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Interview

Ein Alpentraum, einfach nur schön!

1.400 Kilometer zu Fuß über die Alpen, von Maribor nach Monaco. Drei Monate lang über Gipfel, Grate und Grenzen durch sieben Staaten Europas. Radio-Reporter Jörg Wunram hat sich einen Traum erfüllt. Im vergangenen Jahr überquerte er die Alpen von Ost nach West. Jetzt hat er seine Eindrücke in zwei Radiofeatures verarbeitet. Und er schreibt einen Roman über diese Reise, der im Frühjahr 2017 erscheint. Journalist Wunram lebt in Lokstedt und sieht Hamburg als das, was es ist: Als Tor zur Welt.

Lokstedt-online: Jörg Wunram, Sie sind ein unternehmungslustiger Mensch. War das immer schon so?

Wunram: Das kann man so sagen. Schon als kleiner Junge war ich auf Abenteuer aus. Auf die vor der Haustür. Buden bauen, Tarzanschaukeln ausprobieren, Staudämme an Bächen bauen. Was kleine Jungens so treiben. Und das mit meiner Liebe zu den Bergen ist auch recht alt, datiert aus dieser Zeit. Meine Mutter hat mir mal erzählt – ich muss sechs Jahre alt gewesen ein – dass ich als Bub auf einen Felsen geklettert sei und gerufen haben soll, ich sei ein Bergsteiger. Schöne Geschichte. Ich glaube, sie hat sich genau so zugetragen.

Lokstedt-online: Sind Sie gebürtiger Hamburger?

Wunram: Nein. Ich bin in der Fränkischen Schweiz in der Nähe von Nürnberg geboren, in einem kleinen Dorf. Weißenohe heißt es. Die Region ist übrigens ein El Dorado für Kletterer. Vielleicht hat meine Leidenschaft zum „Kraxeln“ auch damit zu tun. Nach Hamburg bin ich berufsbedingt gekommen. Hamburg ist ja eine Medienstadt und für einen Journalisten sicher ein guter Standort. In Lokstedt lebe ich jetzt schon seit vielen Jahren.

Lokstedt-online: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so eine Mammut-Tour von Maribor nach Monaco zu machen?

Wunram: Das liegt mehr als zehn Jahre zurück. Damals bin ich von München nach Venedig gelaufen. Ein sehr prägendes Erlebnis. Damals dachte ich mir: wenn ich die Alpen von Nord nach Süd queren kann, dann muss das doch auch von Ost nach West funktionieren. Im vergangenen Jahr habe ich diesen Traum Wirklichkeit werden lassen.

Lokstedt-online: Und? War es ein Traum oder eher ein Albtraum?

Wunram: Es war ein Alpentraum. Vom ersten bis zum letzten Tag einfach nur schön. Natürlich anstrengend, aber nie langweilig. Ich hatte nicht einen einzigen Tag, an dem ich an Aufgeben gedacht habe. Denn wie sagte mir einer meiner zahlreichen Interviewpartner auf der Reise: „Aufgeben kannst Du eine Postkarte, sonst gar nix.“ Herrlich dieser Spruch und jetzt ein Lebensmotto von mir.

Lokstedt-online: Okay, aufgegeben haben Sie offensichtlich nicht. Aber sind Sie an Grenzen gestoßen?

Wunram: Klar habe ich viel Schweiß bei all den Auf- und Abstiegen vergossen. Aber an körperliche Grenzen bin ich nicht gestoßen. Eher an gedanklich-mentale. Wenn man so lange unterwegs ist, mit nur elf Kilogramm Gepäck auf dem Rücken, denkt man viel nach. Auch, weil ich den größten Teil der Strecke alleine unterwegs war. Während des Wanderns tauchen fast automatisch ziemlich existentielle Fragen auf. Wer bin ich, wo komme ich her, wo will ich hin, was brauche ich und was möchte ich? Das sind Fragen, die ich beim Wandern ständig beantworte, in dem ich entscheiden muss. Gehe ich links, rechts oder geradeaus. Daher finde ich, dass Weitwandern eine tolle Lebensschule ist. Ich habe gelernt, dass es ohne ein konkretes Ziel sehr schwierig ist, sich durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens zu bewegen. Wer kein Ziel hat, wird es nie erreichen. Eine Horrorvorstellung für mich.

Lokstedt-online: Warum ist Blau für Sie so wichtig?

Wunram: Weil Blau meine Lieblingsfarbe ist. Aber diese Antwort wäre mir zu einfach. Ich wollte während der Tour herausfinden, warum das so ist. Denn es gab so viel Blaues zu bestaunen. Die blauen Berge, die Seen, das blaue Eis der Gletscher, der Himmel, - und nicht ganz ernst gemeint - meine Hüttenlatschen, die Zahnbürste und meinen Rucksack. Da ich selten an Zufälle glaube, hat die Farbe Blau für mich also einen tieferen Sinn.

Lokstedt-online: Und der wäre?

Wunram: Die Farbe Blau symbolisiert ja beispielsweise die Sehnsucht nach Unbekanntem und nach Ferne. Ich sage Abenteuer dazu. Und davon hatte ich auf der Tour unzählige. Große und kleine.

Lokstedt-online: Gibt es schon neue Vorhaben oder Projekte, die Sie planen?

Wunram: Immer. Nach der Tour ist vor der Tour. Im Moment habe ich zwar noch viel mit dem Buch zu tun. Im Frühjahr / Sommer 2017 werde ich damit auf Lesereise gehen. Gemeinsam mit meiner Partnerin, der Schauspielerin Christine Kutschera, werden wir szenische Lesung machen. Termine gibt es dann auch in Hamburg. Ich werde Sie bestimmt über Lokstedt-online bekannt machen. Und dann plane ich ein Projekt, bei dem ich meiner zweiten großen Leidenschaft fröne. Dem Wasser. Schwimmen in der Nordsee, von Insel zu Insel. Das ist mal etwas ganz anderes. Ich freu mich darauf und bereite mich freilich intensiv darauf vor.

eventoplena Berge - Wasser - Geschichten Blog von Jörg Wunram

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© Lokstedt-online 31.08.2016