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Kupferdiebe

Sie machen vor nichts halt

Auch in Lokstedt sind sie unterwegs. Dreiste Diebe demontierten letzte Woche in der Vogt-Wells-Straße zwei Fallrohre aus Kupfer. Das Einzelhaus steht direkt an der vielbefahrenen Straße, die Täter müssen bei ihrer Tat gesehen worden sein.

Im Vorgarten lag ein Dichtungsring aus Gummi. Der Bewohner Helmut B. hatte ihn schon dreimal im Vorbeigehen gesehen und dabei nur kurz gedacht: „Wer hat das da wieder hingeworfen?“ Man glaubt ja gar nicht, was einem die Fußgänger so alles im Vorbeigehen in den Vorgarten werfen. Bierdosen sind - Dank Jürgen Flaschenpfand-Trittin - allerdings seltener geworden.

Der Tag war hektisch genug gewesen, abends wollte B. seine Ehefrau noch aus dem Krankenhaus abholen, ein Knöchelbruch war operiert worden. Dennoch nahm er sich am diesem Freitagnachmittag gegen 16.45 Uhr die Zeit den vermeintlich herrenlosen Gummiring aufzuheben. Auf dem Weg zur Mülltonne ging ihm dann allerdings ein Licht auf. Ihm dünkte, er selbst könne der Besitzer des Gummirings sein. Es sei so merkwürdig leer an seinem Hauseingang gewesen, als ob da irgendetwas fehlen würde, gab er wenig später den herbei gerufenen Polizisten zu Protokoll.

Genau lässt sich der Zeitpunkt der Tat nicht mehr ermitteln. Irgendwann zwischen Mittwoch dem 22.04.2015 und Freitag dem 24.04.2015 wurden die Fallrohre rechts und links der Haustür demontiert. Sollten Sie die Diebe bei ihrer dreisten Tat beobachtet haben, können Sie sachdienliche Hinweise dem Polizeikommisariat 23 unter Tel. 4286 52310 melden (AZ: 023/1K/270763/2015).

Kupferklau wird für Diebe immer lukrativer

Auch vor Kunst machen Buntmetall-Diebe in der Hansestadt nicht halt. Bereits verschiedene Skulpturen wurden nachts in Parks abmontiert. Radio Hamburg etwa schreibt dazu: „Metalldiebe sorgen in der Stadt immer wieder für Ärger: So haben sie zum Beispiel schon an den Deichtorhallen, am Harburger und am Wilhelmsburger Rathaus, am Bergedorfer Schloss und mehrere Kirchen der Stadt die Kupfer-Regenrohre abmontiert. Mehrfach ist auch der Bahnverkehr unterbrochen gewesen, weil Kupferkabel an Bahnanlagen abmontiert worden sind.“

Die steigenden Metallpreise machen solche Diebstähle lukrativ. Zwei nackte Füße im Schnee waren alles, was von der 130 kg schweren „Eva-Skulptur“ beim Rahlstedter Ortsamt übrig blieb - das war 2010. Damals kostete die Tonne Kupfer noch 2.000 Euro. Seither ist der Kupferpreis förmlich explodiert. 13.000 Euro beträgt der Wert einer Tonne reinen Kupfers mittlerweile - man nennt Kupfer daher bereits rotes Gold.

In Deutschland kaum absetzbar

Schrotthändler zahlen allerdings höchsten drei bis fünf Euro für das Kilo und für die Täter dürfte es auch zu diesem Preis schwer sein, ihr Diebesgut in Deutschland loszuwerden - zumindest in großen Mengen. „Ich glaube nicht, dass deutsche Schrotthändler das kaufen“, sagt Michaela Hessling, Sprecherin der Kupferhütte Aurubis gegenüber der Mopo.

Und so sind es dann auch überwiegend Banden mit guten Beziehungen ins Ausland, die diese Taten verüben:

  • So wurden etwa am Wochenende in der Martinistraße in Eppendorf fünf aus Rumänien stammende Männer im Alter von 22 bis 30 Jahren festgenommen, die in das leerstehende ehemalige Bethanien-Krankenhaus eingebrochen waren. Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, hatten die mutmaßlichen Diebe bereits Kupfer zum Abtransport bereitgestellt. Vier der fünf Männer werden dem Haftrichter vorgeführt, der fünfte Täter blieb in der Martinistraße, nämlich im UKE, weil ihm auf der Flucht Polizeihund Akfa in die Leiste gebissen hatte.
  • Oder in Hamburg-Harburg: Dort hat die Bundespolizei eine Bande Kupferdiebe auf frischer Tat ertappt. In einer Lagerhalle der Deutschen Bahn hatten drei Männer mit einem Bolzenschneider rund 200 Meter Kupferkabel von einer Kabeltrommel abgeschnitten. Ihre Beute hatten sich die Männer auf den Rücken geschnallt. Ein 22-jähriger Rumänen wurde festgenommen. Seine Mittäter sind entkommen.
  • Nach einem Kupferdiebstahl in Uelzen konnten Einsatzkräfte der Polizei insgesamt zwölf Männer und eine Frau auf frischer Tat festnehmen. Der serbisch-slowenischen Tätergruppe im Alter zwischen 23 und 43 Jahren aus Hamburg werden insgesamt mehr als 15 Buntmetalldiebstähle und Einbrüche im großen Stil im norddeutschen Raum vorgeworfen.

Ein Trost bleibt Hausbesitzern die sich schützen wollen. Mittlerweile hat die Polizei ein Verfahren entwickelt, um Kupferdieben ihre Taten nachzuweisen. Sie markiert gefährdete Kupferteile mit einer künstlichen DNA, die sich auf die Diebe überträgt und sich auch nach Wochen noch nachweisen lässt. Familie B. wird ihre neuen Kupferrohre allerdings nicht mit künstlicher DNA benetzen. Für ein Einfamilienhaus ist das Verfahren viel zu aufwendig.

So werden Hausbesitzer weiter mit der Unsicherheit leben müssen. Und nicht nur dies. Der Diebstahl der Regenrinnen bedeutet nicht nur den Verlust von einigen Kilo Kupfer. Bis der Dachdecker neue Regenrinnen montiert, plätschert Regenwasser einfach so vom Dach runter und läuft an der Hauswand endlang in den Keller. Deshalb hat der Dachdecker erstmal einen Schlauch verlegt, um die Regenrinne mit der Kanalisation zu verbinden.

Und nach der Reparatur folgt der Schreibkram mit der Versicherung und am Ende bleiben auf Monate, bis die neuen Rohre Patina haben, zwei blitzeblanke Fallrohre die wie ein Fremdkörper aussehen und Dieben sofort ins Auge fallen.

www.radiohamburg.de
www.az-online.de
www.abendblatt.de
www.mopo.de

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© Lokstedt-online.de 30.04.2015