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Pokémon

Monsterkämpfe am Jägerlauf

Viele Jugendliche verbrachten diesen Sommer damit, als Jäger virtueller Monster durch die Straßen zu ziehen - bewaffnet mit einem Smartphone und einem Zusatzakku. Auch in Lokstedt finden sich Pokémon-Arenen und -stops. Die Wibo-Werke haben es den Spielern sogar bequem gemacht und eine Bank aufgestellt.

Für das Spiel Pokémon Go hat die Firma Niantic über 150 verschiedene Arten virtueller Monster, sowie unzählige Arenen und Stops über den Erdball verteilt - viele davon in der Nähe von Sehenswürdigkeiten. Wo auch immer man in diesem Sommer seine Ferien verbrachte, überall das Gleiche, überall waren jugendliche Monsterjäger unterwegs.

Kenner des Spiels berichten zudem darüber, dass es sich in manchen Orten ganz besonders lohne, auf die Jagd zu gehen. So bat mich mein Sohn Felix in unserem diesjährigen Mallorca-Urlaub so manches Mal, doch bitte in diesem kleinen Ort Halt zu machen und einen Kaffee zu trinken. Er würde sich inzwischen mal kurz in dem Ort umsehen - denn er habe eine besondere Monsteraktivität gespürt.

Auch in Lokstedt auf der Jagd

Aus dem Urlaub zurück in Lokstedt fuhr mein Sohn dann auffällig oft zum Kriegerdenkmal, denn auch dort fanden Monsterkämpfe statt. Als ich dann hörte, dass sich im Jägerlauf eine ganz besondere Poké-Arena befinden soll, machte ich mich zusammen mit meinem Monsterexperten auf den Weg.

Das Familienunternehmen Wibo war mein Ziel. Wibo - ein Akronym für den langjährigen Firmenchef Wilhelm Bottermann - wurde 1892 als Töpferwerkstatt gegründet und ist heute europäischer Marktführer für Elektroheizsysteme - aber in Lokstedt auch führend was Pokémon betrifft. Denn im Vorgarten des Unternehmens befindet sich eine Poké-Arena, direkt vor dem Firmeneingang. Ein großes Plakat hängt an der Fassade und macht darauf aufmerksam.

Es geht auch komfortabler

Einem Mitarbeiter aus der IT-Abteilung waren sie zuerst aufgefallen und sie haben ihm offensichtlich leid getan, die jungen Gladiatoren. Sie standen einfach so herum, vor der Eingangstür, an den Gartenzaun oder an ihr Fahrrad gelehnt und manche setzten sich sogar auf den Fußboden. Sie tickten dort im Sekundentakt auf ihr Handy um ihre Monsterkämpfe zu gewinnen - oft mehr als eine halbe Stunde lang.

Da musste irgendetwas geschehen, dachte sich der Mitarbeiter. Er gab seine Beobachtung an die Marketingabteilung weiter und die hat es dann den jungen Leuten im Vorgarten bequem gemacht. Eine Bank und ein Stehtisch wurden hingestellt und, da auch in diesem verregneten Sommer hin und wieder die Sonne schien, wurde noch ein Sonnenschirm dazu gestellt.
Gelegentlich wurden ihnen von den Wibo-Mitarbeitern sogar Getränke rausgestellt.

Geschäftsführer Dr. Kay Petersen: „Wir heißen Besucher grundsätzlich willkommen, auch wenn Sie an Teilen unseres Vorgartens interessiert sind. Und sie brauchen bei uns nicht auf dem Boden zu hocken, deshalb das Angebot mit Bank und Tisch, sich komfortabel setzen zu können.“ Getreu der Firmenphilosophie: „Komfort genießen“.

Die zwei Skulpturen

Im Vorgarten von Wibo stehen außer Bank und Tisch auch zwei Skulpturen. Eine sieht aus wie ein QR-Code, die andere stellt in vier Schritten die Menschwerdung dar. Die Umsetzung aus Stahl beruht auf der Idee des Geschäftsführers Petersen. Die Skulpturen zeigen - humorvoll betrachtet - die Entwicklung des Menschen zum Wibo-Mitarbeiter.

Diese Skulpturen waren vermutlich der Grund für die Einrichtung der Pokémon-Arena. Petersen: „Ich freue mich, dass der Konzern Nintendo bzw. die Tochter Pokémon Go auf unsere Skulpturen aufmerksam wurde und sie zur Sehenswürdigkeit erklärte. Schön, dass uns jetzt junge Menschen entdecken, die in diesem Wechsel aus virtueller und echter Welt wandeln, was ja das Prinzip des Pokémon Go ist. Denn in der realen Welt haben wir Bemerkenswertes zu bieten mit unserer Heizungspalette.“

Wie eine große Pause

Auf unsere Nachfrage, ob es aktive Pokémon-Spieler bei Wibo gäbe, und ob sich die Mittagspausen dadurch verlängern würden, antwortete man uns leicht schmunzelnd, dass das Arbeiten bei Wibo ohnehin wie eine große Pause sei.

Vom entspannten Klima rund um das Wibo-Werk haben auch schon so manche Pokémon-Go-Spieler profitiert. So konnte man im Juli und August - so wurde uns berichtet - im Vorgarten von Wibo nette kleinere Runden von jungen Leuten beobachten, die auf der Bank saßen, sich erfreut austauschten und dabei ins Smartphone schauten.

Auch mein Sohn Felix traf an der Wibo Pokémonarena auf einen weiteren Pokémon-Spieler. Die beiden kamen, obwohl eigentlich Konkurrenten und der andere Spieler fünf Jahre älter war, sofort ins Gespräch. Zwar waren beide während ihres Fachgesprächs dabei, mit Monstern zu kämpfen, trotzdem führten sie eine entspannte Unterhaltung.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 14.09.2016