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Urban Gardening

Integration neuer Hamburger*innen

Die Bezirksversammlung in Eimsbüttel hat Ende November einen Antrag der Grünen zur Förderung des Urban Gardening zugestimmt. Demnach sollen im dritten Bauabschnitt des Projekts „Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Lokstedt-Süd“ Parzellen für gemeinschaftliches Gärtnern geschaffen werden.

„Lokstedt soll grüner werden“, schrieb das Hamburger Abendblatt in einem Artikel zum geplanten Urban Gardening. Was allerdings so nicht stimmt, denn wandelt man Parkflächen in Urban Gardening-Parzellen um, wird nichts grüner - außer man versteht Grün im Sinne von Grüner Politik.

Urban Gardening, eine Art Schrebergärtnern 2.0, ist nämlich eines der Lieblingsthemen Grüner Bezirkspolitik. Die Grünen haben dabei das aus der schieren Not heraus in den Megastädten dieser Erde entstandene Urban Gardening zur pseudo-trendigen Stadtteilgestaltung pervertiert. Ursprünglich bekämpft damit nämlich die in Elendsquartieren gestrandete ehemals bäuerliche Bevölkerung den Hunger und die Lebensmittelknappheit.

Auch in Eimsbüttel

Bereits im April 2013 hatte die Fraktion der Grünen einen ersten Vorstoß gewagt und zaghaft angefragt, ob Urban Gardening nicht auch in Eimsbüttel realisiert werden könne. In einer Pressemitteilung hieß es damals: "Mitte hat sie, Altona hat sie, auch in Eimsbüttel soll dafür Platz sein: Für Menschen, die gemeinsam Pflanzen ziehen, ernten, zubereiten und essen, kurz Urban Gardening. Auf Antrag der Grünen in der Bezirksversammlung Eimsbüttel wird sich die Verwaltung daher nun auf die Suche nach Flächen machen, die sich für Urban Gardening-Projekte eignen“ (Vergleiche Lokstedt online vom 27.04.2013).

Nun hat man Flächen ausgemacht. Die dritte Baustufe des Projekts „Aufwertung der vorhandenen Grünflächen in Lokstedt-Süd“ bietet angeblich im Lohbekpark ausreichenden Platz dafür. Und die für das Gardening so dringend benötigte bedürftige Bevölkerungsgruppe haben die Grünen auch schon ausgemacht: Ihre Zielgruppe für das Urban Gardening sind nunmehr die Flüchtlinge.

Integratives Gärtnern

Urban Gardening bietet nämlich nach Ansicht der Grünen eine hervorragende Möglichkeit Flüchtlinge zu integrieren. „Gerade in einem wachsenden Stadtteil wie Lokstedt kann das gemeinschaftliche, nachhaltige Gärtnern auf öffentlichen Flächen auch die Integration neuer Hamburger*innen befördern. Projekte in anderen Städten zeigen, dass Urban Gardening zu einer stärkeren Identifizierung mit dem Stadtteil führen kann. Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten gemeinschaftlich, tauschen sich über Erfolge und Rückschläge aus und ernten gemeinsam“, heißt es in einer aktuellen Pressemeldung der Grünen im Bezirk.

Schönreden

Dass das Thema Urban Gardening zudem geeignet ist, nahezu sinnlose Floskeln mit Gendersternchen* abzusondern, beweist eindrucksvoll Lisa Kern, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksversammlung: "Lokstedt verändert sich in sozialer und städtebaulicher Hinsicht und hat große Herausforderungen zu bewältigen. Urban Gardening-Projekte stärken die Lebensqualität für die Bewohner*innen, sie sind ein frei zugängliches, niedrigschwelliges Angebot für gemeinschaftliches Arbeiten und soziale Begegnungen. Die Politik muss Räume für diese Form städtischen Miteinanders bereitstellen.“

Kollege Dietmar Kuhlmann ergänzt: "Neben der sozialen Funktion hat Urban Gardening auch den Effekt, dass die Kreisläufe der Natur sowie umweltverträgliche, lokal und sozial gerecht produzierte Lebensmittel wieder ins Bewusstsein rücken und an Bedeutung gewinnen. Die Aufwertung des Grünzugs Lokstedt ist eine ideale Gelegenheit, im dicht besiedelten Stadtteil Flächen für Urban Gardening zu realisieren.“

Ein gescheiterter Feldversuch

Bevor nun im dritten Bauabschnitt großflächig mit dem Urban Gardening begonnen werden kann, sollte allerdings noch ein Versuch mit „Kleinst-Gardening-Parzellen“, die im zweiten Bauabschnitt auf einer Dreiecks-Rasenfläche nördlich der Schillingsbek geschaffen wurden, entsprechend gewürdigt werden. Schon im Vorfeld war das zuständige Fachamt nämlich nicht wirklich optimistisch, dass dieser Versuch Früchte tragen würde. So wurden die Hochbeete vorsichtshalber in Holz angelegt, „um sie wieder entfernen zu können.“

Die Bedenken haben sich inzwischen bestätigt. Es sieht nicht danach aus, als ob das Projekt von der Bevölkerung angenommen wurde. Von den neun aufgestellten Hochbeeten sind aktuell zwei bepflanzt - allerdings nicht mit dem so dringend für die Not leidende Bevölkerung benötigten Obst und Gemüse, sondern mit Herbstbepflanzung.

Da für die Urban Gardening-Hochbeete eine Rasenfläche und eine Birke weichen musste - der Boden ist nunmehr mit Steinplatten versiegelt - bestätigt sich auch hier unsere Eingangsbehauptung: Lokstedt ist durch die Urban Gardening-Fläche nicht grüner geworden. Ganz im Gegenteil!

Insgesamt ist die Anlage zudem wenig einladend gestaltet. Sie ist eingezäunt und die Hochbeete wirken wie bizarre Grabstätten - nicht wie urbane Gärten. Wer hat das geplant? Man mag sich gar nicht vorstellen, wie das wohl auf einer größeren Urban Gardening-Fläche aussehen könnte. Es befinden sich übrigens auch Parkbänke vor und hinter dem Zaun. Die einen mit Blick auf den schwarzen Mülleimer, von der Anderen blickt man auf die Holzkisten. Miteinander Gärtnern sieht anders aus!

Zudem ist das Angebot nicht niedrigschwellig: Die Pforte ist verschlossen, die Beete werden über den Kleingartenverein vergeben. Dort muss man sich einen Schlüssel besorgen, es befindet sich aber kein Ansprechpartner auf der Anlage.

Konkurrierende Projekte

Und noch ein weiteres Hindernis steht dem unbegrenzten Ausufern des Urban Gardening-Vergnügens im Lohbekpark einstweilen im Wege. Ausgerechnet ein weiterer Vorschlag der Grünen (und der SPD-Fraktion) konkurriert bezüglich der Flächennutzung. Es sollen „Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Erwachsene“ geschaffen werden.

Lisa Kern würde dieses Projekt vermutlich so umschreiben: Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten stärken die Lebensqualität für die Bewohner*innen, sie sind ein frei zugängliches, niedrigschwelliges Angebot für gemeinschaftliche Betätigung und soziale Begegnungen. Die Politik muss Räume für diese Form städtischen Miteinanders bereitstellen.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 04.12.2015