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Parkplatzabbau

CarSharing statt Doppelparker

Das Verwirrspiel um die Anzahl der Parkplätze am Rimbertweg geht weiter. Die Schiffszimmerer Genossenschaft teilt aktuell ihren Mietern mit, vom Bau der versprochenen 20 Doppeletagen-Stellplätze Abstand zu nehmen. Die Ablösezahlung für nicht gebaute Stellplätze erscheint ihr sinnvoller.

Auf schönem weißen, 120 g schwerem Papier erhielten die Mieter am Rimbertweg ein Schreiben ihrer Schiffszimmerer Genossenschaft. „Auf der ersten Seite steht nur Blabla, aber es war mir beim ersten Absatz schon fast klar, was die uns mit dem Schreiben mitteilen wollen. Und zwar, dass die Schiffszimmerer erst jetzt festgestellt hat, dass sich auch unter diesem Baugrundstück Moor befindet“, mailt uns eine Mieterin.

Die Schiffszimmerer formuliert das so in ihrem Anschreiben: „Im Zuge der fortlaufenden Bearbeitung des geplanten Baus der Tiefgarage mit Doppelparker ergab ein aktuelles geotechnisches Bodengutachten neue wichtige Erkenntnisse.“

Und tatsächlich, als Ausrede, dass den Bauherren die Grundwasserproblematik erst jetzt klar geworden sei, fügt die Schiffszimmerer sogleich hinzu: „ Das Gutachten darf nicht älter als sechs Monate sein und kann somit nicht pauschal im Voraus beantragt werden, weil Grundwasserstände stark variieren und sich auch innerhalb kürzerer Zeil bedeutend verändern können.“

Ach so! Dann hat die Schiffszimmerer Genossenschaft, als sie vor wenigen Monaten den Mietern vollmundig 20 zusätzliche Garagenplätze versprach, noch gar nicht ahnen können, dass dies mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden wäre.

Im September, anlässlich der Ankündigung des Baus der so dringend benötigten weiteren Stellplätze am Rimbertweg, ließen sich die Schiffszimmerer noch kräftig im Niendorfer Wochenblatt feiern: „Doch die Schiffszimmerer haben die Kritik der Anwohner ernst genommen und nach einer ‚bautechnisch gangbaren und wirtschaftlich vertretbaren Lösung‘ für mehr Stellplätze gesucht, wie Birka Friedrich, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, betont. Die Lösung sieht so aus: 20 zusätzliche Plätze in der Tiefgarage durch sogenannte ‚Doppelparker‘. Das heißt: Je zwei Fahrzeuge teilen sich per Liftsystem einen Stellplatz.“

Da blieb dann nichts mehr übrig von dem kritisierten Verhalten der Genossenschaft, die ihren Mietern die Garagenstellplätze nimmt, um dort weiteren Wohnraum zu schaffen. Wie Lokstedt online im Dezember letzten Jahres berichtete ergab nämlich eine Kleine Anfrage der Mitglieder der Bezirksversammlung, Klaus Krüger und Lutz Schmidt von der FDP-Fraktion zur "Stellplatzsituation in Lokstedt" folgende Situation:

„Derzeit vorhandene Stellplatzanlage 117 Stellplätze, davon 78 notwendige und 39 sogenannte nicht notwendige, also zusätzliche oder überzählige Stellplätze. Gebaut werden sollen 40 Wohneinheiten mit einem Stellplatzschlüssel von 0,8 Stellplätzen pro Wohneinheit. Es werden also zusätzliche 32 Stellplätze benötigt. Zusammen mit den 78 notwendigen Stellplätzen müsste die Schiffszimmerer Genossenschaft eigentlich 110 Stellplätze erstellen. Gebaut werden aber nur 90 Stellplätze. Es fehlen also 20 Stellplätze.“

Nur schwer konnte allerdings nach bekanntwerden dieser Zahlen die Schiffszimmerer ihre Bereitschaft vermitteln, für die nicht gebauten Stellplätze nach der Hamburgischen Bauverordnung Ablöse zu zahlen.

