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Nur Hier

Großfeuer legt Lokstedt lahm

Am Montagnachmittag erlebten wir ein brennendes Inferno. Dichte Rauchschwaden waberten über Lokstedt, den Anwohnern wurde geraten Fenster und Türen geschlossen zu halten und der Straßenverkehr auf den stark befahrenen Straßen brach zeitweise komplett zusammen.

„Mutti, ist dir das Essen angebrannt?“ So wurden dutzende Lokstedter Hausfrauen zu unrecht beschuldigt. Doch nach und nach richtete sich die Aufmerksamkeit der Spürnasen nicht mehr auf die Küche. Nicht enden wollende Martinshörner, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu hören waren, brachten die um ihr Mittagessen besorgten Ehemänner dazu, aus dem Fenster zu schauen. Schnell wurde klar: Da ist weit mehr als ein Kochtopf angebrannt. Eine weithin sichtbare, riesige Brandwolke schwebte über der Großbäckerei „Nur Hier“ in der Niendorfer Straße.

Nicht nur die Feuerwehr-Leitstelle in Hamburg erreichten ab 14.02 Uhr des 30. Juni 2014 eine Vielzahl von Anrufen, die eine brennende Lagerhalle meldeten. Und da solch ein Großfeuer auf die Menschen eine riesige Faszination aus übt, verbreitete sich die Meldung zusätzlich auch unter der Lokstedter Bevölkerung über alle Medien: Per SMS, Mail und Telefon machten sie sich gegenseitig auf das Geschehen aufmerksam.

Auch bei Lokstedt-online gingen am Montag laufend Mitteilungen ein. Darunter allerdings auch Fehlmeldungen wie diese: „Schwingen Sie sich auf Ihr Fahrrad, im Grandweg brennt es!“

Schon vor der Haustür in der Vogt-Wells-Straße bekamen wir die riesige Rauchwolke hinter dem Von Eicken-Park zu sehen. In Richtung Grandweg allerdings strahlend blauer Himmel.

Aufgrund der Wetterlage stieg der Rauch nicht auf, sondern breitete sich bodennah aus, beissender Brandgeruch machte sich breit. In Rundfunkdurchsagen wurden die Bewohner der Stadtteile Lokstedt und Stellingen dazu aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Trotzdem machten sich dutzende Schaulustige zu Fuß und mit dem Rad auf zur Niendorfer Straße. Auf dem Weg dort hin, gleichsam als Richtungsweiser, immer die riesige Brandwolke in Sicht.

Vor Ort

In einer 500 Quadratmeter großen Produktions- und Lagerhalle der Großbäckerei war Feuer in einem Bereich ausgebrochen, in dem die Plastikkisten zum Transport der Brote automatisch gewaschen werden. Anfangs versuchten die Mitarbeiter noch, den Brand mit Handfeuerlöschern unter Kontrolle zu bringen, jedoch ohne Erfolg. Zum Glück entschied man sich noch rechtzeitig, sich doch lieber vor den Flammen auf die Straße zu retten.

Die Mitarbeiter meldeten sich an der Personalsammelstelle am Versorgungswagen in der Niendorfer Straße Ecke Hinter der Lieth und Geschäftsführers Axel Nauser konnte kurz darauf vermeldeten: “Alle Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen.“

Allerdings erlitten zwei Mitarbeiter und ein Passant, wie sich später herausstellte, leichte Rauchvergiftungen und wurden ambulant im Krankenhaus behandelt.

Die Feuerwehr war mit fast 100 Männern der Feuerwehren von Lokstedt, Altona und Berliner Tor im Einsatz und die stießen zunächst auf Probleme. „Kurz nach dem Eintreffen erhöhte der Zugführer 16 auf FEU2 und ca. 7 Minuten später auf FEU3 (dritte Alarmstufe)“, so der Internet-Dienst Fireworld.

Große Gefahr ging zudem von der einsturzgefährdeten Halle aus. Gerne hätte die Einsatzleitung die Halle mit einem Radlader des THW niederreißen lassen. Doch der Radlader konnte jedoch nicht eingesetzt werden, da nach Begutachtung durch einen Statiker die Decke der unter der Halle liegenden Tiefgarage nicht befahrbar war. Um den dringend notwendigen Abriss der Brandruine dennoch durchführen zu können, beauftragte die Bäckerei ein Spezialunternehmen, dass bereits in der Nacht zu Dienstag mit den Arbeiten begann.

Auch die Wasserversorgung gestaltete sich schwierig. Trotzdem konnte die Brandbekämpfung schließlich mit 3 Wasserwerfern durchgeführt werden und die Feuerwehrmänner konnten das Feuer von zwei Seiten in die Zange nehmen - sowohl in der Niendorfer Straße als auch Beim Opferstein standen die Feuerwehrleute hoch oben auf ihren riesigen Leitern. Ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude konnte verhindern werden

Ein Passant berichtet: Als Beim Opferstein 3-7 auf dem Garagenhof gelöscht wurde, gab es plötzlich einen großen Knall. Dann loderten die Flammen nach oben aus dem Gebäude heraus und ein Wärmestrahl kam uns entgegen. Doch wie ein Sprecher der Feuerwehr beruhigt, die Bevölkerung in der Umgebung war zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Nach wenigen Stunden hatten die Feuerwehrmänner das Feuer unter Kontrolle. Doch es dauerte insgesamt 16 Stunden, also bis in die frühen Morgenstunden, bis das Feuer endgültig gelöscht war.

Für die Löscharbeiten wurde die Niendorfer Straße zwischen der Kollaustraße und Hagendeel sowie diverse Seitenstraßen zwischenzeitlich gesperrt. „Die Autofahrer wurden umgeleitet“, so ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale. Davon war auf den Straßen Lokstedt allerdings wenig zu sehen. Zunächst brach der Straßenverkehr im näheren Bereich um die Absperrung zusammen, nach und nach dann im gesamten Stadtteil.

Am morgen danach war die bange Frage: Bekommen wir bei Nur Hier nun überhaupt noch Brötchen?

Da allerdings die eigentliche Produktionshalle und der ganze Stolz der Bäckerei, die elf historischen Holzöfen, nicht beschädigt wurden, konnte bereits, während nebenan noch die Lagerhalle gelöscht wurde, der Backbetrieb wieder aufgenommen werden. Die durch den Brand zerstörte Versandhalle bereitete allerdings logistische Probleme bei der Auslieferung der Ware.

In der Filiale am Siemersplatz jedenfalls war am nächsten Morgen das Warenangebot wie üblich. Die Verkäuferin: „Die Lokstedter Filialen wurden beliefert, wie an jedem Tag. In den anderen 100 Filialen ist teilweise der Mutterkonzern ‚von Allwörden‘ eingesprungen.

Brandursache und Schadenshöhe sind noch unklar. Am Mittwoch wollen daher Ermittler in den Trümmern der abgerissenen Halle mit der Suche nach der Brandursache beginnen. Ein Bagger soll dafür Schicht um Schicht abtragen.

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© Lokstedt-online 02.07.2014