns nicht bücken um es einzusammeln und sagten es stimme so. Da musste wenigsten sie es wieder einsammeln.

Abschließen wurden wir dann immerhin vom Wirt im Gewitterregen bis zu den Autos geleitet. Allerdings hatte er keinen Regenschirm dabei, er schimpfte unablässig weiter.

Zuhause angekommen haben wir uns dann erst mal die Bickbeer-Pfannkuchen gemacht. Einfach lecker!

Nach dem Essen gingen wir ins Internet um uns die Bewertungen des Restaurants anzusehen, die uns von dem Restaurantbesuch hätten abhalten können.

Wirklich alles, war wir hier an diesem Abend erleben durften, war zuvor schon anderen Gästen, des sich ausdrücklich als Küchenkünstler bezeichnenden und offensichtlich schwer frustiertem Wirt Prospero Spagnuolo, widerfahren.

Einige Zitate:
„Das Essen wurde im Laufe der Jahre immer schlechter. Nicht nur das: Es sank auch die Stimmung des Wirts.“

„Wir waren einmal und nie wieder da. So einen Wirt habe ich noch nie erlebt. Er hatte uns bedrängt, war unfreundlich.“

„Der Wirt begrüßte uns unfreundlich und ignorierte uns die folgenden 30 Minuten. Auf Nachfrage ob wir etwas zu trinken bekommen könnten wurden wir wiederwillig von der ebenfalls unfreundlichen Kellnerin bedient. Von Service und gutem Benehmen hat dieser Wirt jedenfalls noch nie etwas gehört.“

„Es gab Menü à la was auch immer. Getränke gab es nur Wein und Bier so wie Wasser, auf Nachfrage gab die Bedienung zu, dass der Chef das so wolle. Hier gehe ich bestimmt nie wieder hin.“
„Plötzlich kam der Wirt und meinte, das ginge nicht. Man könne nicht nur (wohlgemerkt: pro Person) eine Vorspeise oder Spaghetti bestellen, ein Getränk dazu und sonst nichts. Das sei hier ein Restaurant, da gäbe es nur Menüs. Wir haben dazu gelernt. Wir kommen nicht wieder.“

„Vor uns lag ein kleiner Raum - Wohnzimmer dachten wir - im Charme der 80er Jahre. Wir saßen dann recht beengt auf unbequemen Stühlen. Wir entschieden, dass man nicht unbedingt wieder kommen muss.“

„Als die Gäste nun ihre Gerichte “à la carte” gewählt hatten, teilte der Inhaber uns mit, dass eine Gruppe bei ihm nicht “à la carte” essen könne, sondern alle das gleiche Gericht wählen sollten. Sonst sei eine Bedienung nicht möglich. Das war dann unser letzter Besuch im Al Baffo.”

www.qype.com/place/266045-Al-Baffo-Hamburg

Prospero’s La Baffo

Stavenhagenstraße 28  22453 Hamburg
Tel.: 553 79 81

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© Lokstedt-online.de 27.07.2013