Auch um nach den diversen Skandalen der letzten Jahre, da wurde z. b. eine begehrte Wohnung an einen Prokuristen vermietet, endlich aus der Kritik zu kommen, wurde dann im September die Mär der geplanten Doppelparker erfunden. Man mochte sich offenbar nicht länger anhören, das Geld der Genossen für Strafzahlungen für nicht gebaute Stellplätze zu verschwenden.

Die Mieterin der Schiffszimmerer schreibt uns weiter in ihrer Mail: „Angeblich weiß man jetzt erst, wie teuer (sechsstellige Höhe) die zusätzlichen Baukosten wären, da zahlt man doch lieber freiwillig 78.000 Euro Ablösesumme für die entfallenen Stellplätze und lässt die Anwohner sehen, wo sie mit ihren Autos bleiben.“

Zusätzliche Kosten in sechsstelliger Höhe. Da hat die Genossenschaft nun eine gute Ausrede gefunden, vom Bau der Doppelparker doch wieder Abstand zu nehmen. Im Anschreiben an die Mieter heißt es: „Technische Anlagen, die vor Ort das Abpumpen, Filtern und Aufbereiten leisten, benötigen eine Stellfläche von rund 120 Quadratmeter direkt an der Baugrube. Die Kosten, die dafür sowie für die Rückleitung des gesäuberten Wassers ins Siel anfallen würden, werden auf mindestens 200.000 Euro kalkuliert und würden damit die bisher für die Doppelparker-Tiefgarage kalkulierten Baukosten von bereits rund 400.000 Euro erheblich erhöhen.“

Da ist es dann doch preiswerter „gegebenenfalls (…) für 13 Plätze eine Ablösesumme von 6.000 Euro pro Platz, d.h. insgesamt 78.000 Euro“ zu leisten.

Doch was die Schiffszimmerer verschweigt, die Baukosten der Tiefgarage sind nur ein kleiner Preis dafür, auf dem durch den Abriss der Garagen geschaffenen Baugrund 40 neue Wohnungen bauen zu können. Hier profitiert die Genossenschaft in ganz erheblichen Maße von der Politik der wachsenden Stadt, der gewollten Verdichtung. Und die Mieter am Rimbertweg dürfen die Folgen dieser verfehlten Politik doppelt tragen. Ihr Quartier wird verdichtet und man nimmt ihnen die Parkplätze.

Doch auch in solch schwerer Stunde ist die Genossenschaft noch bereit, ihren Mietern Trost zu spenden: „Wir bedauern sehr, von unserem gemeinschaftlich vereinbarten Planziel abweichen zu müssen und hoffen aufgrund der geschilderten Problematik auf ihr Verständnis. Wir werden uns weiterhin um Lösungen bemühen. Deshalb sind wir bereits mit dem CarSharing-Anbieter Cambio im Gespräch.“

Das ist dann doch wirklich tröstlich für die Mieter. Der Vorschlag der Genossenschaftsbosse wirkt auf manchen allerdings reichlich unverfroren: Die Stellplätze haben wir euch genommen, verkauft also am besten gleich eure Autos, denn wir haben für euch bereits ein CarSharing-Angebot eingeholt.

Darauf läuft es also hinaus: Autofreies Wohnen am Rimbertweg. Das ist natürlich eine Freude für so manchen Politiker der Grünen, die darüber in der Vergangenheit bereits öffentlich spekuliert hatten.

Doch was bei solchen Vorschlägen gerne vergessen wird. Autofreies Wohnen ist nur sinnvoll, wo die Wohnungen verkehrstechnisch gut erschlossen sind und nicht dort, wo als einzige Anbindung der 181er-Bus mit 10 km/h durch die Emil-Andresen-Straße eiert. Und: Die Mieter solcher Wohnprojekte sollten freiwillig autofrei wohnen.

Lokstedt-online-Artikel vom 25.12.2012
Lokstedt-online-Artikel vom 26.12.2012

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