Orkantief Xaver

Weder Kyrill noch Christian

Die frische Erinnerung an den Sturm „Christian“ Ende Oktober und die Sorge der Innenbehörde vor einer Sturmflut führten zu einer Überschätzung des heraufziehenden Orkantiefs „Xaver“. Der Nikolaus-Sturm beschert Kindern schulfrei und das Bezirksamt Eimsbüttel schließt Behörden mit Publikumsverkehr frühzeitig.

Kyrill Genow aus Neuenhagen hatte die zweifelhafte Ehre als Namenspate für den Jahrhundertsturm „Kyrill“ herzuhalten. Seine Familie wollte ihm eine Freude zum 65. Geburtstag machen. Eigentlich wollten sie ihm ein Hoch kaufen, aber die waren im Jahre 2007 weiblich. Der Sturm, der dann seinen Namen trug, fegte mit 225 Stundenkilometern über Europa und traf auch Deutschland mit voller Wucht.

Eine Namenspatenschaft wollte dieses Mal niemand übernehmen. So wurde der sich ankündigende Orkan einfach nach dem aktuellen Kalenderheiligen Xaver benannt. Das bedeutet im baskischen so viel wie „neues Haus“. Ein solches brauchte sich aber nach dem Sturm niemand zu bauen. Insgesamt blieb der Orkan Xaver doch eher harmlos, wurde überschätzt.

Im Gegensatz zu den Stürmen Kyrill und Christian, die 13 bzw. sieben Menschenleben in Deutschland forderten, waren nach dem Sturm Xaver zum Glück keine Toten zu beklagen. Und auch die Sachschäden hielten sich in Grenzen. So vermeldet die Hamburger Feuerkasse nach dem Sturm Christian rund 6.000 Schäden mit einem Volumen von sieben Millionen Euro. Der Sturm Xaver richtete hingegen „nur“ 2.000 Schäden mit einem Volumen von zwei Millionen Euro an. Kyrill hingegen richtete europaweit einen mehrere Milliarden Euro hohen Schaden an, der forstwirtschaftliche Schaden war unermeßlich.

So war es wohl beim Orkan Xaver letztlich die Windrichtung, die bei den Verantwortlichen Sorgen aufkommen ließ. Er sollte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h Wasser aus der Deutschen Bucht in die Elbe drücken, daher wurden ähnliche Wasserstände wie bei der verheerenden Flut von 1962 vorhergesagt. Damals waren die Deiche allerdings noch deutlich niedriger.

Auch die Zahl der Sturmschäden, die der FF Lokstedt gemeldet wurden, erreichte nicht annähernd die des Orkans Christian. Im Oktober wurden innerhalb von 24 Stunden 31 wetterbedingte Einsätze im Halbstundentakt abgearbeitet.

Allerdings entfielen auf den Orkan Xaver immerhin 16 Einsätze. Gleich zu Beginn des Sturmes musste eine vom Dach zu stürzen drohende Fotovoltaikanlage in der Vizelinstraße gesichert werden, danach folgten die üblichen Verdächtigen: Tannen, Birken und Dachziegel machten der Feuerwehr die meisten Sorgen.

Herausrangendes Ereignis: In Groß Borstel drohte eine 18 Meter hohe Tanne nebst Wurzelteller unkontrolliert umzufallen. Die herbeigeeilten Feuerwehrmänner sorgten sogleich für den kontrollierten Fall. Weitere Einsätze konnten ebenfalls mit der Kettensäge bewerkstelligt werden. Zwischendurch drohten dann noch in Eppendorf Sommerschutzlamellen und in der Alten Rabenstraße ein Brandschutzfenster abzustürzen.

Als letzten Einsatz konnte die FF Lokstedt dann noch einen Einsatz auf heimatlichem Terrain verbuchen. Ein Baumstamm versperrte den Durchfluss der Kollau, er wurde zerteilt und entfernt.

Die relativ geringe Anzahl der Einsätze, da waren sich die Feuerwehrleute einig, war auch auf den Sturm Christian zurück zu führen. Der hatte sechs Wochen zuvor bereits alles morsche Geäst beseitigt.

Für das neue Jahr hoffen wir insgesamt auf eher glimpfliche Stürme, denn mit dem Jahreswechsel ändert sich turnusgemäß auch die Namensgebung für Hochs und Tiefs. 2014 bekommen Tiefs weibliche Namen - das kann dann nur ein gutes Jahr werden.

www.fflokstedt.de

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© Lokstedt-online 03.01.2014