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Orkantief Christian

Flex und Kettensäge im Dauereinsatz

Am letzten Montag im Oktober wurde auf Helgoland die höchste je auf der Nordsee die gemessene Windgeschwindigkeit erreicht: 191 km/h. In ganz Norddeutschland wurde der Schienen- und Flugverkehr durch einen Orkan lahmgelegt, unzählige Bäume fielen um.

Ab 15.00 Uhr ging gar nichts mehr in Fuhlsbüttel. Die Maschinen stundenlang auf dem Vorfeld des Airport Hamburg, die Züge warteten in den Bahnhöfen oder auf offener Strecke, wenn umgefallene Bäume ihnen die Einkehr in den nächsten schützenden Bahnhof verwehrten.

Insgesamt kamen am 28.10.2013 in Deutschland sieben Menschen durch die heftigen Stürme ums Leben, europaweit waren mehr als 20 Menschenleben zu beklagen.

Im Stadtgebiet von Hamburg stürzten ab Mittag mehr als 140 Bäume auf die Straße, viele Autos wurden beschädigt. In der Roonstraße flog sogar ein komplettes Dixie-Klo im hohen Bogen durch die Luft und hinterließ am Ort der Landung hässliche Flecken auf dem Straßenbelag. Eigentlich eher ein Einsatz für die Straßenreinigung.

Die Hamburger Feuerwehren hatten insgesamt mehr als 170 wetterbedingte Einsätze, daher wurde schon am frühen Nachmittag der Ausnahmezustand ausgerufen, um auch auf die Freiwilligen Wehren zurückgreifen zu können,
Wir interessieren uns natürlich dafür, wie die FF Lokstedt diesen Tag erlebte. Denn es wurde auch in Lokstedt so mancher Baum umgeknickt, Mülltonnen und Baustellenzäune – davon stehen ja in Lokstedt mehr als genug - über Straßen gewirbelt.

Inzwischen ist die Feuerwehrleitung dazu gekommen alle Einsatzmeldungen abzuarbeiten und zu veröffentlichen, so dass sich das Ausmaß der Schäden einschätzen lässt.

Es wurden am Montag von der FF Lokstedt innerhalb von 12 Stunden im Halbstundentakt 24 wetterbedingte Einsätze abgearbeitet. Am Dienstag mussten die Feuerwehrmänner dann noch sieben Mal ausrücken. Es handelte sich zumeist um umgefallene Bäume oder Bäume die drohten zu fallen. Ebenso drohten und waren bereits Dachziegel von Hausdächern gefallen oder sogar ganze Hallendächer. Die Einsatzstellen befanden sich in Lokstedt, Eimsbüttel, Eidelstedt, Schnelsen, Niendorf, Hoheluft, Alsterdorf und Ottensen. Im Gegenzug haben umliegende und auch die Berufs-Feuerwehren Einsätze in Lokstedt übernommen, wenn unsere Lokstedter Feuerwehr bereits mit beiden Fahrzeugen an Einsatzstellen gebunden war.

Die Ruhe vor …

Der 28. Oktober begann früh um 08.23 Uhr mit einer Feuermeldung in der
Sillemstraße in Eimsbüttel, bei der ein Holzbrett auf einem eingeschalteten
Herd brannte.

Um 11.46 Uhr wurden gemeldet, eine Person befände sich hilflos im Isekanal, was sich als Fehlalarm herausstellte.

…dem Sturm

Im direkten Anschluss an diesen Fehlalarm wurde die FF Lokstedt zum ersten Sturmeinsatz nach Stellingen (11.58 Uhr Wieckstraße / Jaguarstieg) beordert. Ein 20 Meter langer Baum war von einem Privatgelände auf den Gehweg und die Straße gefallen, er blockierte beide. Zudem wurde ein parkender PKW beschädigt, Personen wurden nicht verletzt. Der Baum wurde mit Kettensägen zerkleinert und beiseite geräumt.

Ab 13.45 Uhr waren dann wegen der Vielzahl der Einsätze beide Löschfahrzeuge getrennt voneinander unterwegs. Um 16.58 Uhr ein erster Einsatz in Lokstedt. Im Siebenschön war ein Baum auf ein Auto gefallen. Er wurde durch die Feuerwehrkräfte mit der Kettensäge zerkleinert.

Vierzig Minuten später im Meyermannweg. Dieselbe Situation, diesmal hat der Baum allerdings gleich drei PKW unter sich begraben. Der Baum wurde mit der Kettensäge zerkleinert.

Gleich darauf, um 18.12 Uhr in der Gärtnerstraße, drohte ein
Metalldach herunterzufallen. Die Dacheinfassung wirkte bereits bedrohlich lose und wurde durch die Feuerwehrkräfte abgeflext.

Bereits 20 Minuten später droht ein großer Ast eines Baumes in der Straße „Bei der Lutherbuche“ abzubrechen. Bei Ankunft der FF Lokstedt wurde der Einsatz aber bereits von einem anderen Team abgearbeitet.

Also direkt weiter zur Emil-Andresen-Straße. Ein Baum lag auf einer Fahrradgarage. Ein erneuter Fall für den Mann mit der Kettensäge.

Es ist mittlerweile 19.15 Uhr. Nächster Einsatz, wie praktisch, ebenfalls in der Emil-Andresen-Straße. Eine große Birke war auf zwei Autos und das Dach eines Hauses gefallen.

Um kurz vor acht dann mal kurz rüber nach Groß Borstel. Auf dem Tarpenbek-Wanderweg liegt ein großer Baum zwischen Sportplatz und Kellerbleek. Der Baum wurde fachmännisch mit der Kettensäge zerlegt und an der Seite gelagert.

In diesem Takt ging es bis weit nach Mitternacht weitern. Am Folgetag wurden dann noch mal sieben Einsätze abgearbeitet, unter anderem wurde ein Baum, der auf die Gleise der U1 (Hudtwalckerstraße) zu fallen drohte, gefällt und entfernt.

Die Feuerwehrmänner waren am Ende hundemüde, aber doch insgesamt froh, dass alle Vorfälle glimpflich abliefen und im Einsatzgebiet keine Personen zu Schaden kamen.

Wehrführer Peter Kleffmann rät allen Lokstedtern für die Zukunft zur Vorsicht: "Also grundsätzlich in der Stadt ist man natürlich nie ganz davor gefeit. Überall stehen Häuser, überall stehen Bäume. Das heißt, so richtig schützen kann man sich da nicht. Vielleicht sollte man gerade sein Auto nicht unter einem Baum abstellen, der einem schon verdächtig vorkommt."

In Anbetracht der vielen am Bordstein parkenden Autos und der wenigen Abstellmöglichkeiten ein frommer Wunsch, wo man doch heutzutage im Allgemeinen froh ist, überhaupt irgendwo sein Auto lassen zu können.

Auch wenn der Tipp also wenig praktikabel erscheint, danken die Lokstedter dem Eimsbütteler Bürgerpreisträger Peter Kleffmann und seinen Kameraden von der FF Lokstedt für ihren unermüdlichen Einsatz an Flex und Kettensäge.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 19.11.2013