Leserbrief

Diesen Herren ist wohl nichts heilig

Ich kenne das besagte Haus in der Vogt-Wells-Straße sehr genau – denn ich habe in dem Haus fast nebenan meine Kindheit verbracht...Nr. 22. Als Kinder haben wir bei Bäcker Albers Kuchenreste, Pfefferminzbruch, Rumkugeln und Ähnliches ergattert.

Es ist schon sehr bedauerlich, dass dieses Haus abgerissen werden soll. Hat nicht Herr Schill, der mit seiner Partei dort einzog, das Haus instand gehalten? Oder sogar noch weiter heruntergebracht? Fragen sie doch einmal seinesgleichen. Damals war er doch noch gut Freund mit...Herrn Ole von Beust.

Diesen Herren ist wohl nichts heilig (letzterer ist ja wohl nicht unerheblich an der greulichen Elbphilharmonie und der vollkommen ungemütlichen Hafencity schuld). Ich verstehe noch, dass man nach dem Krieg egal wie gebaut hat. Aber die Vogt-Wells-Straße wurde dauernd "umgebaut". Diese grünen Fassaden passen auch nicht in das Straßenbild. Man hat dieses systematisch "verhunzt“. Auch mit dem Bau neben der Feuerwehrwache.

Es reicht.

Wann begreifen wir, dass man nicht irgendwie bauen sollte, sondern den Charakter einer Stadt / eines Stadtviertels erhalten kann, auch wenn man neu baut?

Ich habe selbst unsere jetzige Regierung mitgewählt und bin entsetzt, wie fürchterlich über den Kopf der Bevölkerung sich hinweggesetzt wird und auf Deubel komm raus gebaut wird. Mich hat das Schicksal nach Stellingen verschlagen – dort sieht es mindestens ebenso schlimm aus wie in Lokstedt (ein anderes Beispiel wäre die Grelckstraße...Ojee).

Es gibt sie noch, die alten Lokstedter, die – ein Segen – immer noch bei Behrmann am Siemersplatz einkaufen... Seit über einem Jahrhundert! Aber wenn es so weiter geht, verlieren die Stadt und alle Stadtteile allmählich ihre Seele...

Was kann man tun? Wenn Geld für die Hafencity da ist, dann wohl auch für ein paar beseelte Architekten, die ein Haus entkernen und einigermaßen hübsch auch innen wieder planen könnten.

Peggy Schulz

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© Lokstedt-online.de 15.02.2013